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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 11. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 11.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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85 kannt «bet vielmehr verkannt war, (sagt der Bericht) ist eia wahrer Liääusod Kascdslll gestiftet, man hört dort jetzt die Predigt de« Judenthum», die Jugend erlangt Religionsunterricht, und der Gottesdienst wird mit Würde abgehalten * Der nach Elermont Ferra,id gesendete Rabbiner versteht nun «gleich während der Saison seine Functionen in dem Badeorte Bfthy. Daselbst ist keine jüdische Gemeinde, es ist aber ein Lokal geniiethet, welches einen Betsaal, Wohnung für den Rewbiner und Zimmer für die durch die Frau des Schachet gehaltene Aoscher-Rcstauration enthält. Alle Kosten für diese „Mission" trägt die Kaffe, ein Theil der für die Einrichtungen ft, Bichy entstehenden wird durch fteiwillige Beiträge der iSrael. Badegäste gedeckt. Man will nun weiter durch solche „Wanderrabbiner" die Gemeinden in Paer und Montepellier orgaaistren. PariS. Am Lyoie Charlemagne findet alljährlich ein gemeinschaftliches Mahl derjenigen Zöglinge, welche die ersten Plätze erhallen haben, statt. Die iSrael. Studenten, welche die Sprifegesetze beobachten, konnten vaun wohl mitlrinken und Deffert verzehren, aber nicht mitlischen. In diesem Jahr am 6. Febr. hat der Proviseur des LyceumS das ganze Mahl koscher zubereilen laffen, d. h. in einer jüdischen Restauration bestellt, so daß einige Rabbiuerjöhne, denen das Recht mitzutafela »ustand, theilnehmen konnten. (Arch. JSr.) Holland. AtUfttlda«, im Januar. (Or.-Torr.) ^Schluß) Bis jetzt herrschte ein beneidenSiverther Geist der Eintracht und Einstimmigkeit unter den jüdischen Geistlichen in unserem Laude. BiS jetzt hat keiner von ihnen fich eingemischt in daS, waS «in anderer in seinem eigenen Sprengel that. Sie haben den traurigen Ruhm erworben, den ersten Schrftt gethan zu haben, der die Eintracht und Gleichgesinntheit unter den jüdischen Geistlichen in Niederland zerstören sollte. „Außerdem, war soll aus unserer Religion werden, wenn Laien die Gewißheit erlangen, daß der Ausspruch d«S OrtS-Seistlichen keine Kraft uichr hat, auf eine oder ander« Weise umgangen werden kann und Geistliche fich finden laffen, uni dasjenige zu thun, «aS die örtliche kirchliche Autorität verbpten? „Bis jetzt ist daS niederländische ISrael von diesem Uebel verschont geblieben; durch chr Verfahren ist Unbestimmtheit an die Stelle getreten. Die Anarchie in der Kirche (?) kann Jeder im Hintergrund« sehen. ES ist nur der erste Schritt, den man zu thun braucht, und diesen Schritt haben Sie, Ehrw. Herr — ich hoffe in gutem Glauben, aber mit großer Unvorsichtigkeit — gethan „Sie erklären an die Redaftion de» „Weekblad voor J»raelieten",daß überwiegend« Gründe, ausschließlich im Jntercffe de» Judenthum», Sie dazu genüthigl haben; diese Grütld« werden aber von Ihnen nicht veröffentlicht. Darf ein öffentlicher Beamte, und wa» mehr sagt, ein kirchlicher Beamte, fich hinter dem Schilde der Geheimhaltung verbergen? Die Verantwortung vor dem eigenen Gewiffen ist dann auch gewöhnlich ein abgeschniackter Machtspruch, ein kraftlose» Kunstmiitel. Sie haben eine That begangen, die in den Annalen der Handlungen (unserer) Geistlichen unerhört war. Erlaube man sich so etwa», dann ist da» Wenigst«, wa» man thun kann, daß n»an seine Motive öffentlich mittheile, sonst ladet man den Verdacht auf sich, daß diese Motive nicht von gutem Gehalte waren. „Mit Anmaßung nennen Sie die überall bestehende Entrüstung: Pöbels-Geschrei. Ist e» aber nur der Pöbel gewesen, der ihr- Handlung getadelt, oder ist. e» nicht die übergroße Mehrheit Aller, denen da« Wohl de» Judenthum» am Herzen liegt und