Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 13 — er tut* Gelegenheit geboten, den tüchtigen Prediger Dr. Ehrenthetl zu hören. Der Verein zur Förderung der jüb. Wissenschaft „Afike Jehuda" hielt vor. Woche eine Generalversammlung ab, und au» dem vorgelesenen l «richte entnehmen wir, daß der hochlöblich« Zweck, welchen der Verein anstrebt, immer erweiterte» Interesse findet. Die Schülerzahl »n der von der Gemeinde rrhaltene» und von dem Vereine snbventionirten Talmud- Lhorajchule l.at sich bedeutend vermehrt, so daß in der nächsten Zeit Borsorge für ein größere» Schuüocal getrosten werden wird. Die jüd. wistenschastlichen Borträge für Erwachsene versammeln immer einen großen intelligent«!» Zuhörerkrei»; in diesem Jahre zeigt sich besonder» eine sehr rege Theilnahme, so daß säst noch bei allen im gegen«. Winter abgehaltenen Vorträgen der große BortragSfaal überfüllt war. Bisher wurden fünf Borträge gehalten, von Prof. Dr. Kämpf, M. Freund, Dr. Ehrentheil au» Horic, l)r Grün und Dr. Back. Der Werih dieser Boriräge in nicht zu unterschätzen, sie bieten belehrende Anregung für Fachinänner und erwecken den Sinn für die jüdische Wi enschast beim großen Publikum. Zu wünschen wäre e», daß au<1> den Frauen (Gelegenheit geboten werden möchte, diese Boriräge besuchen zu können; e» kann gewiß nur von segensreichem Einflüsse fein und der religiösen Erkenniniß förderlich werd-u. wenn auch Frauen über da» Judemhum tUlü seine Wissenschaft Belehrung erhalten, allerdings geschieht dies iu gewissem Grade schon durch die Predigten, aber ein mehr de» Guten ist immer besser. Die alte Sitte oder richtiger Unsitte, den Frauen den lebendigen Quell religiöser Belehrung nur tropfenweise uzuführen, hat dem Iudenthum wahrlich keinen Nutzen gebracht, in der bekann e» Mischna in Sota findet sie durchaus keine Begründung. Besondere Erwähnung verdient auch die hier seit nahezu dreißig Jahren bestehende SchaS-Ehedra, in welcher dreimal wöchentlich, je eine Stunde Talmud gelernt wird. Der große Rappaport »and durch volle fünfzehn Jahre an der Spitze dieser Ehebra, er begründete auch die hier vorherrschend« wissenschaftlich« Richtung im Talmudstudium. Bon einein Mitgliede «n,ere» Bereine», Hr». Sal. Lohn, erschien vor Kurzen» ein von der in- und ausländischen Preste sehr günstig beurtheilter Ronum unter dem Tüel „Ein Spiegel der Gegenwart." Herr Kohn ist kein Neuling aus diesem Gebiete, seine vor einigen Jahren erschienene 'Novelle „Gabriel" machte gerechte» Aufsehen, und wurde vielfach von bedeutenden Schriftstellern übersetzt. Tie BereinSmitglieder in Würdigung der Thatfache, daß ein so bedeutender Schriftsteller, wie e» Herr Kohn ist, ein ebenso ftetßige» und tüchtige» Mitglied der SchaS-Chebra ist, überreichten ihm ein hebräische» Anerkennungsschreiben, welche Anerkennung auch schon darum eine wohlverdiente ist, da in dem Rornane, ohne daß nian die Absicht merkt, , uden und Iudenthum glorificirt werden, und so ein schöne» Gegenstück zu der belieb en Manier vieler Schriftsteller, die in ihren Schriften eine neue Art Rischu» cultivireu, dadurch geboten wird. Unsere Gemeindebidlioihek bietet auch viele Gelegenheit zum Studium, und wird auch gut besucht. Hr. K. Lieben hat vor einigen Wochen der Gemeindcrepräsentanz 1100 fl., welche durch Spenden in der Privatiynagoge seine» sei. Lehrer» Rabb. Juda Schlesinger zusammengebracht worden sind, al» Bibliothet»-Stislung unter dem Namcii „Rabbi J >da Schlesinger Stiftung" übergeben, daß deren Erirägniß zu Neuanschaffung von Werten verwendet werde. Eine hier sei! SO Jahren bestehend« Neine Synagoge wird wahrscheinlich, da der Eigenlhümer für Benützung de» Locales Bezahlung fordert, aufgrlasten werden müssen; da» Erträgniß diese« kleinen Bethause» reicht eben nicht au» auch Miethe zu bezahlen. Ter Bethäuser haben wir hier genug, man wird diese» also nicht sehr vermissen, ob aber auch der HauSeigenthümer edel handelt, da» ist eine andere Frage; der Vorsteher de» ausgelaflenen Beihause« wird durch den lmu»- herrltchen EgoiSmu« um Amt und Würde»» gebracht. Bon Personalien ist zu melden, daß Rabb. S. Freund dieser Tage sein achtzigjährige» GeburtSsest gefeiert, und daß anläßlich der Katserreise de» Präs«» unserer Gemeinde Herr med Dr. TedeSko den Orden der eisernen Krone dritter Klaffe, welcher zur Erhebung in den Ritterstand berechtigt, erhalten hat. Holland. R Amsterdam, 28. Decbr. (Or.