Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Hierzu kommen noch Bedrückungen anderer Art. I» Schiraz darf eiu J-raelit in Gegenwart eine« Mohamedaner» den Popf nicht aufrecht halten; selbst in seinem eigenen La» den muß der Jude sich niedriger, ai< der Mohamedaner, stellen oder setzen. Ein Mohamedaner, auf deffen Feld eine jü rische Wiltwe mit ihren 2 Löhnen Lehren lat, hatte die beiden Kinder getödtet und erschien aus Veranlassung deenglischen Eonsul», der ihn deshalb verklagt hatte, vor Gericht, iniem er verächtlich die 24 Toinan», den BlutpreiS für 2 ermordete Juden, dinwarf. und al» der Lonsul den Prozeß fortsetzen wollte, waren es die Juden, die au» Furcht vor Verfolgungen ihn darail zu hindern suchten. Da» Hauptziel, ilach welchem jeder Versuch zur Besserur^ der Lage der persischen Israeliten zu streben hat, muß die Abschaffung der Judensteuer sein, deren Pächter zugleich Richter und Partei in einer Perion sind, Blmegrl, die den Betrag der von der Regierung decretirten Steuer um IOO Piocenl steigern. Erst die Beseitigung dieser Plage wird den G, meinden ein gewisses Selbstgefühl wiedergeben und den Boden zur geistigen Hebung dieser unglücklichen Bevölkerung vorzubereiten gestatten. Wahlen. Di« Mitglieder der Alliance sollen nächstens zur Vollziehung der tzrgä tjungSwahleu einer Drittel» de» E.-Eomite'S beiufrn werden. Da» C.-Tamile hat daher die verschiedenen AtSftellungen, die man gegen den bisherigen Wahlmodu» vorgebracht har, in Erwägung gezogen. Man hat gesagt, daß bei diesem Modus die Zahl der Abstimmenden verhältnißmäßig zu gering sei und vre Wähler sich lediglich auf die Vorschläge de» E-Tamile» verlassen müssen. Allein eS würde in dieser Beziehung RichtS nützen, wenn man von jedem Lande seine besonderen Vertreter bezeichnen lassen wollte; eS würden sich dann dieselbe n Jnconvenienzen Herausstellen, nur noch gesteigert durch die Schwierigkeiten, die eine richtige Reparntion verursachen würde, und außerdem würde man dann in die Aliance da- Pr nzip politischer Unterschiede einführen, die mc.u stets von ihr fern zu Hallen bemüht gewesen ist. UebrigenS läßt sich eine stetige Zunahme der Wählerzahl Nachweisen; bei den letzten Wahlen haben me)r als 1500 Wähler ihre Stimmen abgegeben, und wenn diese» progressive Steigen forldaueri, s) werden di« Wahlen immer größere Bedeutung und ein ivachsendes Interesse in Anspruch nehmen. DuS C.-Comite hat leider in keinem der oorgeschlagenen Systeme die Basis >u einer bessern Organisation finden können und erachtet eS daher für nützlich, den bisherigen Modus ter die Wahlsrerreil am besten respecrirt und die Aussicht der Wähler über die Verwaltung deS E.-EomileS inlact erhält, ausrecht zu erhalten. Holland. F Amsterdam <Orig.-Lorr.) Auch die hollimdischen Mischen Zeitschcistm bringen ausführliche Nekrologe über Frankel T'ltT. <rs ist erfreulich wahrzumhmen, daß alle de» Ruhmes und d«!r Anerkennung voll sind über F.'S einfluß- und segensreiches Wirken für Juden und Judenthum. Keines der jüdischen Blätter würdigt sich herab, den großen Tobten zu verunglimpfen, wie eS das Mainzer Blatt versucht. Da» streng orthodoxe Holland har Sin» und Lerständniß für die Bedeutung eines Mannes, der wre Frankel sich auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft unsterblichen Ruhar errungen hat. Das »Nieuw iSraelietisch Weekblad" erklärt, »daß hier eiu Mann gestorben ist, der sein ganze» Leben und seine ganze Kraft den Interessen deS JudenthumS gewidmet hat." TaS „Weekblad voor israelitische Huisgezinnen" druckt den Leitartikel aus der „Wochenschrift^ vom 25. Febr. in drei großen Lolonner. ab und fügt erklärend hinzu: Israel muß feine großen Männer kennen, es darf nicht in Unkenntniß bleibe« über die Verluste, die chm der Tod gebracht; eS ist eine relig iös« Pflicht, diejenigen zu verehren, die in der umfangreichsten Bedeutung de» Worte», derAchtung undBerehruug «ürdigsind. I«weitern Verlauf de« Nekrolog» wird erwähnt, daß zum 70jährigen Geburtstag Frankel«, auf Vorschlag de« Oberrabbiner« verenstein, der Kirchenrath von Rotterdam einen Beitrag zu de« projectirtrn „Frankel-FondS" bestimmte, „um", wie e» in dem Beschlüsse yieß, „dem bekannten GotteSgelehrten Dr. Z. Frankel, Direktor de» jüd.