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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 3. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 3.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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jüdischen Sultu«, der chren L« sichten nicht entspricht, zahle« »ollen — für eine» ganz fremden zahle», da« soll kein Unrecht involviren?! Oder liegt ein Unterschied darin, daß in ersterem Falle direkt, im anderen indirekt gesteuert wird? Da» kann doch für die Recht«anschauungcn eine« solchen Manne« nicht in» Gewicht fallen. Und 'ebensowenig darf er sich dadurch beirren lassen, daß e« sich hier und da um Pfarreien königlichen oder staatlichen Patronat« handelt. Dag königlich, firkalisch und staatlich, besonder« in kirchlichen Dingen, noch vielfach unter einander geworfen wird, ist wahr; aber die ideale Recht«anschauung darf darauf keine Rücklicht nehmen Wir meinen indessen nicht, daß wir wirklich lediglich ab- «arten sollen, wa« Latker sagen und lhun wird; wir wollen «ine Anregung zu eigener Thütigkeit geben. Müssen wir denn da» Unrecht, welche« un« bevorsteht, mit Schafegeduld über un« ergehen lasten? Berichte und Correspolldeuzeu. Deutschland. Ppse», Ende December. (Or.-Lorr) Hier hat stch «in Verein gebildet, der unter Luderem e« stch zur schönen Ausgabe stellt, „da« Interesse an den Wistenschaften, in« des andere der de« Judenthum«, zu beleben und zu fördern." Lin solcher verein — er führt den Rainen „Freunde der Wistenschast und Geselligkeit" — kommt einem empfundenen vedüriniß io unserer Gemeinde entgegen, in welcher e« gar viel« intelligente Männer — in der Geschäftswelt — giebt, denen nur dem Tanz und Spiel gewidmete vergnügung«- abende kein Genüge gewähren, die anch nach geistiger Rahrung und wissenschaftlichem Gedankenaustausch u. dgl. Verlangen tragen. Diesem Allem will der Verein Rechnung tra-?icn, indem er für eine gute Bibliothek, ein Lesetabinet, sowie ür entsprechende Vorträge und gesellige Zusammenkünfte Sorge tragen wird. Ein solcher Verein trägt die Bürgschaft seine« Bestände« in seinem Programm. An der Spitze diese« Verein« stehen für da« erste Jahr die HH. vr. A. Rabmer. M. Kornfeld und M Werner; ihnen zur Seite eine Ballotage-Eommiffion von 12 Personen. Paderborn. Der vor u,l« liegend« „sechSzehnte Jahresbericht über die israelitisch« Waisen-Erziehung-anstalt für Knaben und Mädchen in Rheinland und Westfalen zu Paderborn, von Fanny Rathan, Gründerin und Vorsteherin der Anstalt' — giebt uh« Gelegenheit, einmal wieder auf diese« entzig in seiner Art dastehende Institut hiuzuweiie». Einzig darmn, weil e« von einer alleinstehenden Dame „mit nicht« und au« nicht«", möchte man sagen, gegründet, erhalten, fortgeführt und erweitert ist. Fräulein Rathan hat im Jahre 1856 zwei Waisenknaben zu stch genommen, ckm für ste zu sorgen und ste zu erziehen; ste war dazu von ihrem guten Herzen bewogen, und durch den guten Glauben ermuthigt, daß man sie in ihre« Vorhaben unterstützen und ihr di« Last sticht allein überlasten weide. Und so hat sie begonnen zu sammeln und hat immer mehr gesammelt; „wie stch da« Gut mehrt, mehren sich anch die Verzehrer," sagt Salomo, aber hier geschah e« i« gute» Sinne, je mehr Fond«, Beiträge, Jahrzritstiflungeu u. s. w, desto niehr arme Linder wurden ausgenommen. Und so zählte die Anstalt 1873: 38 Zöglinge, 23 Knaben und 13 Mädchen, von diesen gingen 8 Knaben ab, ö Mädchen wurden neu aufgenomnien, also daß jetzt 20 Knabe« und 20 Mädchen verpflegt werden. Da« Hau« nebst Zubehör und Inventar wird in dem Berichte auf 60,000 Thlr. geschätzt; an Fond« besitzt di« Anstalt Romiualwerth 82,000 ^hlr. Die Einnahmen betrugen 1873 an Zinsen von Effekten (für drei Semester) 1482 Thlr., Vermächtnisse 8300 Thlr., Jahrzeitbeiträge 3700 Thlr., Verpflegung«-». schüst« SS7 Thlr., Eoüecten 