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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Den Beschluß in Betreff de« russischen Hüls«werk« lus». feu wir wörtlich folge»: Da« Cenlralcomite hatte in feiner letzten Sitzung dem Hauptgrenzcomite zu LönigSberg zur Bestreitung der nöthigsten Ausgaben einen Credit von 800 Thlr. pro 1875 votirt und sich in Betreff der außerdem von demselben zur Fortsetzung und Förderung seiner Thätigkeit gewünschten Summe von 1200 Thlr. weitere Beschlußfassung Vorbehalten. Die meisten Korrespondenten zeigten stch der Gewährung dieser Forderung geneigt; dieselben verkennen zwar die Mängel diese« HilfSwerkS nicht und noch weniger den Nutzen, den die Umgestaltung deffelben in eine für die russischen Israeliten direct nre und umfassendere Thätigkeit haben könnte; auch gestehen alle zu, daß die Schulen im Orient mit oerhältnißmäßix weit geringeren Losten bedeutsamere Wirkungen erziele», die ol»endrein unmittelbar zu den Aufgaben der Alliance gehören; aber in Ermangelung einer russischen Hilfsthätigkeit, die sich aus eine größere Anzahl voit Personen erstrecken und innerhalb de« Lande« selbst entfalten könnte, meinen sie, sei e« gut, sich mit den beschränkten und überdies befriedigenden Resultaten zu begnügen, die von dem Lönigsberger Eomite erzielt werden; e« sei die« auch ein Band, da« die Alliance mit den russischen Israeliten zusammenhält und das zu lösen man sicher bedenken müffe. Außerdem würde e« den meisten Mitgliedern, die nicht im Stande wären, diese Resultate mit denjerigen der orientalischen Schulen zu vergleichen, etwa» Unbegreifliches sein, wenn inan neben den großen Summen, die man den orientalische» Israeliten widmet, fast Nicht« für die ru fischen Israeliten lhun wollte, die nn« gleichwohl näher stehen und dieselben Sympathien verdienen; vergeben« würde man ihnen klar zu machen suchen, daß da« russische HilsSwerk, wie e« bisher betrieben worden, allzu sehr den Charakter einer individuellen WohlthätigkeitSsache an sich trage und erst modificirt werden müffe, um dem Programm der Alliance zu entsprechen; sie würden trotzdem erstaunt sein, dieses HilfSwerk unterbrochen zu sehen, und man müffe ein solch ehrenwertheS Gefühl respectiren; auch würden ihrerseits wi-der die Mitglieder dem E.-Comite hierfür dankbar sein und sicher ein um so lebhaftere« und wärmere« Interesse der Alliance bezeugen. — In Erwägung dieser Gründe votirt daS E-Eomite den beantragten weiteren Eredit von 1200 Thlr. und außerdem andere Summen für das qu. Hilfswerk, zur llmerstützung der zu Eöln und Pari» untergebrachten russischen Waisen und anderer Linder. vermischte und neueste Nachrichten. Magtzetnrg, 13. Februar. Eine tieferschütternde^ unsäglich schmerzliche Trauerkunde bringt der Telegraph mit Sabbatbausgang aus BreSlau: DerOberrabbiaer Dr. Zacharias Krankel, Direktor de» jüd. theol. Seminars, hat heate Srach«tttagfei»e reine, fromme Seele ansgehaacht. «eerdtguug Dienftag. — pi» in MTpin ■nm Wehe, wehe! welch' ein schwerer unersetzlicher Verlust für ganz Israel! — irat 0'3 Svu — Wir fassen ihn noch kaum — wir finden vom Schnierz überwältigt für das Unsägliche noch keine Worte. Der All erbarmer sende feinen Trost! — — 'n's'X'J'fl JlagfKi«il, 12. 