di« auch als Gelehrte und in der heiligen Schrift Eingeweihete da» Recht hatten, fich gegen Sie zu erklären? Wenn Schiller gesprochen von PöbelS-Geschret, so meint er BolkSgered« und VoltSvornrtheil, darunter aber die rechtmäßige Entrüstung »er« stehen z« wollen, die da» Misch« Herz erfüllt, al« man ein« solch« Handlung von einem Geistlichen vollführrn sah, die» beweist wenigsten«, daß Sie, Ehrw. Herr, in die Schriften von Deutschland» größtem Dichter noch nicht tief eingedrungen find. „Sie versichern in Ihrem Schreiben mft Unterschriften versehene Briefe empfangen zu haben. Verdienen diese Unterschriften unbedingten Glauben, so e» jüdische Religion betrifft? Sind e» Männer, ergraut in jüdischer Theologie, doch vor Allem find es Männer, die nicht al» Sabbathentheiliger und als Verächter der rabbinischen Vorschriften bekannt sind? Wenn Ihr Betragen von ihnen gutgeheißen und vertheidigt wird, warum un» denn nicht mit ihren Namen bekannt gemacht? Warum Alle» in finsterer Nacht gelaffen, wo da» Helle Licht noth thut? „Wenn nur Ein Obrrradbiner oder überhaupt eine angesehene geistliche Person Ihr feindliches Benehmen gegen die Amsterdamer Geistlichen vertheidigen wird, so erklären wir uns besieg. Jüdische Zustände können nur von Juden beurlheiit werde«, nicht von Ramenjuden " „ES giebt keinen größeren Feind von anonymem Geschreibe, als ich. Darum habe ich diesen Brief unterzeichnet; nicht weil ich irgendwie Ihnen feindlich gesinnt bin. Im Gegeniheil, in mancher Hinsicht bin ich Ihnen geistesverwandt. Aber gerade wegen dieser Geistesverwandtschaft muß ich Ihre That bekämpfen. Den ersten Schrftt, den Sie gethan zur Förderung der Trennung statt der Annäherung, bedauere ich lief. E» ist ein Zankapfel hingewocfen zwischen Geistlichen, die in unseren Tagen wohl etwc» Andere» zn thun haben, als einander zu bekämpfe«. Gott gebe, daß e» hierbei bleibe! AmerSfoort, IS. Menachem 5634. (gez.) A. M. Ehumaceiro, emer. Oberrabbiner." Dieser Brief wurde, wie gesagt, in der Rr. de» R 3- Weekbt. vom 14. August abgedruckt. In der darauf erschienenen Rr. des „Weekbl. v. Israel," vom 21. August ist Folgendes zu lesen: „Herr Redacleur! Unmöglich kann ich von Ihnen verlangen, daß Sie meine „ „Ervärung"", in Ihrem geschätzten Blatte vom verg. 24. Juli ausgenommen und später wiederholt, zr.m brüten Male im Ganzen in Ihren Spalten abdrucken lassen. Gleichwohl erlaub« ich mir die Freiheit, Sie höflich zu bitten, mir abermals rin Eckchen Ihre» Blatte» einj,u» räumen für den Theft meiner „„Erklärung"", der nur am meisten nothwendig Und für Biele am meisten lehrreich scheint, nicht zur Wiederholung meiner Worte, sondern der de» „Deutschen Schiller." Um zugleich symbolisärer Weise bekannt zu machen, daß ich diese Worte nicht r.ur für die Vergangenheit und da« Jetzt, sondern auch für die Zukunft ausspreche für alle eventuelle Fälle, worauf dieselben, gleich jetzt, von Nutzanwendung sein können, möchte ich dieselben gerne mit den größten und fettsten Buchstaden der Offizin Ihre» geschätzten Wochenblattes abgedruckt sehen. Ich meine selbstverständlich die Worte: Laßt Euch nicht irren de» Pöbe« Geschrei. Genehmigen Sie, mein Herr, meine freundlichen Grtße und die Versicherung meiner Dankbarkeit. Masrricht 17. August 1874. (gez.) vr. L. L a n d « b e r g, . Oberrabbiner in Mastricht." Dies»» Geschreibe bedarf keiner Qualifikation; e« qualificirt sich von selbst. Der Briefsteller, Herr Oberrabtrner vr. L. Landsderg, hat den Einsender de« Sorrespond«nz<Arttkel» über vr. Dünner in 'Kr. 30 der A. Zeit d. I. r icht verläugnet. Und hiermit Punctum. (Wir glauben, daß eine solche Frechheit gegen einen ehrwürdigen Grei», der in ruhigster Weise den jüngeren E,Hegen zur Red« stellt, beispiellos in Israel genannt «erden kann. Red.)

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