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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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ganz entsetzlich gelogen hat, und wir halten e» HiflctrfcifB für uaabweiSliche Pflicht, diese Lüge nicht so stillschweigend hingelien zu lassen. Denn so wie dort »ur die Abficht ob-, walte» kann, Eütmuchigung in da« jüdische und Ermuthigung in da« eigene Lager zu bringe», so ist r unsre ^heiligste Pflicht, dieser Snlmukhigung bet den <teürn»nhäMrn unsrer Religion vorzubeugen und daS schlecht« Beispiel bei den Indifferenten zu entkräften W«m Mo Re RetzäkkZone» jüdischer Blätter die Vorstände und Rabbiner in ihren Zeitschriften auffoiderten, alle vorgekommeueu, ihnen bekannten Fälle zur fttnmnifj derselben zu bringen, so würde daS wohl hinlängliche Anhaltspunkte zur Beurtheilung und Widerlegung dieser traurigen Angelegenheit bringen, und man wüßte in Zukunft wohl, und man könnte sich daraus berufen, was von dergleich« n Veröffentlichungen zu holten wäre. Zur Orieutiruug nenne ich Ihnen 30 Städte der Provinz Posen, in denen nach eingezogenen Erkundigungen nicht ein einziger Fall, weder bei Erwachsenen noch bei Kindern vorgekoumieu ist. Zraustadt, SchlichtingSheim, Reisen, Liffa, Kosten, Lion«, Czempin, Krtewen, Dölzig, Borek, Gostyn, Sandberg, Kozmin, Kröben, Pogorzelle, Pnnitz, Bojanowo, Rawicz, Schmirgel, Reustadt a. W., Schroda, Santompsl, Jaraczewo, Kurnik, Jarocin, Pieschen, Wöllstein, Etorchnest, Krotoschin, Doblj.yce. Wo soll also die verhältnißmätzig bedeutende Zahl in der Provinz Posen Herkommen?" — (Soweit die Eorresp.) Znter diesen 30 Gemeinden sind manche kleinere, aber auch mehrere von recht erheblicher Seelenzahl, zusammen bilden sie schon einen ganz ansehnlichen Brnchtheil der israelitischer Bevölkerung der Provinz Posen. In allen diesen 30 Gemeinden hat 1873 keine einzige Judentaufe stattgefunden, und in den übrigen sollten 94 vorgekommen sein?! Ganz besonder« augenfällig und grob ist die Lüge in Betreff der Provinz Sachsen, welche unter allen altpreußisch -n di« wenigsten Juden zählt. Hier wurden al« getauft angegeben: 5 Erwachsene, 82 Kinder. Wie viel Judenkinder find denn wohl im Jahre 1873 in der ganzen Provinz geboren? Wir können e« nicht angeben, aber sicherlich müßt: ein volle« Drittel aller neugebornen Israeliten dem Lhristenlhum zugeführt worden fein, wenn die Zahl 82 richtig sein sollt». Run schreibt un« Hr. vr. Rahmer: „AuS meiner Gemeinde ist weder im Jahre 1873, noch während meiner ganzen hiesigen achtjährigen Amtsführung meine« Wissen« auch nur ein Jude — also weder Mann, noch Weib, noch Kind — zum Ehristenthum übergetreten (nur Einer zur fteien Gemeinde)." Magdeburg ist die größte Gemeind« der Provinz Sachsen, (von den 6000 jüd. Seelen in dieser Provinz komwen über 2000 auf M.) außer chr giebt e« noch 4—5 mittl .'re, wie Halberstadt, Erfurt, Halle, Rordhausen — die übrixen sind winzig. Rechnet man Magdeburg, wokein Uebertritt vorgetommen ist, ab, so müßten in den anderen Gemeinden rie Judenkinder zu halben Dutzenden, beziehungsweise famvit und sonders, getauft worden sein. Man sendet un« ferner einige hierhergehörige Notizen au« ven Werken der bekannten Statistiker Hoff mann und Dieterici. Rach diesen betrug die Zahl der Juden in Prevßen im Jahre 1822: 144,737, im Jahre 1837: 183,579, und in diese» 15 Jahren waren zusammen 1888 Inden zum Lhristenkhum übergetreten. Di« zwanziger Jahre waren e< bekanntlich, in denen der Religion-wechsel unter den Juden grassirte und allerdings sehr bedenkliche Wüensionen angenommen hatte. . 