Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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bricht, und daß der Jude um da von vornherein in der Mit bewerbuvg zurüHieht, wo die religiöse Parteistefluug'a-t sich den AuSichlag Hiebt. ES HpndeU sich^nDffyt bei MB» Dingen weniger uvz socig^e »Kichtetz: gHtz>hÄehl/^S acli«7 und passive WHlrecht der H)udtW^est/iM»Do >qMEter>Portheil, die DiSciplin k. einer Partei oder einer Corporation die PzM.Hw» Juheu «heischt, pa tritt 4y$ tyf Pvr»t,theil zu^tck »vchrr Piid' 8<ihten tu der ZKgei Pir unsere Frage nicht von entscheidendem Sewickt. Wohl aber haben wir einen sehr erkennbaren Maßstab in ker Presse, al« dem Organe der öffentlichen Meinung, gleichviel ob jene .von dieser beeinflnßl wird oder umgekehrt. Nun steht cS leider fest, daß sich die Gehässigkeit gegen Jude» in der Preffe Deutschland» und Frankreich» im Durchschnitt seit einiger Zeit in ganz erheblichem Muße gesteigert hat. Wir inüßle» ein lange» Berzeichniß ansühren, eine lange Litanei austimme», wenn wir nur «inen kleine» Theil von vorhandenen Beispielen au« dem abgelaufenen Jahre regiftriren wollten. Wir reden gar nicht einmal von der klerikalen Preffe, am weuigsteu vou den: Brand- und Schandtheile derselben. Da versteht eS sich von selbst, wir können'» nicht ander» erwarten; und doch wollen wir nicht vergessen, daß einst die noble katholische Preffe, in Frankreich, der Rheinprovinz, in Belgien, nicht nur nicht judenfeiuslich gewesen, sonder» ruergisch für unsere Emanzipalion eingelrete» ist. Feudale, pietiftijche, reaktionäre deutsch« Blätter und Leute waren damal» unsre Gegner, Katholisch« Männer, ja Priester, sind unsere Anwälte gewesen, — genügt e» nicht den einen ür«goire zu iicmun? e» gibt aber noch viele! — Erst die Berschärfung de» consessionelleu Gegensätze« hat da« Blatt, hier: die Blätter, gewendet; c« ist ein Rückschritt. Wa» zu beweisen war. Wenn der „Figaro" bei seinen bissigen Berichten über den Aruim'schen Prozeß, in dem:» er eigentlich für Ernst und Satire in seiner Weise de» Stoffe» übergenug halte, doch die Gelegenheit bei den Haare» herdeizog, den» Juden Sonnemann ein« zn ver' setzen, dem Manne also, der fast einzig von allen deutschen Parlamentariern sich der Sympathien eine» Franzosen erfreuen sollte, so iprichk da» Bänd« sür unsere Thesi», und e» kann nebenher gehn, daß er dem angeblichen Sabbathpnblikum de« Gerichl»saal:S und dem Kleiderhaudel auch seine SarkaSlnen widmet. - Da haben wir von liberalen und dem Prinzip confessioueller Gleichberechtigung theoretisch sich nie versagenden Blättern: die Kölnische, die Magdeburger Zeitung, und wie viele andere, von deiien wir ini Lause de» Jahre» oft zu reden hatte». Da war'« „die Freiheit" von Ziaimerniann, die unter radikalem Banner eine» Gegensatz zwischen „Judeulhum und ehrlicher Arbeit" besprach; da die sonst so geniüthliche »Tante Boß", die bei der Wiener Kirchhoftsrage urplötzlich ivl Tone einer Tante Waschfrau gegen Juden lo«- ziehl; wie dtnn überhaupt bei der rechten «Llelegenheir und Eiimniuitg immer wieder die Töue von weiland „Unser Verkehr" wieder! iugen Ist'« wirklich eine originale BolkSmelodie? Schimpft die „Germania" Paul Lindau einen Reclamen-Juden, obgleich sie n>«iß. daß er mit dem Judenthum nicht« zu lhan hat, so fallen bei gegebener Gelegenheit, wenn auch möglichst j unpassender, offitißse Blätter über La »ker her, um chm , jüdischen Borwitz, oder wie der »»«druck lautet«, in» Gesicht | zu schleudern. Bor einigen Wochen schrieb uns rin Freund in Berlin, an den wir un» >q .einer PrcßangtGtzeMtHDtivendet Hanen: „Mhl»«,^!