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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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^Israelit" dazu gekommen ist, daffelbe abzuLnder», Neben« sächliche« abzudrucken und Wesentliche« wegzulaffea. Der Hergang ist folgender: Im Monat Siwan verließ I. M. Goldschmidt, Beamter £Ppfi) de« Solei "n"n (Holland und Deutschland) plötzlich Jerusalem, und altbald nach seinem Davongehen hörte mau in der Stadt rin Jammergeschrei, daß er viel Geld schuldig fei, und daß viel« Leute, darunter blutarm«, die jetzt hungern «üffen, an ihn Forderungen im Betrage von 600 Napoleon« haben. Dieser Mann war vor mehreren Jahren Sausmann, «achte nebst seinem Compagnon Bankerott, und ließ seinen Gläubigern da« leere Nachsehen. Da er nun kein Geschäft hatte und mit Beamten de- Palästina-Eomite's inAmsterdam «erwaudt war. so machten ihn diese zum Verwalter über davon Amsterdam vierteljährlich an den Solel TTfl gesendete Geld, ebenso über die Kleine Ehaluka," welche von dort an fämmtliche Gemeinde» gelangt, und über die ait den Solel Oesterreich und an Einzelne in Jerusalem gesandten Gelder') Eist nun in Jerusalem üblich, daß ein Armer, welcher Geld braucht, sich von dem Beamten einen Bon über die ihm auden ihaluckah zustehende Summe geben läßt, auf diesen Bon erhält er von Geldverleihern die betreffende Summe mit Zin-abzug vorgeschoffen. So verfuhr denn auch Goldfchmidt mit den Leuten de« Solel TTn, er stellte zu ihren Gunsten Bonau- und wurde ei» »sicherer Mann." Die Scheine lauteten: „Ich zahle gegen diesen Schein am .len di« Summe von nur am Rande bemerkte er in Ehisfern, für wen der Schein autgestellt sei. Nachdem er die» längere Zeit grth.n halte, fing er an. auch zu seinen eigenen Guiisten Bon« au«-useriigen, an deren Rand er schrieb: »Für I. M. G. oder G. I. M, oder eine der sech» mögliche» Umstellungen dieser Buchstaben. Die Geldverleiher, welche die Ehiffern nicht zu entziffern vermochten, nahmen die Bon« mit vollein Vertraue», bi- G. au» Jerusalem verschwand und nach Amsterdam ging.') Ich Hab« im „Hadaz" hiervon nicht« erwähnt, ich wollte die Freunde Zion« nicht betrüben, und die Sache war ja nicht mehr zu ändern. Aber Gott hat viele Boten, e« dauerte nicht lange, jo ivurde die Geschichte in Deutschland bekannt, denit ein Lorrespondeitt der „J-r. Wochenjchr." theilte sie von Jerusalem au» mit.') Saum war die» kund geworden, al« da- Eomil« in Amsterdam (d. h der Sekretär, Herr Jakob Roor, denn Herr •) De» Verwalter hat dl« Unt«rschrlst d»r von »mst««dam Beld- Smpsangendm zu beglaubigen, ohne dies« Beglaubigung wird nicht bezahlt: er erhält dafür */• Procent. Dieser Posten wurde von Amster» »am au« dein SR. I. Boidschmidt und seinem Schwager Niwiin übertragen. (Ueber dies« seltsam« Vererbung eine« Vertrauen«posten« haben wir in unserer Nr. 80 ». I. da« Näoer« angegeben Red. ». I. W.) viel« Empfänger beklagen sich itber dies« Einrichtung sehr; denn wenn der Bankier Signor Valero auch nicht all« chmpsänger und ihr« Unter-t schrisien kennt und ohne Beglaubigung seiten« «ine« ihm persönlich Bekmmten nicht auizahlen kann, so würde e« doch den Empfängern nicht schwer werden, «inen angesehenen Mann zu finden, der ihr« Unterschrif: »«< «laubig«, ohne sich dafür Provision zahlen zu lassen. Und warum solle» auch solch« Leut«, deren Unterschrist de« Signor Valero gar nicht unbekannt ist, genöthigt sein, Nnvim in Anspruch zu nehinen und ihm l/t Prveenr zu dezahlenf So erging »« erst kürzlich dem allgemein geachteten R. Rard. Joffe, al«-er von Dhorn Seid sür den „chaionisation«- Berrin" erhielt, (Anm. d. tzabaz.) *) Dem vernehmen nach soll er jetzt von Amsterdam nach Amerika gegangen sein, doch ist darüber nicht« Sichere« bekannt. sAnm. d. tzabaz.) ') Stur darin irrt« der Lorrespondent, daß er sagt«, S. sei mit Seldern, die sür di« Armen gesammett waren, durchgegangen. Seid armer Leut« war «« aUerding» — denn auch di« Darleiher waren Arm« oder wu»d«n e« nunmehr durch den Verlust ihre« Seide« — aber lücht »sür Arm« gesammelte« Seid." (Ae». ». Hab.) — Unser Torresp. hart« »Armengeidrr" geschrieben; wir wollen keimöweg« diesen Au»druck «l» ganz entsprechend bezeichnen, find aber auch seft überzeugt, daß un< ser Herr Eorresp. ihn nicht adstchtiich gewählt hat, weil er zweideutig sei» kann. Wir aberiaffm «« jedoch jedem Leser zu beurthrilen, ob e« »er Sach« nach «inen llnt«rschi«d