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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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da nmfangreichr» gelehrte» Wert (V'N ’BniJD), welches seinn Zeü in txn Kreisen tulmuhifd)er Koryphäen die höchste Anerkennung fand. Mit einer Ausdauer, die ihres Gleichen kaum findet, gab er fich ausschließlich dem Studium der heiligen Lehre und deren Eommeurare hi», und »»an kann sagen, daß er durch sein ganzer Leben dieses Studium nicht unterbrach. „An der Lehre des Ewigen hatte er seine Lust und über seine Lehre saun er Tag und Nacht " Die Frucht dieser Studien, die er u» früherer Zeit mit seinem Schwager zusammen betrieb, waren »tehrere gelehrte Schriften, die ihm allgemeine Achtung erwarben. Obgleich nach seiner Erziehung, der strengsten religiösen Anschauung huldigend, stand er dennuoch immer dem EhajsidiSmu» fern, dessen Fanatismus seinem milden toleranten Eharatrer gänzlich fremd war. Im Anfänge der 1840er Jahre, wo in der Lemberger Gemeind« der Kampf zwischen den religiösen Parteien zum AuSbruch kam, stand er selbstverständlich auf Seiten der Eonservatioen, als jedoch die Gährung immer größer wurde und der Zwist all« gefährlichen Leidenschaften zu wecken begann, zog er sich sokort von jeder Theilnahme und Parleiagitalion zurück, uin nur einzig und allein der Wissenschaft zu leben. Durch die wahrend dieser Periode, wo sein literarische» Berhältuiß mit Marcus Wolf Ellinger bereitgelöst war, von ihm herausgegedene» rabbinischen Schriften, legte er den Grund zu serlieui Rufe als weltberühmter Talmubist. Von allen Enden der Welt gelangten an ihn die schwierigsten Fälle zur Entscheidung. In rituellen Fragen wurde er geradezu al« di« höchste Instanz angesehen, so daß er ini brieflichen Berkehr mit den entferntesten jüdischen Gemeinden, z B. mit Reu Orleans, Baltimore, Bomvay, Eonstantine, mit den Kaukastjcheu Gemeinden uild vielen ander» zu stehen pflegte. Die Fauctiouen des RabbinateS wurden.in Lemberg vom Jahre 1848 dis 18S8 durch den VicetreiSräbbiner, den seligen Magid S. R. Oehlenderg versehen. Al» im Jahre 1856 der Sohn des Magid, der dem alten Manne in seinem Amte sehr behilflich gewesen war verstard, erklärte sich I. S. Rälhanfohn bereit, unentgeltlich deir kranken Magid suppliren zu wollen, und wirklich vertrat er denselben tuii allem Eifer, indem er alle Bezüge dem Magst» ausnahmslos zufließen ließ. Er hatte st» früherer Zelt Mißhelligkeilen mit dem Magid, allein da» konnte ihn nicht adhalleit, sich m demselben zu begebe» und fich seiirer Freundschaft und Hilfe zu versichern. Der damalige Lemberger iSr. LultuSoorstand, welcher dieses Benehmen, den Eharatler und die immense Gelehrsamkeit Nathansohn'S wohl zu würdigen wußte, ernannte ihn nach dem im Jahre 1858 erfolgten Hinscheiden OehlrnbergS, zum Rabbiner. Bon da an wurde er da» religiöse Oberhaupt der hiesigen Judenschaft und erwarb sich in seinem ehrenvollen Amte durch sein ralmudijche» hohe» Wiffen, seine Frömmigkeit, Redlichkeit, An- IpruchLlosigkeil, und tolerante Gesinnung die einmüthige Achtung aller religiösen Parteien. So strenge er in Beobachtung reltgiöser Observanzen immer war, so setzte er doch nicht wie «a«»ch« seiner Eollegen seinen Stolz darin, durch üdenriebene Serupulosttäten Schaven anzustiften. So beispielsweise entschstd er fich ohne Anstand für bst Zulässigkeit d«S Dampf- »ühlenofternmehleS und der sogenannten Mazzrmaschine, obgleich viele andere galizifche Radbinen dagegen eifern zu müssen glaubten. Seiner Autorität gelang eS auch alle diese Estrrer zur Ruhr zu dringen, und hatte er schließlich die Genngthuung, daß alle sich zu seiner freieren Ansicht bekehrten. Für da» jüdisch-galizisch« Publikum war diese Entscheidung, welch« chm gute und billige Ostrrdrod« sicherte, ganz und gar nicht gleichgiltig. Raddiner I. S. Rathanson war in Folge seiner guten Ergenschaften auch bei Richljudrn sehr angesthen, bei den gastzischen i»r. Gemeinden aber besab er den höchsten Einfluß, den er immer nur zu« Guten