Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5937934--2491-5371969- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 27 — anb Kommunallasten dir nächste Zev" auch noch eine Kirchensteuer hinzufügen wird." Der letzte Satz foE offenbar eine drohend« Hinweisung auf eine der Kirche, der Kirchlichkeit und den Kirchlichen bevorstehende Gefahr sein. »Jetzt wird auch noch Kirchensteuer gefordert wrrdrn, wie werden sich da die Reihen lichten!" Wir können durchaus nicht behaupten, daß alle Juden auch in Zukunft bereit fein werde», Lultu«steuern ganz freiwillig zn entrichten; aber günstiger liegt die Sache doch, weil e» sich um nicht« Neue«, Drohende» handelt. Seit den Ta- Mofe« hi« heute hat der Israelit für EultuSzwecke gert. Weiter ist zu erwähnen, daß Prof. Birchow die Frage In einem Vereine in Berlin besprochen hat. Er sagt zunächst über die Zulässigkeit einer Entschädigung im Allgemeinen und de« Prinzip« nach: »Der Staat hat kein Bedenken getragen, in den Besitz der Kirche einzugreifen, und gab hierfür Berfprrchungen, auf denen nunmehr von einigen Seiten Forderungen an den Staat bafirt werden. So weit e« sich nun um wohlerworbene Rechte handelt, muß der Staat den Anforderungen genügen, selbst wenn er nicht vor Gericht gezogen «erden könnte. Der Staat hat da« große Kirchenvermögen an sich genommen, aber dafür auch Leistungen an dt« Kirche ausgeführt; da« Abgeordnetenhaus hat die« bewilligt; aber «eiter al« diese Zahlen im Etat dürfen dies« Leistungen nicht «ehr gehe». Wenn die Kirche sich seit 50 Jahren damit be- (inflgt hat, daß der Staat nicht au« vollen Händen spendete, o werden wir jetzt nicht liberaler verfahren können. Die evangelische Kirche hat sich darauf vorzubereilen, wie die« die katholische schon lange getha» hat, au« eigenen Kräften sich erhalten." (Da» soll wohl heißen, daß die kath. Kirche von langer Hand in den Besitz großen Bermögen» gesetzt hat, so daß sie auch ohne StaatSzuschuß wird bestehen können; denn daß st« bi« jetzt »au« eigenen Kräften — d. h. doch von Geldmitteln — sich erhalten hat", ist ja nicht wahr. — Wir übergehen alle«, wa« Birchow dann weiter über kathol. und evangel. Kirche und ihr Berhältniß zum Staat noch sagt, al« nicht in die« Blatt gehörig. Rur noch ein Satz, der frelltch wieder für Juden ganz selbstverständlich ist:) »ES ist UU«öglich, die Kirche auf die Dauer zu erhalten, ohne die Gemeindemitglieder zu den Lasten heranzuziehen; jeder der Sr Kirche gehören will, wird sich daraus vorzubereilen haben, anziell« Opfer für die Kirche bringen zu müffen. Vv» Rhein, 8.' Januar. (Or.-Sorr.) Roch erschöpft und ergriffen von dem gestrigen iä Eöin verlebten schweren Tage, beeile ich mich — zumal ich in der eben erhaltenen Wochenschrift v. 7. d. M. noch jede Nachricht von dem Hinfcheiden unsere« so trefflichen Freunde« de« Hrn. Rabb. vr. Schwarz p"2 vermisse *), — Ihnen in Kürze über die gestern erfolgt« Beerdigung zu berichten, da Sie wahrscheinlich ausführlicher« Berichte über da« so schwere Ereigniß bringe» werden. Welch' herber und bitterer Verlust sein Hinscheiden nicht blo« für fein« Gemeinde, sondern auch für da« Judenthum ist, sprach sich auch bei dieser Gelegenheit überall au«. — All«, die mit chm verkehrten, betrauern in chm einen liebe«, innigen Freund, zahlreiche Familien den treuen Rathgeber und Helfer. Ein Wohlthäter war er im eminentesten Sinn« de« Worte«. E« ist fast unglaublich, wie weit er in fetnSr mit schweren eigenen Opfern verbundene» Mildthätigkeit ging. Wa« er »ach außen hin darin gewirkt hat, ist ja allbekannt. — Ein unabsehbarer, au« vielen Tausenden von de« verfchirdensten Ständen und Eonfesfionen bestehender Zug folgte seiner Leiche. Da« Geschluchzt war herzergreifend. Lou Eollegen gingen hinter dem Sarge der Hr. Oberrabbiner vr. Horowitz au« Lrefeld, der mit der eigentliche» offtciellen ") Di« »Wochenschrift» datirt jetzt »war. de« Lölender« ««. •m, von Donneret«, sie wird aber de« Buchhandel« wegen schon «on. «atz (spätestens Dienstag) gedruckt. Dir erwähnen die« deshalb, damit bi» gesch. Htz. Lorrrsp. sich nicht wundern, wenn «inges. Bericht« u. dgl. nicht in de» Ar. st«den, dt« st« dem Datum nach schon hätte bringen »tösen. Ued. Grabrede Seiten« de« Borstand«» betraut wurde, und die Rabbinen und DDr. Auerbach au« Bonn, Auerbach au« Elberfeld, Hildesheimer au« Berlin, Wolfssohn au« Aachen und Ben Israel aus Eoblenz. Nachdem der Hr. Obcrrabbiner vr. Horowitz feine Rede gehalten hatte, sprach der Oberradbiner Auerbach auS Bonn. Bon der Alliance iSr. untv. waren Astruc aus Brüssel und Wolfssohn beauftragt zu sprechen. Der erster« wurde in letzter Stunde verhindert, und WolfSsohn sprach, dem vr. Auerbach au« Elberfeld folgte. Au« allen Rrden sprach sich der tiefste Schmerz über diesen großen unerwarteten Berlust in tiefster Rührung au«. Ueber da« Einzelne der Reden zu berichten, erlassen Sie mir wohl, ich wäre auch dazu nicht im Stande, da ich von» Schmerz betäubt gar nicht in der Berfaffung war, den Rednern aufmerksam zu folgen. Er hatten alle Zuhörer die wehmüthige Empfindling, daß die Lölner Gemeind« nicht nur, sondern die ganze Judenheit einen bedeutenden Berlust erlitten. (Der Verstorbene war erst 45 Jahre alt, hatte in Eöln das Rabbinat durch 18 Jahre bekleidet und vorher in Baireuth (Bayern) einige Jahre al» Rabbiner amtirt.) Oesterreich. Krala», 10. Jan. Der »R. F. P." wird von hier geschrieben: »E« tritt immer deutlicher hervor, daß die Polen, wenigsten« die hellersehenden, die Absicht habe», mit den Juden in Galizien Frieden zu machen. Da« Rachegeschrei der clerieaien »Gazeta Narodowa" verstummt allmälig, ihre Roll« ist au»gespielt — da« Organ der gemäßigten, ministeriellen Partei tritt auf die Bühne, um die Rolle de« Vermittler« zu spielen. Dziennik Polski, da« Leiborgan de« Minister« ohne Portefeuille, hatte sich während der ganzen Wahlcampagn« vom Jahre 1873 di« Achtung aller Parteien zu wahren gewußt; e» billigte nicht die nationalfrindliche Politik der galizischen Juden, aber e« versuchte nicht, den Wahlkamps auf da« ökonomische und religiöse Gebiet zu verpflanzen; ja noch meyr, e« nlißbilligte laut die Brandartikel Jan DodrzanSki'«. Da« Blatt paßt daher ganz gut für die Rolle, die e« in dem galizischen socialen und politischen Leben zu spielen bestrebt ist. Mit Eifer ergreift e« jetzt jede Gelegenheit, um die arge Kluft zu Überdrücken, und selbst der »Schomer Israel" wird plötzlich au« einer allverheerenden Reb'.au« zn einem segensreichen Arbeiter im Weinberge der Herren — Polen. In seiner Nummer von» 8. d. M. begrüßt Dziennik PolSki den neuesten Beschluß de« »Schomer Israel", kraft deflen alle Wucherer au« dem Berein«oerbande ausgeschlossen worden sind, al« ein günstige« Omen für die künftige gedeihliche Entwickelung Galizien«, al« erfreuliche« Zeichen de« guten Willen« seiten« der jüdischen Bevölkerung, an der allgemeinen- Arbeit zur Hebung de« Handel« und Verkehr« redlich und kräftigst lheilzunehmen; er zollt Anerkennung der guten Idee der Prei«au»schreidu»g von zehn Ducaten für dt« beste Abhandlung über die schädlichen Folge» de« Wucher«. Doch wird dieser löbliche Schritt feiten« de« vereine«, fährt der Dziennik fort, nicht« nützen gegenüber dem ungebildeten, rohen Pöbel iu den Dorf- und Marklgemeinde», wenn er nicht kräftigst unterstützt wird von der allein die finster« Masse beherrschenden Macht — von de» Rabbinern. Im Namen der Bibel, die sowohl dem Ehristen wie den» Juden heilig ist, beschwört er di« Rabbiner, auf den Kanzeln und in den Bethäusen» dem schreckliche» Wucherunwesen abzuhelfen. Und wenn die Rabbiner ihr« Pflichten erfüllen, dann wird Glück und Segen in da« arme Galizien «inziehen, e« wird da« golden« Zeitalter für Galizien wieder erstehen. (Daß Ehristen, Polen, Adlige den ärgsten Wucher treiben, gegen den der von Juden geübte nur rin blasser Schatten ist", hat jüngst rin Graf Tarnow«ky selbst veröffentlicht. R.) Auch der Lande»schulrath ist zn neuem Leben erwacht. Li« »unzu kümmerte er sich trotz de« sanctionirlen Schulzwange« wenig darum, ob jüdische Eltern ihre Kinder in die Schule schickten — man ließ sie in ihren »Shatderim" nach orthodoxer Fayon sich au«bUden; fo konnten sie nicht schaden. k.