Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 12.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 90 — V*, Hei! mittel für die schwere Wunde, die «n» Allür zugefügt worden ist. Aber »m Alle» in der Welt lei»« Heldßeü» keine flMkelmßßigkkA, Uhu' u»i»> keine Wk ’KCn, keH „schlechten TüWDr^unIl^rue mit,! telmäßigen Ooetvreuck" K7 im&ymutnJM jkhuuw. Al» bedeutenden Juristen und glänzenden Redner haben wir schon vielfach Gelegenheit gehabt, den Abgeordnete« LaSker zu bewundern. Nunmehr zeigt er sich anch als Pädagoge, und nicht ohne „pädagogisches Geschick" weiß er in seinem Aussätze: „Ueber Anlagen und Erziehung*)" seine Ansichten in diesen Punkte« zu entwickeln. Wir wollen durchaus keine Äritil an dem, was Hr. L. geschrieben, üben, indeß glauben wir «S doch unserem Stand« — dem Lehrerstand« — schuldig zu fein, den Hrn. L. über sei» ziemlich wegwerfende» lhtthetl über Schulanstalten und besonders über Elementarschrlen entgegenzutteten. Während der Reichskanzler in seinen letzten ReichStagSretxm der Schule und ihrem Einstuffe einen bedeutenden Antheil an dem sozialen Leben zuschreibt, während er de» versammeUen Lehrern seiner Zeit einen Gegengruß al« „treuen Kanpfgenoffen" zukommen ließ; während der ehemalige KriegSminister Roon durch seinen Ausspruch: „DaS preußische tzenc ist durch die preußisch« Schule hiudurchgegaugen" den Lesrern ei» Verdienst an deu ruhmreichen Thaten de» deutschen Volke» beimaß, — ist Hr. L. entgegengesetzter Meinung u«l> sagt: „Me öffentlich« Schule kau» nicht Trägerin der BokSerziehuug sein" und „e» ist oberflächlich, die größten Thrten der Ration für da» verdienstvolle Werk der Elementar lehrer zu e:cklären und kleinmüthig nach den Schulen al» den Lenkern der Gesamwtbildung hinzuschauen." Hr. L. me mt überhaupt, daß e» falsch sei, den Gesammtstand der na tonalen Lv ltur «ach dem Berhältaiß der Elementarschule zu beutt heilen, und daß «» schlecht um die deutsch« Ration stäade, wenn jene wirklich di« Hauptquelle der Volksbildung wäre. D^ hruptsächlichsten Lehrmeister find nach L. „die Erscheinungen der Außenwelt und der AnschauungSkrei« d«S Ktrde». (Ist di« Schule nicht da« Mittel, welch«« die Erschtiuuuge« der Außenwelt dem Kinde zur Anschauung bringt, erioeitert und befestigt, also di« Hauptsache?) Sie find der dritte Strom, in welchem dt« Bildung einer Ration dahinzieht; fie bewirken neben dem „armselige« Schulunterrichte" den stetgeu FortschrÜt der Lultur". Doch zweifle au der Gerechtigkeit de» Hru. LaSker nicht! Di« Schuld davon, daß di« Elementarschule ihren Kindern bet wette« nicht eine fest einge »rügte Fertigkeit im Lesen, Schreiben und Rechnen beibringt, lttgt in der schlechten Besoldung und der ungeeigneten Beaufsichtigung, in den überfüllten und unsaubere« Klaffe« und iu dec Theiluahiulostgkeit der Gemeind«. Hr. L. will auch durchaus nicht der: Eifer für da» Schulwesen hemmen, „denn die Schul« ist ett, unentbehrlicher Bestqudtheil unsere» vtldung»- spiem» und muß geschützt werden." Er will nur die vorh« «denen Mißstände aufdeckt« und dadurch chr« Abhllfe vor» dereitt». Aber noch — sagt Hr. L. — find dt« Meinungen *) -» Mw>ii|'l Kutscher »mcksch«" Heft L bezüglich der Abhilfe so gelhellt, die Vorschläge