Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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gewöhnlichen Mann hinstellt? Sollen diese Leute, die so wenig Achtung vor dem Wiffen haben, wirklich die heutigen Retter teS Judenthum» sein? Stirbt irgend ein unbedeutender Mann in Mainz (natürlich vor Lehmann's Genoffenschaft), so verfehlt Lehmann nicht, seinem Namen ein * *?"3n ober P"3 beizufügen, aber für Frankel'S Namen hat er diese übliche Ehrenformel nicht? Nun Frankel'» Name wird auch ohne dieses von Lehmann chm abgesproczene Epitheton ewig gesegnet sein, wenn L.'» längst vergeff. n sein wird. Es hat ein Reduer an der Bahre Frankels sehr richtig betont: Bei Frankel nach der religiösen Richtung fragen, zeigt io« Denkfaulheit. Rur denkfaule Menschen können komme t und sagen: Fr. war kein wahrer Jehudi; weil sie ihrer e .genen Hohlheit sich zu sehr bewußt sind, darum suchen sie für sie einen religiösen Deckmantel und dünken sich dadurch höher als jene, deren Größe sie kaum zu fafleu veriuögen. Oesterreich. * Fünfiirche«, 21. Februar. (Or. Eorr.) Heuie hielt ich in Anw« enheit eines sehr zahlreichen, auch christlichen, Publikum» in hies. Synagoge eine mit großer Solennität verbundene tziedächtnißrede auf den verewigten Herrn Direktor Frankel b'tt mit zu Grundelegung de» Texte» Deut. 33, 8 fg. Die wahrhaft große Ergriffenheit allerseits war de» TIT?3K würdig. Ich bringe Ihnen in stürze diese Notiz zur stenntniß, weil ich daran die Bitte knüpfen niöchte. Sie wollen in Ihrem Blatt eine lebenskräftige Idee anregen bez. befürworte«. Im nämlich den Tribut unverwitterbarer Dankbarkeit gegen den Verewigten in perennirender Bedeutung zu erhalten, wäre es sehr löblich, da voraussichtlich zum mindesten die Schüler unseres großen Lehrer» sich beeilen werden, in ihren cesp. Gemeinden Gedächtnißredeu zu halten*) — so eine Sammlung dieser Predigten veranstaltet würde**.) Dr. A. stöhnt. (•£» wird gewiß über ein „Äedächtniß" für den Verewigten noch werter geredet werden, wir theilen diesen ersten Barsch arg einstweilen mit. Red.) SlritlB. Letzten Samstag, den 27. v. M., hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Placzek im hiesigen Tempel ein« st)rnk- «nd Trauerrede auf den 14 Tage zuvor verstorbenen wriland Ober-Rabbiner Dr Zacharias Frankel, Direktor de» jüdisch-theologischen Seminar» in BreSlau. Der Redner entwarf in lebhaften Farben ein wohlgetroffene» Bild von d.'m Charakter und Lebenslaufe de» dahingegangenen großen Meister» und Lehrers: er zeigte, wie sich in seinem Wesen Glauben und Wiffen zu einer fruchtbaren Forscherthäligkrit verbunden hatten, wie mit der stillen, aber bahnbrechenden Arbeit d«S Gelehrten, der die Gegenwart zum Berständniffe Ire» jüdischen Alterthum» hin geführt, zugleich daS kampfe»- muthige Streben für die äußere, bürgerliche Gleichstellung feiner Glaubensgenoffen und endlich die Verdienste um die inner« Hebung des Judenthum» durch die zeitgemäße Heranbildurg jüdischer Theologen Hand in Hand gingen. Wie e» denn in der Thal selten einen Gelehrten geben wird, dem e» vergönnt sein würde, mit einer außerordentlich fruchtbaren literarischen Thätigkeit zugleich eine so erfolgreiche öffentliche Wirksamkeit al» begeisterter Streiter für die ewig geltenden Principien der Gleichheit und Freiheit — während der Zeit seiner Lebensstellung als sächsischer Ober-Rabbiner nämlich — und dann noch an« späten Lebensabende eine rein erziehliche Thätigkeit zu verbinden und sich al» Lehrer eine so zahlreiche Nachfolge angesehener Schüler zu erwerben, wie der », Ist bereit« in mehreren Gemeinden geschehen, in Wien (am 28.) Htlde-heim, Magdeburg. Leipzig u. in uielen an». Gemeinden am Sabdarh in der ersten Trauerwoch«. >D«r Bericht au« Leipzig in nächster Sir.) *) Di« «in« und ander« wird, wie wir erfahren, im „i«r. Predigt' «agajm" abgedruckt; di« von Dr. Schwarz in Brrtlau gehaiien« er scheint in dem in den nächsten Lagen zur Ausgabe gelangenden