Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5937939--2537-5372010- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Glücke» an Kindern zu erfreuen, so nehme er die Genugthu- „ng mit in'» Grob, daß ihn die große Schaar seiner Hörer stet» lieben und verehren werde. — Hierauf sprachen noch Rabbiner und Prediger Dr. Güdemann au» Wien und Rabbiner vr R a h m e r aus Magdeburg, welche als älteste Schüler zu den Füßen deS Meisters geseffeu, und heute seinen Verlust desto tiefer beklagen, während Rabbiner vr TrencnfelS au» Stettin Namens der Allianc isr. unio. dem verstorbenen Mitglied« de» C.-E die letzte Huldigung darbrachte. Nach Beendigung dieser Trauerfeierlichkeit trugen hierauf die zeitigen Hörer de» jü« disch-theotogischen Seminars den Sarg noch dem Familien- Erbbegräbniß, woselbst die sterblichen Ueberreste neben der Grabstätte seiner ihm oorangcgangene» Gattin in den Schooß der kühlen Erde beigesetzt wurde. Möge der Verewigte hier sonst ruhen, sein Andenken und sein Geist, den er in zahlreichen Schriften und Schülern hinterlassen har, wird stetunvergeßlich sein! Lreiül», 18. Februar. (Or.Corr.) Ich beeile mich Ihnen den Beschluß deS EuratoriumS der Fränkel'lchen Stiftungen mitzutheilen, wonach die Directorialgeschäfte de» jüd.- theologischen Seminars dem Lehrercollegium (unter Vorsitz des Vrof. Grätz) übertragen worden sind. K. Frankfurt a M, 15. Februar. (Or.-Corr.) Die jüdische Literatur hat wiederum einen Verlust erlitten, der in vielen gelehrten Kreisen sehr fühlbar sein wird. Earmoly — geboren in Saulz 1802 — ist heute im 73. Lebensjahre gestorben, nachdem er schon 1'/, Jahre sein Gedächtniß und in den letzten Monaten sein Denkvermögen verloren hatte. Die jüdische Literatur hat ihn» viele gute Arbeiten zu verdanken. die er theils in selbstständigen Schriften, theil» in vielen Z< it- und Wochenschriften, die in französischer, deutscher und hebräischer Sprache erschienen, niedergelegt hat. Er befaß ein besonderes Gedächtniß für historisch« Daten und Autorennamen, und eine große Belesenheit in der mittelalterlichen Literatur. Bon seinen Jugendjahren ist un» weiter nichts bekennt, als daß er di« Jeschiba von Herz Echeier, Rabbiner in Mainz, besucht, aber sich dort mehr mit den uachtalnudischen Schriften beschäftigte, als mit dem Talmud, der für ihn eine terra incognita blieb. Schon dort arbeitete er an einem historisch-bibliographischen Wörterbuch?, von dem er aber da» Ales nicht zu Ende brachte. Diese frühreife Frucht idirte er 1828 zu Metz, und eine Fortsetzung ist nicht erfolgt. Finanziell vom Glück begünstigt — wa» bei jüdischen Liierateu so selten ist — kaufte er viele seltene Druck- und Handschriften zusammen, die er auch Andern zur Benutzung verlieh In Brüssel, wo er sich ansässig machte, bekleidete er einige Jahre die Stelle eines Rabbiners, zog hernach nach Pari» und besuchte die Bibliotheken in Amsterdam und Oxford, die ihm unbekannte literarische Produkte zusührten, we che er gut zu verarbeiten verstand. Al.ßer einigen bereit» verschollenen Brochüren edirte er 1842—44 in Brüssel die Kerne Orientale in 3 Bände», in denen die Uistoire des M6d6cins juifs von anerkanntem Werth« ist. 1847 edirte er dort Itiodraires de la terre sainte mit sehr vielen Notizen au» handschriftlichen Werken seiner und anderer Bchliotheken. 1854 vrrheirathel« er sich hier und lebte einige Zeit in Paris, zog alSdann hierher, wo er bis rn sein Ende in glücklicher Ehe lebte. Hier edirte er 1860 sie Biographien der Familie Jachja, 1866 die der Rapapert und Jona. Seine reichhaltige Bibliothek wird wahrscheinlich zuriBersteigerung kormnen. Eine nicht unbedeutende Zahl seiner Handschriften (2 Körbe voll) hat sich Jemand aus eine höchst unehrenhafte Weise zu verschaffen gewußt. Er benutzte die Schwachfinnigkeit Carmoly'S, und suchte sich in Gegenwart seiner Frau viele Handschriften au», die er mit 200 Gulden bezahlte. E. selbst konnte mir eine Stunde nach diesem Kauf dir Handschriften nicht nennen und nur sagen: „meine Divan« find nicht dabest- Eine Pergamenthandschrift vom Midr. Rabba, die ich selbst häufig entliehen habe, befand sich aber nach Aussage der Frau unter den ausgesuchten Schriften. Großbritannien. Ob. Belfafi, im Februar. (Or.