zur Reform! so verschiedenartig, daß die Zett fü»- MßMveränderuuge» de»U»1errtch«» nockFnicht goetgset erschmnt^nd daher meint HÄsEwirdrdie nächste-Schulreform veemuWh nur zu be» huDrHn EAerichtMuisich entschließen. E» läßt sich 'durchaus nicht läugne«, daß di« Schul« weit eh»«« itzfr,<ZuU»»z»rückbt«ibt/ d«tz di« Zmt npst^i« Mfr: welche darauf verwknvet wird, i«t 'kedtem Einklänge mir bw' Erfolgen steht — da« gesteht jeder gewiffenhaste Lehrer eip; allein, wer hat Schuld? Ist eS die Schuld de» Lehrer», daß di« Klaffen überfüllt und unsauber, daß die Stellung, wtt st« ' der Lehrer jetzt einnimmt, keine würdige, daß di« Theilnahm« ‘ der Eltern an der Schule eine so geringe ist? Sind di« Schulen wirklich so wenig vo» Nutze« für da» Leben unserer Nation (vielleicht gedeiht die deutsche Ratio» t auch ohne Schule), haben fie au den moralische» und poltti» scheu Erfolgen unbedeutenden oder gar keine« Antheil, bau» wäre e< am zweckmäßigsten, Hr. L. stellt« schon iu der näch»> sten Kammersitzung den Antrag auf Schließung sämmtlichhtz; Schulen. Run, wir glauben nicht, daß e» Hrn., L. Ernst^ist mit seinem so vollständig vernichtenden Urtheil über di« Schn» len und die Thätigkeit der Lehrer. Damit die kranke» Glieder schneller gehelltwerden, hat er di« Wunde» „sehr ihii, tend" zur Schau gestellt. Kein Lehrer, hat. tL. aoch.gewagt, die Erfolge tei.Gotaaö. und Sedan ganz dem Wirke» seine» Stande» zvzuschreibeu. Aber einen Antheil, ja einen bedeutende» Antheil, kann der preußische Schulmeister für sich in Anspruch nehmen. Die , bester bewaffnete, und an Zahl bedeutendere, Macht de» Fein» de» zerbrach an der höheren Bildung, vom höchsten Offizier bi» zum Gemeinen, im deutschen! Heere. Diese Llldung ver» mittette bei jedem Einzelnen «in Berständntß für. die auge»» blickltche Situation, st« flößte ihm Muth ein und half ihm Entbehrungen tragen, denn e» geschah für da» geliebte va» terland. Oder hat der Bauernjunge, der hier in Reih« und- Glied stand, dies« Begeisterung für sei» Vaterland hinterm Pfluge oder hinter der Sänseheerd«, auf der Landstraße oder in der Dorfschenke eingesogen? Diese Liebe zum Vaterland ist bet dem allergrößten Theil da» Resultat de» BolkSschul» unterricht». Der AnschauungSkrei» de» Kinde» und die AußenwÄt - sind nach L. di« hauptsächlichsten Lehrmeister. Da» müsse!» wir entschieden in Abrede stellen. Bon erziehlichem Einfluß auf da« Kind find biefe beiden Factore« ganz gewiß, ater' der Hauptfactor ist: die Schule. Di« Vereinigung vo» Schule, Natur und menschlicher Umgebung bilden den Me»»; scheu, bewirken seine Erziehung. Wa» würde wohl dem Kindeda» Ansehen de» Telegraphen drahte», der Eisenbahnschiene» und de» Dampfschiffe» nützen, wenn e» sich in der Schul« ntchl Rath holen könnte, wa» damtt anzufangen ist? Wel»" chen Nutzen hätten die meteorologischen Erscheinungen t» der t, Natur, wenn der Lehrer st« dem Kind« utcht verdeutlichte?^ Herr L. mit seine» idealen Anschauungen «utferut sich - zu sehr von der realen Welt, tu welcher dt« Menschenkinds»; l wohnen, und vergißt, daß nicht au» jedem Kind« «t»„gSs. lehrte» Wesen" werden kann. Ebenso «'ie seine ideal« A»- *) U(X M Schicht, fürcht« »tr, m »«mich tUkm schul«» «tat »tchtt (IMi) '£ '■