verwendete. Di« lemberger iSr. Gemeind«, deren höchst« geistlich« Würbe, er bloß «hrenhalber (er bezog nur dn«n geringen Mahnung» beitrag) bekleidete, erleidet tu ihm einen überaus großen Verlust. So lang» er de» Rabbiuate.vorstand, waren die religiösen Zwistigkeiten der früheren Zeit verstummt urd hatte sich ein versöhnliches Zusammenwirken aller Partestn angebahnt. Er war der Reform im jüdischen Schulwesen zngeneigt und stand niemals irgend einem Fortschritte im Wege, wenn er auch persönlich der conservaliven Richtung huldigte. Ein solcher Mann war der lemberger isr. Gemeinde im höchsten Grade erwünscht und nöthig. Er wird sehr schwer zu ersetzen sein. Nachdem er schon mehrere Jahre gekränkt lt hatte, trat oor einigen Wochen ein starke» Unwohlsein ei», und verschied er nach scheinbarer Befferung am 3. März, Abend», fast ohne TodeSkampk, ein „Amen" auf den Lippen. Bi» zum letzten Augenblicke beim klarsten Bewußtsein, erlosch mit ihm eine Leuchte in Israel. — Fried« seiner Asche!" Die Beerdigung fand mst gebührenden Ehren am 4. statt. Schon vor derselben begannen — wie wir au» dein genannten Blatte erfahren — in der wilden, tumuitnarischeit, für unser Gefühl widerwärtigen Weis« der Polackei Agitationen wegen Wiederbesetzung de» RabbinatS. Am 6 und!>. wurden zu dem Ende Volksversammlungen abgehalten, und ein Enkel des ehemal. lemberger Rabbiner» Jak. Ornstein?"?, Rabb. Hirsch Ornstein zu Rzezow, als Nachfolger Nathansohn'S „auSgerufen". Der Vorstand hat die Wahl vertagt, wird aber, wie e» scheint, in der.Sache der „Volksstimme" Rechnung tragen. —t Prsg, 5. März. (Schluß.) Der Redner entwarf nicht nur eine den beschränkten Dimensionen eine» einkündigen Vortrag!» angepaßt« Skizze, sondern zeichnete mit Meisterschaft ein vollständige», farbmfrische» und lebensvolle» Bstd de» großen Gelehrten. An der Hand von sorgfältig gesammelten Thatjachrn führte der Redner das Kind Rappoport von Stufe zu Stufe di» zu jenem Punkte hin, wo Rappop. atS „der große Literarhistoriker" dem geistigen Auge der Zuhörer in plastischer Vollendung gegenüderfteht. In begeisterten und begeisternd«!» Worten führte der Redner aus, welch ein Genie und welch eiserner Wille dazu gehörte, von der schwanken BafiS «ine» polnisch-jüdischen Eheder-UuterrichleS auSzugehn, und unter den beschrankten und hemmenden, alles Denken und Fcrschen fanatisch perhorreSzirenden Verhältniffen der damaligen galizischen Judenschaft.jenen Höhepunkt zu erklimmen, auf welchem Rappoport unS als Mann von 40 Jahren erscheint, da seine epochemachenden Biographie«» di« Bewunderung der gesammren gelehrten Welt erregten und ihn zum „Begründer einer vsllständtg neuen rein wissenschaftlichen Richtung" auf dem bi« dahin chaotisch übereinandergeworfenen, enormen Materiale de« jüdischen EchriftthumS machten. . Trotzdem Rapp, hier gelebt und gewirkt und jedem ter Zuhörer noch in vollständig frischer Erinnerung lebte, erhielt der Bortrag d«S gelehrten Redner» dennoch da» zahlreich versammelte Publikum vom Anfänge bi» zu Ende in unv-rminderter Spannung und Aufmerksamkeit und auch die Fachmänner mußten dem Redner für manche« Reue und ihnen unbekannte di« vollste Anerkennung »ollen. Herr vr. Grün, welcher in einem zweiten Bortrage eine Fortsetzung de» ersten zu geben versprochen hat, gedenkt dann die beiden Vorträge in einer Brochure herauSzugebrn, wa» nur zu wünschen ist. Vermischte und neueste Nachrichten. Anrnksnet S. R., 15. März. (Or.-Lorr) Meine Rüge in Nr. IS d. Bl. über den Ankauf einer Anzahl Handschriften au» der Bibliothek Larmoly'S muß ich nunmehr zurück» nehmen, nachdem ich durch da» erhaltene Berzetchniß eingefehen, daß der Käufer ihren Werth nicht unterschätz» hat. — Am ersten Samstage, nachdem dt« Trauerkund« von dem Ableben de» sei. vr. Frankel hier eingetroffen war, wurde in der hirs. Svnagoa« von de» Rabbiner der iSrael. Gs» metnd«, Hrn. vr. Brüll, de« verewigten ein Nachrnf nt» halten, in welchen sein« nnverwelklichen Verdienst« a» di«

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