Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5937939--2535-5372008- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 66 — sehr mit der Kraft seine- Wissenans da- Leben einzawirken, wie es nur Frankel vergönnt sein sollte. Der Erlh«tl»ng de- Bürgerrechtean die Joden stand da» Mißtrauen entgegen, daihren Unterthaneneid verdächtigte. Auf Frankel» Eingate vom 22. November 1837 wurde »Alle», wa» de« Juden verletzen, »was,al» Zeichen ^>es MHtrguen» ihn krän-! ken konnte" bei.seine« Un»ertha««tlqstd StzKtgereWr «»eggeräumt. »Die Eidesleistung der Juden in theologischer und historischer Bezj«h»yg" (1848) ,vm die reise Wissenschaft-. lich« »ss^ücht «dies« Vehmühungen, eine gediegen« Ikntersuchung, die von den sächsischen Kammern wie vom Eaffationshof von Frankreich als daS Gutachten einer Autorität berücksichtigt wurde. Und so ward der stille Gelehrte ein gerxwpneter Kämpfer, und der bisher eingedämmte Strom seiner talmudischen und allgemeinen Gelehrsamkeit ergoß sich in das Leben, um eingewurzelte Boruriheile wegzuspülen. Er, der eS »eine nicht genug zu verwerfende Eervilität nannte, wenn nur die Aussicht auf äußere Borlhelle daS Bedürfniß der Wissenschaft hervorriefe," mußte (gegen da» Wort de» Propheten) das bescheidene Winzermesser der Wissenschaft zum schneidigen Streitschwerte umichmieden »Nicht an den Pöbelaufläufen und den durch Fanatismus geheiligten Ermordungen der Juden allein darf man ihre Geschichte beurthellen; an den Richterstätten verweile man, die Archive der Gerechtigkeit gehe man durch, um die Leiden der Juden zu ermessen, um zu erkennen, was man gut zu machen habe, um von den Borurtheilen, in denen man noch heute an der Stätte de» Recht« zuwellen befangen ist, sich loszusagen," so schrieb er damals. Und da er, wohin er blickte, Rechtsverletzungen sah, besonder» die Ausschließung der Juden von der Zeugenschast, untersuchte er die jüdisch« Lehre vom Zeugenbeweis, vervollständigte sie durch di« Darstellung der übrige» Beweisarten und bereitete so sein Wert vor: »Der gerichtliche Beweis nach mosaisch-talmudischem Rechte" (Berlin, Keil 1846), die Säule seine- Weltruhm». Seine Bemühungen in Sachsen waren erfolgreich; am 21. Juni 1838 wurde der Grundstein der neuen Synagoge tn Dre-den gelegt und am 8. Mai 1840 weihte er sie ein angesichts »sämmtlicher Staatsminister, der Mitglieder beider Kauimern, der Hofchargen, der fremden Gesandten, der Generalität, der hohen Geistlichkeit, der Präsidenten der Raths- Eollegen, des Magistrats u f. w." Sein unermüdlicher Beistand in all seinen Kämpfen war vr. Bernhard Beer, sein edler Freund, dem er ein unvergängliche« Denkmal gesetzt hat in seiner Schrift: »vr. B. Beer. Ein Leben-- und Zellbild." (BreSlau 1863.) Er war der Genosse seiner Kämpfe, wie der Freund seiner Studien, die bei Frankel niemals ruhten. Wie eiue frühe Knospe, die ein warmer Windzug vir der Zell heroorlockt, war die Schrift: die »Eidesleistung der Juden" durch die Zeitströmung hervorgerufen worden, ohne eigentlich bestimmt zu sein, seine gelehrte Wirksamkeit zu eröffnen. Als Eröffnungsarbeit seiner Schriststellerlaufbahn sind: »die Borstudien zu der Septuaginta (Leipzig 1841)" zu betrachten. Eine Entwickelungsgeschichte des mosaisch-! almudischen Gesetzes, „eine Erörterung, die zeigte, wie da» Einzelne ins Leben getreten, und wie sie — die Halacha — von einfachen Anfängen sich in jene wildbrausenden Ströme ergoß", war die Ausgabe, die in seinen Studien chn leitet« ttnb dazu führte, nach den älteste« Spure« der