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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Jbmm Dr. Feilchenseld und Pleßner, welche, al» sie »ach Srätz zur Bestattung kamen, davon hörten, prolestirten mit aller Entschiedenheit dagegen und brichnioren die Gemeinde davon abzustehen unv nicht die Sünde des Chukkaa ha^oi auf sich zu laden Vergeblich! Der Schwiegersohn des Rabbiner» Sj£7 — dem wir den Namen X beilegen >v lle» — sttzilirte dafür und brachte seinen Antrag zur Vorlage in der LorstandSsitzung. Der Vorstand lehnte etstimmig diesen Antrag ab, und erst, nachdem X erklärte, die Kapelle trotzdem erbauen zu wollen, wurde beschlossen, die Vorlage dem s'°7 JT3 behus» Begutachtung zu überreichen, da» *T3' beschloß hierauf einstimmig, die Erbauung der Kapelle, wie fte von X projeclirt wurde, nicht zn gestatten. Dennoch — man sollte ci kaum von einer solchen orthodoxen Gemeinde glauben — rourbJ da» x<1N ausgestellt angeblich für eigene Rechnung de» X. (X verwaltet einige Kassen, für die Rechnung zu legen, er seit einigen Jahren verweigert) Al» Beweis, wie wenig Anklang dieser Bau bei der großen Gesammtheil der Gemeinde fand, diene der Umstand, daß, al» am 9. Nov.inber er. die osficielle Einweihung der Kapelle —??? JV2T1 nsisn — staitsand, sich weder da» fl tl'2, »och ein einzige» Mitglied de» Borstande» außer X. daran betheiligte. Bon den Gemeindeinitgliedcrn ging nur ein verschwindend kleiner Thcil, meislentheil» au» Neugierde znm Friedhose. Bezeichnend auch für dies« passive Haltung ist die Bemerkung eine» Mitglied» de» fTJT2, da», al» e» ani 9 November früh von seiner Umgebung gefragt wurde, ab e» an der Festlichkeit Theil nehmen wollte, erwiderte: „Nein, ich müßte sonst gar keinen Eharakter besitzen." Diese» al» Rechtfertigung für die Gemeinde. Bon einem Streit, welcher, wie ihn Ihr Herr Lorrespondent ansührt, zwischen X. und der Gemeindevertretung, de« Schlüssel» wegen, staltgesunden, kann nicht die Rede sein, da X denselben, al» Vorsteher sowohl, wie al» Eigenthümer der Kapelle, rechtmäßig besitzt. O An» »er Pr»»tnz Preuße», 25. Deceniber. (Or.-Lorr.) Die jüngste Nummer der Wochenschrift dringt einen Artikel »au» der Provinz Posen," welcher auf da» schon oft genug besprochene Thema der Grätzer Wallfahrten noch einmal zurück kommt Daß von diese» der selige R- Elias Gultniacher in seine» letzten Lebensjahren unaufhörlich geplagt und heimgesucht war, hat, wie e» berei:» wiederholt die Wochenschrift ausgesprochen, Niemand mehr al« er selbst beklagt; sollten dieselben »nn aber gar über seinen Tob hinaus nicht in Form vcreinzelter, pielälSooller Besuche, soiiveru in der Weise eine« heidnischen Maffencullu» fort dauern, so müßten und würbeit gewiß auch alle Blätter dagegen energisch ihren Protest erheben. Allein „Alle« hat seine Zeit" und seine Grenze! Und doruni möchte ich doch selbst auf die Gefahr hin, von dem Eorr-spondenie» denjenigen zugezählt zu werden, welche mit den, EhassibiSmu» liebäugeln, ihm zu bedenken geben, ob e« wohl am Platze ist, g'gen Mißbräuche ösfentlich sich zu erheben, welche noch gar nicht zu Tage getreten sind. Durch solchen vorzeitigen Uebereifer bringt man da» Judenlhum, selbst zum Gespött, während man e» davor gerade zu schützen glaubt; die durchschnittlich religionsseiudliche Tagesprrffe gewinnt durch derartige Artikel willkommene Veranlassung zu einer Berungliuipfung de« Judenthum», welche sie später — wen» die Befürchtungen sich nicht bestätige» — vftichtgemäß zurück nehmen mußte, aber meist nicht so ehrlich ist, wirklich zurück zu nehme». Schon darum allein erscheint e« nur im höchste» Maße ungerechtfertigt, einen Sturmlauf gegen die Wallsahrlen nach dem Grabe zu nehmen zu einer Zeit, wo dieselben nach ausdrücklicher Angabe de» Berichterstatter« noch ganicht eingetreten sind, sondern nach einem Gerüchte vielleicht und möglicherweise später erst einlreten könnten. Ist <« da nicht angezeigl zunächst abzuwarlen, ob da» Gerücht sich bestätigen wird? Wozu solche vorzeitige Aufregung und Ereiferung, durch die man, ohne e» zu wissen und zu wollen, nur der Skaudalsucht Borschub leistet! Freilich fügt der Lorrespondent hinzu: Da» Gerücht ist begründet. Aber wa» berechtigt ihn zu dieser prophetischen Verkündigung? „Man baut über dem Grabe ein steinerne» Kaplika, eine Kapelle, in Backosenform, nach Art der katholischen." — Freilich, wen» man dies.