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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 15. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 15.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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£Cfltnjuuinbt delegtrten Mitglied«, au« «ix« Borstand»«ttolttd de» WohlthLtigkeitSvereine» u,d vier von der Versammlung gewählten Herren. E« sind bereit» namhafte Summen gtjeicknet. — Luch die «ngelegenheit der Erbauung eine» neuen Hause» für di« R«ligion»schul« muß demnächst ,u einer üutscheidung kommen. L» ist bereit» ein Platz erworben, vm der Stadt für ei» billige« hergeaeben worden, nun muß äier, der Bauordnung gemäß, der Bau bald in Angriff genommen oder da« Grundstück anderweitig begeben werden. Die jetzige Lag« der Geschäfte, der Dinge überhaupt, läßt e» vielen bedenklich erscheinen, die Gemeind« gerade jetzt weiter t* belasten oder zu engagiren. Der Beschluß kann, wie gesagt, nicht lange mehr hinau«geschoben werden. Stuttgart. Gelegenheitlich der höchsten Feier de» Geburt»- ta ze« Sr. ft. Majestät unsere« ftönig» ftarl wurde dem ftirch.nrath Dr. Wassermann, Rabbiner in Stuttgart und theologische« Mitglied der ft. J»ra«l. Oberkirchenbehörde, die erste ftlrsse de» Friedrichsorden» verliehen. — Herr Obertribunal- Piokurator Leopold ftaulla, Mitglied der Hofbank-Direction, erhielt den Titel und Rang eine» Geheimen Hofrath«. Wie». Hiesige Blätter berichten autführlich über einen lange Zeit hindurch fortgesetzten raffinirten Diebstahl, welcher «überholt an der Armenbüchse de» alten Templ« in der Stadt begangen worden ist. Ein gutgekleideter Herr hatte sich nämlich tagtäglich frühmorgens zum Gotte»dienft ringefunden, worüber der Schamme« Schnitzler große» Vergnügen empfand. Der alte Jtzig jedoch, ein (bezahlter) Minjan-Mann, wa: anderer Ansicht. Ihm gefiel der fremde fromm« Mann nicht, oder vielmehr seine »RoS gefiel ihm nicht" — wie Ret Jtzig sich au«drückte, denn er hielt ihn für einen »Goj", wäliren» Herr Gchnitzler der Meinung war, der feine ftemde Herr mit dem »Gojim-Geficht" sei ein »Ger" (Proselyt) So kam nuu der Unbekannt« täglich zum Krühgotte»- dievst, er hielt sein Gebetbuch in der Hand, klopfte sich an die Brust, wenn die Anderen klopften, beugte sein Haupt, wenn die Andern e» beugten, und geberdete sich, so weit e» seine christlich-germanische Rase überhaupt gestaltete, wie eia ftouimer, betender Jude. Doch »di« Ros gefällt mir nicht" — dabei blieb der alte Reb Jtzig, und chm gefiel auch manche» Andere nicht bei xm ftommthuendea Manne. Reb Jtzig wollte unter Ander»! bemerkt haben, daß der Unbekannt« eigentlich gar nicht bete sondern nur seine Lippen bewege, u. drgl. m. E» blieb aber lange Zeit dabei, bi» e» endlich auffiel — so erzählte dann Hr. Gchnitzler vor Gericht — daß er nach dem Gottesdienst sich immer in der Rähe der beiden Opferstöck« gehalten und so g:chau hat, al» ob er die Lnzeigea der ftultuSgemeinde, die über den Opferbüchsen angebracht find, lesen wolle. Tagtäglih hat er oieselbeu Anzeigen gelesen. Wie kann man dieselben Anzeigen so oft lesen? Solche Anzeigen liest ja kein Men ch!'—J Eine» Tage» sah ich, wie der fremde Mann am Opferstocke arbeitete. Er lief davon, wir liefen ihm nach, er entkam un» jedoch. Al» ich zum Opferstock zurück kam, sah ich in drr Oeffnung einen Gulden heraushängen; am Boden fand ich eia mit Bogelleim bestrichene» Drahtstück." i5o hatte man endlich den Schlüssel zu der rächselhaften Frömmigkeit, nachdem der Fremd« die Opfergelder ohne Schlüssel giholt hatte. — Heber Herkunft- und Consesston hatte Reb Jtzig fich nicht getäuscht. Der Dieb trieb sein Geschäft übrig m» confesnonSlo», er hatte auch schon t« ftirchea Opferstöcke heimgeiuchl und erhielt dafür eia Awersum von 13 Mom ten schweren fterker».!?o» der polu-rnffische» Grenze. Um dem Schmuggel-Unwesen an »er Grenze, welches namentlich von Polnischen Juden b-trieben wird, ein Ende zu machen, ist in Regierungskrisen allen Ernstes der Vorschlag gemacht worden, die ganze jüdische tz renzbrvölkerung