Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5369809-5935045-5937936--2509-5371985
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

43 — 9mati»mK» feine Stimme zu erheben nicht wagen. Möge Hott den würdigsten Grri«, den edelsten aller Menschenfrennde Noch so lange erhalten, daß er die Anfänge der Verwirklichung feiner Bestrebungen erlebe. In diefer Beziehung schließen »ir hier «it dem herzinnigen Wunsch psnn Uv'3t ro"3 'ui rmrr Berichte »«d Lorrespondeazen. Lemtschls»»-. Btrttin, 27. Jan. (Blinder Parteihaß auf beiden Seiten.) Wir haben im Leitartikel der vor. Rr. im Vorbeigehen auf eine Polemik zwischen der „A. Z. d. I." und de« „J«raelit" in Betreff der, wie e» nun sonnenklar vorliegt, erlogenen Zahlangabe über Judentaufen hingedeutet. Der Zank wird in neueren Nummern beider Blätter fortgesetzt. Wir denken nicht daran, un» einzumtschen und Streitende „bei den Ohren zu fassen"; aber die Sache ist für die« Verfahren de« Parteifanati«mu« höchst bezeichnend! Der „J«raeltt" macht für die Menge der Judentaufen, in deren Richtigkeit er keinen Zweifel zu fetzen stch den Anschein gibt, die Holdheim, Geiger, Philippson verantwortlich. Er muß aber «iffen und weiß e« auch, daß die große, wirklich große Raffe von Judentaufen in einer Zeit stattgefunden hat, al« die Genannten noch -naben waren. Dagegen fährt die „*. Z. d I." frisch fort, den „J«raeltt" al« denjenigen »u bemichnen, der jene Achten „aufgebracht und verbreitet" habe. «« alter und erfahrener Redakteur muß aber Herr Philippfon «iffen, und er weiß e« auch, daß die Zahlen au» polttischen Journalen herstammen, — wenn nachher auch irgendwo, vielleicht in einem rheinischen politischen Blatte, der „Jlraelit" al« Quelle genannt worden sein mag. Aber e« paßt chm, „von jesuitischen Kniffen, mit denen jetzt, auch da« Judenchum beglückt «erden soll," zu sprechen, d. h. der „J»> raellt" soll die Zahlen erfunden haben, um auf Reformer schimpfen zu können. — Dagegen hat der „J«raelit" noch nüt keinem Worte gesagt, daß die Zahlen erlogen find. Er weiß e» längst, aber e« paßt chm. seine Leser bei dem Slauben zu lassen, daß wirklich im Jahre 1873 in Altpreußen Il38 Juden getauft worden feien. — (Nachtrag zu dem Leitartikel Nr. «„Gewissenhaftigkeit und Billigkeit.") Die von Herrn 6. gerügten ltebelstände, Angehörigkeiten und Unbilligkeiten, die von Müschen Gemeindeverwaltungen gegen Enltu«deamte geübt «erden, haben österreichische verhältniffe zur Grundlage. Manche« ist in Deutschland, in Folge längerer Theilnahme an algemeiner Bildung, am öffentlichen Leben u s. w., besser. Daß man bei Vakanzen viele Bewerber kommen läßt, ohne ihnen Reiseentschädigung zu gewähren, kommt hierzulande gewiß nur in kleinen Gemeinden vor. Diese haben aber nicht Unrecht, ja sie haben genügende Gründe, wenn sie bekannt machen, daß sie keine Reisekosten geben, well gerade die kleinen Gemeinden, die keine besonderen Ansprüche an Anzustelende machen können, von ungerufenen und unberufeneir Bewerbern, ja solchen Individuen, die die Bewerbung nur al» Vorwand zum „Reisen" benutzen, überlaufen «erden. — Sa» da« «illlürliche, unmotivirte, lanneubafte Entlaffen von Beamten betrifft, so kann man auch darüber im Hinblick ans größere und respektable Gemeinden Deutschland« wohl nicht klagen, während Herr O. allerdings größere im Auge « haben scheint, und ganz kleine, wie ste in Deutschland in Menge vorhanden find, in Oesterreich wohl überhaupt nid)t epistiren, e« müßten denn solche sein, die fich erst neu bilden — Die Gehalt«verhältniffe endlich haben fich in Deutschland ganz erheblich gebessert. Man nehme ein jüdische«Blatt au» den 40ger Jabreu zur Hand, so wird man sehen, daß die Spottsummen, für die damal« Beamte gesucht und gefunden wurden, heut nicht mehr geboten «erden. Während in dieser Hinsicht oft ganz kleine Gemeinden der Nothwendigkeit Rechnung tragen, sehr große Opfer