« liest, klingt es haarsträubend; da» gleicht ja, so >nfi der Leser, dem Kalholicitmu» aus'» Haar, selbst die äußere Farm und da« Baninaterial stimmt auffallend. Aber möge mir der Herr Lorrespondent die Bemerkung gestatten, daß er, der gewiß die Ketzerriecherei auf da» li'.rünblichäe b ifu, in den ganz eben io zn vernrtbeilenden Fehler der K.>lholici»mu«lleche:»i ve>fallen ist; diese hat sein« Phantasie dermaßen geschärft, oaß er in dem schlichten jüdischen eine leibhaftige katholische Kapelle erblickt. Hätte er je einen AuSflug nach dem ihin nahen Rußland gemacht, so würde er wissen, da. dort oft über dem Grabe großer Rabbiner und hervorragender Personen ein solche» ^;-[g errichtet wird, in dem zu den Jahrzeilslagen der Verstorbenen deren Angehörige uud Verehrer sich versammeln und die üblichen Gebete verrichten. Schreiber diese» könnte ihm au« seiner nächsten Berwandtschasi eine Reihe von dort besletteter Männern und sogar Frauen nennen, denen diese Ehre wirderfuhr, trotzdeni sie ganz entschiedene Gegner de« Lhassidimu» waren, und zn ihnen nie weder während ihre« Leben» noch nach ihrem Tode gewallfahrl worden ist. Ob freilich auch dort während ihre» Todesjahre» — länger wird r« wohl auch in Grätz nicht dauern — ein (relativ) „ewige» Licht" gebrannt hat, darüber vermag ich keine Anskunfl zu geben. — Ich frage also: Ist Anlaß geböte,», Lärm zn schlagen, so lange noch nicht» Andere» wahrgenominen werden kann, al» ein harmlose» Zelt und ein unschuldige» Lämpchen? Hat e» nicht schon jeden Freund unserer Religion peinlich berührt, daß bei Lebzeiten eine» Mannes, ivelcher wegen seiner talniuvischen Gelehrsamkeit, der Lauterkeit seine» Wirken» und der Biederkeit seine» Eharakter» die allgemeine Hochachtung genoffen. Derartige» hat zur Sprache gebracht werden müffen? Ist es nothivendig, de» Todten noch aus den» stillen Grabe heroorzuziehen, seinen Namen in Verbindung zu bringen mit einem Treiben, da» ei» K3 "12*7 gegenwärtig wenigstens noch ist, und e» ivohl auch ewig btelben wird. (Annierk. der Red. Wir g'auben bei dein größere« Tbeile unserer Leser Zustimmung zu sinken, wenn wir die Grätzer Angelegenheit für wichtig genug hielten, um sie in Nr. 52 zur Sprache zu bringen und hier in zwei Eorrespondeuze» weiter zu erörtern. Die Darstellung de« Herrn Lorrespoudeulen „au» der Provinz Posen." welcher den Verhältnissen sehr nahe steht, berichtigt wohl die des sernerstehenden „an« Preußen," sie zeigt, daße» nicht überflüssig war, „Lärm zu schlagen," daß e» sich nicht um ^3*1 handelt. Die Befürchtungen de» Herrn Eorrespoudenten weilen wir nicht, ivohl aber, daß der Skandal in Scene gehe» könnte, und daß e» dann zn spät wäre, Lärin zu schlagen. Hätte inan s. Z. zur rechten Zeit dem Ehillnl haschem vorgebant, ehe die X. und Y. Geschmack daran gesunde», Schafe zu scheeren! — Soniit wolle» wir hoffen, daß die Sache abgethan sei, und die Polemik geschlossen werden könne. Wa» jedoch da« Erbauen von s. g. Ohel >,. s io. betrifft, so scheint un« der Herr Lorrespondent au« der Provinz Preußen die Sache viel zu leicht zn nehmen. Wir werden sie demnächst in größerem und weitergrelfendem Zusammenhänge zur Sprache bringen.) Au» Schrimm ist vor kurzem die Nachricht durch die Zeitungen gegangen, daß einige zwanzig Mitglieder der dortigen Synagogengemeinde. Angehörige de» „LultusvereinS". ihre» Austritt au« dem Judenthum gerichtlich erklärt haben. Der Berliner TimeS-Lorrefpondent hat die» große Ereigniß sogar dem Weltblatt telegraphirt — o Schrtmm, wa» willst Du noch mehr? — und so ist e» vielen unsrer Leser gewiß nicht neu mehr. Bor Jahr und Tag haben wir au» Anlaß einer von Schrimm an den Landtag gerichteten Petition un« darüber geäußert, daß die dortigen Parteien keine»weg» um religiöse Ansichten streiten, daß e» sich lediglich um kleinliche Dinge, Perfonalfragen u. dgl. handle. Darüber find wir in

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