Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 15.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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£t'. diese* Blättern abgedrnckt wurde, fand bei nichtjüdischen Geist- » lichen groben Beifall, und sie sprachen ih« wegen seine» ' 'MutheS ihren Dank avr. Aber von jüdischer Seite wurde, «ach den, Ansspruche de« Propheten VI "pi'irrai -poina. ' der Erlaß samoit den, Rabbiner stürmisch angegriffen, und F benutzte der Käurpser die Gelegenheit, dem Judenlhuine Seilenhiebe zu ertheilen, die da- Herz derselben verletzten. DaS Attentat geschah nicht auf jüdischem Gebiete, in einer jüdischen Zeitung, sondern eine politisch« anti-orthodoxe Zeitung wurde r zum Kampfplatz« gewählt. Zuerst erschien ein Artikel unter der Lhiffrc K. im hiesigen „Courier", in dem der erste Angriff der Person der Rabbiner« galt, weil derselbe in der Instruction von Verzichtleistung aus Traugebühren nicht gesprochen, folglich habe ihn nur der Eigennutz zunl Rundschreiben veranlaßt. Darüber wollen wir aber kein Wo« verlieren, v da e« in unserer Provinz wohl bekannt ist, wie unfern Rabbiner solche Verdächtigungen nicht treffen können, und wollen wir daher nur die andern Angriffspunkte einer Besprechung unterziehen. (Schluß folgt.) Kriedberg i. d. Wetterau. Dem „Rhein. Kurier" wird von hier geschrieben: „Da» alte Judenbad hier soll verkauft werden. Wer diese» merkwürdige, reich ornamenlirre Bauwerk. eine Perle de» Uebergang»styiet, au» eigener Anschauung oder au» der Darstellung deffelben in den „Denkmälern deutscher Baukunst", Darmstadl 1856, kennt, wird mit un» üdereinstinimen, daß keine» der bekannten Judenbäder diese» an Interesse und architektonischer Schönheit übertriffl und nur da» in Speyer ihm hierin gleichkommt; er wird in« uns lebhaft wünschen, daß dasselbe durch den Uebergang in andere Hände nicht Schaden leiden möge. Wenn wir sehen, wie viel von den Christen für die Erhaltung ihrer .kirchlichen Denkmäler geschieht, so liegt e» nahe, zu hoffen, baß auch die israelitischen Religion-verwandten, oder ein einzelner mit GlückSgütern Gesegneter derselben eintrrten werde für die Erhaltung ‘ eine» mit ihrem Culiu» und selbst räumlich mit ihren Synagogen so nahe verbundenen Denkmal», zumal da für dessen Restauration kein dringende» Bcdürsniß vorliegt und der dafür mit der darüber gelegenen Hofraithe »»gesetzte Preis 3000 Mark nicht erreichen soll" "(Wir haben die« alte „Judenbad" auch früher gesehen. Sein architektonischer und antiquarischer Werth soll unbestritten bleiben, aber zu gebrauchen ist e» nicht. Eine Unmasse von Stufen führt in eine schaurige Tiefe. Da» ist ein Zeichen von dem Muthe und der guten Ralur früherer Geschlechter, aber heutzutage muthet auch der Orthodoxeste jüdischen Frauen den Gebrauch einer solchen Mikwa nicht mehr zu. Da- Lamento, welches ein orthod. Blatt über JndifferentiSmu» und Verfall der Relrgiosilät erhebt, ist daher durch diesen Umstand nicht begründet. Und ebensowenig können wir der kleinen Genieinde zu Friedberg Mangel an Pietät dar»»» vorwerse». Sie hat Röihigere» zu thun, al» «in alte« Bauwerk, welche» doch am Ende garnicht einmal von Juden hcrstammi, zu conserviren. Da» ist Sache der Alterthum»- r vereine u. dgl. Jüdische Gemeinden in kleinen Städten haben für alte a r m e Leute, für emerilirte Lehrer, für Cultn« und Unterricht der Opfer genug zu bringen; für Antiquitäten mögen Liebhaber sorgen.) Arankretch. Viril. (Or.-Corr.) Die israelitisch« Bevölkerung Frankreich« beläuft sich aus 60,000 Seelen, ohne die Israeliten Algerien» zu zählen. E« befinden »ch in Frankreich 8 Consistorien, nämlich in Part», 'Nancy, Lyon, Bordeaux, Bayonne, Marseille, Lille und Besoul, 1 Central-Consistorium in Part« und 3 Consistorten in Algier, Oran und Consrantine. Bet jedem Confiftorium fungirl ein Oberrabbiner. Neben ihnen fungiren in Frankreich 24 Rabbiner. E« werden jede» Jahr neue Rabbiner-Stellen errichtet. In Pari« fungireil noch am Semtnartum 2 Oberrabbiner. H. Trenel, Director, und H. Wogue, Professor der Theologie und Exegese. All« diese Beamten werden von der Regierung besoldet. 