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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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E»hran o/SAi, 12. Januar. (Or.-Eorr.) Am Sonnabend, den 9. d. M., feierte die hiesige jüdische Gemeinde ein fröhliche« Fest, und zwar galt dieses Fest der Einführung unsere« neuen Herrn Rabbiner«, Dr. Immanuel Deut'ch. Dieser ist ein Sohn unsere« verstorbenen, hochgeehrten, allgemein gekannten Hrn Rabbiner« David Deutsch, (s. A.) S» war ein besonderer Gottesdienst angesetzt. Herr vr. Immanuel Deutsch wurde zu demselben von dem Vorstand der jüdischen Gemeinde und den Vertretern der städtischen Behörden abgeholt. Die Antrittsrede, die er hielt, erfreute sich eine« allgemeine» Beifall«. Der Text derselben war: "21 BTT'? '3K 1'vX »34 bin gering an Jahren u. s. w " SU er zu wiederholten Malen die Vorzüge und Verdienste seine« Vorgänger« hervorhob, war der größte Theil der Anwesenden sichtlich ergriffen. Er sprach in sehr brscheidener Weise von seiner noch jugendlichen Unerfahrenheit und wie e« ihm zu um so größerer Ehre gereich«, daß er trotz derselben erkoren wurde, der Nachfolger eine« so bedeutenden, mit so vielen Tugenden auSgestatteten Manne« zu werden. Er hoffe jedoch, daß er mit reiner Hingabe für feine« Beruf, mit neuftem, 1Orm Willen kür Stelle feine« hochverehrten Vater« einigermaßen werde ausfüllen können. D»« am Mittag diese» Tage« veranstaltete Diner zeigt« deutlich, daß ihm die ganze Gemeinde niit Lieb« und Achtung entgegrnkomme. Fast kein Mitglied derselben hatte sich davon «»«geschloffen. Al« Hr. vr. Deutsch die vielen, auf sein Wohl ausgebrachten Toaste erwiderte, betonte er mit besonderer Anerkennung, er sehe in der ihm entgegengebrachten Zuneigung hauptsächlich eine Würdigung der Verdienste seine« verstorbenen Vater«. Er wendete dabei die bekannte Parabel von dem Wanderer und dem Baum an, in deffen Schatten der müde Wanderer Labung und Erholung findet. Einen heileren Abschluß fand diese Feier in einem Tanzkrünzchen, da« die jüdische Jugend arrangirl hatte, um auf diese Weise ihre Freude über den Antritt unsere« Hrn. Rabbiner« an den Tag zu legen. B. An« Baden, den 8. Januar. (Or.-Eorr.) fRoch einmal Oberrath Altmann.j Um die volle und ungetheilte Angehörigkeit de« seligen Altmann zur Orthodoxie Lehmann'- schen Ealiber» zu conftatiren, führt Herr Aron Hirsch au» Halberstadt in der 1. Nummer der »Wochenschrift" nochmal« scharfe« Geschütz vor, um au« einem in seinem Besitze befindlichen Briefe de« sei. Oberrath» zu beweisen, wie berechtigt da« Auftreten de« Herrn vr. Lehmann und wie unberechtigt dasjenige de« Herrn vr. Friedniann bei der Leichenfeierltchkeit in Earlsruhe gewesen. Dem gegenüber will ich für heute nur die eine Thatsache Hervorheden, daß der sei. Oberrath ^"Xl, al» geistliche« Mitglied der obersten Religion«- behürde de« badischen Lande« bei Gelegenheit der Eröffnung der Ranuheinier Synagoge eine Entscheidung traf, die wohl nicht in dem Sinne unserer heißspornigen Orthodoxen war. Der sel. Präger verfaßte nämlich ein »neue« Gebetbuch", da« in vielen Punkten von unkerer alten Gebetordnung abwich. Da« Gebetbuch bedurfte aber vor der Einführung der Genehmigung de« OberralhScollegium«, in welchem Altmann grade bei solch rein theologischen Fragen da« entscheidende Wort redete. Der Oberrath genehmigte in seinem Erlaffe vom 16. Juli 1855 Nr. 488 die Einführung de« Präger'schen Gebetbuch« und knüpfte an diese nur die Bedingung, daß einige «eggelaffene Gebelstücke zum Theil im Texte, zum Theil un Anhänge ausgenommen werden sollten, wa« denn auch geschah, und so fanden der zweite Hin .