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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 14. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 14.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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leicht ein andermal zurückkommen werde, sprechen dafür, daß eine nicht nnbtb-utcnbe Zersetzung in der amerikanischen Judenheit vor sich geht, und daß voraussichtlich nicht wenige Le sie am Baume dieser Judenheit allmählig absterben werden. Dcl gilt es denn, daß die Berufenen den Fluthen wehren, so weit dies in ihren Kräften steht. Rach Deutschland ist rS weit, und Ihr Correspondent kann sich täuschen. Aber es scheint mir, daß auch im neuen Deutschland für daS Judenlhum ähnliche Gefahren der Selbstzersetzung im Anzuge find. Dieser Brief ist schon ziemlich iu die Länge gerathen. Ein andermal mehr. (Wenn wi: nicht irren, hat der H r. C o r r e s p. selbst unlängst in einem amerikanisch-jüdischen Blatte die Ansicht entwickelt und gemahnt, daß es hohe Zeit sei. auf dem betreteren Pfade einzuhalten, umzukehren. Wir fügen noch eins hinzu. Bis jetzt recruliren sich die amerikanischen Gemeinden noch stark aus Deutschland, Oesterreich u s. w. Die Einwanderer bringen noch etwas Judenthum mit, welches dort vielfach umreformirt wird. Die eingeborenen Juden haben schon,,umeist garnichts mehr, was sei eS reformirt, fei es neu belebt werden könnte. Das übersehen die Herren Einhorn und Ge..offen! In Deutschland hat man es schon eher begriffen, darum hat man sich von der Radikrlreform loSgesagt, weil man sieht, daß sie überflüssig ist, daß diejenigen, welche sie gebrauchen sollten, eben garnichts mehr brauchen. Red.) Palästina. Jerusalem, S.Schewat. (Or.-Corr. — verspät.) Sie werden im „Habazeleth" Rc. 12 l. I. ersehen haben, daß es uns mit himmlischem Be stände gelungen ist, eine Bibliothek zur Fördeimng der Wifenschasl und Literatur zu gründen, welche den Rainen „Sir Moses Montesiore's Bibliothek" führt. Die Statuten, sowie eine am Eröffnungstage vom Redacleur des Habazeleth, Herrn Frumkin, gehaltene Rede, sind bereits im Habazeleth veröffentlicht. Wir ersuchen Sie daher ganz ergebenst, die Statuten der Bibliothek, wie auch die angeführte Red« in Ihrer geschätzten Zeitschrift „JSr. Wochenschrift" zu veröffentlichen, und uns mit Rath und Thal an die Hand zu gehen, damit unsere fanatischen Gegner, bei welchen „der Zweck nur die Mittel heligt", dieses gute Werk nicht zerstören sollen, und hoffent- Uch werden Eie dazu beitragen, daß sich mehrere sympathi- «fche Glaubensgenoffen dieser Anstalt anschließen, damit dieses projektirte Werk eine Zierde Zions sein möge. Rehmen Ew. Ehrwürden die Versicherung unserer Hochachtung und Ergebenheit. Die Administration der Sir MoseS Montefiore-Bibliothek (Wir haben bereits in Rr. S daS Wesentlichst« über die Bchliothek mitgetheilt. Die Idee gehl von dem Vereine „TifeceS Jeruschalcjim" aus, und die Zahl der bereit» gesammelten Bücher ist nicht gering. Aus der Frumkin'schen Rede und ailS vorstehend,'u Zeilen sieht man, daß Gegnerschaft gefürchtet wird. Sehr erklärlich! Es sollen nicht bloS „Sesorim", sondern auch „Bischer" aufgestellt und zur Lcctüre gegeben werden. Die Administratoren haben den obigen Artikel unterzeichnet, woller aber ihre Ramen nicht abgedruckl haben; welchen Terrorismus müssen die Zeloten ausüden? — Wir füg,m nur noch hinzu, daß die Administration an die Besitzer van Büchern, an Berfaffer neuer Werke und die Herausgeber Mischer Zeitschriften*) die Bitte richtet, ihnen Exemplare g:akt» zukommen zu lasten und zwar unter der Avreffe: Tire Montefiore Library, care of J. B. Frumkin editor of the „Habazeleth“ Jerusalem. Eine deutsche Adresse thut es natürlich