-Eorr.) Der Spruch nvas op kS nvo “TU rraae. bekanntlich schon auf Mai. monide» und Mendelssohn angewendet, kann mit gutem Rechte auch auf einen Mann gleichen RamenS bezogen werden, der bloS ausgesprochen zu werden braucht, um allgemein die höchste Bewunderung und Verehrung für den Träger hervorzurufen. Ich meine Sir Mose» Montefiore. Denn die vielen Verdienste, welche sich dieser in unser» Tagen um Juden und Judenthum erworben hat, stehei« sicherlich denen an Bedeutung nicht nach, die den besagten Geisteshelden de» Mittelalter» und der Neuzeit von den jüdischen Historikern zugeschrieben werden, und im Grunde genommen hatten sie ja alle nur ein und dasselbe Ziel vor Augen, nämlich ihre Glaubensgenossen geistig nnd körperlich frei zu machen und ihnen zu der socialen Stellung zu verhelfen, die ihnen von Recht» wegen znkommt. Von einem solchen Gesichtspunkte nun ausgehend und vom Wunsche beseelt, den Namen Sir Mose» durch ein dauerndes und zugleich auch nützliches Denkmal zu verewigen, ist die Elite der Juden England» zusammengrtreten und hat ein Eomite gebildet, da» sich die Aufgabe gestellt hat, Geldsammlnngen zu veranstalten, deren Betrag zur Ausführung deS beabsichtigten Unternehmens verwendet werden soll. Zwar schwebt noch ein tiefe» Dunkel (?) hinsichtlich der Beschaffenheit deS zu errichtenden DenknialS, aber e» steht zu hoffen, daß, da dieses Projekt von praktischen Gewährsmännern auSzegangen und in Angriff genommen ist, da» zu schaffende Werk seinem Zwecke entsprechen wird. Spätere Nachrichten melden, daß e» Sir Mose» sehnlichster Wunsch sei, daß die einzulaufenven Beiträge zur Errichtung von Anstalten im heiligen Lande verwendet werden solle», die wohl geeignet sind, di« Lag« unserer dortigen Brüder für die Dauer zu verbeffern. Jüngst wurde im östlichen Theile Londonein zahlreich besuchter Meeting abgehalten, da» den Zweck halte, auch in diesem Theile der Metropole neue Mitglieder für die Anglo- Jewish-Affociation, die bekanntlich ein Zweigverein der Pariser Alliance ist, zu gewinnen. Nachdem nun einige Redner auf die hohe Wichtigkeit und Bedeutsamkeit diese» Verein» hingewiesen und die Anwesenden zum Beitritte aufgefordert hatten, schloß die Sitzung mit dem erfteulichen Resultate, daß etwa hundert neue Mitglieder nicht allein dem Vereine sich anichloffen, sondern auch die Erklärung abgaben, daß sie auch ihrerseits im Interesse desselben unter ihren Freunden und Bekannten Propaganda machen wollen Unseren angeblichen Freunden, den hiesigen Missionären, ist eS gelungen, den Ezar aller Russen zu veranlassen, daß er ihnen gestattete, ihr abscheuliche» Werk der Seelensängerei unter de» Juden im ganzen russischen Reiche zu betreiben. Wohl mochten sie die Nutzlosigkeit ihrer Bestrebungen hier zu Lande eingesehen und daher beschlossen haben, mit aller Gewalt sich dort einen Weg zu bahnen, von wo alljährlich die wenigen jüdischen Schnorrer kommen, welche für Geld und gute Worte sich scheinbar bekehren lassen, unt anderswo wiederum al» Juden aufzulauchen und als solche von ihren Glaubensgenossen Unterstützungen z» erbetteln. Doch mögen sie immerhin komnien, diese rothnasigen, frömmelnden Heuchler, und ihren Spuk auch in Rußland treiben. Denn sicherlich wird ihr erstes Zusammentreffen mit unsern dortige« Brüdern derart sein, daß sie schmerzlich auSrufen werden: rn pnr irrvr nuern- „Wir wollen unsere Reise- Pässe hervorsuchen, visiren lassen und — umkehren " Naßland. Petersburg, 25. Jan. Der „GoloS" verzeichnete. wieder einmal ein jener ungerechten Belordnungen gegen die Juden durch welche die russische piegierung sich bisher au»grzeichnrt ■ .1 r t iWkWYiiü'rriM fr iiii rltiüftrli