macht, ob I. SR. S. mit Seid von Ar»«» «der sür Arm« durchgegangen, ob er Atmosengeider unterschta. ge» oder bei der Verwaltung solcher sein- Bet rüg er eien geübt hat. (»ed. ». g. w.) Aliba Lehren wußte ohne Zweifel nicht» von den Thaten de» M. I. S. in Jerusalem) schleunigst durch Telegramme »öd verschiedene Schreiben, welche sie iin „Israel" erscheinen lirßen, die Sache für nnwahr erklärten. Al» «» ihnen aber nicht gelang, die Schande zu bedecken, da der Red. der J»r. Wochenjchr.. der »ich ihnen nicht» zu fragen hat, seine") Worte nicht widerrufen wollte, da gaben jsie den Rabbinern in Jerusalem auf, ei» die Rechtschaffenheit de» M. I. '9. bescheinigende- Zengniß anrzustellen, damit derselbe „den Redakteur der J»r. Wochenjchr. gerichtlich wegen Verleumdung belangen könne." In diesem auS Amsterdam nach Jerusalem gelangten Schreiben legte Jakob Roo-den Rabbinern dringe ld an- Herz, in dieser Zeit nicht zu schweigen, da über die 9l> mosenverlheilung so viel in den Blättern geredet werde, oa man von der Entweichung eine« Almosenverwalter» spreche, und „Habazeleth" auch von Riwlin, dem zweiten Verwalter der Amsterdamer Gelder, sage, daß er Unterschleif treibe. [® Doch. Nr. 32] ES sei jetzt Gefahr im Verzüge. — Der Lhacham Baschi, der den M. I. G. nicht kennt, von seinen Thaten, Bon» und Schulden nicht« wußte, ließ sich herbei, dem Verlangen zu entsprechen und versprach ein Zergniß über die Rechtschaffenheit de» M. I. G. zu unterschreiben, aber „e» dürfe in demselben Niemand an seiner Ehre verletzt werden" Da nun Riwlin wußte, daß der Oberrabdiner nicht deutsch versteht, so trug er dem Schreiber auf, den Brief »ach seinen» (Riwlin'«) Willen abzufaffen, in demselben den Redakteur der Wochenschrift und andere Blätter, welche die Angelegenheit besprochen halten, zu schmähe», und nebenher auch „da« hier erscheinende Blau"') zn erwähnen, um an diesem für den ihm (Riwlin) angethanen Schimpf Rache zu nehmen. Al» dann der Schreiber zu dem Oberrabbiner gehe» wollte, um ihm de» Brief vorzulesen, gab Riwlin die« nicht zu, au» Furcht, daß der Oberrabbiner erfahren würde, e» seien Schinähunge» in dem Brief enthalten; sondern er ging selbst und la« dem Oberrabbiner eine hebräische Uebersetzung de« Briefe» vor, in der alle beleidigenden Ausfälle weggelaffeu waren; und nachdem er ans sein Wort versichert hatte, daß der deutsche Brief nur ta« in der Uebersetzung Stehende enthalte, Unterzeichnete der Oberrabbiner den Brief, und Riwli» zog fröhlich und wohlgemilth ab. Die Unterschriften der Rabbiner wurden dann von den britischen und denlschen Eonsuln beglaubigt. (Damit die Leser de« gedruckten Briefe« glauben sollten, daß auch die Eonsuln die Ehrlichkeit de« M. I. G. bescheinigten.) Der Brief wurde nach Mainz gesandt, um im „J«raeltt" veröffentlicht zu wer. den, dain't M. I. Ä. darauf hi» die „Wochenschrift" gerichtlich belangen könne. Bi» jedoch der Brief nach Mainz kam, ereignete e« sich, daß der Vorstand der t»raelttischen Gemeinde;?) iil Stuttgart den dortigen deutschen Gesandten ersuchte, bei dem deutschen Eonsul in Jerusalem Erkundigung etnziehen zu laffen, „ob e« in Betreff der Theuerung so schlimm siehe, wie man von Palästina au« klage," und „ob e» wahr sei, daß ein dortiger Verwalter mit 000 Napoleon» Armengel rer durchgegangen sei." Der Eonsul antwortete: „Die Thene« rung ist groß, jetzt aber etwa« gelinder"; in Betreff der zioeiten Anfrage erwiderte er: „die Sache ist wahr."') Al« die» in Ainsterdam bekannt wurde, merkte man, daß e» vergebliche Mühe sein werde, de» M. I. G. rein zu waschen, und st« ließen den Brief der Rabbiner zu Jerusalem nicht abdrucken. Der Redakteur de« „J»rael" aber hielt e« für Recht (vielleicht auf Weisung von Amsterdam und auf B.tle *) D. h der Herr Eorresp. — denn au« eigener Wiffenschaft km» ich nicht« behaupten oder widerrufen. Der Herr Eorresp «der war, wie in Skr. 30 angegeben, bald nach der Soidschmidtaffair« von Jerusi.lem abgereist und konnte da« Senaurre nicht mehr erfahren. |R. ». I. w.) -) Ohne den Namen zu nennen, damit der Oberrabbiner nicht die Unterzeichnung verweigere, wenn er beim vorlesen oder Einblick »«» Namen bemerkt«. (Anm. d. Hab.) ') Der Nedacteur de« „J«ra«1it" bracht« da« Schreibe» de« lionsul«, so w«U <« die Amwort auf dl« erst« Krage enthält, von sei» «er Antwort «us die zweit« erwähnt« er kein Wort. («nm. d Hab.)

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