“IHK, der jOipa 'K, der lange Dirn Kim, p'b'TD .122. JC. JC. am Ende de« Gebetbnche« noch ihren Platz. Bei der zweUen von vr. Friedniann veranstalteten Ausgabe desselben Gebetbuches — die erste Auflage war unterdeß vergriffen — wurde der octroyirte Anhang einfach weggelaffen und wa« geschah? Ju einem Erlaffe d. d. Carltruhe 24. August 1868 Rr. 697/98 ertheiltt der Oberrath dem Gebetbuch« ohne jede Einschränkung die Geuehmigung zur Einführung. Ich meine, diese Thatsachen sprechen laut und deutlich für die versöhnliche und vermittelnoe Gesinnung de« wahrhaft tugendh isien und sromnren Todten. Wenn übrigen« der selige Altmann der Earl«- ruher Orgelsynagoge und deren Einweihung gegenüber sich ablehnend verhalten haben würde, so liegen dort die Dinge ganz ander«. In EarlSruhe war Altmann Mitglied der jüd. Gemeinde, und wurde demselben sehr oft von der Reform - Partei eine persönliche Behandlung zu Theil, die ein Mann von solch anerkannter großer Gelehrsamkeit und solch hohen Tugenden nicht verdient hatte. In diesem Umstande findet deffen wahrscheinlich« Ablehnung bei der Einweihung der EarlSruher Synagoge ihre Motivirung. Aber mit Prinzipienfragen hat diese Nicht« gemein. Die« mögen Diejenigen sich merken, die heute seine Heiligsprechung wegen der Mannheimer Einweihung (im Jahre (1855) bewerkstelligen wollen. (? Red.) (Wir wollen die Polemik über die Beerdigung Altmann« hiermit endgültig abschließen, haben aber noch unsrerseits zwei kleine nachträgliche Bemerkungen hinzuzufügen: 1) Erinnert da» Gebühren unsrer Ultra'« nicht an da» ganz gleiche anderer Ultra'« beim Tode der Bischöfe Deinlein und Forwerk? Auch diese Männer waren strenggläubig, aber sie waren zugleich einsichtsvoll und milde gegen abweichend« Ansichten, sie stießen nicht in da« Horn der fanatischen Heißsporne ihrer Partei. 2) Der Redakteur des „JSraelit" veröffentlicht in „Arch. J«r." eine Abwehr gegen den chm geniachten Borwurf der Friedensstörung am Grabe. Er sagt, er habe nur nothgedrungen dem vr. Friedmann geantwortet, »der die Orthodoxen in Earlsruhe mit (unfreiwilligen) Mördern verglichen hatte, die nach dem Tode de« Hohenpriester« ihr Asyl verlaffen und zur Gemeinde znrückkehren sollten". — Da« ist stark!! Wer sich erinnert, daß nach allen Berichten Vr. Fr. beide Parteien zur Versöhnung aufgeforderl, -daß er da« Gleichniß vom sühnenden Tode de» Hohenpriester« so gebraucht hat, daß gewiß kein Verständiger an Mörder denken konnte, sondern nur an da« Moment der Versöhnung durch de» Tod — der wird die Verdrehung in dem neuesten Lehmann'schen Pschat stark finden. Wieder die Weise der andern Ultra'«! So schreiben „Vaterland" und Eons. Sie rechnen daraus, daß ihre Leser Berichtigung der crass.sten Entstellungen u. s w. nicht zu Gesichte bekomme». So erscheint jene Berichtigung in einem frauz. Blatte, welche« in Deutschland nicht gelesen wird, und deffen franz. Leser wieder die richtigen Darstellungen nicht zu Gesichte bekommen. Nur immer weiter so! Red.) Oesterreich. strakan. Der „Jahresbericht de« BerwaltungSrathe« de« Verein» zur Unterstützung armer jüdischer Knaben mit dem Motto: „Unterstützt die Kinder der Armen" 2"J33 nun für die Zeit vom 1. Decemder 1873 bi« 1. December 1874" ergiebt nachstehende Data: Da« Stammkapital de« Verein« beträgt Nominalwerth 3433 Gulden ö. W. Darunter 2000 Gulden Papierrente, Legat von S. R. Wechsler, 100 Gulden vom Grafen Adam Potocki, 100 Gulden vom Professor Dietl, da« Uebrige in größeren und kleineren Posten von verschiedenen Donatoren. Die JahreSeinnahmen betrugen 2173 Glv., darunten 1072 Gulden MonatSbeitcäge, und 200 Gulden Subvention der Stadtgenieinde. Die Ausgaben beliefen sich auf 2118 Gulden, und zwar für Unterricht der Knaben, Meisterhonorar, Bekleidung, Verköstigung u. s. w. (Nach der verhältnißmäßigen Geringfügigkeit, de» letzteren Posten« kann Beköstigung nur in «inzelneu besonderen Fällen geliefert worden sein.) 451 Gulden sind auf Ankauf von Papieren zunr Fonds verwendet. Die Zahl der Mitglieder, welche sich leider oerringcrt hat, beträgt 380, der Jahresbeitrag ist au) 2 Gulden 40 Kr. festgesetzt. Die Zahl der Zöglinge beträgt 39, welche verschiedene Handwerke erlernen, während einer die Schul« besucht. Der Verein hält fünf Lehrer, je einen

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