-Corr.) Es besteht bei der hiesigen sesardischen Gemeind« ein alter Brauch, den neuen Oberrabbiner der Schwestergemeinde nach besten Installation zu einem feierlichen Besuche ihrer Synagoge einzuladen. Dieser Besuch fand ani vergangenen Freitag bei dem Abrndgotte»- dieuste statt. Ganz wie am .TTfl fl HO IT waren alle Lichter angezündet, standen alle Thüren de» Hechal weit offen und wurden außer den« gewohnten Abendgebete viele Hymnen de» genannten Feste» gesungen. Der Sitz für de» Chassan Thora wurde von unserm Oberrabbiner und dem Präses de» sefardischen Gemeinde-Borstande», der für den Ehaffon Bereschit vom ersten sesardischen RabbinatS-Berweser und den» Präses de» aschkanasifchen Geineinde-Vorstände» eingenomnien. Außer den eingeladenen Korporationen konnten nur ISO Aschkenasim zugelaffen werden. Der Totalanblick soll ein großartiger gewesen sei». Gestern Abend fand in der neuen Synagoge*) die feierliche Installation de» neu erwählten Rabbiner» sdi« Titulation RabbinatS-Astestor ist aufgehoben), de» ehrw. Herrn T. Tall statt, Nachdem Ps. 2» vom Obercantor unter Begleitung eine» Chore» abgesungen war, bestieg der Ober rabbiner die Kanzel und hielt eine ausgezeichnete Predigt 1. Sam. 1,13, 26—28. Hiernach wurde vom Obercantor und Chor Ps. 100 gesungen, wonach der neue Rabbiner seine Antrittsrede vortrug über Hohelied 6, 11. Nachdem nun der Oberrabbiner da» üblich« Gebet für den König vorgetragen hatte, wurde die Feierlichkeit init Bf. ISO von» Obercantor und Chor beschlossen. E» fehlt mir jetzt die Zeit, dem Seelengenuß. den ich, und so viele, wenn nicht alle, mit mir. gestern Abend gehabt, Ansdruck zu geben. Hoffentlich werden beide Reden ii» Druck erscheinen; dann gedenke ich im „Literaturblatte" (oder „Predigt-Magazin") näher auf dieselben zurückzukoinmen, wie auch auf die niir gedruckt vorliegende Antrittsrede unsere» Oberrabbiner». Die Gemeinde-Repräsentation wird übermorgen unserm Oberrabbiner ein Diner anbieten. So berichteten die hiesigen jüdischen Zeitungen. Was sie aber nicht mi theilen und wahrscheinlich nicht wußten, ist, daß die vrei Rabbiner sich auch daran geldlich betheiligen; so daß die Ehre de» Anerbieten» nicht der Gemeinde-Repräsentanz allein gebührt. Dafür genießen die Rabbiner dann auch die Ehre, daß sie mi« den Repräsentanten ansitzen und an dem Festeste» Theil nehmm dürfen. — Hier haben Sie etwa» durchaus Holländische» oder bester Holländisch-Jüdisches. J. F. Fokschau, 11 Decbr. (Or.-Eorr.) In meinem Berichte in Nr. 4» über den Physiognomiker und Mnemotechniker M. Schapira ist. wie Sie richtig bemerkt haben, ein Jrrthum untergelausen. E» ist nicht ntöglich, bei Nennung der Bocale eine» einzigen Worte» dasselbe anzugeben, aber wenn man Hrn. Schapira die Bocale oder Accente eine» ganzen Satze» oder einer Zeile, je nach dem Bibelfermate, au» der ganzen h. Schrift nennt, so sagt er den Ber» oder die Zeile auswendig her. (Der Hr. Corresp. theilt noch viele weitere Proben der Gedächtnißkunst de» Hrn. Schapira mi». Sie sind aber zum Theil nicht correct beschrieben; z. B. au» dem Zahlwort e,»ie» oder zwei hebr. Worte dasselbe oder dieselben zu errathen, ist unmöglich, denn viele Worte haben gleichen Zahlwerth, wie jeder weiß. Ebenso vrrhält e» sich mit dem Errathen nach Angabe der Anfang»- und Endbuchstaben. Die Beschreibung anderer staun-nSwerthen Kunststücke, namentlich in Betreff der *) I» derselben Synagoge wurde auch der Oberrabbiner installirr, nicht in der „grotm“, »m «* in de» Bericht« w»H: »mstertxm, in Ar. »3 dieser Zeituni heißt.