Januarzebrurrheft. mit rührender Hingebung bi» zur letzte« Stunde seine» Le den» lehrende und Vortragende Seminar-Director Frankel. Schön konnte daher Dr. Placzek in seiner, an warmen Gefühlslönen reichen, meisterhaften Denkrede mit einer auf den Wochenabschnit bezugnehmenden Legende von dem in ganz Israel Betrauerten sagen: „Die Bundestafeln zwar sind zerbrochen, die Zeichen aber, die darauf eingegraben waren, schwebten weiter, flammend in den Lüsten." Die Red« hatte einen ebenso erhebenden al» ergreifenden Eindruck auf alle Anwesenden hinterlaffen. (M. E) Horst (Böhmen), März '875. (Or.-Eorr.) Di« hstsige iSraeltttsche Cultgemeinde hat int verflossenen Monate einen herben unersetzlichen Verlust erlitten, indeu« chr der Nestor, die wahre Zierde und Stütze der Gemeind«, Herr Isaak Jonas Mauthner, im seltenen Alter von lOkJahren durch den Tod enlriffeu wurde. — Der Verblichene, der in seiner Jugend der damaligen Sitte gemäß ausschließlich de« Talmudstuviunt oblag, wußte sich später, dem Geiste der Zett Rechnung tragend, ein vielseitiges Wiffen anzueignen, und da chm sein ausgezeichnetes Gedächtniß dis an sein Lebensende treu blieb, war die Conversalion mit chm für jeden gebildeten oorurtheilsfreien Menschen ein Quell wahren Genusses, der durch die geistsprühenden Reden deS stet» jugendlich heiter gestimmten Greises noch erhöhet wurde. DaS Leben haue ein Füllhorn hoher Lebensfreuden dem Manne in den Echooß geschüttet, er sah Söhne und Enkel zu hohen Stufe» deS Reichthum» und kulturellen Würden hiuanklimmen, so ist z. B. der UnioersitälSprofeffor für Augenheilkunde, Herr Dr. Ludwig Mauchner in Innsbruck sein Enkel, und nimmt auch der Bruder deS eben Genannten, Herr Dr. Philipp Mauthner, Advokat und EultuSgemeinderepräsentant in Wien, eine sehr geachtete Stellung in der Gesellschaft ein; doch blieben deu« edlen Greise auch harte Schicksalsschläge nicht erspart,, er sah Linder und Enkel vorzeitig in» Grab finken, und nur se-ne innige Gouergedeuheil und sein geläuterter religiöser Sinn hielt in solchen schweren PrüsungSstunden ihn aufrecht und ließ ihn geistig ungebeugt erscheinen. Al» Ehrenbürger der hiesigen rein czechischen Stadt wurden de» Verblichenen beim Leichenbesängniffe hohe Ehren erwiesen, vom Thurme des Rathhause» wehet« die schwarze Trauerfahne, und die Stadträthe erbaten e» sich al» Gunst, dst Bahre bi» zuu« dem Leichenzuge voransahrenden Leichenwagen tragen zu dürfen. — Schreiber dieser Zeilen, dem der Verblichene ein treuer Gönn-r, weiser verather und bewährter Freund war, sprach am offenen Grade Worte der Anerkennung der hohen Tugenden de» Verewigten, und rief ihm au» tiefbewegtem Herzen eil» "JD312 ro*lP1 1122121 nach. — Di« wackern trauernden Hinterbliebenen wechelen den Manen ihre» edlen Familienoberhauptes reichliche Opfergaben für dst Armen beider Eonfessione» —!! conj' DlpO.1 Rabbiner Ehrentheil. Frankreich. Pari». Daß die französische Organisation und Tentraltsalion der Leitung der israelitischen Eultu»ang«legenheilen auch ihre sehr guten Seilen hat, geht au» einem jüngst veröffentlichten Berichte des Gr. Rabb Isidor klar hervor. Dieser Bericht verbreitet sich über da» schon früher angeregte, aber erst seit einem Jahre ins Leben gerufene „oeurr« ckv« niissions rabbiniques.“ Es haben sich seit der Annexion Elsaß- Lothringen» Juden im Innern Frankreich» hier und da niedergelassen, welche au» eignen Mitteln weder alsbald Gemeinden bilden, noch Rabbiner besolden können, und wiederum können die au» dem Rabbinerseminar zu Pari» hervorgrgangenen jungen Geistlichen keine Anstellung finden, weil der weitaus größte Thcil der ehemal» französischen Gemeinde» und Rabbinersitze nicht mehr zu Frankreich gehört. Man hat also Fond» gesammelt, um diesen beiden Uebelständen abzuhelfen, wa» selbstverständlich Hand in Hand geht. So ist zunächst in Elermont Ferrand ein Rabdinat errichtet; „t» einer Gegend, in der dst ttraeltttsch« Religion bt»h«r unbo-