nach Sibirien zu schicken, ftann man nun auch nicht die gesammte Bevölkerung ohne Weiteres ihrer Heimath entreißen, so soll doch die Absicht bestehen, alle direct oder iadirect bei« Schmuggel betheiligten Prrsene« zur dauernde» Ansiedelung nach Sibirien zu verbannen. (Magd. Zeit.) R»«a»d. Ein interessanter Proceß wird vor den Schranken de« Ostrogo'schen ftret«gertcht« im russischen Gouvernement Charkow verhandelt werden. In einigen Dörfern de» Pa«» lower Bezirke» wurden 400 Leute festgenommen, welch« der Secte der sogenannten Judenchristen angehöreu. Diese Seetirer, welche in der zweiten Hälfte de» vierzehnten Jahrhuudert« von ftiew nach Groß-Roiogorod kamen, fanden unter Ezar Iwan HI. in Mo«tau, diesem Eldorado drr Sectirer und großrussischen Anschauungen, außerordentlich« Verbreitung. Der Eharkower Gerichtshof hat nun in Anbetracht, daß, wen» man alle dortigen »Jüdler" bestrafen wollte, die ganzen Dorfbevölkerungen nach dem ftaukasu» übergefidelt werden müßten, nur gegen vierzig dieser judaifirenden Häreliker die Anklage erhoben, di« übrigen aber entlassen. Brüssel. Die Angelegenheiten de» Judenthum« in Belgien entwickeln sich Gottlob trefflich; die Gründung eine» israelitischen AlterversorgungShauseS in Brüssel bietet dafür einen neuen Beweis. Herr O.-Rabbiner Astruc hat rasch und leicht 15,000 Frc». in kleinen Gaben zusammengebracht. Er ist zu seinen Glauben»genoffen gegangen und hat ihnen Theilstücke eines rabbinischen Anlehen« ohne Zinsen, Ziehungen oder irgend welch« Tilgung augeboten, jedoch mit dem versprechen, im klebrigen seine Verpflichtungen dabei gewissenhaft erfüllen zu wollm — man hat gelacht und gegeben; e» ist immer da» alte jüdisch« Herz. So hat man denn zunächst ein Hau» gemiethet, ein Eomite ernannt, und nach 6 Wochen war die Anstalt eröffnet und eingeweiht, wobei e« an sehr schönen Reden, die hier aber mehr al» Reden bedeuteten, nicht gefehlt hat. Auch mit der Erbauung einer neuen Synagoge geht e» vorwärts. Die Provinz gibt dazu 50,000 Frc»., die Stadt 100,000, die Regierung 100,000, die Gemeinde hat 200,000 gezeichnet. Es wird sonach bald der Grundstein gelegt werden können. (Un. 3»t. London Dr. Herm. Adler hat in einem Vereine einen Bortrag »über Geldoerleihen und Wucher" gehalten, welcher von der »Gesellschaft zur Verbreitung religiöser ftenntniffe" gedruckt worden ist. Der kleine Bortrag bespricht zunächst den Text 2. Mos. 22, 15 und weist den Jrrthum zurück. al« ob daselbst »Wucher" mit Richtjudeu gestattet sei. Auch das englische Wort Usury habe vormal« nicht Wucher bedeutet, sondern Ziu» überhaupt, auch den kleinsten. Ganz so sei eS mit dem entsprechenden hebräischen Worte. E» wird dann eine eindringliche Warnung und Abmahnung gegen Chillul häschern Hinzugesügl. London. Der (konservative) »Standard" läßt fich von Wien au» schreiben, oder, wie »Ino. World" sagt, sein dortiger Correspondent läßt bei Besprechung de» Ofenheim-Prozesscs seinen Spleen folgendermaßen au»: „Neunzig Procent der Börsmspeculanten, Gründer und Bankdireftoren find Juden, und doch sind bi» jetzt nur Ehristm gerichtlich belangt worden. sAlso sind erstere verhältnißmäßig noch die ehrlichsten, die Braunen unter den Mohren, würde ein Anderer schließen.) — Seit das Ministerium Auersperg in Funftion trat, sind beinahe 3000 Zeitungsblätter confiScirt worden; 75 Procent der österreichischen Journalisten sind Juden, dennoch ist kein Prozeß gegen einen Juden eingeleitet worden, sondern nur gegen die mengen einflußreichen christlichen Journalisten. Bon allen uuler dem früheren Ministerium oerurtheilten Journalisten ist nur einer begnadigt worden, und der Eine ist ein Jude gewesen." — Ohne Zweifel hat fich der Correspondent des Sehrohrs au» der Florian scheu Fabel bedient und hat, je nachdem, durch das vergrößerungs- oder NerkleinerungSglaS gesehen. Am Schlüsse der Diatribe sagt er: »D i e M i n i st r r der Justiz und der Presse (?!) sind Juden." sE» sollen zwei österreichische Minister von Juden abstammen. Da» ist MeS.j

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