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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 11. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 11.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 87 — Aevilletou. Dt« Maurt«. «tn« Erzählung «u» Spanien« Vorzeit. (Fortsetzung.) „Don Gasparo, rief der Infant, ich schwöre bei San Iago und allen Heiligen, daß Du ein Tropf bist; denn Deine fertig« Zunge ist nicht im Stande gewesen, mir mehr al« einen sehr schwachen Begriff von der Schönheit dieser maurischen Prinzessin zu verschaffen, al« deren Ritter ich mich tn diesem Augenblicke erkläre. Donna Lstrella, Euer Blick schetnt mir zu sagen, daß Ihr mich kennt.... Desto besser: so dürft Ihr nicht so finster drein schauen, denn ihr wißt, daß Luch Don Felipe von Asturien gegen jene Heiligen schützen kann, deren Livree er Luch zu Liebe angezogen hat. Folgt mir, und bei «eine« Schutzpatron und dem Wort« eine« Ldelmaane», Ihr sollt e« nicht bereuen, Luch meinem Schutz« anvertraut zu haben." „Ich gehe, wohin mich da« Schicksal führt, erwiderte Lstrella eintönig, da» Lure Ansichten zu Schanden machen wird." „Wiek Ich entzieh« Luch dem Kerker de« heiligen Sr» richt«, und Ihr dankt mir nicht? Ich bestimme Luch die 6»»» l» Florida, und Ihr bittet Sott oder vielmehr Luren fatalistischen Mahomed, daß er mein« Absichten vereiteln möge?" Lstrella schlug den Schleier über da» Gesicht und erwidert« keine Silbe Sie ließ sich au» dem Hause führen, ohne widerstand zu leisten und flüstert« dem Juden, al« derselbe ihr behülfitch war, in die Sänfte zu steigen, nur da» einzige wort: „La Florida" zu, welche« der Name «ine» kleinen Lusthaust» in der Näh« von Madrid war, da» zu den dem Prinzen überwiesenen Besitzungen gehört«. Der Prinz hatte sich von einem der beiden für Madrid bestellten Fitcai« de» Jnquisilion«gericht» einen Haftbefehl gegen die Maurin verschafft, weichen er dem gefälligen Beamten jetzt einfach mit der Notiz zurücksandte, daß dt« verfolgte bereit« eätflohen sei. Die beiden Familiäre» de» heiligen Gericht» entfernten sich, und Don Felipe und Don Gasparo leUeten. ohne von irgend Jemand eine unzeilige Frag« befürchten zu dürfe«, di« Gefangene zum Thorr hinaus. Al» sie an da» nächste der Olivenwäldchen kamen, welche sich damals am Manznnare» befanden, deffen Ufer heute in Entfernung von Madrid kahl und öde sind, trafen sie auf zwei E»cudero», «der Stallmeister de« Prinzen, di« zwei gesattelte lose Pferde für ihn und Don Gasparo an der Hand hielten. Die vermummten entfernten ihre Verhüllung und setzten sich auf, um so eilig wie sie konnten, den Weg nach La Floriva zu vrrsolgen, woselbst sie mit chrer Gefangenen ankamen, bevor noch der Tag völlig angebrochen war. Don Lui« erfuhr in seinem Sasthause, daß die vornehmen Gaste sich erst vor etwa einer Stunde entfernt hätten, und fand in seiner Schlafkammer einige mit Don Gasparo'« Namen Unterzeichnete Zeilen, in denen ihm empfohlen wurde, Madrid s^ schdell wie möglich zu oerlaffen, wenn er der drohendsten Gefahr zu entgehen gedenke. Jedenfalls war e« also kein flüchtiger, in einer Weinlaune gefaßter und bei ruhiger Uederiegung beseitigter Entschluß gewesen, al» ver Prinz beschloß, auf da» arme Mävchen Jagd zu machen, weiche Don Gasparo ihm mst arglistiger Beredtsamkeit geschildert hatte. Die Savaiier« waren während der Rächt nur deshalb nicht in dem Hause de» Juden erschienen, uni sich chrer Beute um desto sicherer zu bemächtigen. Don Lui» de Lojazar'» Gedanken drehten sich im Kreise. Die Falle, welche für Zoorith bereitet war, erwies sich als eine solche, weicher sie unter keiner Bedingung entgehen konnte, wenn sie Muiep Pereira, den sie al» ihren Vater lieben gelernt hatte, so wie den Juden nicht dem sicheren verderben durch die Inquisition weihen wollte. Der junge Edelmann mochte sinne«, wie er wollte, er fand kein Mittel, um die Sache zu ändern. Die Anklage der beiden Greise vor dem Jaquisitionstridunal war de« rachsüchtigtn Eharacter de» Jnf,itte« gemäß uuausblriblich, selbst weuu Zoorith nicht von Don Lui« entführt wurde, sondern sich, um so rasch al« möglich tn Sicherheit zu kommen, in eine» der Klöster der Damen von der Buße de» helltge« Domtnicu» begab. 