Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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cheul der juridisch«» After-Klugheit de» Herrn JoneScu, wel- > che» er anläßlich einer Bercheidtgung beim Jaffyer Tribunal an den Tag legte, Erwähnung zu rhu». Folgende» ist der Sachverhalt: Ein rumänischer geistlicher mißhandelte eine»?luden und wurde von diesen« beim Jaffyer Tribunal verlagt. Herr Jonetcu übernahm die Brrtheidigung de» Pater», sein aus pfeilschnelle Beeinfluffung der Richter htnzielende» Plaidoyer folgendermaßen beginnend (wobei er den Angeklagten fest am Zipfel seine» Rocke« ergriff, ihn hin und her dewegend, al» wollte er so dessen Unschuld mit Gewalt herauSschütteln): „Beehrte und gestrenge Richter! Mein Llient, der Angeklagte hier, ist der Vertreter Botte» auf Erden. Welche» Verbrechen beging er, daß er von profaner Hand vor dt« Schranken de« Bericht» gezogen wurde? eine Mißhandlung gilt'»; wen mi.handelte er aber? einen christlichen Menschen etwa? nein! er behandelte blo» uitsanft einen Juden, dessen Ahnen unser» Mcssia» auf der Folter grausam gemartert haben, verdient er de»halb gestraft zu werden?" Worauf der Bertheidiger de» Juden sehr treffend replicirt«: „Eine allzulraurige Ausfaffung muß der Herr Rector nnserer hohen Universität sich von dem Bott^ der Rumänen bilden, wenn dieser Beistiiche da (den Angeklagten scharf fixirend) ihn hier auf Erben vertritt!!!" Ob man wirklich von der gesetzgebende» Kammer, die sich leider bisher in allen an jüdische Inter«ffe» auch nur im entferntesten grenzenden Fragen al» zu „loyal und patriotisch" cruiie», die Abroairung de» Art. 8 noch in gegenwärtiger Session hoffen darf, ist mehr Principal» Thatsache. Denn so wurden wir seit Jahr und Tag vertröstet; e» ist hier einmal gang und gebe, daß man vor der Nichterfüllung de» eigenen Versprechen» nicht zmückscheuet. Aber wir wollen diesmal die Pessimismus.Pille nicht oollend» auskosten, und geben zu, den, Watzlspruche: „Alle» ist niöglich!" folgend, daß auch die Ldrogirung de» verhängnißvollen Art. 8 möglich sei. J. F. 9lotbametita. K Rew-Kork, Ende Februar. (Or.-Eorr.) ES wird wohl nachgrade auch bei Ihnen ini allen Vaterlande zugegeben werden, daß die amerikanische Judenheil nicht blo» wegen ihrer numeriichen Blöße, sondern auch wegen der unaufhaltsam in rhr vorwärrSgeyenden Bewegung und inneren Uingesialtung, sowie wegen der von der ihr auSslrömenden, höchst bedeutenden Rückwirkung auf daS europäische Judeiuhum *) die größte Beachtung aller derer verdient, welche dem jüdischen Stamm und der jüdischen Religion ihre Interessen zuwenden. Wenn ich uuir weiter behaupte, daß die Judenheit Rew-Uork'S sowohl wegen ihrer Größe, als wegen de» von ihr ausgehende» weit reichende» Einflusses die aller anderen amerikanischen Städte weil überragt, so ist diese Behauptung nicht au» einem das Unheil trübenden subjectiveu LocalpatriotiSmu» hervorgegangen, jondern muß und wirb allerseits als eine objektive Thatsache zugestanden werde». Bon deir vielen Gemeinden New Kork» sind die hevorragendften: Die Eulanuelgemeinde, deren geistliche Führer die Herren vr Adler und vr. Gottheil sind; die Gemeinde Bethel, die in vr. Einhorn ihren Rabbiner hat, und die Gemeinde Ahawalh Ehesed, vor der vr. Hübsch allsabbathlich belehrend« und erbauende Vorträge hält. Diese drei Gemeinden stehen aus dem Standpunkte der allerentschiedensten Reform. Den Prinzipien nach, die vr. Hübsch mündlich und schrift- *) Davon ist un, nicht« bekannt. I« Süb-Deutschland mag hier und da durch zurückgewandert« Amerikaner die« und jene« an» gestredt oder auch imporlirt werde», «» stillt aber durchaus nicht in'» Gewicht. Und daß in «ineul Betiocal zu Frankfurt a. SR. di« weiter aus» gekühlte» äußeren Einrillungen amerikanischer Synagogen nachgeässt find, wre sie selbst lediglich der RachLssung ihr Entstehen verdanken, da« verschlügt so wenig wie jede Einzelerscheinung und Einzelthorheir in der Meng« verschwindet. Daß jedoch die Boraäng« und Entwickelung« im «»«kikanischen Judenthum unser« Lusmerksamkeit