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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 12 — Zuschriften von dort scharf getadelt, aber nicht widerlegt worden. Ein Grund mehr für uns, daß wir die an sich gewiß unerquickliche Neuigkeit verschwiegen haben. Die beiden orthodoxer. Bläi er haben sich beeilt, der Nachricht die Bemerkung lnnzuzufügen, daß der Austritt nicht etwa aus JndifferenlisaiuS erfolgt sei, im Gegentheil, die Ausgetretenen seien die nah re »Juden, der Vorstand habe sie hinausgedrängt rc. Etwa durch EultuSreformen? Das sagen auch jene Plätter nicht, aber sie wollen der so natürlichen wie unwiderleglichen Folgerung vorbauen, daß es ans Gründen, die mit der Religion gar nichts zu ttmn haben zu Spalinngen und Austritten kommen könne. Sie ahne», daß wir und unsre GesinnungSgenoffen aus deni Vorgänge „Kapital schlagen werden." Denn allerdings haben wir gegen eine Secession aus wirklich religiösen Motiven nie prinzipiell ein Wort gesagt, aber wir haben behauptet, daß Gleichgültigkeit gegen Religion einer-, «rrachlhum, Herrschsucht, Filzigkeit rc., andrerseits die AuStriliSireiheit zum großen Schaden vieler, zum Ruin mancher Gemeinden ausbenten werden. Und Schrimm? Der geistliche Führer b»t Haup:gemeinde ist der alte, 47 Jahre daselbst sungirende Rabbiner, neben ihni sein Schwiegersohn, Prediger und Religionslehrer I>r H. Tietz, beide keiner Heterodoxie verdäch.ig — der res Cultus.ereins ist der Ile. Stiebet, den die „eigettliche" Orthodoxie zu den Ihrigen rechnet. Ltstrs hat zur Bildung eines Separatvereins ncjührt? Religiöse Differenzen sind es eingestandenermaßen nicht. Wenn in einer Stadt zwei Prediger neben einander wirken, die mit einander rioalisiren. zwei Rrligioirsschulen existiren, die einander in Leistungen zu überbieten suchen, so ist das ja für das Publikum recht nützlich, nur Schade, daß Schrimm nicht Berlin, Prag. Breslau ist. Liegt der Unterschied etwa nicht auf der .'Hand? Und nun ein Austritt in Maffe, der den Bestand der Gemeinde untergraben und das Iudenthum compromiliirim muß. Beide Umstände sind wieder unläugbar. Di« uns befehdenden Blätter fühlen das Alles; sie geben zu verstehen, daß die Nachricht entstellt sei u. dgl. — Wir „schlagen kein Kapital" — dazu ist Schrimm nicht gewichtig genug; wir refer ren und laffen den Leser urtbeilen. Und siehe! Da liegt schon eine Predigt vor uns, „gehalten am Sabb. Chanucka uninittelbar nach dem Bekanntwerden der von ca 20 Mitgliedern des hies. sog. Cultusvereins angemeldeten „AustrittSerklcrung ans dem Iudenthum" von l>r. H. Tietz, jüd. Gemeindeprediger und Religionslehrcr ani Kgl. Gymn." — Tie Pretigt geißelt die AusTrittserklärung mir nicht eben gelinden Dorten. Aus der Lust ist also doch nichts gegriffen. Ta erha.ten wir denn solgende Zeilen: „Schrimm, 26. Decbr. Es freut mich, Ihnen mit- 1l,eilen zr können, daß der Massenaustritt aus dem Iudenthum in hiesiger Gemeinde, über welchen in verschiedenen Blättern fälschlich als schon stattgesunden berichtet worden ist, nicht stutlsinden wird." Dr Stiebet. Der Austritt, so erklärt es sich, war angemeldet, aber zur gesetzliche» Frist nicht vollzogen. Und die Moral von der tzieschichte? Man hat eingesehen, daß man beiderseits nachgeben müsse, weil man sonst die ganze Gemeinde ruinire. Also En!x gut Alles gut. Run schlage unsertwegen Kapital daraus, wer Lust har. Daitzig, 28. Dccember. (Or.-Eorr.) In der Nummer 52 dieser Zeitschrift ist seitens der Redaktion der Wunsch geäußert morden, etwa» Nähere» darüber zu erfahren, ob der Magistrat über die Eensur in Betreff de» jüdischen Retigion«- uitterrichic« Bestimmungen gett offen bat. Bevor ich diesen Wunsch erfülle, will ich von einigen Irrthüinern, die sich in d<r Eortespoudciiz der Nuniiner 52 befinde», einen zur Sache gehörigen beiichligen: es beträgt nämlich da» Schulgeld pro Kind nicht 20 Thlr. p. a, sondern 20 Egr. pro Monat, außerdein noch mit der Maßgabe, daß von drei Schulkindern au» derselben Familie nur zwei Schulgeld zu entrichten haben. — Iu die Ceusuren, dir rbe« jetzt vor Neujahr den Schülern behäudigr wurden, find die Prädikate, die ich einige Tage vor den Ferien den Herreil Direktoren de« Gymuafiums und der Realschulen zustellte, eingetragen worden. 