8069 Thlr., Beiträge einzelner Wohlthäter 700 Thlr. — Run haben andere ähnliche Anstalten Vorsteher und Lurschüffe, Euratoren, Ehrendamen. Waisenvaler und Wiisenmniier; für die Paderborn« Anstalt ist Fräulein Fanny Raihan Jahr« lang die« Alle» in einer Person geiveje« Erst in neuerer Zen ist ein Luratorinm, bestehend au« drei Herren für Westfalen, und zwei für Rheinland, ihr zur S.ile getreten. Die eigentlich.'Arbeit, die Aufsicht und Verwaltung, sowl-: die G.ldlns.hiffung, ihn! und besorgt wohl in der Hauptsache Fränletn Rathan noch heute, und sie ist jetzt 72 Jahre alt. Sie hat da«seibe für ihr Waisenhau» gclhan, wa« der selige Auerbach für da« seinen Ranlrn tragende Institut in Berti» gethan hat; aber wenn wir auch da« Verdienst de« Letzteren gewiß nicht schmälern wollen, so neigt srch doch ohne-Zweifel die Wagschale sehr zu Gunsten der Dame, wenn wir erwägen, wa« so nahe liegt, daß Paderborn nicht Berlin ist, daß die Judengemeiuden in ganz Westfale» zusammen noch lange nicht die Hülf«- »iiitel bieten, welche die Juden Berlin« allein eröffnen, daß Fräulein Rathan in Rahe und Ferne mühsam und langlain collecliien mußte. Setzen wir denn nur noch da« Schlußwort ihre« Bericht» hierher: „An die wohllöblichen Gemeinden der beiden Provinze i Westfalen unl^Rheinlano richte ich den Wunsch und die Bitte, in deren Händen da« Schicksal de» Institut« ruht, tragen Sie ferner opferwillig zur festeren Begründung deffelben bei, damit c« von mir und meinem Leben unabhängig seine Bestimmung erfüllen kan». Meine Idee tan» nicht mehr fremd sein. — Ich habe keine Ruhe, so lang« ich mich zur bestän-! bigen Erhaltung meine« llnternehmeu« für bedeutend halten muß. Die Bürgschaft dafür möchte ich haben, daß auch nach memem Tode ra« Werk seiner Stiftung gemäß fortgesetzt werde, zum Ruhine Gotte« und Heile vieler verwaisten, deren Wohl ich mein« ganz« Thäligkeit bi« in« hohe Lebensalter bisher gewidmet habe." Loa her Weser, im December. Or.-Corr.) Bei der Volkszählung an, 1. Decbr. 1871 ergab stch, daß unter den 24,639,706 Einwohnern de« Preußischen Staat« stch 863,843 männliche und 1,398,434 weibliche Analphabeten — d. h. Personen, die nicht lesen und schreiben können — befanden, weiche bereit« da« zehnte Lebensjahr überschritte» Hallen. Die Äejammlzahl der Analphabeten, 2,260,277, machte also 9—10'/, der Gejammtbeoölkeruug an«. Bon den 325,540 Juden waren 7976 männliche und 15,648 weibliche Analphabeten über zehn Jahre, also zusammen 23,624 oder 7 bi» 8'/, der Gesammlzahl. Die Gesammlzahl der Personen, ivelche überhaupt da« 10. LedenSjahr überschritten h uren, betrug 18,576,801. von je 10,000 Personen über 10 Jahren ivaren 950 Männer uird 1474 Weiber ohne Schulbilduug also 9'/,'/, der Männer und 14,73'/, der Weiber. Diese« letzter« Berhältniß stell' sich für die einzelnen Eonfessiouen folgendermaßen heran«. E« fanden sich' an Analphabeten von den Personen über 10 Jahren deß den Evangelischen männlich 6,80'/,, weiblich 11,27'/, Katholiken „ 15,16'/,, „ 21.81'/. Juden „ 6,65'/„ „ 12,56'/, Dissidenten „ 4,56 '/„ „ 9,52'/, Da die Juden größtenlheil« in Städten wohneii, wo die Möglichkeit der Schulbildung eine leichtere ist, so würde tu>« vorstehende Berhältniß al« ein ungüitstige« zu betrachten sein, wenn wir nicht annehme» müßten, daß zu den Analphabeten auch diejenigen Juden gerechnet word» sind, welch« zwar nicht deulsch oder polnisch, aber «ohl hebräisch oder jüdisch-deutsch lesen und schreiben konnten. Solcher werden sich aber unter de» älter» Jahrgängen der jüdischen Bevölkerung, namentlich m den östliche» Land,erhellen, wohl noch Viele gefunden Haien. (Besonder« bei der älteren Generation der Männer »risst die« sicherlich zu I Soweit unsre persönliche Ersahrung reicht, möchten «nler je 100 jüdischen Männer» wohl höchsten« zwei

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