8» war gewiß, daß Zoorith selbst dem Tod« trotzt«, bevor sie die beiden alten Männer opferte. verzweifelnd kam Don Lui« wieder tn Justus» Wohnung an und erfuhr hier, daß Zoorith sich bereit« tn der Gewalt de« Prinzen von Asturien befinde. „Wir wollen ihrer al» einer dem Tod« Geweihten, al>» einer verstorbenen gedenken, sagt« Muley düster. Sie wir!) sich ihre« Räuber« nur dann zu erwehren vermögen, wenn sie sich den Tod gtrbt, und sicherlich wird st« in der Stunde der Gefahr sich nicht schwach finden taffen. Genügt mein Tod, um sie befreien zu können, so würde ich gern sterbe«, aber da» Leben unsere» Gastfreunde» ist zu helltg, um gefährdet werden zu dürfen. Liebt Ihr, edler Don Lut», die un- Slückltch« Zoorith, so gedenkt ihrer, wenn Ihr sterbt, damit « einst Eure Gefährtin sei im Paradiese." Don Lui» war jedoch nicht der Mann, um sich länger einer dumpfen trostlosen Thatlostgkett hinzugeben. Lr fragt«, ob Juffuf ihm sofort einen neuen Hut und Mantel, feine Wäsche und Spitzen für seine Stiefelränder anschaffrn, und die Stiefel selbst rüthltch lackiren lassen könnt? „Ihr wollt zum Könige!" rief Juffuf. „Nein, aber antwortet auf meine Frage." „In einer Stunde werdet Ihr Alle« haben, wa» Ihr wollt" In der That schaffte der alte Jude da« verlangte, und Don Lut« macht« mit einer Sorgfalt Toitett« wie einst in dm Tagen seine» Glück«. Dann ließ er sich beschreiben, wo bet Palast der Dßnna Remtra de Alanco» lag, und vrrltiß di« Greise, um dir stolze Geliebte de« Prinzen von Asturien aufzusuchrn. Donna Ramtra residtrt« tn der Straß« von Toledo gleich einer Königin. Don Lui« hatte Mühe, durch sein«» bestimmtesten Befehl den Aufseher de» Dienerschwarm« ,u veranlassen, daß er der Herrin angemeldet wurde. Der Hauithofmeister, welcher äußerst widerwillig sich entfernt hatte, käm, mit seinen gelbbestumpstrn Beinen ungeheure Schritt« machend, im vollen Laufe zurück. Don Lui« ward von dem Majordamo in den, tn etre Menge kleiner schmaler Beete abgetheilten, im niederländisch *n Geschmack aufgeputzten Garten geführt, deffen äusterst«»End« dichje,, Rysephecken, viele TaxuSpyramiden und schwankend« Ledern zeigte, zwischen denen erotisch« Gruppen tn Marmor im Beschmacke der entarteten, weichlichen Schüler Michel Angela'« sich befanden. Lin tunifische« Zelt von grüner Seide, reich mit Gold und Silber verzier» und ringsum von kleine« Fontaine« umgeben, bildete das Allerheiligste diese» Tu«kuluin». Der Hau»hosmeifter führte den Gast bi» zum Eingänge te» Zelte« und verschwand. Der Graf Lojazar sah sich derjenigen gegenüber, welch« er einst seine Verlobte genannt hatte. Donna Ramira hatte sich von den Kiffen ihre» Divan» erhoben und näherte sich ihrem früheren Anbeter, indeß sie denselben mit einem unverkennbaren Ausdrucke der freudigen Ueberraschuag betrachtete. E« bäuchte dem Grafen, als wenn sich die Schönheit der Dame von Alancos, seit er sie nicht gesehen, erst zu chrer vollkommenen Biüthe entfaltet habe. Eie trug ein weite» weiße» Seivengewand mit kurzen Aermeln, da» unter dem Busen durHz «ine düqne golvene Schnur zusammengezogen war. Die'Dienerin, weiche sich im Hintergründe de» Zelte» befand, hielt einen blitzenden Kamm in der Hand; sie hatte begonnen gehabt, di« Dame zu frisirerl. (Fortsetzung folgt.) &4K ...

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