«, nach «lein^r GyeMng nur sagen, dH Ne hl'eGinWche Mpße.''öDfnll^e NagWpreffe. soweit sie nDt Andiffeönt Ul.HstHl östzrpäi»dt«hl PuMfeiudlich ist." — Der Mann, der die« schreibt, ist sachkundig,-ist dnrchan» kein HckMVzsehrr »yd gelebt;jir itj tif Perso^hizehröffentlicher Stellung sieche Achtung, chaß er gewiß keinen «iilaß haben kann, an» eigner Erfahrung über Feindseligkeit zn klage». Endlich nur noch Lin«. Man begreift e», wenn in Rumänien und tutti quanti die Justiz von Richtern oder Geschworenen verhöhnt wii a, wo e» sich um Jude» handelt. Ist e» denkbar, dar auch i» Nordamerika dergleichen vortomnien sollte? Ru», wa» wirklich ist, ist »töglich. In Philadelphia. der Stadt der Bruderliebe, ist dieser Lage ein junge» Mädchen, eine Ladengehülfin, die ihren Prinzipal bestohlen haue, von den Geschworenen frei gesprochen worden. Die Beweise lagen klar vor, aber der Geschäst»i»haber ist ei» Jude, eil» vorgeladener Pfarrer bekundete, daß die junge Dame sehr fromm sei, die Kirche fleißig besuche rc., der Anwalt legt« auf da» Zeugniß große» Gewicht,'betonte, daß der Bestohlene ein Jude sei; der Richter mahnte die Geschworencu, da» Recht um consessioneller Rücksichten willen nicht zn beugen. Umsonst! Da« Resultat ist gemeldet. Ein vereinzelte« Beispiel allerding«. Aber leuchtet darau» gar nicht» hervor? Berichte uud Correspondeuzeu. Deutsch!«»»-.? An» der Provinz Posen, 27. Decembrr. (Or-Eorr) I» Nr. 52 dieser Wochenschrift befindet sich eine Eorrespondenz au» der Provinz Posen, die Wallfahrt nach Grätz besprechend, welche jetzt »ach dem Tode de» R. Elia» Gullmacher 'Vin nach besten Grab fortgesetzt werden soll. Dies« Miltheilung bedarf, soweit sie sich aus die Stellung der Gemeinde resp. ihrer Vertreter zu dieser Angelegenheit bezieht, nachstehender Berichtigung. Zuerst sei erwähnt, daß Schreiber diese» mit den Verhättniffeu der Stadt Grätz innig vertraut ist, daß er ein mehrjähriger Schüler de« seligen 21 gewesen, sowie daß er zu seinen wärmsten Berehrern zählt. Diese Berehrung, welche wir Alle, die beim Leben de« Lerstordeneu mit ihm i» Berührung käme», fühlten, wir beivahren sie dem Berdlichcnen auch nach seinem Tode, und wird er auch stet« al« Ideal un» vorleuchte». Jetzt, „nachdem" — um int Tone eine» der Herren Leichenreder zu sprechen — „die Ceder gefallen", jetzt freüich berührt e« un» All« sehr unangenehm, wen» der Raine diese« Manne« genannt wird. Sehen wir doch täglich mehr wie von seiner früher«« Umgebung Alle« daran gesetzt wird, um die edle Person zu brandmarken, sie al« Eharlalan zu bezeichuen, und die geringe Zahl unserer Glaubensgenossen um die Achtung zn bringen, die sie dem Manne bewahrt. Wir müffen jedoch mit unserem Urtheile gerecht sein und nicht diejenigen »er dämme», die an der Affaire ganz unschuldig siild! In erster Reihe soll hier die Ehre der Gemein!» in ihrer großen Gesammtheit, sowie die de» Borstanbe» gewahrt werden, die keinen Antheil an der Nachlese besitzen, welche jetzt in Scene gesetzt wird. Doch, laffen Sie mich die Geschichte» näher erzählen. Unmiltelbar nach dem Tode de» Rabbiner» wurde sofort von dem Schwiegersohn desselben, der, nebenbei bemerkt, erste« BorstandSmitglied ist, Propaganda für Erbauung dieser Kapelle gemacht. Da» war noch vor der Beerdigung! Die