Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Llntarch" befindet fich eine anziehend geschriebene Charakteristik de« größten aller SlaalSmänner romanischen Stamme« in »nserm Jahrhundert, de« seinem Land« viel zu früh entrissenen Grasen Cavour. In diesem Anssatze befindet sich jevoch eine irrthümliche Angabe über eiueu Man», der unter den ersten Patrioten Italien« neben Cavour seinen Ehrenplatz einnimmt, über den einstmaligen Diktator von Venedig, Daniele Man in. Der- «felbe wird nämlich an derjenigen Stelle de« Aufsatzes, welche der Unterstützung gedenkt, welche dem Neuschöpfer Italienbei seinem großen Werke durch den Beistand de« berühmten Lertheidiger« der Lagunenstadt im Kampfe de« Jahre« 1849, mit edler Selbstverleugnung seiner von Cavour abweichenden republikanischen Ueberzeugungen zu 2#eil wurde, al» „der letzte Sproß der Dogen von Venedig" bezeichnet. Diese Bezeichnung aber ist unrichtig. Daniele Manin hatte nicht die mehr al« zweifelhafte Ehre, ein Sprosse de« stolzen venetianischen Aristokratenhause« der Manin zu sein, welche« Venedig jeneu Letzten seiner Dogen gab, der sein Geschlecht und seine ruhmreiche Vaterstadt durch seine unmännliche feige Haltung bei dem gewaltsamen Untergange der Republik durch Bonaparte entehrte. Daniele Manin, der kühne Anwalt, seine« Volke«, der große Bürger und Diktator Venedigwar — von israelitischer Abkunft. Sein Vater gehört« einer jüdischen Familie Namen» Fonsecca an und ließ sich zu Ende de« vorigen Jahrhundert« in Venedig taufen. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm der Sitte der damaligen Zeit gemäß der Name Pietro Antonio Manin beigelegt, nach seinem Tauspalhen, dem Bruder de« damals regierenden letzten Dogen von Venedig, Luigi Manin. E« war kie« eine Sitte, welche an die ähnliche de» alte» Roms erinnerte, wo die Freigelassenen nach ihrer Freilassung gleichfalls den Namen ihre» bisherigen Herrn, der jetzt ihr Schutzherr wurde, annahmen. Der Verfasser de« genannten Aufsätze« über Cavour kann diese Thatsache der israelischen Abkunst Manin'« vrrzeichnet finden in dem 1872 zu Venedig erschienenen Werke: La rita e i tempi di Daniele Manin. Narrazione da Prof. Alberta Errera e avv. Cesare Finzi, cor re data dai documenti inediti depositi nel Museo Correr dal generale Giorgio Manin p. VIX. Auch in meinem Buche: „Herbstmonale in Oberitalien" (zweite AuSg. 1871) war bereit« von mir auf dieselbe (S 454—55) hingewiesen worden, da ich Manin'« Abstammung durch ihn selbst im Jahre 1855, wo er al« Exilirter in Pari» lebte und sein Brod mit Unlerrtchlgeben erwarb, erfahren hatte. Araukretch. Pari«. (Monatsbericht der Alliance J«r. Univ. für Februar.) Reue Mitglieder 174; au« Deutschland 83. — Der Inhalt de« Bericht« besteht leider größtenlheil» au» traurigen Mittheilungen über Zustände der Juden, oder einzelne Echandlhatcn in barbarischen Ländern. Es sind die« immer neue Beweise für die Nothwendigkeil einer Thäligkeit der Alliance. Man sage auch nicht, daß diese Thäligkeit keinen Erfolg habe. Todtgeschlagene oder von einem Spottbilde der Justiz Abgeschlachtete können freilich nicht wieder lebendig gemacht werde», aber schon der Umstand allein, daß recherchirt, auf Betreiben der Alliance und ihrer Comite's nach der Blutschuld gefragt wird, ist von größtem Nutzen. E« ist viel gewonnen, wenn der Barbar sieht, daß e« nicht ganz einerlei ist, ob er einen Juden tödlel oder einen Vogel. Allerdings müssen wir für unsere Brüder noch, wie der „alte Fritz" sagte, toujours en vedette sein; aber dann ist e« viel «erth, daß die Schildwache da und wach ist. Wir heben Einig« heran«. Da wird über die beiden zum JSlam gepreßten Mädchen au« Elmekinine in Tunt» berichtet. Di« Sache ist noch nicht -auz zu End«, man verhandelt noch. Da» ältere Mädchen, »elche» nach Landessitte majoren fein und freiwillig den Jtla« angenommen haben soll, wird vielleicht nicht reclamirt »erd«« köniten, wohl aber die jüngere, etwa 13jährige Schwester. Da« Comitr tu Tunt« gievt seine Bemühungen noch nicht