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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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unter civil den Gegensatz zu politiqut verstanden, nnd wa« nicht ein politische« Recht ist, da« steht den Juden kraft der Convention zu. Ich habe mich in dieser Angelegenheit an Ereyiieux ge» «endet.und ihn gebeten, nach seiner gründlichen und anerkannten Keniitmß de« französischen Recht« in einem Pariser Blatte zum Nutze» der Rumänen zu wirken, wa« unter ckroit civil, civique, communal und politique zu verstehen sei, damit wir selber wissen, wa» für Tivilrechte un« nach der Convention zustehen. Denn wenn die Juristen de« „Romaiml" Recht haben, dann müßte auch ich einräumen, daß wir die Civilrechte in Rumänien besitzen. E« ist ziemlich ivahrscheinlich, daß die beschwerdeführenden Juden vor dem Cassation-Hose obsiegen werden; auch die Regierung beinüht sich in dieser Angelegenheit zu ihren Gunsten; sie thul e«, damit sie nicht in Europa zum Gespött werde, indem sie Gesetze giebl, welche oer Gericht-Hof nachher für ungültig erklärt; auch wird sie ein ungünstige-Unheil benutzen und au-nutzen, um ihren Liberali-muinhellste Licht zu stellen. Aber wa« ist im günstigste» Falle wirklich zu unsern Gunsten erreicht?! Ewerden dann in der »hat drei Juden au- Jassy, und drei au« Bukarest (Graduirte) eben so gut wie ein Zigeuner, da« Recht haben, bei der Wahl der PNmärie eine Stimme abzugeben, damit soll 250,000 Juden geholfen sein?! (Unsere Leser eriunera sich, wie viel und wie lakge auch in Deutschland über di« „bürgerlichen" und „staatsbürgerlichen" Rechte der Juden gestritten worden ist. Urbrr die Stellung der rumänischen Regierung-preffe zu der obigen Angelegenheit ist »n« au« „Br,-lau" ein Artikel zugegangen, t-en wir in nächster Rr. zum Abdruck bringen wollen. Red.) Vermischte uud ueueste Nachrichteil. Au« Liffo schreibt nian un« berichtigend, daß kein dortiger Jude 500 Thlr. zu der Äradkapelle in Grätz gegeben habe, wie in unsrer Rr. 52 berichtet sei. — Wir haben da« Manuskript der betreffenden Corresponvenz nicht zur Hand, «» schwebt un« aber vor, al« hätte dort auch nicht „Lissa Posen" gestanden, sondern „russisch Polen.' — Wie». Der kais Rath, Herr I. Deutsch, Direktor de« allg. öst. i«r. Taubstummen-Jnstitut« hat vor einiger Zeit einen pädagogischen Bericht über die ihm unterstehende Anstalt veröffentlicht, dessen Inhalt warme Beherzigung verdient, wie denn auch die Borschläge, welche Herr Deutsch macht, um einen Nachwuchs von Taubstumnienlehrern heranzubilden und dem Staat« einen erheblichen Zuwach« von steuer- und erwerbsfähiger Kraft zu gewinnen, bereit« vom 6. allg. österr. Lehrertage adoptirt worden iind. Herr Deutsch hat seiner Broschüre eine» Lehrplan beigesügl,, nach welchem in seinem eigenen Institut« seil 30 Jahren vorgegangen wird, und der sich in so glänzender Wels« bewährt hat, daß auch für diese Veröffentlichung dem Verfasser ein ungelheilre« Lob gebührt. Der Zufall wollte e«, daß wenige Tage nach Ausgabe dieser Rachschläge «ine recht nette Illustration zu der iegen-reichen Wirksamkeit der Methode, welche der Berfaffer bei Bildung seiner Zöglinge beobachtet, gegeben werden konnte. E« fand nämlich »Ni Leopoldftädter Tempel die Trauung eine« in Deutsch'« Schule herangebildeten Taubstummen statt, uud der zuständige Prediger glaubte die Intervention de« Herrn Deutsch dpi Vollziehung der Eeremoni« verlangen zu sollen Natürlich «arv diesem Anstnuen willfahrend« Folge gegeben. Herr Deutsch hielt die Traui„ig-red« wie man eben zu Bollfinniaen spricht und wurde von dem Bräutigame nicht nur oerstanden, sondern e« war dieser sichtlich von dem Inhalte ergriffe». wie erstaunte aber erst da« anwesende Publikum, als der Taubstumme die bekannte Formel bare ath deutlich »achsprach und im gehörigen