8« der bei der Eensurbeftlmmniig statlfindenden Lehrerconferenz Hab« ich nicht Tbeil geuommen, weil ich da» Verlangen dar» nach nicht hatte. Es unterliegt bei mir keinem Zweifel, daß auch das Eonsereuzzimmer mir nicht verschlossen bleiben wird, wen» ich ans sachlichen Giünden mich bewogen suhlen sollte, de» Eintritt zu verlangen. Der Magistrat halte über die Teiailsragen keine Versngung erlaffen. Nachdeut im Prinzip zugegeben war, daß die Pelition der jüdischen Gemeinde« und Ellern, welche für ihre Kinder die Ginsührung des Religionsunterrichtes wünichlen, eine rechtlich begründete und zu berücksichtigen sei, vei stand es sich von selbst, daß dieser Zweig des UnlerrichleS di.selbe Behandlung ei s ihre, wie jeder andere Diese Ansicht hatte der städlische Schulralh, wie auch die Herren Directoren. Einer der letzleren i'rng auch am 17. Oclober brieflich über eine mir dem z» eriheil.iide» Religio» »- iinl.ilichte zniaiiimenhäiigende Ängelegenheir an, und e» luutele die Anrede in diesem Schreiben: „Sehr geehrter Herr College!" — Wa» mm die Noten über Fleiß, Schulbesuch, Bekragen ii. s w. betrifft. so habe» sich die maßgebenden Herren »ach meiner AuSeinaiidersetzung, oder richtiger, bloße,, Andeiilung die Aussaffung angeeignet, daß, wenn auch die Theilnahme an dem Religionsuillrrricht nicht obligatorisch ist, dieselbe also von dein Entschluß oder dem Beliebe» der Eiter» abbänge, doch solches Belieben wohl de» Eltern, nicht aber den Schülern zu'iche, nachdem die ersterc» einmal den Wille» zu erkenneil gegeben haben, daß ihre Kinder an dem Religionsunterricht lheililehme» solle». Ich konnle daher i» der Ansprache, die ich in der ersten Slunde an die »etsaiilme.len Schüler richtete, mit Fug und R chl sagen: „Ihr stell l luusichllich des Uiii.irichl.s, de» ihr hier oo» mir empsaugel, ganz genau unler eben denselben Schulgesetzen, die für euch als Schüler überhaupt gelte» " Dr. Wallerstein. Oesterreich. — r — Prag, 27. Decbr. (Or.-Eorr.) Um nach Art der Kaufleute zu versahren. nichts vom allen Jahre in das neue hiuüberzunehmen, will ich in Kurzem einige Berichte au» unserer Gemeinde vor Schluß des bürgerlichen Jahres geben. Obenail stehen jetzt die Vereine, welche in den Generalversammlungen durch Neu- und Wiederwahl der Vorstände und durch sonstige zum Nutzen und Froinmen der Vereine gesaßte» Beschlüße aus deni Kreise ihres stillen Wirkens hervor.reten. Aus den ausgegedenen Jahresberichten ist zu ersehen, daß trotz der mißlichen Geschäftslage die Vereinsbeiträge sich nicht veränderten, was deni Wohlthätigkeitssinn der hiesigen jfib. Bevölkerung ganz entspricht, lieber das Wirten aller hier bestehenden Vereine zu berichten, würde zu weit lühren, einige aber verdienen heroorgehoben zu werden. 'Der Lhanuka-Veretn hat auch an diese,» Lhanukafeste, wie in den Vorjahren, sei« edles Wirken durch Bertheilung von vollständigen Winteranzügen an mehr als fünfzig Schulkinder geübt. Der Kletdervercheilung ging eine schöne Feier zu Ehren de» Llnrnukafestes voran; die Rede bei dieser Feier hiel: diesmal Herr Rabb. Dr. Eh re nt heil aus Horic unter großem Betsalle der zahlreich versammelten Zuhörer. Herr Prof. Kämpf hat!« die Abhaltung dieser Rede abgelehnt. Ob die ganze Feier ein« Berechtigung hat, ob es nicht den Werth der Wohlthätigkeit erhöhet, wenn sie nicht an die q. 'ße Glocke gehängt wird? Schlichte Menschenkstlder haben sorche ideale Gesinnungen, der praktisch« Vereinsvorstand mag aber in der Feier ei« Zugmittel zur «'Gewinnung neuer Mitglieder erkennen, zudem bietet sich ihni auch (sielegenheil — e» ist freilich eine Schwäch«, aber eine menschliche — öffeiulich in Amt mid Würden zu fungiren. Da» Gute wird geübt, und das ist zu loben, de« Beigeschmack menschlicher Schwäche, wer wollte ihn tadeln? (Wir finden da nichts zu tadeln und zu bemängeln, fttb.) — Jedenfalls wissen wir's de« Beretnsvorstande Dank, daß

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