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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 12. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 12.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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E-1 - schauung von Juden und Judenchu« ihn für de« Austritt an« der Religionsgemeinde plaidiren ließ, so dürste er mit seinen gutgemeinten Ansichten in diesem Aufsatze dem Lehrervblke eher geschadet, al» genützt haben. Nun «och ein». Herr L. stellt ein umfaffende« UnterrichtSgesetz sehr in Frage und wünscht ein „behutsame« Experimentiren." Da« wäre ein Unglück und brächte die Schule vom Regen in die Traufe. Wenn die Schule, wie ja Herr L. behauptet, jetzt sehr krankt, so ist da« eine Folge de« viele» Experimentiren«. Auf keinem Gebiete ist so viel experimentirt worden, al» auf dem der Schule. Ihr hilft nur ehu Radikalkur. Dem Abgeordneten L., al« Vorsitzenden der Budgetromrnission, möchten wir noch an« Herz legen: Der Lehrermangel vermsacht die Lehrermangel und dem Lehrer Mangel. Flato«, W-Pr. Pl. (Der Herr Verfasser fügte der Einsendung seine« Artikel« die Worte hinzu: „Bitte Vorstehende« im Interesse Ihrer treuesten Abonnenten, der Lehrer, aufnehmen zu wollen." Wir thnn da« auch recht gern, obgleich der Aufsatz nicht ganz in de« Rahme« unsere« Blatte« paßt Wir unterlaffen e« jedoch eben deswegen, weitere Bemerkungen hinzuzufügen. Für un« liegt der Schwerpunkt der hier besprochenen Abhandlung a« anderen Stellen. La«ker bekennt sich daselbst zu der Ansicht Derjenigen, die jeden Eultu« für überflüssig halten; er meint, daß zwar die Kirchen noch nicht ganz chren Beruf erfüllt haben, daß e« aber gllt, in «»«dauernder Thätigkeit den Platz zu gewinnen und zu behaupten, der Menge für den zugrmulheteu Verlust gleichartigen Ersatz zu leisten." Er will also <in Surrogat für die Religion suchen. Aber er geht weiter: er will die- Kraft der „gestifteten Religionen" schwä- 'chen, ihre« Einfluß untergraben und — er beginnt da, wo t« chm am leichtesten scheint, bei — den Juden. Red ) Berichte imd Eorrejpoudeazell. Deutschland. Etetti», 9. März. (Schluß de« Artikel« in Rr. 10 ) Luser« geehrten Leser werden verftanden haben, warum wir Jm vorigen Blatte den Schluß der Bemerkungen, die wir über de« sel. Direktor Frankel noch geben wollten, zurückgelegt n»d statt deffen zwei Schüler« de« Verewigten da« Wort ver« stattet haben, um für die Geringschätzung und Verunglimpfung ihre« Lehrer« Rechenschaft zu fordern. (Unter „Kempen" u. Cagdeburg".) Die Vorschriften unserer Weise« über di« furcht gegen Lehrer sind un», Gott sei Dank, tief in'» uchen«. Herz geprägt,. darum ist un« die Entrüstung jener Schüler «in« sehr gerechte und berechtigt«; wir haben geglandt, itzre Worte unverkürzt und ungemUdert wiedergeben zu müssen. Mir verzichtrn jedoch aus den Versuch, blind« Parteiwuth belehren oder bekehren zu wolle«; wir «enden un« an die unbefangenen Leser. E« ist nun leider in unserer von.Parteitärnpfen durchwühlte» Zeit sehr natürlich, daß auch da« an flch, »«parteiisch« Publikum glaubt, da« Unheil über di« wisseaschaftlich« Bedeutung und de» Gesammtwerth eine« hervorragende« Manne« > werden überall durch Parteirücksichten bestimmt. W««« von Frankel gesagt worden ist, daß sein Verlust, ei» lgeradezu «nersrtzltchrr.set, so wetuen Biele, da» setz die Ansicht oder dt« Behaupt«»- seiner Partei. Dazu hmmt,.,daß Frankel seiuer Eigenart nach kein populärer Schriftsteller stt«, daß er «itMtiani Merke« und seinem, ga«. P» Wirke» sich «tch«. a»da» große Pudittum wende«, konnte und wollte — und darum find gar Biele der Meinung, man Sh« im Lob« Frankel'« zu «Kit, thue ihm zu viel. Andern im rrgieitge mit ihm zu wenig an. Die hervorragende Beden» tung Frankels ist dem Laien wirklich nicht klar; er glaubt, man übertreibe oder überschätz,: sie. Wir sind daher genöthigt, sie dadurch in« recht« Licht