14 Cantoren werden auch von der Regierung besoldet. Di« JSraeUten Frankreich» wie die meisten Oberrabbiner und Rabbiner huldigen dem gemäßigten Fortschritt. In vielen Synagogen werden die Piulim abgekürzt; in einigen ist die Orgel eingeführt. E» wird öfter« gepredigt, aber zu bchauern ist, daß die Predigt noch nicht als integrirender Theil de« Gottesdienste« »«trachtet wird. L. Rauch, im März. (Or.-Corr.) Unser GlaubenSgenoffe H. Anselme war einigt Jahre Präsident des Handelsgericht». Im vorigen Jahre wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Bor einigen Wochen schied er aus dem Amte. Die Rotabeln, Kaufleute rc. überreichten ihm eine Adresse, in der sie ihm ihren Dank für seine Dienste aussprachen. Die Advocaten begaben sich zu chm, um chm chr Bedauern auszusprechen. Auch sein 'Nachfolger lobte ihn in seiner Antrittsrede sehr. ,Herr Anselme", sagte er, „ist einer der geschicktesten und berühmtesten Präsidenten, die dem Handelsgericht der Stadt Nancy vorgestanden haben." Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Wir können den Mitgliedern de» „Israelitischen Literatur-Verein»" die Mittheilung machen, daß mit der Versendung der diesjährigen Vereinsschriften (1. Serie: Gr ätz, Geschichte der Juden Ha.) in acht Tagen bereitbegonnen wird. Di« 2. Serie kommt im Spätsommer zur Versendung. Die Mitglieder erhallen — wie sie auf dem Umschläge de» 2. Bande» näher angegeben finden werden — den 1. Band der Grätz'schen Geschichte zu ermäßigten, Preise. (Rückständige Beträge sind an den Berein»- cassirer Hrn. Bankier Fließ Hierselbst schleunigst einzusenden.) BreSlau, 28. März. (Or.-Corr.) In einer jüngst hier stattgesundencn Versammlung, in welcher die Frage, ob Canalisation oder Abfuhr in Breslau eingeführt werden solle, debaltirt wurde, machte Herr Kaufmann Sindermann folgend« interessante Bemerkung: Im Laufe der letzten 5 Jahre starben in BreSlau 56,756 Christen und nur 2098 Juden, während in richtigem Verhältniß (1:13) nur 27,274 Christen hätten sterben dürfen. Die Ursache dieser anfallenden Erscheinung suchte Herr S in dem Mangel einer Schlachthau»- controlle und von Gesundheitsgesetzen im Allgemeinen bei der christlichen Linwohnerschaft. Von den zwei hiesigen städtischen höher» Töchterschulen zählt die unter Leitung de» Herrn llr. Gleim stehende 550 Schülerinnen: 292 eoangel., 224 mos., 33 kathol., 1 Dissid., und die andere von vr Luch» geleitete 494 Schülerinnen: 295 eoangel., 159 mos., 38 kathol. 2 Dissid. An manchen Gymnasien stellt sich da» Verhältniß der jüdischen Schüler zu den anderer Glaubensbekenntnisse noch günstiger, so z.,B. beträgt die Zahl der Juden am Friedcichsgymnasium mehr al« die Hälfte der gelammten Schülerzahl. Koschmill, den 26. März. (Or.-Corr.) Am vergangenen Mittwoch wurde die hiesige jüdische Gemeind« durch da» Anlangen der von der Staatsanwaltschaft zu Plesche» wider di« Herren 1) Vorsteher de» Krankenverein« Szep», 2) H. I. Mamlok, 3) Rabbiner vr Lewin, 4) S. Stcckel, 5) H CzapSki, 6) Lei rer Berlowitz erhöhen«» Anklage wegen Widersetzlichkeit gegen die Staatsgewalt und Bedrohung eine» Beamten überrascht. Cr ist die» der etwa» eigenthüinliche Fortgang unserer in diesen Blättern schon mehr erwähnten Begrävnißaffaire. Wir freuen un» dessen, da pnr un« der Hoffnung hingeben, daß da« öffentlich« Gerichtsverfahren di« Wahrheit an den Tag bringen und dem Schuldigen die verdiente Strafe endlich eintragen wird. Hannover Bor Kurzem constituirte sich hier ein Berein zum Bau eine» israelitischen Krankenhaus«» und eine: Alter-Bersorgunglanstalt. Statutengemäß wird, ein Borstan!» von sieden Mitgliedern gewählt. Derselbe besteht au» der» jedetmallgen Landrabbiner, au» einem vom Vorstand« der Syna-