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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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y — 61 — Korachihum, — wie utan meinen sollte? Referent, der »war in Schrimm selbst nicht lebt, die dortigen Verhältnisse aber recht genau kennt, kann an der Hand von Thatsacheu fest» stellen, daß Korachthni» an der Bildung de« KultnSoereinS keinen Anlheil hat. Der Leser höre und bilde sich selbst sein Urth.il. An der Spitze der Gesammt-Gemeinde steht seit 47 Jahren ein greiser Rabbiner, der von der weltlichen Kultur, wie sie bereit« Gemeingut fast aller deutschen Jude» ist, nicht einmal augeleckt ist, ja ihre» Hauch, wie den der Pest, flieht. Dieser Manu hat, mau kann e« nicht leugnen, seine hervorragenden Tugenden, aber auch — seine Schattenseiten, die an einem Privatmann vielleicht nicht zu tadeln wären, in seiner Eigenschaft al» Rabbiner aber seiner Gemeinde, so lange er in ihr im Amte ist. bereit« 47 Kriegsjahre kostete», so daß unter seinem Regime der Jann»tempei auch nicht ein Mal seine Pforten schließe» konnte. Er ist ein ganzer Original-Charakter, konsequent bi« zum höchsten Eigensinn, aber auch von einem UnsehlbarkeitS-Geiste beseelt, der stark a» seinen Eollegen im Barican erinnert. So war e« ihm eine Kleinigkeit, einmal vor Gericht bei Gelegenheit seiner Vernehmung al» Sachverständiger ex officio und in allem Ernste die Crtlärnng abzugeben, er wäre der einzig ächte, wahre und geleh,teste Rabbiner Preußen«; kein Wunder also, daß er seil einiger Zeit an» ureigenster Machtvollkommenheit den Titel: „Oberrabdiner" angenommen hat. Dieser Eharakter führt nun in seiner Genleinde, die ihm die Welt bedeutet, den Kampf gegen die Euiinr, und zwar nicht bla« gegen die weltliche, wissenschaftliche, klassische, sondern auch gegen die rabbinische, d. h. jüdisch-wissenschaftliche; so lange er im Amte ist, hat er stet« sowohl die rabbinisch gebildeten Kreise, die sogar Eapacitäten zählten, al« auch bie weltlich Intelligenten seiner Gemeinde gegen sich herau«gefordert, ja sie gleichsam gewaltthälig zu einem Sonderbunde zusammengetrieben. So steht auf der einen Seite unter Führung de« greisen Rabbi, den wir jedoch keinerweg« für alle«, >va« unter seiner Aegide geschieht, verantwortlich machen wollen, die versteinerte Gewohnheits-Religiosität, der blindeste FanaliSmn«, die frömmelnde Bigotterie, die e« sogar nicht verichmäht, auch Sünden und Lastern ein fromme« Mäntelchen umzuhängen; — und auf der andern Seite der denkende RabbiniSmnS und die ehrliche Intelligenz, die sich gegen die Berdumiitiing wehren, in der jüdischen Frömmigkeit nicht den Gegensatz aller Eultur erblicken und vor allen Dingen die Heranwachsende Jugend vor einem finstern verderben, vor religiös sittlicher Entartung erretten möchten. Dieser Kampf ist nun die Genest« de« »Kullu»oerciiiS." Dem geistlichen Arme hat sich nun seit einigen Jahren auch da« weltliche Schivert zugesellt. An der Spitze der Gemeindeverwaltung sind Elemente zur Geltung gekommen, die deit Riß unheilbar erweiterten. Boshafte Schlauheit und sittliche Eorruption, Steuerschrauben, Denunciationen u. s. w. müsien herhaltc», um dem Feinde Luft und Licht abzusperren und ihm die Lebensader zu vurchschneiden. Stirbt z. B. ein Mitglied de« KultutoereinS, so werden unerschwingliche Summen für die Grabstätte verlangt, und wird die Summe nicht erlegt, so wird die Pforte zur Ställe deS Frieden» und der Ruhe dem Gemeindemitgliede unerbittlich verjchloffe», und die Leiche muß in einer Rachbargemeinde ihre letzte Ruhestätte finden. Zn dem Gemeinde-Etat werden die Sonderbündler mit unerschwinglichen Steuern herangezogen, während die »Gutgesinnten" verhältnißmäßig frei und leer ansgehen. Euchen die Mitglieder de« KultuSoerein« den ihnen gebührenten Einfluß auf die Gemeinde wählen und die Gemeindeverwaltung, so ist kein Mittel zu schlecht, um sie per fas et nefas davon auSzuschließen, und da« veraltete Gemeinde-Statut bietet zu alle dem die nölhigen gesetzlichen Handhaben. So spielen zahlreiche Jntriguen und Kabalen, Einschüchterungen und wunderbare Machinationen, um