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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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44 fortwährend seinen Hellsamen und erhaltenden Einfluß ans da« garz« Bolk geübt hat,' wie e« stet« der eigentliche Mittelpunkt d?« zerstreuten jüdischen Stamme« gewesen, und auf den überlieferten Grundlagen weiterdauend den mit den Zeiten sich ändernden Verhältnissen immer Rechnung zu tragen verstand. — Unmittelbar auf die jüngsten Wirren im Judeulhum b, zogen sich die Worte, welche der hochverehrt« Redner am Schluffe der Feier an den abgehenden Schüler richtete. Eie führten in eindringlicher, stellenweise von edlem Pathos erfüllter Weife au«, daß die neuer» Angriffe auf Einheit und Bestand der Gemeinden keineswegs von Erfolg fein können, daß die jüdischen Gemeinden nicht von außen zusammengehalten iverdcn, sondern durch die innere sie bejeelende Lebenskraft sich aufrechrerhalten. Auch die andere voni Materialismus urS drohende Gefahr fei keine nachhaltige; denn die auf ihm be.icheude Zeitströmung fei bloße Negation, die keine Dauer haben kann. MaterialisniuS führe zu Aberglauben oder Unglauben; der Genius der Menschheit aber ivird verhüten, >aß sie jemals ihnen gänzlich verfalle. — Den größten Theil d-r Feier füllte ein Borlrag des Einzigen der abgehenden Caidivaten aus, der anwesend war.*) vr. H. JauluS aus Budapest hatte zum Thema die nach dem clafsiichen Zettalter fr? jüdisch-spanischen Eultur eingetretene Eprgonenzeit und der. aus der allgemeinen damals herrschenden philosophischen Verflachung in erfreuender Weise hervorragendeil Rabbiner u ad Religionsphilosophen ChrSdai ErcScaS Verfasser des gegen!>en allgewaltigen Aristoteles Front machenden Or Adonai. Das Thema wurde in sehr geistreicher und aus die heutig« Geistesströmung Helle Schlaglichter werfende Darstellung ausgeführl. — Als Ergänzung zu deoi Ihnen wohl vorliegenden Jahresberichte**) führe ich noch an, daß die diesmalige gekrönte PreiSaufgab« auf die Frage: Plan und Anlage des Jad Hachaka von M. MaimonideS re. Hrn. vr. B. Ziemlich aus Mähren zum Berfaffer hat. Wie das verlesene Urthett lautet, hat derselbe den schwer zu bewältigenden Stoff mit Hingebung und regelrechter Auffassung behandelt, die vec ntwortung der gestellten Frage in Logischer Entwickelung u.rd mit reichem Quellenstudium herbeigeführt. — Bei dieser Gelegenheit gestatten Sie mir eine vielleicht auch weiter« Kreise interesfirende Notiz aus dem innern Leben de« Seminars anzuführen. Es hat sich zumeist auf Anregung de« Hrn. Direktors ein Bereiu zur Pflege d«S hebräischen StyleS gebildet, dem fast alle Hörer angehören und der bei gehörigem Eifer gewiß die heutzutage so seltene und doch für den jüdische» Theologen oft so nöthige Gewaudheit im hebräischen Ausdrucke befördern wird. Plfe», 25. Jan. (Or.-Eorr.) Ein selten schönes und erhebende« Fest beging am 20. d. MtS. der hier neu gegründete V nein „Freunde der Wissenschaft und Geselligkeit", dessen Si: bereits in Nr. 3 Ihres geschätzten Blatte« Erwähnung (ethan, iu seinen auf's Schönste eingerichteten VereinSräumer» ES galt, die Eröffnungsfeier würdig und zweckentsprechend zn begehen, und hatte daS JnSlebenrufen eines solchen Vereinig schon alle Gemüther in fteudige Auftegung versetzt, so gab das Fest selbst einen glänzenden Beweis, welche« Anklang t ie vom Eomtte angeregte Idee gefunden. Die Theil- «ahme Seitens der Mitglieder war eine so rege, daß die wetten in einander laufenden Säle die Zahl der Anwesenden kaum zu fassen vermochte, und trotzdem an den laugen Tafeln 220 Sitz« hergerichtet waren, mußte so Mancher sich mit einem bescheidenen Plätzchen in den Nebenzimmern begnügen. Eröffnet wurde daS Fest nach einer einleitenden Mufik- *) Dr. Deutsch und vr. Siawitsch haben ihr« Stellen in Sohra» de,. Stavern schon angetreten. **} Sir kommen auf den Inhalt de« uns zur ««Nutzung für dies« »r ,u spät ,»gegangenen Jahresbericht«, sonn« aus di« demselben vorangehen! >« gediegen« wiffenschasttich« Abhandlung: .Heilemstisch« Studien U. ao» vr. I. Freudenthal in der nächsten Ar. resp. i» „Jüdischen