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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 14. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 14.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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iVv- *7rl*C - ,y.*. - . 7 _r 111 — staub, daß drr Vater an diesem Abend von einer langen Reise nach Hause zurückgekomwen war und dem Liebling«- Ände einen prachtvollen Perlenschmuck mitgebracht hatte. Ater den Wagen hörte, öffnete er da» Etui und versteckte sich hinter der Thür, um sich an der Ueberraschung seine» Mädchen» bester zu weiden. Da brachte man ihm eine Leiche. Feuilleton. Gtne ethnologische Phantafle. In dem letzten Oktoberheste von Westermann'S Jllustrirten Monatshefte (E. SS.) hält Earl Vogt dem zu erblicher Anlage gewordenen Gebrauche physischer Gewaltmittel in den europäischen Völkern, eine andere Art erblicher Anpassung entgegen, „wje sie in einem seit Jahrtausenden unterdrückten, aber hoch civilisirten Volke, den Juden, auf die Träger de» stampfe» um das Leben ohne Anwendung von Gewalt eingewirkt hat". Dazu citirt er eine Stelle au» dem 1873 erschienenen Werke de» berühmten Naturforscher» A l p h o n s e de Eandolle, »Historie de la Science et des Savants“, welche allgemein bekannt zu werden verdient Sie lautet: „Wäre Europa nur von Juden bewohnt, so würde e» ein sonderbare» Schauspiel bieten. Er würde keine Kriege mehr Sieben; da» moralische Gefühl würde mithin weniger oft veretzt, und Millionen von Menschen würden nicht ihren nützlichen Arbeiten entrissen werden. Die Staatsschulden und die Steuer würden abnehmen. Die Pflege der Wissenschaften, der Literatur, der schönen Künste, besonder» der Musik, würde nach den bekannten Neigungen der Juden außerordentlich gefördert werden. Industrie und Handel würden blühen. Man sähe wenig Verbrechen gegen Personen, und die gegen da» Eigenthum wären selten von Gewalt begleitet.' Der Reichthum de» Volke» im Ganzen, wie der Individuen, 'würde ungemein zunehmen durch die Wirkungen einer intelligenten und regelmäßigen Arbeit, verbunden mit Sparsamkeit. Dieser Reichthum würde außerordentlich mildthätig sein. Der Cleru» würde mit dem Staate nicht in Eollision kommen. Leider würde virlleichtunter denBeamten eine große Bestechlichkeit und wenig Festigkeit zu finden sein". — So weit A. de Candolle, wozu er freilich noch bemerkt, daß der kleinste kriegerische Bolkrstamm genügen würde, diese» iu den Künsten de» Frieden» blühende jüdische Europa über den Haufen zu werfen. Aber immerhin ist diese Aenßerung eine Huldigung, wie sie villeicht noch nie deu Anlagen de» jüdischen VolkSstammeS von wissenschaftlicher Seite dargebracht wurde. Klingt sie doch wie eine Erklärung für die Thatsachr, daß es Juden waren, welche zuerst den großen Gedanken de» allgemeinen Bölkerfrieden», einer den ganzen Erdkreis umspannendeu Gesittung gefaßt haben, daß der meffianische Gedanke rin jüdischer ist. W. B. Hawdala. Sabbathabend naht, H dunkelt, Sterne find heraufgezogen. Doch ein Stern soll untergchen. Der so lang' vorangewandelt Lus den Bahnen frommer Lehre. Li» erprobter Wegeweiser, Krau» verschlung'ner Pfad« Finder, Soll den letzten Weg nun finden. Wo der unoerfälschten Wahrheit Lwig Helle Leucht« strahlet. Dort im dämmrigen Gemach« Liegt «in Greis, «nu Tod ««schauert. Sr ist «icht allein. Wohl skttzm Kinder nicht noch Enkel »«inend Um sein Sterbelager — lange Schied von ihm auch di« Gefährtin — Er ist dennoch nicht allein. Eine treue Jiingerschaar Lauscht de» Reister» letzten Worten. Rühsam unterdrückte» Schluchzen Dringt hervor au» bangen Herzen, Klagend wehen leist Seufzer Durch'» Gemach. — Dir Raariw-Andacht Ist zu End«. „Run Hawdala!" Rust der Alte. Und da flammet Auf die buntgeflocht'ne Kerze Mt unsicherem Geflacker — Soll'» etwa im Bild« zeigen Einer Seele letzte« Leuchten? — Uno in thränenschwere» Augen Spiegelt sich da» schwanke Lichtlein, E« bescheinet kummerbleich« Jugendliche Angesichter. Seltsam zuckt e« um die Lippen Jene» Jünger», wie er tonlos Rurinelt und so tirfbeklommen Da« Gebet. Doch klar und rubig Mild verbessernd spricht der Lehrer Rach die stammen Seg«n»wort« :*) „Gott, Du Spender meine» Helle», „Sieh', auf Dich vertraut ich immer, „Wa» Hab' ich nunmehr zu fürchten! . . . „Schöpfet ferner, meine Lieben, „Wenn ich auch von dannen geh«, „Meine Lieben, schöpfet ferner „Forschungsireudig, wiffensdurstig „Au» dem irischen Quell de« Helle». . . . „Hilfe kommt mir itzt von Oben. . . „Herr, Dein Segen walte ewig „Ueber Deinem Lolke — Selah!" Knisternd im vergossinen Weine Wird die Kerze auSgelöscht — Auch da» Lebenslicht de« Lehrer» Ist mit chr zugleich erloschen. . . Die Hawdala ist vorüber: Ach, die „Scheidung" ward vollzogen Zwischen Leib und edler Seele; Bon den Schülern schied der Lehrer. Die Hawdala ist vorüber: Erdensabbath schon zu Ende, Ew'ger Sabbath hat begonnen Für den lichtverklärten Mister; Doch für seine »ackern Jünger Hat die Werktagswoch' begonnen. Daß sie rüstig weiter schaffen An dem Werk im Geist de» Lehrer». Die Hawdala bleibe fürder Euch nn hellige» Bermächtniß — Und „Hawdala" gelt' al« Losung Wie beim Forschen, so beim Lehren! Auf der Kanzel, vor dem Pulte, Auf Tribüne und Katheder Macht Hawdala, scheidet, trennet H-llige» von dem Gemeinen; SchridN Reine» vom Unreinen, ' Scheidet Wahre» von den« Wahn«, > Scheider, wie der hehre Reister, Ueberall das Sein vom Scheine! „Trübt sich auch beim Borwärtsschreiten „Bon dein mühevollen Gange „Euer Auge, sinkt der Ruth auch: „Schwebt euch vor nur die Hawdala, „Wir» der Blick schon auf sich hellen;" Zuversicht wird dann kredenze» Ihren frohen Segensbecher Und mit Licht und Dust umstänzen. Trotz Berkennung und Bergällung Rag'« gelingen Euch, de« Reister» Abschied«»orte der Erfüllung Zuzusühren: „Gotte» Segen Seinem Bolk in'» H«rz zu legen". . .**) Brünn» im Februar 187S. vr. B. Plsegsk. *) "nriEr Sk nin «• i- »• **) Frankel SjC"? ist freilich nicht, wie «an Hrn. vr. Pl. erzählt haben mag, am »Vt) i°nbtn’ 3 Stunden vorhsr gestorben. u»d e« wurde «icht wirklich Hawdalah Tin Sr »emacht. sondern «» »erhielt sich so, wie hi«, in S berichtet worden ist. Der Werth der hier cknltzespench««» sch»««« Gedmlleu wird aber dadurch «llcht »Urrstt. (Red.)

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