da» Unglaubliche und Unmögliche möglich, um den bedeutendsten, besten, und sowohl au Intelligenz al« au vermögen reichsten vruchtheil der Gemeinde muudtodt zu machen und für da« Gemeindeleben brach zu legen. In die Wähler, die nicht im Sinne ihrer Führer wähle», werden entweder durch schlagfertige Realinjurien eine« Bessern belehrt, — oder aber von dem Schwie gersöhne de« Rabbiner«, der seit einigen Jahren in Schrimm Prediger und Religiontlehrer ist, öffentlich auf der Kanzel mit Namen verhöhnt und beleidigt. Nur ein Beispiel für viele: Ein Mitglied der Gemeinde, Namen« Adam, der früher ein glühender Anhänger de« Rabbiner« war, halt,! endlich, entrüstet über diese Vorgänge, da» verbrechen began gen, im Sinn de« Kultutverein« zu wählen. Der Prediger schließt nn„ in der Synagoge eine PHUippika mit den Worten: »Ja, Adam, Staub bist du, und Staub .mußt du werden, — und daraus sagen wir Amen!" — Welche Blasphemie! Doch genug hiervon. Der Leser ist. nach diesen wenigen Strichen in der Lage, sich ein ungefähr richtige« Bild von den Zuständen in Schrimm zu entwerfen; er mag selbst entscheiden, wo da» Unrecht ist Und nun noch ein Wort über die AuStrit«erklärungen ander Gemeinde. Referent ist kein sonderlicher .Freund von Sonderbü>id»iffen und Bestrebungen, die die G«- meindeeinheil zerreißen wollen; er will jene AuStriltSerklärungeu auch nicht beschönigen und entschuldigen. Er will hier nur feststellen, daß jene SluStrittSerklärungen nur der verzwcistungsvolle Schritt einer in ihrem Rechte gekränkten, vor Kabale und Jmrigue tyrannisirten bedeutenden Minorität der Gemeinde waren, — die übrigen« nicht blo« von Mitglieder:, des Kullusveretn«, sondern auch von entrüsteten Mitglieder, der Haupt-Gemeinde versucht wurden Daß diese AnStritt«- erklärungen noch in der zwölften Stunde zurückgenomme:, wurden, ist nicht -twa da« Wert von Predigten, die dem Worte huloigen: (Pj. 149, 6.) »Man führt Gotte» Lob in Munde und ein zweischneidige» Schwert in der Hand!" — nein! e» ist das Verdienst de« Prediger« de« KnlluSvereinti, eine« stillwirkenaen und friedlichen Manne«. (Diese Darstellung gehr un» von höchst achtbarer Seite zu. Wir können ihr die Verantwortlichkeit für da« Mitg«- theilte getrost überlassen. Zwischen den Personen, namenilrch den deloen Predigern, DD. T. und St., zu richten habe» wir keinen Berus. Daß dem »Cultusverein" Gewalt ang>- than worben, haben auch andere Blätter verschiedener Ricka tung gesagt; der »Israelit" und die »Jüd. Pr." frestich m l der chnen durch ihr Prinzip, nach dem ein alter »Roiv" nick t Unrecht haben oder lhun darf (nach bekanntem englischem Sprüchworl) auserleglen Reserve. Red.) Kraukretch. Part«. (Monatsbericht der Alliance J«r. Uni», für Januar.) Neue Mitglieder 252, darunter aus Deutschland 87, au« Constanlinopel 91. Da« Hauptgrenzcomite in Königsberg hat gelegentlich de« JahreSseste» der dortigen Chebra-Kadlscha 60 neue Mitglieder für die Alliance gewönne ». Außer Schalnachrichten enthält der Bericht »och Einzelheiten über verschiedene Gräuellhalen in Maroeco. Dagegen ist i« tröstlich, daß die englische Regierung alle ihre Bevollmächtigten iil Marocco durch Circulare angewiesen hat, sich jeden Acre der Ungerechtigkeit und Intoleranz gegen die JSraelilcn zu widersetzen; dieser Schutz ist um so dringender nothwendig, al» in der Thal oflmal» die edlen Intentionen und selbst Befehle de» Kaisers in Betreff der J-caeliten von den iit» ländischen Beamlen unberücksichtigt gelassen werden. Trotz wiederholt erlassener Instructionen werden z. B. noch immer die Israeliten von Larache oftmals zur Verletzung der Sabbat )* ruhe gezwungen, um bei den Scharfrichler-Execulionen bc» Gouverneur« zu helfen. Au» Beirut wird da« Eentral-Lomite darauf aufmeikja>» gemacht, daß die J-raeliten der Stadt und Umgegend chre Kinder m sehr großer Zahl in die Missionsschulen schicken, deren daselbst nicht weniger al« elf vorhanden sind. 4!» müsse also dort eine gute jüdische Schule errichtet werden, welche zugleich die armen Kinder aufnehmen könnte. Nähere Ermittelungen find eingeleitet.

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