Entwickelung de« jüdische« Gesetze» zu forschen, die er in der griechische» ' Bihllütersetzung mit ihren Erweiterungen und SuSlegunge» suchte. Ursprung, Beschaffenheit, Brstimmuna, AbfaffungtzeU und Eharakter diese« von der Wissenschaft M Jahrhunderte» untersucht«« Welle» gingen ihn in «euem Lichte auf, er schuf mit Wem feinest» Buche erst die Rethstd« Lltser Forschung ui* lstgrüaistete damit feinen Ruf in der Otßehrtenwelt. Aber niemals blieb er, wenn auch die Kämpfe ruhten, dem Lebe« abgewandt- 1844 gründete er im Vereine mll den Heft«« Kräften seiner Glaubensgenossen die »Zeiitschrist für dtr religiösen Interessen des JudenthumS", in deren drei Jahrgängen Arbeiten von unvergänglichem Werthe niedergelegt sind. Erst 1832 konnte er in der fortan bis 1868 von ihm redigirten »Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft btß JudenthumS" sein« Thätigkeit an der Zeitschrift wiederauf- ' nehmen. Im zweiten Jahrgange dieser Monatsschrift erschienen bereit« die Worte, die zur »Schöpfung eine« Seminar»" für jüdische Rabbiner auSriefen, und die. damals in BreSla» gerade durch die Jona» Fränkel'fche Stiftung mll dem Plane einer solchen Anstalt beschäftigten Männer aus de« geeignetesten Leiter derselben aufmerksam machten. Die Begeisterung für jüdische Wissenschaft, der Drang nach Mittheilsamkeit war in Frankel so groß, daß er seine geliebte von chm zu Ansehen und Größe erhobene Gemeinde zu verlassen sich entschloß und am 10. August 1834 da» jüdisch-theologische Seminar zu BreSlau eröffnete. Friedensliebe war der Grundzug seine» Wesen», und so beglückt« die neue Stellung den Mann, der, jetzt den Kämpfe» de» Leben» entrückt, mit rührender Liebe der Wissenschaft und seinen Schülern lebte. Die wunderbare Mischung von Strenge und Zartsinn, von Selbstbewußtsein und Anspruch-lofiglell, ' die den Menschen und Lehrer in ihm zierten, "muß man erlebt haben, um sie zu begreifen; wo die Thaten spreche«, mögen die Gefühle schweigen. In BreSlau brach eine wissenschaftliche Thätigkeit für ihn an, die überwältigend von Jedem genannt werden muß, der nicht die unentwegte Ordnung, die weise Zucht seiner Lebenseinrichtung kannte. Wa» in Dre«- de« knoSpete, wurde Blüthe hier und Frucht. Sr war eia »Schriftgelehrter" im höchsten Sinne da» Worte». Dl« heilige Schrift in ihren Ausprägungen in den alten Urbersetzungen, in den Folgesätzen der weit verästelten Halacha war der Mittelpunkt seiner Studien. Und so eröffnete er denn seine Seminarthätigkeit mit der berühmten Schrift: »Ueber palästinische und alexandrinische Echriftforschung" (1859),*) t« welcher Richtung noch manch andere, zum Theil in der „Monatsschrift" niedergelegte Arbeiten fortgeschritten. Mil de« »Grundlinien de» mosaisch-talmudischen EherechtS" (1860) eröffneter die EechSzigerjahrr, die meist der wiffenschaftltchen Erforschung deS Talmud» gewidmet waren. 1859 hatte * er bereits seine Einleitung in die Mischna", die Grundschrist der jüdischen Gesetzentwickelung (Hodegetica in Mlschnam) vorangeschickt, die er hebräisch schrieb, un die groß« Zahl der schriftkundigen, aber nur hebräisch lesenden, russischen und polnischen Juden zum Lichte wissenschaftlicher Erkenntniß emporzuziehen. Wie sein Geist die Gesammtheit de» jüdische» *) Äutj vorher war srin« Schrift: »ltebrr den Einfluß der paläfl. Steges« auf di« alexandrin. Hermeneutik" erschienen. — Sein« giftak. lichm Forschungen über di« Tirgnmim fanden ihre» Abschluß mit der Programmarbest: »Ueber da« Lar,um ,« den Prophet«- (1,77.)