Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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86 Vermischte und neueste Nachrichten. ÜRagteiirg, S. März. (Or.-Lorr.) Wa» ich zu dem Artikel jag-, den da» zu Main, erscheinende, allen Trägern de» Slamrn» „J»raelit" zur Unehre gereichende Schmähblatt über Frankel bringt? fragen Sie mich, geehrter Freund, unter Einsendung der betreffenden Nr.*) Nun die Antwort darauf hat vor Jahrtausenden schon Koheleth im S. «Lp. v. 4 gegeben, «o er von dem Gegensatz« zum „tobten &>mtx" spricht. Oder ist Ihnen diese Antwort ,u ait und zu weit h«rg«holt, so liegt mir allerding» auch die näher, die Bi«mirck den Uitramonlanen jüngst zugerufen, und die auf re« Mainzer jüd. Lollegen auch vollständig paßt; „Glauben ir, iiaß da» Sesühi de« Ekel» und der Verachtung mir frenid ist, ich di» nur zu anständig, «» au«zusprechen." Ja, jene« einsyU'ige Wörtchen, womit man da» Gefühl de» Abscheu'» autzulirücken pflegt, war'», da« mir beim Durchles«» jene» Artikel« auf den Lippen schwebte, sodann aber beschlich mich ei» tiefe« Schmerzgefühl bet der Erwägung, daß man der« gleicher jüdischen Lesern im Namen der „Orthodoxie" aufzutischn» sich erdrrrstet, daß e« Leser gebe, die nicht sehen, welch' ein lästerlicher Mißbrauch mit jener Parole getrieben «erde. Frankel — 123VV m»3 'm — dieser Mann von so vaster Gelehrsamkeit, der sein ganze» Leben in den Dienst der jüoischea Wiffenjchaft gestellt, der, wie selten ein Sterblicher, so Bedeutend«» gerade aus dem eigentlichen jüdisch-theologischen iSebiete geleistet, auf jenem Gebiete, da» mit Meisterschaft zu beherrschen nur Wenigen gegeben ist, — freilich dem ^rautigeoer de» Mainz« vl. mangelt so sehr da» verständniß füc solche wissenschaftliche Bedeutung, daß nach ihm F. seinen Ruhm nur venjenigea Schriften vervankl, „in welchen er die lalmudischrn Borschristea in deutscher Sprach« den ntchljübischen Gelehrten zugänglich machte" — diesen Mann, der, wie alle Parlheien anerkennen, ein 'btS’J HiX '"1BD va: und zugleich «in makelloser Eharakter, von sittlicher Reinheit und Hoheit, von echter Bolte-furcht und Frümmigkeil, er!ühnl sich eia Mensch, der auf jüd.-wiffenschaftlichem Gebiete eine anerkannte Null ist und deffen sittliche» Verhalten al» Jouruatift (wie schon der vorliegende Fall zur Genüge z,igl) noch unter dem Nullgrade steht, deffen ganze traurige Bedeutung darin besteht, die Drachensaat der Zwietracht itnd de« Unfrieden» in Gemeinden auSzuftreuen, (wozu selbst der Friedhof ihm nicht zu heilig ist, man denke an Carl«ruhe), Lug und Trug zu verbreiten (man denke an Riwlia u. Lons.) u. dgl. m , — nach dem Tode zu verunglimpfen, von chm unter Anderem auSzusagen, er Hab« al» Begründer der conjervalive» Richtung vom Judenthum nur soviel erhalten wollen, al» ihm bequem war!*) Wie? steht denu da» Gebot, Greise und Weise zu ehren, nicht in der Thora? Und wenn da» dem Herausgeber de» Eentral-Organ» für da« „onhodoxe"Judenthum nicht genügt, enthält niht auch der Schulchan-Aruch einen ganzen Abschnitt, der von N"N ni3^n handelt, worin (Jore Deah Lap 243, § 6.) |i lesen: „E» ist eine schwer« Sünde, einen Talmid- Chachar, bet Geringschätzung preiszugeben; wer e« thut, hat keinen Antheil au der zukünftigen Welt u. f. w." Oder war Frankel vielleicht kein N"N? Al» „bedeutenden Gelehrten" muß chn ja selbst jener Artikelschreiber trotz aller Verkleinerung gellen taffen. Der K 7 de» citirteu Kapitel» im Jore deah *1 Hier m Llagdetue- — jnr thr« der dtmeidat sei'« grs«-t — h»U« ich u, der Ihat kein «xemplar deSsetbea austreiben lSimea. **) Lührend «ir diese« schreibe», gehl u»« di« neuest« Rr. der »Jüd. Pr.» ju, nnri »laue« derselben (oitfpboien) Partei, da« aber »ehr de», gelehrtere» und -ebUdetere» »h-il« derselbe» »um Organ« die« um (ttt emlaer Zeit eine« anständigeren Tone« sich befleihlgt; da«, selb« bridgt den „Schluß» eine« länger«» wllrdra gehaltenen «etrolog« über Fraakel und hebt «gerade al« besondere« Berdienst Kranket'« her. »»r, »aß er gegen »i« ^krqnrmttchteit«sucht», di« aus de» ersten btabbiner^annntungen da« stUl« Ltoti» zu vielen Slrsorme» abgab, Energisch» austrat. dekretirl: iniK p30 1"3 W1Ö in»6 D3ITt NA M2 2M« Nun «» gtebt (G. s. D.y keinen jüdischen Gerichtthof, der heutzutage (nach diesem §) über einen solchen „Verächter" den Bann zu verhSngen, befugt wäre, aber die öffentlich« Meinung spricht über ihn die Acht, alle Gebildeten selbst seiner eigenen Partei werden von ihm und seinem Blatte mit Abscheu sich abwenden, e« wäre nur ihre Pflicht, e» öffentlich zu erklären, daß sie ein solche» Gebühren verurthrtlen, sonst ist di« Partei in ihrem Wortführer gerichtet Dem H«rau»gebtr de» Mainzer untsr. „Jtraelit" rufen wir zunl Schluffe zu: Während Frankel zu denen gehvtt, dt« nach einem An»spntche unserer Weisen, wenn auch leiblich todt, dennoch stet» al» lebend zu bezeichne«, gtebt'e» — nach demselben Au«spruche — eine Klaffe von Menschen, dt« bet ihrem noch so skanralsüchtigen Leben dennoch todt, moralisch todt, zu nennen ist. Berlin, 6. März. Die „vossische Zeitung" schreibt heute: Wir theilten vor etnPer Zeit mit, daß der Vertreter de« Lultu«minister« in der Petition«<Lommiiston de» Abgeordnetenhaus«» erklärt Hab«, rin von verschiedenen Setten beantragter Gesetzentwurf über den Austritt au» einer Synag.-Gemeind« könne in der laufenden Session nicht vorgelegt werden. E» hat dies« Erklärung, wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, darin ihren Grund, daß der Lultu»mtnister «ine allgemein« Regelung der Verhältnisse der Juden, unter Berücksichtigung der im Laufe der letzten Jahrzehnt« eigetretenen Bewegung innerhalb de» Judenthum» beabsichtigt, welche« läitgere Zeit in Anspruch nimmt, v o r Au«arbeit«ng eine» dahin zielenden Gesetzentwurf« sollen vertrauen«män»er au» jüdischen Kreisen zur Abgabe ihrer Meinung aufgesordert werden. 6. Breslau, 4. März. (Or.-Lorr.) Heute ist Herr Israel au« Rakel, al« Talmudist rühmlichft bekannt, hier eingrtroffen, um vom nächsten Sonntag an den T a l m u bunter« richt an Stell« de« Herrn Dtrector« f. L. provisorisch zu leiten, damit diese» wichtig« Fach nicht länger am Seminar unbesetzt sei. — Daß alle Nachrichten in den Zeitungen über Berufung von verschiedenen Männern al» Nachfolger de» Herrn Direktor» vollständig au» der Luft gegriffen sind, versteht sich von selbst. E« ist bi« jetzt von definitiver Besetzung diese« Posten« noch nicht die Rede gewesen, sondern nur von provisorischer Leitung de« Talmudunterricht». Frankel ist eben leider nicht zu ersetzen. Leipzig. Herr Prof. Dr. Goldschmtdt verläßt da» ReichS-OberhandelSgericht und nimmt eine Profeffur de» Handel«- und Römischen Rechte« in Berlin an. Naffa». In Cleeberg starb am 22. Februar die „alte Lea" nach kurzem Krankenlager im Alter von 107 Jahren. Dank den Bemühungen de» „Rhein. LurierS", de» „Franks. Tageblatte«" und der Opferfreudigkeit edler Menschenfreund« genoß die alte Lea, von dem Drucke der Nahrungssorge befreit, einen heiteren Lebensabend. Bi« zuletzt blieb sie i« vollen vesitz ihrer Berstande«kräfte. — Auch in Sylzen (Rhein- Hessen) starb jüngst S. Lewy, 10k Jahre alt; drei seiner Kinder find bereit» Siebenziger. Wteu. Die Vorsteher der Ehewra Kadischa in Verbindung mit den Damen: Julie Schlesinger, Fanny Güdemann und Minna Gomperz riesen eine zweite i»r. Volksküche in» Leben. Wie«. Die historische Sektion der hies. israelitische« Allianz beabsichtigt, «in Archiv anzulegen, welche» di« Copien der wichtigsten Urkunden und Dokumente, die auf dt« Jude» in Oesterreich Bezug haben, enthalten soll. Die bedeutendste» sollen von Zeit zu Zeit veröffentlicht werden. Au» Lemberg erhalte« wir die Trauerkunde, daß der weilberühmle Oberrabbiner Jos. Saul Rathanso» daselbst am 8. diese» Monat» Abend» 10 Uhr gestorben seil >1VV mm» NA -ivrr "1