auf, der Premier-Minister hat demselben wiederholt Audienzen gewährt, er hat sich wohlwollend geäußert, hat Red« und Antwort gegeben, er hat sogar angedeutet, wn« zu thun sei, um die jüngere zurück zu erhalten. — E« ist klar, daß man die Jude» in Tunis weder höre» noch beachten, daß man sie mit Fußtritten zur Ruhe weisen würde, wenn sie nicht den Rückhalt an den» Centralcomite und an den durch diese« stet« in Theilnahme, sagen wir nur „in Athen," gehaltenen Vertretern der europäischen Regierungen hätte. ' Au« Marocco wird berichtet: Ein JSraeiit au« Alcazar, Namen« Meffud Sebag, Korallenhändler, war von einige» Arabern au« Muarha (2'/, Stunde von Larache), wohin er sich allwöchentlich zu begeben pflegte, aufgeiordert worden, sobald al« möglich mit seinen Maaren zu ihnen zu komme», wo er dieselben' vonheilhoft verkaufen könnte; sie hatten ihn hierbei noch daran erinnert, daß er seine Hochzeit in ihrem Zeltdorfe gefeiert hat. Der unglückliche Messuad begab sich »ach Muarha und wurde daselbst gelödtet und vollständig ausgeplündert; seinen Leichnam konnte man trotz aller Bemühungen nicht finden. Auf die Klage der Wittwe ließ der Gouverneur von Larache die Mörder vor sich kommen, entließ sie jedoch wieder, nachdem sie ihn, eine Summe 500 Fr. gezahlt hatten, die er für sich selbst behielt, un> al« die Wittwe sich von Neuem bei ihm beklagte, wurde sie von den Soldaten fortgejagl. Der englische Consul, H. Pepe Jmossi, hat zwar seinen Dolmetscher beaustragt, bei dem Gouverneur von Larache einen gerechteren Ausgleich für die Wittwe zu erwirken, allein bi« jetzt ist auch dieser Versuch ohne jeden Erfolg geblieben. Auch ein anderer Israelit von dort ist verschwunden, worüber jedoch die Detail« noch fehlen. Da» C'Comite beschließt, eine Reihe von Maßregelnzu ergreife», um die Bestrafung der Schuldigen und einen grißeren Schutz für bas Leben der Israeliten zu fordern. Persien. H. Fischel Hirsch au« Halberstadt, den da« C. - Comite bei seiner neulich unternommenen Geschäftsreise nach Persien gebeten halte, 2 oder 3 israelitische Jünglinge von dort mitzubringen, schreibt, daß e« ihm nicht möglich gewesen, mit seinem Vorhaben in Persien zum Ziele zu gelangen, trotzdem habe er e« nicht unterlassen, über die dortig«» Zustände Angaben zu sammeln, die er dem C.-Comite übersendet. Die persische Regierung ist sehr schwach und oft ohnmächtig; der Hauptgrund für die schreckliche Lage der dortigen Juden liegt in einer gewissen Judensteuer, die den traurigsten Einfluß auf die i»rael. Bevölkerung auSübt und sich leider auf einen Ausspruch Koran stützt; sie gilt nur für 8g Juden allein, nicht für die andern Unterthane» de« Landes, und wurde neulich, nachdem sie eine Zeit lang herabgesetzt mar, wieder erhöht und erschwert. Dennoch liegt die Härle dieser und anderer Steuern weniger darin, daß sie au sich etwa« Erniedrigende« haben, al« in der Art und Weise, wie sie eingezogen werden Die Regierung zieht sie nicht selbst ein, sondern verpachtet sie an einen Muselmann oder Ärmrnier, die sich die größten Willkürlichkeite» und schrecklichsten Erpressungen erlauben. So kommt z. B. eine» Tag:« «in Gouverneur Namen« Musa nach einem Orte, läßt die Vorsteher der israel. Gemeinde zusammenrufen und schätzt sie zu einer erdrückenden Steuer ab, indem er zu ihnen sagt: „Ihr hart einst meinen Namer«velter Mose« sehr gequält, ich will iim jetzt rächen." Gegen dergleichen Bedrückungen gibt e« teiwm Recur«, jede Klage würde für ihren Urheber die grausaHnst« a Verfolgungen »ach sich ziehen. In einer Stadt ist in Folze -solcher Erpreffuiigen ei» JSraelit für seine Gemeind« klagbar geworden und mi,ßte dafür dir Pfahlstrafe und die schrecklichste Verstümmelung erleiden. — Ein anderer Grund für die durch dir Judensteuer erzeugte Demoralisation ist der, daß die ganse Gemeinde für die Bezahlung der Steuer solidarisch verpflichtet und dadurch eine Veränderung de« Wohnorte» ober «tue Au»- wanderung unmöglich gemacht ist, da di« Geuteinbe keine« ihr.:r Mitglieder fortzichen läßt.