Literat» cblatt" ausführlich »urüek. Sied. aufführuug durch die Begrüßungsrede de« Vorsitzenden de« Vereins, Herrn vr. A. Ra hm er. Er hieß die Mitglieder in den der Wissenschaft und Geselligkeit gewidmeten Räume« mit dem von Lessing seinem Nathan vorangestellten Motto: „Introite natn et hic dii sunt* („Tretet ein, denn auch hier weilet das Erhabene") feierlichst und herzlich!) Willkomm«», und legte alsdann den Zweck und die Tendenz de« Verein« in treffenden Worten und in schöner Vortragsweise dar. So wie es unter den verschiedensten Begrüßungssormeln der Völker nicht leicht eine schönere und inhaltsvollere, al» jene altorientalische giebt, welche den Frieden in erster Reche entbietet, so find« er auch für die Darlegung der Zweck« de» Vereins kein geeignelerr», als jenes Wort, welche» da« Alpha und Omega aller unserer Grüße und Wünsche sein sollte. Zur Uebersetzung de» hebräischen Worte» müsse er aber bei allem zugestandrnen Reichthume unserer deutschen Sprache und trotz der gegenwärtig herrschenden Strömung, alle Fremdwörter au» einem weitverzweigten Verwaltungsgebiete zu entfernen, doch wieder nach einem Fremdworte greifen, weil e» dem Inhalte des hebräischen Originalwortes am nächsten komme und zugleich den obersten Zweck des Vereinam treffendsten wiedergäbe, und dieses Wort sei „Harmonie." Da» Ziel aller Pädagogik sei die harmonische Ausbildung aller geistigen Kräfte, und wir Alle strebten darnach, unser Leben harmonisch zu gestalteil. Diese- Ziel sei, nach einer alten philosophischen Eintheilung, am besten dadurch zu erreichen, wenn wir stets nach denl Wahren, dem Schönen und Guten strebe». Diesen harmonischen Dreiklaug zu fürder», sei der Zweck des Vereins. Das Wahre biete anerkannter Maaßen die Wissenschaft. WaS nütze es aber, wenn die Männer der Wissenschaft in ihrem Studirzimmer sich mit dem Erforschen de» Wahren beschäftigen, wenn die Resultate der Wissenschaft nicht ins Volk drängen, wenn sie nicht Gemeingut der Menschen würden! Darum wäre das Erste, wa» der Verein anstrrb«: Förderung der Wissenschaft. Sie biete den festen und breiten Boden, wo man selbst von verschiedenen Standpunften au» sich im friedlichen und frenndschaftlichen Gedankenaustausch zusammen finden könne,*) und da kein Gebiet de» Wissens in dem Vereine ausgeschlossen werden soll«, so sei ei« weite- Feld der Thätigkeit und de» Streben» geboten. Daß wir der uns als Bekenner» de» JudenthumS ganz besonder» obliegenden Pflicht, die Wissenschaft de» JudenchntX zu pflegen und zu fördern, eingedenk bleiben müssen und werden, bedürfe in diesem Kreise keines Erweise». Wie jedem Menschen neben den allgemeine« Menschen» pflichten noch besondere gegen die eigene Familie oblägen, so den Bekenner» des Judenthum» neben der Pflegt der allgemeinen Wissenschaften die de» JudenthumS insbesondere. JSraelS Literatur stehe allen anderen Literaturen »i»- desten» ebenbürtig zur Sette! (Forts, folgt.) P. Flato», W.-Pr., 20. Januar. (Or.-Eore.) In der letzten Rumnier der „J«r. Wochenschrift" war die Mittheiluug enthalten, daß auf Anordnung de» Herr« Minister» der geistlichen Angelegenheiten der jüdische Religionsunterricht als obligatorischer lluterrichtSgegenstand in den Lehrplan d«S Gymnasium» zu Bromberg ausgenommen worden sei, und wie ich hinzufügeu kann, ist der ReligionSlrhrer der dortige» Gemeinde, Herr Lehrer Lohn, mit dieser DiSciplin betraut worden. Die Frage, warum der jüdische Religionsunterricht an der dortigen städtische» Realschule, die von einer größere» Anzahl jüdischer Kinder besucht wttd al» da» Gymnafiu«, nicht auch eiugeführt wird, gehört wohl nur der Zeit an und wird der Synagogenoorstand wohl bald zur Lösung bringe». Somit wäre für di« Provinz Posen, in welcher beispielsweise in den Städte« Rakel, Schneidemühl, Liffa, der jüdische Re- *) Der Redner scheint hier auf di« anwesendrn venu Somit« zu Shrenmitalichern des verein» ernannten Herren Radb. vvr. Fetlchenfrid und «loch hingezielt |u Hoden, welch« emander »ei diese» Fest« zn» ersten »al« in colle^alischer weis« begegnet»». Ku». d. Sorresp.

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