Moment« durch da« entscheidend« I Wörtchen „li* ergänzte uud allen Gegenwärtigen klar wurde, daß die Taubstummrn-Jnstitute nach dem Muster de« von Herrn Deutsch geleiteten, keine Wohlthätigkeitöanstalten im vulgären Sinne de» Worte« sind, d. h. nicht bloß Asyle für Krüppel und Hilflose, sondern Bildung«anstalte», welche der Menschheit eine Summ« von Kräften rettet, die ihr sonst unwiederbringlich verloren wären. (J«r.) Wirkt. Bon, Magistrat werden am 14. Mai die Interessen au« der Josephine v. KönigSwarter'schen HeirathSautstaltungS-Sliftung im Betrage von 238 fl SO kr. an ein unbefcho.lene-, dem Gemeindeoerband« von Men angehörige» Mädchen autbezahlt. Der letzte Termin zur Einreichung der Gesuche ist der 16. März. Rotterdam. Die Gemeinde-Repräsentanz hat beschlossen, zur Anstellung eine- Oberrabbiner überzugehen. (W. v I. H.) Schweiz. Gegen da» in St. Gallen, Aarau und Zürich erlassene Verbot an die J-raeliten, ihr Vieh rituell zu schlachten, hat der Rabbiner 0r. Engelberg in El. Gallen sofort Protest erhoben, und ist in Folge dessen da« Verbot de- Äemeindtruihdaselbst von der Regierung bis auf Weitere« zunächst siftirt worden. Hoffentlich ist die« in den anderen Eantonen auch der Fall, obwohl daher nicht« verlautet. In keinen! Falle dürfen die dortigen J-raeliten bei einem solchen flagranten Eingriff in die freie Ausübung ihrer Religionsgesetze ruhig bleiben. Pari«. Emil Pereire, der so viel genannte, gepriesene und gelästerte Vater und Ahnherr aller Oräckits mobiliers, ist zu Anfang diese- Monat» gestorben. ES lautet natürlich auch noch der Spruch de« Todtengericht« verschieden. Wir aber citivcn nach dem „Univ. J-r." einige Sätze au« einem bedeutenden pariser politischen (vermuthlich bonapartistischen) Blatte. „Die Geschichte Emil Pereire'S ist in der Thal eng mit der Geschichte unsrer Zeit verknüpft. Der Verstorbene ist nicht nur eine bedeutende Persönlichkeit in seinen, Zeitalter gewesen, er hat sein Zeitalter in die Bahn gelenkt, die er ihm geben wollte. Er hat nicht, wie viele politische Männer, sich nur in die Ereignisse eingemischt, er hat eine Welt geschaffen, die socialen Element« gänzlich umgestaltel, die Grundlagen, auf denen die Gesellschaft vor ihm sich entwickelte, vollständig verschoben. Dieser Millionär hall, nicht« mir den ehemaligen Finanzmännern gemein. . . . Zun, erstenmal sah man einen Mann enornie Capitalien in Bewegung setzen und di« Gesellschaft seiner Zeit umgestalte« lediglich mit den, Hebel der Idee. Zum erstenmale erkannt i man. wa« die Intelligenz leisten könne, wenn ste günstige Eleulente vorstndet. „Alle Berühmtheiten von Pari« wohnten dem Begräbniß bet. Aber die wahre Huldigung wird ihm dargebracht durch di« Arbeiter in den Fabriken, durch die pochenden Hämmer, die pfeifenden Lokomotiven, di« Dampfer, dir bic Woge, durchfurchen, die Banken, welch« schaffen. All' dieser sruchibringenve Lärm verdankt Emil Peretre sein Entstehen. Zah, lose Menschen arbeiten, weil ein Mensch gedacht hat." Al« Pereire, der Unternehme, der Eisenbahn von Bo» deaux nach Madrid, (setzt die „Un. J«r." noch hinzu) zuin erstenmale den Fug auf den Boden Spanien«, der Heimalh seiner Vorfahren setzte, rief er mit Inbrunst: „Schema JSrarl rc." Er stammle au« Bordeaux. Sein Großvater Jakob Rodrigue« P., geb. in Estramadura, gest. 1780 zu Pari», ist der vielgenannte Genosse de« Abbd de l’Epöe in d>.-r Entdeckung de« Taubstummenunterricht«. vordeinx. Der Stadtrath hat der i«raelitisch,n Gemeinde zur Erbauung einer neuen Synagoge einen Platz von 1730 Meter im Quadrat geschenkt. E«ir». Der Bankier Jacob Manaffe Cattani ist vom Khedive zum Range etneSBey erhoben worden. Welche Ehr« in einem Lande, in dem noch vor wenig Jahren die Jud-n de« schmählichsten An«brüchen de« Fanatismus »»«gesetzt waren l («rch J»r )

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