'Februars Wen» ich ln der „Magd. Zeit." den Naneen „Israelit" oder „israelitisch" im Druck Hervorgetoben sehe, dann ahnt mir nicht« Gute«, dann ist eia virchen Rischu« im Anzüge. In der heutigen Nr. macht sie'« noch gnädig, da will sie chren Lesern nur ein Pröbchen französisch-jüdischer Unduldsamkeit auftifchen; sie erzählt Folgende«: Zwei in Pari« bestehende i«raelitische WohllhätigkeitSgesellschasten „Zorobabel" und die „Linder Japhet'S" hatten nach den^Lriege diejenigen ihrer Deutschen Mitglieder, welche in dem Rufe standen, an dem Feldzuge gegen Frankreich Theil genommen zu haben, mittelst Berein«- deschluffe« auSgestoßen. Die Betroffenen ließen sich da« nicht ruhig gefallen, sondern strengte» gegen die beiden Gesellschaften bei dem Pariser Civil ericht einen Proceß an, in weichem sie in erster Reihe die Auflösung dieser Vereine, event. wenigstens die Rückerstattung ihrer Beiträge verlangten. Da« Gericht erkannte an, daß die Ausstoßung eine willkürliche und ungerechtfertigte gewesen sei; den Antrag aus Auflösung erklärte eS für unstatthaft, dagegen sprach e« den Llägern al« Schadeuerjatz die Hälfte der von ihnen beim Eintritt in die Gesellschaften uud später als Beiträge geleisteten Summen." Wir müssen der „Magdeburgerin" die Verantwortlichkeit über die Richtigkeit de« Erzählten überlaffeu. Berlin. Anläßlich der 300jährigen Jubiläumsfeier der Leydener Universität wurde u. A. auch Hr. Prof. Traube mit dent Ehrendiplom bedacht. Bresla». Der Vorstand deS Vereins „Ahabath Jerusalem" hat den „neunten Jahresbericht" veröffentlicht; verlebe schließt in den Einnahme» mit 1845 Mark, in den Ausgaben mit 1835 Mark. — Die Einnahmen werden zur Unterstützung frommer und würdiger Männer nach Jerusalem gesandt. Der Verein zählt gegenwärtig ca. 200 Mitglieder. DaS Vorstandsmitglied Feibusch Ehr»lann ist zur Aufnahme neuer Mitglieder, sowie zur Annahme von Spenden zu dem ge». Zwecke jederzeit bereit. Gien. Im Jahre 1874 weisen die amtliche» Register der Wiener iSraelittschen CultuSgemeiude 387 (im Jahre 1873 nur 326) vollzogene Trauungen nach. Durch de» Tod wurden 60, durch Scheidung 18 (eine bisher in einem Jahre noch nicht erreichte Ziffer) Ehen aufgelöst. Fünf Paare lösten schoii im ersten Jahre der Ehe dieselbe wieder, und ein Paar der Geschiedenen war bereit« zwanzig Jahre verheirathel. Den Geburtsregistern gemäß ivurven im Jahre 1874 in Men 2028 (im Vorjahre 1971) lebende israelitische Linder geboren, und zwar 1101 Lnave» uud 927 Mädchen, hievon waren 109 Lnaben und 110 Mädchen unehelicher Abkunft. In dieser Gejammtzahl sind 14 Fälle von ZwilliugSgeburten inbegriffen. Gestorben find im Jahre 1874 in Wien 848 Israeliten (im Vorjahre 976), 458 waren männnlichen und 385 weiblichen Geschlechtes. Der älteste verstorbene Mann und auch die älteste verstorbene Frau waren je 96 Jahre ait. Durch Selbstmord endeten 5 Männer und 4 Miber. Wir». Eilte Minifterial-Verordnnug vom Juli 1874 verfügt, daß, wenn der Religions-Unterricht nicht au der Anstalt ertheilt werbe, die Rote iticht in da« Zeugutß ausgenommen werde. Die Verordnung derust sich auf da- Gesetz vom Jahre 1872, welche« bestimmt, daß der Religion«-Unterricht an der Anstalt ertheilt werden müffe, sobald zwanzig derselben Conjession augehören, und fordert, daß, wo diese Eiurichtung noch nicht besteht, dte ReligtonSnole einfach zu streichen sei. Jüdische urd protestantische Gemeinden haben bereits Beschwerden überreicht und anoererseit haben manche Lehrkörper beschlossen, au« pädagogischen Gründen auch dr« katholische Neligwns-Rote iticht in die allgemeine Classification auszunehmen. Bnkareft. Seit einiger Zeit erscheint hier eine Wochenschrist unter dem Titel „Hajoez" m hebr. Lettern und in einem über die Maßen gräulichen Jargon. Da« betreffende Pudli. kum wird wohl eine andere Sprache nicht verstehen. Außer politischeit re rc. Nachrichten bringt da« Blatt auch da«Hndenthum betreffende Artikel zu Gunsten de« Zion-Berein«, also sür Gründung von Schulen, zeitgemäße Brlcung u. f. w. Ob aber der angeschlagene Ton der rechte ist? Wir zweifel«.- Zu den letzten Nummern erscheint auch eine kleine Beilage in hebr. Sprache.

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