bringen und nicht säten die Besoldungen um da« Doppelte und Dreifache erhöht hoben, stehen hierin mitunter gerade große Gemeinden zurück. E« find an« einzelne Beispiele bekannt, wo in Sroßgemeinden und Weltstädten jüdische Beamte, Lehrer rc. mit Brioldungen abgesertigt werden, welche, vielleicht vor mehr al« einem Meuscheualter noruiirt, heutzutage nichtswürdig genannt »erden müssen. Soll die Ehre, in einer großen Gemeinde zu fungiren, den Hunger stillen?! Soll da« Gefühl der Abhängigkeit erhalten werden? Dazu kommen noch hie und da geradezu unvernünftige Ansprüche an die Arbeitskraft, namentlich bei Lehrern, während im Gegensätze andere Beamte für 4—6 Stunden wöchentliche Beschäftigung glänzend besoldet werden. Talmud Torah gehört freilich zu den Dür» gen, „die kein Maaß haben", aber daß der Lehrer derT-> rah ohne Maaß und Ziel arbeiten solle, ist doch nicht gemeint. — Heber ähnliche Mißftände ist noch weit mehr zu sagen, al» in einer gelegentlichen Bemerkung erledigt werden kam». Berlin, den 31. Januar. (Or. Torr.) Seit einiger Zeit hält stch hier wieder ein Sendbote au» Palästina, Namen« Ben Malka, auf, der schon früher einmal Europa durchwandert und bei seiner Rückkehr in sehr harte Tonflikte mit seinen Tommittenten gekommen, jedenfalls fich aber ein schöne« Hau« in Jerusalem gebaut hat.*) Die man fich dmken kann, werden wieder die hiesigen Frommen, unter dem Beistände de» Dr. Hilde»heimer in (Kontribution gesetzt, und sollen schon nn 1000 Thlr. in dessen Sammlung gesoffen sein. Da der Betreffende wahrscheinlich auch andere Städte beehren «itd, so dürste e» wohl angethan sein, daräuf aufmerksam zu machen, daß, ganz abgesehen von der eigentlichen Tendenz der Rei.se (Errichtung von NVNS "712 in Tiberia« oder Zesat), e« dcch höchst unwirtbschastltch ist, die für Palästina bestimmten Geltet solchen Sendboten zu übergeben. Ich will die Rechtlichkeit solche« Manne« gar nicht tu Frage stellen; ich will e» Jedem überlaffen, seiner Pietät für Palästina einen beliebigen Ausdruck zu geben. Wer da« sollte man stch doch sagen, baß bei den derartigen Sendboten zugestellten Gaben mindesten« SS'/, Prozent an Gebühren und Kosten für diesen selbst oh- »»ziehen find, eben vorausgesetzt, daß er Alle« richtig ablüsert. Und wäre e» nicht viel vernünftiger, da«, «a» man geben will, mit der Bezeichnung de« Zwecke«, zu dem e» geaeten wird, an da« Lomite de» Palästinensischen Verein« in veriist (HH. Dr. Hildesheimer, Ed. fDtenbe,**) M. G. Lewh) zu über» geben, durch welche« da« Geld kostenlos und richtig an seine Bestimmung gelangen würde. Sind die Rqbbiny: wirtlich dazu da, um diese leidige Hausbettelei zn fördern und alle, die noch eine Spur von Anhänglichkeit an da« heilige Land haben, zum Spotte ihrer Gegner zu machen? — Ich glaube man muß den Gemeinden zurufen: Bor jedem dieser Sendboten ist, — wenn nicht da« Hau« — doch der Geldbeutel zu Verschlüßen. S. Breslau, 38. Januar. (Or.-Eorr.) Dü alljährlich versammelte fich auch diesmal am 37. Januar nebst dem Lehrerkollegium und den Hörern de« jüd.-theol. Seminar« dtL ziemlich zahlreiche« Publikum, um nach üblichem Programme da« Sedächtniß de« Stifter« zu ehren. In feiner Festrede ging Hr. Direktor Frankel davon au«, daß die Anstalt Ssich« biner d. t. Lehrer de« Glauben« bilde und entwickelte kn schwungvoller und den inneen Gang der jüdischen Geschichte mit trchfenden Bemerkungen erhellender Darstellung, »te kn« Lehramt ir. Israel mitten unter den äußersten Drangsalen *) (tat Malta ist im vor. Sommer in England gewesen. Zwo. World u. j. Lhron. brachten zu der Zeit viele Eingesandts für mW wider denselben. Nackchem beionders tze. Guedala fite Malta eingetreten war, scheint da« Risttraum ausgehbrt und dieser guten Ersah, in London gehabt zn haben. (Red.) **) Schatzmeister bei Pallist. Vereins in Berlin Spandauerstr. 7.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.