-th«olog. Seminar» in BreSla«, bei Gelegenheit der Feier seine» 70jährigen Geburtstage« et« Zeichen der Anerkennung und der Huldigung anzubieten." Ferner heißt e«: „In dem seligen Frankel erkennen wir, «a» ein Rabbiner vermag, der sein hohe» Amt mit Würde,' Ernst und Festigkeit de» Charakter« auffaßt, und seine Pflichten gewissenhaft erfüllt — Männer wie Frankel V"l beweisen, waS ein würdiger Rabbiner zu leisten vermag; sie beweise» durch ihr Leben und Wirken, daß da« Judenthum gehoben, vor dem Einsturz, vor dem Untergang geschützt und gewahrt werden kann, wenn solche Männer e» leiten und lenken." Da» sind Stimmen der Oeffentlichkeit an» dem confer» valiven, orthodoxen, holländische» Lager, mögen sie den ünwillen dämpfen, den jeder wahre gläubige Jude über das Mainzer Gekläffe empfindet. Rnwinltn. Fokschau. Anfang März. (Or.-Eorr.) Wieder einmal ist die Athmosphäie mit Hoffnungen für die rumänischen Inden geschwängert; alle Blicke sind auf die gesetzgebenden Kammern gerichtet, allgemein wird die Annahme ausgesprochen, daß in der gegenwärtigen Session dem hartnäckigen drakonischen Art. 8 endlich der Garaus gemacht werden soll. Ja e» verlautet sogar, daß manche zur Einsicht gelangte Depnltrte sich mit dein Gedanken tragen, in der Kammer einen Antrag aus Beseitigung de» Licrnz-Gesetze» in der Form etnzubringcn, daß künftighin die Ästen der Licenzsteuer nicht mehr die Zeit, sondern das Product, da» Quantum, zu tragen haben soll, indem man «in« per Eimer festznsetzend« Taxe einführt, woraus sowohl der Regierung, al» auch dem mit Spirituosen Handel treibenden Publikum ein nicht zu unterschätzender Bortheil erwachsen würde. (Die hier folgende Erörterung über diese Steuersysteme haben wir weggelaffen, weil sie unsere Leser nicht intercssiren kann Red.) In dieseni Sinne hörte ich auch vor Beginn der gegenwärtigen Session einen hiesige» hervorragenden verfassungstreuen Deputirten, Herrn A., sich äußern, indem er versicherte, für diesen Antrag mit voller Krast einlreten und für deffen Annahme alle Hebel in Bewegung setzen zu wollen; aber bi« jetzt kamen in den Verhandlungen der gesetzgebenden Kammern keine derlei Interpellationen vor. Dt« in Folge des Prozesse- Osenheim hier heroorgerufene fatale Maurogheni- Herz-OsenheimAffaire gab der Oppositionspartei viel zu schaffen und gönnte keine Zeit zu anderweitigen Anträge», e». war die» der günstigste Moment für die Opposition (die Rothen), indem sie vor aller Welt die Tharsache darzulegen suchte, daß (auch) ihre Gegner, die jetzigen Machthaber (die Weißen), mit chren in dem Wähle des Staate- resp de», Volke» gipfelnden staatSmännischen Operationen nur weiß zu uiachen suchen. — „Romanul" in erster Reihe und all« übrigen Organe der Opposition geberdeten sich, al» aus dem Prozesse Ofenheim die Eonstatirung hervorging, daß bei Erlangung der rumänischen Eisenbahn-Eoncession Herrn Maurogheni, der damals zwar noch kein Finanz-Minifter-Portefeuille besaß, aber als Deputirter fungine, ein Douceur von 100,000 Fl. verabreicht ivurde, und als der in'Folge deffen nothwendig gewordene Rücktritt de» Herrn Maurogheni erfolgte, wie Besessene mit ihren Auslassungen gegen denselben und die Re» gierung Glücklicherweise hat keiner der Angeklagten-Phalanx, welche die Monstre-Affaire bilden, irgend welche semitische Affinität aufzuweisen, sonst würden Herr JoneScu (Führer der Oppositionspartei und Rector der Jaffyer Universität) und Genossen schon die Ursache diese» für den Patriotismus nicht sehr schmeichelhaften Ereignisse» gleich eruirt haben, Al» le« den vermaledeieten Juden zuschreibend. Ich erlaub« mir hierorts eines löblichen LoyalttätSprüb-