zu stelle», daß wir Frankel mit andern zeitgen äffischen, bedeutenden jüdischen Gelehrten vergleichen. Wir haben dabei bestimmte Personen, lebende oder bereits verstorbene, im Sinne, Kundige werden, die Name« leicht ergänzen können, wir nennen jedoch keine solche. — Da haben wir also einmal hervorragende Talmudisten, gewaltig an Belesenheit und Scharfsinn, aber «inseitigst nur auf diesem Gebiete heimisch, sodaß selbst Bibelerktäruag, Grammatik, jüdische Geschichte, geschichtliche« Berständniß de« Judenthum« chne« fremd und jede« andere Gebiet de» Wissen« gar nie von chnen betreten, berührt ist Bon chnen ist hier nicht zu rede» In den Ländern europäischer Sultur haben und hatten wir dann Männer von umfassender theoretischer und praktischer Kenntniß der biblischen und rabbinischen Literatur, verbunden mit klassischer Bildung, Sprach- und Realkenntniffen verschiedener Art. Aber diese zwei Arten de« Wissen«, der Bildung, der.GeisteSentwickelung find bei ihnen wirklich zwei Arten, ganz geschieden. Eie durchdriugen einander nicht, berühren einander kaum. 8» wird wohl philologische«, geschichtlicher, naturaeschichtliche» u. dgl. Wissen hier und da verwendet, um Rabvinische» dadurch zu erklären, zu beleuchten, zu veNhtidigen, aber e« geht entweder nicht über ein« tendenziöse Anwendung hinan«, oder e» bleibt rin gelegentliche« Benutzen de» „Profanen" für da» Rabbinische. Daher bleibt ihnen da« talmudische Studium im hergebrachten Geleise. Allerdings haben jene Männer sich von der polnischen Rabulistik, von dem schon von den echten Gelehrten älterer Zeit verurtheilten (wenn auch nichtsdestoweniger geübte») PUpul losgesagt, sie halten sich mehr an di« Sludieaweise der Alten (Riachonim), aber eine neu« Bahn hat keiner von ihnen gebrochen, um daS Studium d«S Talmud auf da« gleiche Niveau mit den anderen Wissenschaften zu bringen. Bon Einem hatte man gehört, daß er et» wissenschaftliche», begriffsmäßige« Studium der Halacha gesucht oder auch gefunden habe — e« ist nicht« Nähere« darüber bekannt!geworden; die Proben, di« un» durch die Bermsttelung eine« einerJünger zugänglich geworden find—insofern st«, wa» wir weder bejahen noch verneinen können, einen richtigen Schluß auf die Methode j-ne« Meister» zulaffen — sie find zwar achtung«- werlh, geistreich, aber doch olle» eher wie Wiffensckmft — Wiederum sind da Männer, welch« durch eigene Geisteskraft neu« Bahnen der Erkenntniß jüdischer Ding« (wir sagen nicht: de« Judenlhum«, denn damit wäre zu viel gesagt) eröffnet haben, für jüdische Geschichte, Literatur, Biblographi«, Sprach, künde, Alterthumtkund« rc. re. Aber einigen von Diese» haftet di« Autodtdaktik allzusehr an, e« fehlt ihnen die fch« und sichere Basi», e« steht in ihren oft an sich großartigen Erörterungen überall der Einfall, die haltlose Hypothese, ja der „Schwindel" dicht neben de« gediegenen Resultate der Forschung. Wieder andere» Männern jener Art geht da« eigen tlich talmudische Wissen ganz ab. St« haben beide Talmud«, Midraschim x. s. w. wiederholt durch ge lesen, haben ei* Unsumme tm Notizen darau« gezogen, gesammelt, »trage»'« auch im — aber sie kennen den eigentlichen Inhalt durchau« nicht. Sie haben ebenso die ganz« nachtalmudiich« Literatur durchstöbert, und neben dem Gedruckten auch noch sehr viel Handschriftliche«, ihr« Gelehrsamkeit ist ftüpend, und dennoch wird da« erste beste „Talmud-Jüngelchen", sie für eomplete „Amhaarez" erklären, pnd mttMcht, dey^^si« können keine talmudische Diöeusston auf dem Blatt« versteh«,, noch wenlger au« dem Kopfe führen, wissen keinen Pin, haben tausend Scheffel Schalen aüsgeoäuft und kein Loth Kan — wenn sie auch eben deshalb behaupten, daß sie di« Schalen «rggeworfen haben. Wohl giebt oder gab H nun noch hier und da Einen oder Zwei und Drei. dl« darin »n tzrankel hinanreiche», daß'sie groß« und ,zM,-Wtw>K»>,tÄ

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