1843 war di« jüdische BevM-rung Preußen« achf »06,529 gestiegen, in den 6 Jahre» Waren zusammen 6*4 Juden getanft" worden, also schon nütz Berhältniß er» heblich weniger al« in den vergangenen Jahren. Seitdem ist, wie Jeder weiß, der liebertritt noch »eit seltener geworden, da die Veranlaffungen weggefallen, die zahllosen Beschränkungen in Preußen aufgehoben sind, und uun i» eine» Jahre — 1428!? Jede« weitere Wort ist überflüssig. Soll die amtlich erscheinende Angabe nicht al« geradezu erfunden und erlogen bezeichnet werden, so müßte man annehmen, daß die Zahlen sich auf eine gewisse, nicht kleine, Reihe von Jahren bi« 1873 incl. beziehen. Eine Notiz in der „Kölnischen Zeitung" vom 22. December bezeichnet denn auch die in Rede stehenden Angaben als durchaus unrichtig und führt dagegen an, daß nach den protestantischen Kirchenblättern im Jahre 1873 in All-Preußen ca. 16000 Personen zur evangelischen Kirche *) übergetreten seien und unter diesen 55 (fünf und fünfzig) Jude» Männer, Frauen und Kinder. Ob diese Zahl irgendwie verläßlich sei, wisse» wir auch nicht; fabelhast klingt sie indessen nicht; ti sind ja — nach derselben Quelle — in Berlin allein 13 Personen zum Judenthum übergetreten. Berichte und Correspoudenzea. Deutschland. Köln. Einem längeren Artikel der „Köln. Ztg." über den sel. vr Schwarz, seine Beerdigung, seine Verdienste entnehmen wir noch eine am Schluffe gegebene Miltheilung. „Wie sehr der Verewigte sich die Liebe der hiesigen Gemeind« zu erringen gewußt, mag noch au» dem Umstand« entnommen werden, daß bereit« Zeichnungen zu einem Eapital gemacht worden sind, dessen Zinsen der Wittwe und den Kindern de» Heimgegangenen eine sorgenfrei« Existenz schaffen werde». Fürwahr ein seltene« Zeichen von Hochachtung und Liede, da« der israelitischen Gemeinde selbst nur zur Ehre gereiche» kann!" Die Gemeinde zählte, nach demselben Blatte, 1856, al« vr. Schwarz seine Stelle antrat, 300 Familien, und hat sich bi« heute auf da« Doppelte vermehrt. Bkbr«, 10. Januar. Man schreibt der „Fr. Ztg.": Am heutigen Tage war in unserer Stadt eine große Anzahl Delegirter verschiedener israelitischer Gemeinden de« ehemaligen Kursürstenthum« Hessen versammelt, um über die Schritte zu berathen, welche zur Beseitigung der Gesetze vom Jahr« 1823 und 1833, die Gemeindeverhältnisse betreffend, zu ergreifen sind, und um sich gleichzeitig über Ersetzung der jetzff. gen bestehenden Einrichtung, insbesondere der Vorsteherämter, durch andere den heutigen Zeitverhältniffen geeignetere Errichtungen zu einigen und solch« der Behörde in Vorschlag zu bringen. Man einigte sich schließlich nach längerer Debatte über die Wahl einer Commission von 10 Mitgliedern, welche die nöthigen Vorschläge einer wiederholten Versammlung zu machen und dieselben in einem Schriftstück in Fon» einer Petition der verschiedenen Gemeinden an die compete»- tea Behörden zur Unterschrift vorzulrgen hat. *J I» de» hier besprochenen Angaben «ar überall mir mr Uebertritten jur evangelische» «irche Mt Krtt gnaesen.

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