Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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hoch, »wif et uns vor, die französischen Juden verlLumdet uud beschimpft zu Haben, während wir bei jene« Worten nicht entfernt an französische Juden gedacht hatten, da das Set* halten eines so verschWndendeu Bruchtheil« an dem Gesammturthesi über ein Volk nichts ändern kann. DaS war schon „fttab)l" gesucht. Um Revanche zu nehmen, erzählt er eine Anekdote, laut der Kaiser Wilhelm sich darüber geärgert habe, daß Jitden deutsche Namen führen, und befohlen habe, ihnen da« zu wehren. Diese Geschichte ist vor dreißig Jahren unter Friedrich Wilhelm IV. passirt. Eie ist unS jetzt faktisch so gleichgtiftig, wie die Talmud-Exemtionen in Frankreich vor ö—60) Jahren. Schlimmer aber als dieses ist und weit hinaus über oaS Gebiet bloßer Reibereien und kleiner Animofitälen geht es, daß die WohlthätigkeilS-Gesellschast der Lotanio 6« Japhet, nachdem sie gerichtlich vernrtheilt worden war, t«n 1871 ausgestoßenen deutsche« Mitgliedern die eingezahlt m Beiträge zurückzuerstatten, dagegen appellirl hat, und daß „Unic. Jsr." darüber in einer Weise berichtet, dienichtS weniger als einen Tadel des Verfahren» involvirt. Konnte Leidenschaft einer-, Furcht vor dem National-FanatiSmu» cndererseitS 1871 die Ausstoßung entschuldigen, haben edle Männer, wie wir s. ^berichteten, gegen solche schnöde Gewalt und ganz «»jüdisches Treiben Verwahrung eingeleg t, so finden wir jetzt keinen AuSdmck, der Hrn. Bloch nicht verletzen würde. — Da wir einmal im Zuge sind, so wollen vir auch noch berichtigen, daß der vr. Lewin, Rabb. in Nürnberg, mü dem ehemaligen deutschen Feldprediger in Versailles (jetzt Rabb. in Kozmin) weder verwandt noch gar identisä» ist. Bttlin. Es taucht soeben eine neue orthodoxe jüdische Gemeinde in der Hauptstadt auf. Sie nimmt den Titel „Ke* hal Jisi oel" an. Zum Rabbiner, oder „Oberrabiuer". wie eS gleich ron vornherein heißt, ist der ehemalige Rabbiner in Mecklenburg, vr. Lipschütz, erwählt, oder ernannt, oder eigentlich, und das ist da» Eigenlhümliche bei dieser Conftituirung, es bildet dieser Rabbiner den Punkt, uni den und für den sich eine Gemeinde bilden soll. Wir sagen „um den" — sowohl im Sinne der räumlichen „lim", wie des causalei. „Wegen". Wir referiren ganz kurz aus den vorliegenden Aktenstücken. Da ist zuvörderst eia Circular des Spezial Comite des Beth Samuel-Synagogen-Berein». Dieser halte als Zweck und Ziel lediglich die Aufgabe, da» Wirken des Heirn Rabb. Dr. Lipschütz für Talmud-Tora dauernd zu unterstützen und sämmtliche Beiträge unverkürzt dem Herrn Rabbiner zukommen zu lassen. Der Verein schließt daS Ziel de: Erweiterung zu einer alle Institutionen umfassenden jüdischen Gemeinde a uS." Run ist aber, wie weiter zu lesen, doch ein: Gemeinde auS dem „Verein" herausgewachsen. Ist das etwa eb:nso konsequent, wie auS Samuel (also nicht Schmuel) ein Kehal IIsrael (also nicht Israel) geworden? Die Constituirungs- Urkund, ist ein gewaltig umfängliches Aktenstück. Er erzählt, daß die jüd. Verhältnisse Berlin» sehr im Argen liegen, daß Dr. Hildesheimer nach jeder Richtung hin Großes gewirkt habe, daß die „Adaß Israel" protperirt. aber — es muß noch eine Gemeinde sich bitten. Da die „Adaß" nur 300 Mitglieder zählt, so ist Uederfüle kein zureichender Grund für den sich bildenden Nebenwuchs. Dagegen heißt eS, die Stadt sei räumlich zu groß, ei» müsse in mehreren Stadttheilen orthodoxe Synagogen u. s. w. geben. DaS ließe sich höre«, aber der Schwerpunkt der neuen Gemeinde dreht sich (nach den verschiedenen Adresse»: der Comite's, Bureaux rc.) doch wieder etwa um die Reue F iedrichsftraße. Kurz, die Sache ist nichts weniger als klar. Wir finden einen Mann, der ftüher eiftigster Parteigänger der „Adaß JSr." war, aber in Mißhelligkeiten mit ihr gerc.then ist, jetzt im Lager des vr. Lipschütz. Handelt es sich am eine Nuance, die mehr nach recht» geht, als vr. Hildesh« imer? Die „Jüd. Pr." hat vor S Wochen Artikel gegen den Chassidismus gebracht — wir hatten un» einen Momeni gewundert, dann — selbstverständlich— herzlich gefreut Jetzt habe» wir andere Muthmaßungen. .TTTJi .... Müssen wir auch TOTO sagen? So wichtig ist'» nicht. Oder ■rms^nrrr rre rnnai» — Berlin ist groß, Es kann bürt ' jeder Kopf einen Runipf und anch eine Kappe staden. Dckß sich dort amerikanische Concurrenzoerhältniffe ausbilden müssen, haben wir schon vor Jahr und Tag gesagt. Hamburg, Febr. Der Vorstand de« Israelitischen FeuerungS-Berein» hier sah sich in der angenehnien Lage, anch der diesjährigen ordentliche» Generalversammlung, welche a« 11. Februar stattfand, einen erfreulichen Bericht über die Wirksamkeit deS Verein» im Jahre 1874 oorlegen zu können. Wir verdanken diese» gute Resultat zum Theil den erhöheten Einnahmen, zum größten Theil jedoch den gegen da» Vorjahr ganz bedeutend gefallene» Preisen de» FeuerungSmaterials. Während der Posten der Geschenke gegen da» Jahr 1873 einen fast gleichen Betrag ausweist, stellten sich die regelmäßigen Einnahmen an Beiträgen und Zinsen um ca. 150 M. B. höher. — DaS Capital des Vereins erhielt eine» Zuwachs von 750 Mark v. durch die Vermächtnisse zweier Mitglieder. An der Verloosung im September nahmen I I60 - Mitglieder Theil. Der Verein war im Stande, 257 Portionen Feuerung zu vertheilen, ein Resultat, wie eS bi» jetzt noch in keinem Jahre erreicht wurde. Lippstadt, 10. Febr. Der „St. Z." wird geschrieben: Erwitte, eine Meile von hier, der Sitz einer GerichtSCommission und eine» AmtmannS, war heute Morgen Schauplatz der brutalsten Vorgänge. RachtS zwischen 2 und 3 Uhr wurden an fünf Häusern jüdischer Einwohner Fenster demolirt, schwere Steine, große Stücke Holz und Eisentheile in die Zimmer grworfen, so daß kaum zu erklären, daß sich die Katastrophe ohne Verlust von Menschenleben abgewickelt hat. ~ Den Schrecken der in tiefem Schlafe liegenden Leute mag man sich auSmalen. Waren auch schon früher Rohheiten dieser Art zu beklagen, solcher Vorgänge wie die in der vergangenen Nacht weiß sich jedoch kein Erwilter zu entsinnen. AlS Vorspiel zu der Haiiptaction fand gestern eine große Schlägerei statt, bei welcher drei Leute schwer verwundet wurden. Ein anitlicher Erlaß macht bekannt, daß Militär requirirt sei. — Nachschrift: 12 Februar. Einer der vorgestern Verwundeten ist gestorben; ei war demselben ein Messer in den Schädel getrieben und darin abgebrochen. Der Zustand der beiden Andern, ivooon der eine mehrere Rippenbrüche erlitten, soll hoffnungslos sein. (Aus der betreffende» Gegend, den« fanatisch-kathol. Thetle Westsalens, sind schon iin vor. Jahre Exceffe gegen Juden berichtet worden, auch im I. 1841 fand dort ei» kleines Nachspiel zu den Vorgängen in DamaScuS statt!! Red. d. JSr W) Paris. In Rücksicht auf die steigende Bedeutung der jüo. Bevölkerung Algeriens und der dort bestehenden und ferner zu organisireuden Rabbinate ist der Unterricht in der arabischen Sprache am Rabdinerseminar für obligatorisch erklärt worden. Turin. Das alte Ghetto wird gänzlich niedergelegt, um Raum sür neue Straßen-Anlagen zu schaffe«. So erfreulich die» ist, so bringt es doch augenblicklich Verlegenheiten mit sich. Es werden mehrere kleine Synagogen abgebrochen, und die neue große ist nicht fertig. Auch kommen manche arme Familien in Wohnungsnolh. An Wohllhätigkeit fehlt es indeß nicht. „Veffillo Jsr." berichtet zwei Züge: „Hr. Levi Donato hatte ei» Haus gekauft. Nachdem die Urkunde von der Behörde auSgesertigt war, gehl er zu der HoSpitalverwaltung und erklärt: Da die Kosten der Eintragung 500 Frc». weniger betragen, als ich gedacht hatte, so nehmen Sie diese Summe für U» Anstalt." — Hr. Samuel Treves wird nächtlich überfallen und errettet, er widmet darauf beou HoSpital 5000 Frc». zu einem Neubau und will, bi» e» dazu kommt, die Zinsen den» Fond» überweisen Nachher erklärt er: ich habe die 5000 Frc». in Fonds angelegt, da'diese & erheblich gestiegen sind, so kann ich jetzt die doppelte Summe überweisen. In ähnlich hochherziger Weise hat dieser Mann die Hochzeiten seiner 12 Kinder und die Geburt von einer hübschen Anzahl von Enkeln und Enkelinnen gefeiert."