Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 67 — l, r. t r )■< - StsseuLschatze» umspannte, so hat er iu seinem „Entwurf einer Geschichte der Literatur der nach-talmudischeu Response»" (1865) den Weg gewiesen, da» scheinbar unfruchlbare Gebiet der bi» arf die Reuzeit reichenden Talmuderzeugnisse wissenschaftlich nutzbar zu machen. Aber die Krone seine» wissenschaftlichen Ruhme» hat er mit seiner im Greisenalter mit Jugendmuth unternommenen Erforschung de» selbst i» den Zeiten talmudischer Gelehrsamkeit arg vernachlässigten jerusalemischen Talmud» sich erworben. 1870 erschien in hebräischer Sprache die „Einleitung in den jeruk. Talmud", der 1874 der erste Theil seiner mit einem Doppel-Eommentare versehenen AuSgab« diese» Talmud» folgte. Freitag, den 12. Februar hat er die letzten Sätze zur Einleitung für den zweiten Theil diese» Riesenwerke» geschrieben; so hat ihm gleichsam der Tod da» Werkzeug seiner Thaten, die Feder, an» der Hand gewunden. Frankel gUt gewöhnlich al» der Gründer einer Partei im Judenthum. Da» ist aber nur in d e m Sinne wahr, daß die an chm sich zeigende Bereinigung von Frömmigkeit und Forschung, von Leben und Wissenschaft ein Beispiel wurde für Biel«. E» kann keiner seiner Schüler behaupten, daß Frankel wissentlich einen richtenden Einfluß aus seinen Glaube» geübt hätte, der Einfluß kam von selber au» seiner Individualität. Er war ein Pfadfinder im Gebiete der Wissenschaft. Mit ficherer Hand hat er durch den Wust und da» Dickicht der Jahrhunderte sich den Weg gebahnt, aber nicht die Wegzeichen bloß aufgesteckt, sonder., den Weg geebnet, daß Andere mit Leichtigkeit nachdringen konnten. E» haben andere Gelehrte die Bausteine au» dem Schacht der Wiffenfchaft gebrochen, und andere haben sie verwendet. Frankel war ein glücklicher Gelehrter, er war Pfadfinder und Weg- «rister, Bergmann und Künstler zugleich. Den Meistern der Wissenschaft wächst nach einem alljüdischen Spruche mit den Jahren die Kraft. Wer den hinfälligen Grei» Frankel gesehen, hätte e» nicht ahnen können, daß unter dem Schnee de» Haupte» da» Feuer jugendlichen Geiste» glühte, daß in dem gebeugten Manne noch eine aufrechte. himmelanstiebend« Seele dachte und schuf. Jugendmüthiger Entwürfe voll, schien da» Leben wie eine weire, glückliche Landschaft sich vor ihm hinzudehnen, e» ist ihm erspart geblieben, müde am Ziele niederzufinken, in voller Wanderung ist er abgerufen worden. — Sein Andenken wird immerdar gesegnet sein! Dr. D. K. Berichte und Correspoudeuzeu. Deutschland. Breslau (Or.-Eorr.) Am Sabbath den 8. Sdar, einen Tag nach dem tradirten Todestage unsere» großen Lehrer» Rose — Friede mit ihm! — verschied der Oberrabbiner Dr. Z. Frankel. Er hatte Freitag Abend» noch dem Gotte»- dienste in der Seminarsyuagoge beigewohnt. In der Rächt wurde er — wie in der letzten Zeit öfter — von Beklemmungen befallen, so daß der Arzt geholt werden mußte, der den Zustand ob de» hohen Alter» de» Patienten für gefährlich erklärte. Im Laufe de» Sabbath-Bormittag» wurde noch ein Arzt zugezogen. F. blieb bei vollem Bewußtsein und klagt« nicht über Schmerzen. Nachmittag» gegen 2 Uhr »mdunkeite sich sei» Auge, er glaubt« de» SabbathauSgang nah« r mfc begann da» Abendgebet zu sprechen; uach Beendigung desselben forderte er den um ihn weilenden Schüler, Herr» Dr. Ziemlich, auf, Hawdoloh zu machen, wa» dieser, um den Patienten durch Widerspruch nicht zu erregen, auch that, natürlich ohne „Licht." „Sie haben ja den Segen über» Acht nicht gesprochen?" sagte der Patient, sprach darauf vernehmlich die Worte VN.1 '"I1NV K113 'N'2'N '''N'2 und — nt; nicht mehr. So erlosch die „Leuchte Israel»", Licht und Segen spendend durch sein ganzes