Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 13.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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mal :, daß er im dortigen Wirt-Hause um Nachtquartier bat, welche» ihm aber nicht gewährt wurde, und zwar deshalb nicht, weü die beansprucht« Stube nicht geheizt wird. Da ein Versuch wetter zu gehen, ihm mißlang, suchte er Zuslucht in dem Gehlste des Wirthes L, setzte sich dort in eine Ecke hin, und erst nach 1'/, Stunden wurde er, von Mattigkeit beinahe erschöllst, von den Leuten des L. bemerkt. Diese legten den Armen, da er zu gehen außer Stande war, anstatt ihn an einen warmen Ort zu bringen, aus eine Misttrage, (auch ein Symbol der Menschenliebe!), brachten ihn^so bis vor die Thür des Wirtshauses und luden ihn dort ab. Der Gastwinh setzte den Schulzen davon in Kennlniß und forderte ihn auf, den Armen fortchaffen zu lassen. Der Schulze, welcher angeblich krank war, wies ihn an den ersten Gerichtsmann. Dieser lehme jede Hül Belastung ab. behauptend, diese Angelegenheit gehöre nicht in las Bereich seiner Pflicht und Thätigkeit. Auch der dann auff.esorderte zweite Gerichtsmann fühlte keine Veranlassung hülsreiche Hand zu leisten, unter dem Vorgeben, er wäre mit Äinl)taufen beschäftigt. Freilich wäre eS von einem Dorfschulzen, der gewöhnt ist, sich als Untergebener de- Kommissarin» und nicht als Organ der Gemeinde zu betrachten, zuviel verlang, sich im Kindtausschmause stören zu lassen, um ein fremde- Menschenleben zu retten. Inzwischen war es finster geworden, und der Unglückliche lag bei dieser Kälte und in diesem Zustande noch immer im Freien. Der Gastwirth schleppte schließlich den ganz erstarrten Aruren in sein Hausflur, legte ihn auf den nackten Lehmestrich hin, und Niemand bekümmerte sich weiter um denselben. Des andern Morgenfand man ihn leblas, zur Eismasse gefroren. Gestern fand die Sektion der vom Besuch der Schweine nicht frei gebliebenen Leiche statt, welihe heute aus dem jüdischen Kirchhofe der Erde übergeben wm de. Das eigeitthümliche Ge bahren der Vertreter der Gemeiude Orla wird nach geschehener Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wohl die gerechte Würdigung und Belohnung finden. (Ostd. Zett.) Sohr»«, Oberschles., 15. März. (Or.-Eorr ) Ich setze voraus, daß Sie die Spalten Ihregeschätzten Blattes einer Mittheilung nicht verschließen werden, welcher der „JSraelit", der mit hämischen und verdächtigende» Randbemerkungen gleich zur Hand ist, schon seit Wochen die Aufnahme verweigert, obgleich sie nur Erfreulichein Betreff des Judenthum» berichtet. Die Thätigkeit unseres Hrn. Rabbiners entfaltet sich in erfteulicher Weise. Er hält allwöchentlich einen Raschi-Bortrag, der sich sehr lebhafter Betheiligung erfreut. Er berücksichtigt hieroei nicht nur den Raschi-Eommentar, sondern auch die Targuraim und besonderauch den Kommentar de- Rambav. Außerdem trägt er jede Woche in der „Schass-Chewrah“ einen ,8chiur* gegenwärtig in 71121712 vor Den Verein zur Beklettung armer Kinder hat er ebenfalls wieder in» Leden gerufen. Für die „Alliance irr. unio." interefsirl er sich gleichfalls lebhaft Er bemüht sich, derselben neue Mitglieder zuzusühren. In unserem Rachbarftädtchen LoSlau regt e» sich auch in löblicher Weise. Die Gemeinde beabsichtigt eine« neuen Eynagogeubau. Da die Mittel dazu noch nicht vorhanden find, gibt sich Alle» Mühe, zur Herbeijchaffuug derselben dehttslich zu sein. Eo fand neulich eine Vorstellung jüdischer Dilettanten statt, deren Reinertrag zum Besten de» SynagoxendaueS verwendet wurde. Auch hier hatten wir diese W«he eine derartige Aufführung, wie verlautet ebensall« zu w0)lthätig:n Zwecken. I. F. Stnttgnrt. Um da» Defizü der israUitischen Eentralkirkir,Henkasse für da» EtatSjahr 1875/76 im Betrage von 6866 fl. zu decken, muß dasselbe, nachdem durch Gesetz vom 23 Decevlber 1873 die israelUisch« Personalsteuer ausgehoben worden, auf die israelittschen Kirchengemeinden de» ganzen würtleuchergischea Lande» umgelegt