auch, daS kaiserl. fftot. Polsiamt in Jerusalem versteht'« wahrscheinlich. Red.) *) Wahensihrift, Literaturblatt und Ptedigt-Ma-atzm werde» fort« ngelmähig de» Vereine zugesandt. f Nachschrift der Red. Nachdem wir Obiges geschrieben, > geht unS die Rr. 21 deS „Habazeleth" zu, aus der wir lei. der ersehen, daß die Opposition gegen die Bibliothek, dt« Montesiore's Namen trägt, bereits die größten Dimensionen „ angenommen, daß man am Sabbath „Ki tissa* in allen Synagogen der Aschkenasim ein Decret der Rabbinen des Kolel der Peruschim — leider mit Genehmigung des Ehacham Bafchi — verlesen hat, welches den Besuch und die Benutzung dieser Montefiore-Bibliothek, weil sie auch ketzerische Bücher (worunter nach einer Anmcrk. des Red. die Werke des JosephuS gemeint sein sollen?!) enthält, auf'S Strengste verbietet. — Der wahre Grund soll jcdoch, wie der Red. durchblicken läßt, in der Befürchtung liegen, daß der Bibliothek auch Gelder zufließen könnten, die man sonst vielleicht der „Chaluka" zuwenden würde. Das Verfahr n gegen die Begründer der Bibliothek (Zeugenverhör, Verurtheilung u. s. w.) ist nach dieser Schil- , derung wahrhaft empörend. Traurige Zustände da»! Wahrlich, wer für Jerusalem etwas heutzutage thun will, der muß die Augen vor dem dortigen Treiben verschließen. Vermischte und neueste Nachrichten. Breslau. (Or.-Corr) DaS Curatorium des jüd.-theol. Seminars hat beschlosten. Betreffs der Frage der Wiederbesetzung des DirectoratS vom Lehrerkollegium sowohl wie von bedeutenden Rabbinen (darunter auch ältere Schüler deS sel. Frankel) Gutachten einzuholen. Jaratschill (Posen). Hier, in LaskerS Geburtsort, sind dem isr. Gemeindeoorsteher Herrn Gold ring, der Bürgermeister und Polizeianwalt der Stadt ist, nunmehr auch die Functionen des „StandeSdeantlen" übertragen, er schließt demgemäß israelitische sowohl wie christliche Ehebündniffe. Ihm ward auch der Auftrag geworden, den katholischen Dekan zu Ksonz im Namen der Regierung zu verhaften und über die Grenze zu bringen. Der Landrath, der hierbei einen Krawall seitens der katholischen Bevölkerung befürchtete, stellte dem jüdischen Bürgermeister Militär zur Verfügung, das dieser jedoch ablebnte Er begab sich ohne Begleitung zum Decan, besten Wohnung von unzähligen Katholiken belagert war, und entledigte sich des schwierigen Auftrages mit vielem Geschick. Aus Mecklenburg. Ein Rescripl de. großh. Regierung erklärt, daß ebenso, wie die Diener der lutherischen Landeskirche, die Religionsdiener der übrigen Confessionen für die durch dar Cioilehegesetz wegfallenden Trauungsgebühren rc. entschädigt werden sollen. Witzruhausen a. d. Werra, 4. März. (Or.-Corr.) Hie: wurde heule ein iSr. Veteran (Noah Sans), der die Freiheitskriege 1813 mitgemacht und mit den siegreichen Heeren in Paris eingezogen war, unter militärischen Ehre» zu Grabe getragen. Der gerade hierorts zu Besuch anwesende Mühringer Bezirksrabbiner Herr Dr. Silberstein gab den Gefühlen des zahlreichen 6K folge» in einer den außerordentlichen Berhältnisten recht entsprechenden Rede einen würdigen Ausdruck. Die Rede wird, wie wir erfahren, in Rihmer'S „JSr. Predigt-Magazin", das zumal jüngeren Predigern nicht genug euipfohlcn werden kann, Aufnahnie finden. Paris. Die hiesige kaute ünance ist in tiefe Trauer versetzt. Fräulein Anspach, ein blühend schöne» Mädchen von neunzehn Jahren und Cousine der Baronin Gustav Rothschild, („Loltchen Anspach") ist in der Nähe der Oper von einem . Omnibus überfahren worden. Man glaubte sie nur leicht verletzt und hob sie in einen Wagen. Sie starb aber au innerer Verblutung schon auf dem Wege ,mch Haus«. Was den traurigen Vorfall besonders ergreifend «acht, ist der Umr;j|

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