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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Wocheil-Zchrift «r die religiöse« u«d socialen Interessen deS Jndenthnms. WöchentttH «t»e %t. Pritt M «len •»fl.lnter* n. Bn4tz«nvlunße« % f»;rt tl ff. DireeteAnsendunD: in DentschlmG 1» M«rk, »«ch VeAerreich « %, «. Frankreich 11 Frcs., m. G»§lMch, MUM 11 ft!, n. »«ertta 11 Jtt Wirt. prlRMm«r«N l*. ^riamiuoitltdi« :»»cvaNeur uno »,vi Rabbiner l)r. A. Lreueafels in 6tetti». Inserat« «erden mit Bo Pf. für di« d,«iges»alte»« Petitzeii« oder deren Kan« derechner. Die dilSonnt«- lrütz de» der »Expeittlstn in MaGdelnr-" eintreffende« finden »och in der nLchffen «n»»er >»f«atz»e. Otn,«l»»«mern « H Pf. Dl ^Idtsch« -tteratnrdlatt" mtrd Gratis beiGe-ede». Magdeburg, 7. Januar. Expedition der isr Sochenschris» in Maßdedurß Rodert Friese, Seip»i-. Inhalt: reitend« «rlikllr «in Rückblick. II. — »rrichtr ««» «»rr<f|»»tt»*ni«n« Deutschland: «»« der Provtn» V»s«». >u« der Provinz Preußm. Lchrimm. Dan,,». — Oest-'rrtch: Prag. — Holland: Lmsterdani. — Rumänien: Fatschen. — 0«raif«t« «»» Nttujll Nachrichten I Berlin. Pest. Rußland, «msterdam. London, »u« «rabien. Pari«. - Kenia««»»t Di» »—rin. — Inserat«. Gin Rückblick. ii. Wenn ein Rückblick auf die jüngste Vergangenheit rmS in Beziehung auf die bürgerliche Stellung und die politische Berechtigung der Juden mit Befriedigung erfüllen muß, so ist die« keineswegs der Fall, wenn wir die socialen Verhältnisse der Juden in« Auge fassen. Wir glaube» nicht zu irre», wenn wir behaupt,», daß wir in dieser Beziehung »an>c»tlich in zwei Ländern, Deutschland und Frankreich, Rückschrilte zu verzeichnen Hal en. ES ist a»ch nicht schwer zu erklären. Die Gegensätze, ja der Hatz zwischen den religiösen, politischen, socialen Parteien haben sich daselbst seit einigen Jabren in sehr erheblichem, bedenklichem Maaße verfchärfl, und dies« addiren sich nun zu den» vorhandene» Voruriheile und der Abneigung gegen Juo,n oder mullipliziren sich gar damit. Venn z. B. in Frankreich ein bitterer Deutschenhaß herrscht, so ist e« fast natürlich, dag der deutsche Jude dort doppelt gehaßt wird, daß dir Abneigung gegen den Deutsche», den kruooiso, die vielleicht schon eingeschlummrrte gegen den Juden wieder wach ruft, daß man den Demschen »iebt ärger brandmarken kann, al« wenn uian ihn, mit oder ohne Grund, al« Jude», umgekehrt den Inden al« Prufsien und gelegentlich dann auch den Stockfranzofen alt Jude» oder Preußen oder beide« zugleich bezeichnet, daß man überhaupt «ine Ansicht, eine Bestrebung, kurz jedwede« Ding nicht leichter de« öffentliche» Zorn und der Verachtung preitgeben lau«, al« wenn e< al« preußisch und jüdisch hingrstellt wird. Wer einmal in« Schuupfcn geräth, der schimpft bald ans alle«. Leidenschaft trübt da« Urtheil nicht nur über den nächsten'Gegeuftand derselben, sondern über jeden ander«. Ebenso gebt e« un« mit de« »klerikalen und Socialdemotraten; Haffen jene die Gegner ihrer ttirchr, ihrer Bestrebungen, diese den Bürger und den Kapitalisten, so spiele» beide natürlich noch einen besondere» Trumpf au», wenit sie den Feind eine» Juden neune»; mag die Behauptung «och so grund», ja stnn» lo« sei», sie wißen entweder, daß ihre Insinuation den Zorn Genoß en steigert, oder sie glaube» «» wenigften« in ihrer Leidenfchaftlickkeit Und ist e« in den privatesten Beziehungen ander«? Laßt jemand jahrelang mit einen« Juden in Se?chäft«verbindu»g stehen, einen Juden zun» Hautarzt haben u. d m. — et ist von der Religiontverjchiedenheit nie die Rede, man uierkt von irgend welcher Abneigung nicht« — da entsteht eine geschäftliche Differenz, eine Streitigkeit, man ist mit dem Arzte »»zufrieden, und aus einmal wird auf den „Juden" geschimpft. Wäre der Letztere etwa zufällig bereit« seit 30 Jahren getaufi, so macht ta« bekanntlich gar keinen Unt.rschied. Sa lange Völker. Religionen, Stände mit einander in Frieden lebten, nach Frieden strebten, hat auch die gesellschaftlich« Friedfertigkeit gegen Juden zugeuommeu, seitdem da« Erster« in« Gegentbeil umgeschlagen ist, bat auch die letztere abge- '.lommen. Daß die recht l-iche Stellung und Gleichberechtigung daran nicht« ändert, zeigt sich auss Deutlichste in Frankreich. ES steht dort nicht nnr da« Princlp der Gleichberechtigung der Enlte nach wie vor »»erschüttert fest, sonder» e« ist auch in der Praxi« kein« Zurücksetzung der Jade» vor dem Gesetz und dem öffentlichen Rechte zu constatire», aber da« „Rischu»" hat seil 1871 gewaltig zugenommen, da« ist weder zu verkenne», »och z» läugneu. Gehr» wir auf Einzelne« ei». Wir haben im ersten Satze dieie« Artikeln den AuSd.uck „sociale Verhältnisse" gebraucht; e« geschah in Ermangeluug eine« defferen, da«, ua« wir hier meinen, genauer bezeichnenden. M,in wird dabe: zunächst an die geselligen Beziehungen zwilchen Juden «ntandern Lande«kindern denken. Dies« sind indeffen provinziell, lokal, nach Ständen, Beruf«klaffen, nach dem Geschlecht, j.l ganz individuell' so verschiedenartig, daß man kein allgemeine« llrtheU fällen, Fort- oder Rückschritt, besonder« im Hinblick auf einen kurzen Zeitraum, nicht coustattren kann. Edens» schwer wird e« sein, über die Stellung der Juden f» der „öffenliichen Meinung" — die sich ohnehin nicht leicht »esiniren und durch Thatsacheu feststellen läßt — Bestimmte» zu sage«. Wo «» sich indeffen dabei gelegentlich um greffbare Thatsacheu handelt, wie z. B. bei Wahle», da kann mar: behaupte», daß im Allgemeine« persönlich« Tüchtigkeit sich Ebch,

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