werden, und «S ist, wie wir höre«, in dieser Beziehung bereit» ein« Aufforderung an die i»- «ulittscheu Kirchenvorsteher-Aemter ergangen, unter bestimmter Anzabe der Summe, welche die einzelne Gemeinde trifft. — Wenn nun auch dmch da« Grsetz vom 1873 die Personalsten«» den (rharakter einer Personallast verloren hat, so ist doch die Verpflichtung der i-raelittschen Gemeinden des Lande», zu de» Bedürfnissen des i-raelllischen LentralkirchenfondS, durchaus nicht beseitigt worden und eS mußte selbstverständlich nach Aufhebung drr Personalsteuer ein Mittel gefunden werden, einen Ersatz für dieselbe auf einer andern Grundlage zu sticken. Hierbei wird als da- Richtigste und Zweckmäßigste erkannt werden müssen, wenn man innerhalb der einzelnen Gemeind«« das zur Versteuerung kommende Vermögen der Einzelne« zur Grundlage für die Abgabenzumessung nimmt; allein, um den hier richtigen Steuerfuß zu-finden, müßten bedeutende Vorarbeiten vorangehen, ohne welche eeine Unmöglichkeit war, die Landesumlage zu machen, ohne die Gemeinden und ihre einzelnen Angehörigen auf» Ungleichste zu behandeln und hierdurch schon zu schädigen Deßhalb ist zu dem ganz gewiß richtigsten und unter den vorliegenden Umständen der Billigkeit am meisten em sprechenden Mitteln gegriffen worden, für da» EtatSjahr 1875/76 nochncalS aus dem Fundament des letztm Ertag» der Personalsteuer dabesagte Deficit der iSrackilischen Centralttrchenkrffe umzulegen. Ohne Zweifel werde-.« die Ungleichheiten, welche sich früher schon unter der Herrschaft der Personalsteuer-Anlage manchmal zeigten, und nach Möglichkeit ausgeglichen wurden, auch bei der nunmehrigen Umlage geebnet werden. In Laupheim wurde in der Nacht vom 28. zum 29. Januar eine jüdisch« ledige Haushälterin von 64 Jahren in scheußlicher Weise ermordet; der Mörder war — die Feder sträubt sich, eS niederzuschreiben — ein israelitischer junger Mann, Max Sänger auS Hohnbach. Er ist erst 19 Jahre alt, von Profession ein Steinschleifer und Goldarbeiter kam er al» wandernder Geselle nach Laupheim, wurde von der Ermordeten gespeist und unterstützt Der HauSeigenthümer war mit fernem Sohne ort-abwesend, und der unheimliche Gast wußte der harmlosen, schwachsinnigen Haushälterin zu ent» locken, daß in den oberen Gemächern Geld und Werthsache« ausbewahrt sind. Er tödtete die Hüterin de» Hause». Der Mörder fuhr noch in derselben Rächt per Bahn nach Ul», übernachtete daselbst und bezahlte die Zech« mir dem geraubte» Geld«. In Friedrichshasen wechselte er die Kleider und ließ di« asten beim Kleiderhändler zurück. I« Basel wurde er mit einem Genossen verhaftet, dieser soll aber bei der Blutthat selbst nicht betheiligt sein. Der Mörder ist nach Württemberg «,»gebracht und fitzt in Laupheim im Kriminalgefängniß. Er saß früher schon einmal 7Monate in der Strafanstalt für jugendliche Verbrecher in Hall und war wegen einiger Diebstähle wieder steckbrieflich verfolgt Der Eruiordeten hiett a» 31. Januar, Vormittag», Herr Oberlehrer Alexander Elsässer al» legaler Stellvertreter de» ortSabwesenden Rabbi» nen tie Leichenrede unter großem Zudrauge der Bevütterung au» Stadt und Umgegend — Da» EedurtSfrst Sr. Majestät de» König» am 6. März wurde in allen Synagogen de« Lande» festlich begangen. Der vom König gewählt« Text befindet sich Ps. 91, 1 u. 2. Oesterreich. 8e»ß«g. Ueber den verewigten R. Joseph Saul Halst Nathansohn bringt der Lemderger „Israelit* folgen» den Nekrolog: „I. S. Rathansohn, Rabbiner z« Lemberg, geboren t» Jahre 1808, dessen Hinscheiden nicht nur eine« herben ver» lnst für die Lember t»r. Cultu-gemeind«, sondern für da» ganze Judenthum bildet, war der älteste Sohn de» durch sein» Gelel-rjamkeft allgemein geachtete« Leid Rathansohn au» Vtpezan. Er genoß «in« den Traditionen seiner frommen Familien entsprechend« streng religiöse Erziehung und zeigt« sch»» in früher Jugend «in« große geist^e Vqzabnng «nd «ine» seltene» Fleiß Kaum 1» Jahre alt, verfaßt« er zusammen mü sein» Schwager, de» seügen Mark«» Last stttinger,