verdiene», stellen wir nicht t» Abrede, u»L unser Blatt nimmt von ihnen fleißig Stoty. litt».) lichmit allem Freimuth vertritt, muß «r jebrnsosehr den Radicalreformern zugezählt werden, wie vr. Einhorn, der seit dreißig Jahren al« einer der Koryphäen der reformistischen Partei bekannt ist. Der radicalresormistische Standpunkt der grnannten Gemeinden bekundet sich offiziell in ihren Gebetbüchern und gottesdienstlichen Neuerungen, wie unoffiziell im Leben der Mitglieder derselben. Diejenigen ihrer Mitglieder, welche den Speisegesetzen oder irgend einem andern spezifischjüdischen GesetzeScomplex irgend welche Beachtung schenken, dürften an den Fingern herzuzählen sein. Nun folgen Sie mir in einen der Tempel dieser (k» metnden. In allen finden St« Familtenfitze, d. h. Bärke, auf denen Mann und Frau, Söhne und Töchter beisamn.en sitzen; die Beter, auch die männlichen, sind unbedeckten Hauvte«; Orgel und Chor fehlen natürlich nicht; dreijährfger ttyklu« beim Thoravorlesen, — »un, da« versteht sich von seit st; größere oder geringere Verwendung der deutschen (oder engltschen) Sprache, nicht blo« in der Predigt, sondern 'auch in den Gebeten; gänzliche Jgnorirung der Kohantm; mit einem Worte, alle diejenige» EultuSformen sind hier realisirt,!rt« zu derjenigen Zeit, da Ihr Eorrespondent auch in Deutschland lebte, die am weitesten gehenden Forderungeil Weniger waren, ivelche man al» Stürmer und Dränger allgemein betrachtete. Inhaltlich sind au» den Gebeten alle dogmatischen Annahmen und Voraussetzungen, die da« orthodox« Judenthum zu einem orthodoxen Judenlhum machen, «ltminirt. Hoffnungen und Wünsche bezüglich erner Auferstehung »er Tobten, einer Sammlung de» zerstreuten Israel, einer Aafrichlung eine» Davidischen Königreiche», einer Restituirring de» Opfercultu» kommen hier nicht zun» Ausspruch. Die Predigt ist in den genannten Tempeln — au sich, von der „Richtung" abgesehen — ganz vortrefflich. Ohne irgend einen, andern unserer amerikanischen Prediger zu nahe zu treten, seien doch die Predigten de» vr. Einhorn ganz besonders erwähnt. Sie zeichnen sich durch die Entschiedenheit und Wärme, mit der er da» sogen. Reformjudenthum vertritt, wie durch eine ganz eigenthüniliche Gluth und hinreißende Gewalt der Rede au». Unter dem Feuer seine» Worte« schmelzen auch die sprödesten Stoffe und gestalten sich zu unr«rgleichliche» homiletischen Produkten. Hat wohl je Irgend rin jüdischer Redner über die JecheStei'sche Bision vom göttlichen Thronwagen vor einer Gemeinde gepredigt seit den Tagen, da man in Judäa lehrte: N221V HWOS fSHH fit fTrT3 Von vr. Einhorn ist hierüber ein ganz herrlicher EykluS von drei Predigte» durch de» Druck in weitere Kreis» gedrungen. Hat wohl je ein Redner mißachtend die alte Vorschrist: B-'WIT nitmrnp’BBB fit, sich an di« homiletische Behandlung von JecheSkel 16 gewagt? vr. E. ivar eS, der das Wagestück unternahm, und der eine ganz vorzügliche, mehr als fesselnde, eine packende Rede über diesen Abschnitt drucken ließ. (Aber warum? da» ist doch nur durch ein polnische» «pill zu erklären. Red.) Nur eines wird nachgerade an vr. Einhorn auffällig. Bor dreißig Jahren begann er ferne mächtige Polemik gezea das talmubische Judenlhum in Birkenseld und setzte sie in Schwerin und Pest fort. Hier irr Amerika ist eilt solches Ankampfen vollkonlmen überffüssig geworben. Die gar geringen Ueberreste von Orthodoxie, die man hier zu Lande noch antrifft, sind bedeutungslose Dinge. Wenn nun doch vr. Einhorn und eilte Anzahl anderer jüdischer Prediger für „Reform" und gegen „Orthodoxie" fortwährend die wuchtigen Waffe« schwingen, so ist man versucht, ihnen zuzurufen: ItP'DpHBP *ui rurra k:tib Krmp r^op„Ihr töotet tobte Leut«, ihr mahlt gemahlene» Mehl." Wa» m Amerika noch thut, ist, daß die aufrichtigen rnd ernsten Freund« Israel» fernerhin nicht mehr für „Reform", sondern für Judenlhum in die Schranken treten. Dm« der feindlichen Mächte, welche der Erhaltung de» JudenthtiM» in Amerika sich «ntgegenstrllen, find nicht wenige, und di« Gefahre» find groß, viel« Thatsache«, ans die ich viel-