Leben, den Segensspruch über da» Licht auf den Lippen. — Möge im Reiche de» Lichte» Und der Wahrheit ewige Seligkeit «hm zu Theil werden! Ueber da» Leichenbegängniß sende ich Ihnen den Berich! der „Breslauer Zeitung, der in einigen Punkten zu berichtigen sein wird. „Zu devl heute den 16. Nachmittag um 2 Uhr stattgehabten Leichenbegängniß de» am 13. Februar verstorbenen Oberrabbineril und Seminardirector» Dr. Zacharia» Frankel halte sich der größte Theil seiner ordinirten Schüler von Rah und Fern eingefunden. Die Anwesenheit von mehr al» 40 Rabbinern*), von denen Einzelne einen sehr weiten Weg zurückgelegt haben, machte von vornherein diese Trauerfrier zu einer imposanten. Dieselbe wurde durch einen TrauergotteSdienst in der Seminarsynagoge eingeleitet, in welcher der einfache schwarze Sarg vor dem Allerheiligsten aufgestellt war. Nachdem die Schulet einen Psalm gesungen, bestieg Rabbiner Dr. Perle» aus München die schwarz behangene Kanzel, woselbst er i« bewegten Worten seinem Schmerz über den Verlust de» Meister» beredten Ausdruck verlieh. — Dieser Red« de» dankbaren Schüler» schlossen sich die Trauerworte de» Nachfolger» im Rabbinate zu Drc-den, de» Oberrabbiner Dr. Landau an. Derselbe hob besonder» die Bedeutung der segensreichen Wirksamkeit Frankel» für die Gemeinden in Dresden sowie in Sachsen überhaupt hervor. Hieraus folgte Rabbiner Dr. Schwarz, welcher Namender jetzigen Hörer de» Seminar» dem dahingeschiedenen Lehrer in der erhebendsten Weise den AbschiedSgruß nachrief, und grade seine von Innigkeit und Rührung durchdrungene Worte machten den tiefsten Eindruck auf die Trauerversammlung. Ein Ehorgesang beschloß diese Feier. Nachdem dir Hörer de» Seminar» den Sarg auf den Leichenwagen gehoben, setzt« der unabsehbare Zug, wie er in dieser Weise in hiesiger Stadl wohl selten gesehen worden ist, vom Trauerhause von der Wallstraße über den Schweidnitz» Stadtgraben, den Tauenzienplatz, die Garten- und Bohrauerstraß« entlang nach dem israelitischen Kirchhof« um 3'/, Uhr in Bewegung. Den Leichenconduct eröffne* ten die bereit» im Amte befindlichen Rabbiner, sowie die jetzigen Hörer de» Seminar», denen sich «in sehr großer Theil der hiesigen jüdischen Gemeindeglieder angeschloffen hatte. Unter dein Gefolge befand sich auch der Lehrer an der Berliner jüdische» Hochschule, Dr. Lewy (ebenfalls «in ehemal. Schüler Frankel»), der L.R. Tiktin, die Professoren der orient. Sprachen an hiesiger Universität, DDr. Magnu» und Schmölder», Prof Dr. Kämpf und Deputationen vieler Gemeinden. Auf dem Friedhofe angelangt, »öffnete Rabbiner Dr. Jo St, nachdem zuvor ein Trauergesang angestimmt war, die Reihe der Leichenrede» durch eine eben so gediegene al» warnt empfundene Eharakteristik d«S Verstorbenen, dem er al» Freund und früherer Eollege nahe stand. Er kennzeichnete Dr. Zacharia« Frankel al» einen ureigenen Geist, wie ihn die Borsrhung zum Heile seiner Glaubensgenossenschaft au-gesendet hat, um so Große» zu wirken, wie e» ihn, beschieden gewesen, und wie» schließlich auf den unauSfüllbaren Riß hin, den da» Judenthum durch den Hintritt Frankel» erlitten. Wenn e» dem Verewigten auch nicht vergönnt gewesen sei, sich de» höchsten menschlichen *) Sa waren durch dieselben, soweit «rinnerlich, «ertrete« die Qk» meinden: Wien, Prag. Dreedeu, Magdeburg, München, Stettin, Pose«, Stargard, Lisso, Hildeaheim, Sraudenz, Beruhen, Sohrau, Brteg, Knu pen, LandSbrrg a. d. SS., Slogan, Strelitz, Oel«, Liegnch, Frankfurt a. £X, vtrahburg, Lmz, Saaz, Pilsen, Düsseldorf, OSwiert«, Uozmin, virnbau«, Lundenburg, Steinamanger «. «. m. — Bon vielen Semeinden und Privaten waren Beiteid»-Adressen und Depeschen an da» Lehrrr-Sollegiu« eingegangen.