Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 1.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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greifend war die Vergleichung von damal» und jetzt. Auch jetzt wird viel geopfert auf dem Altäre de- Genusses, de» Eigennutzes, de» EultuS von Gold und Silber. Wawiffen unsere Löhne und Töchter von der Bibel? Kennen sie die jüdische Literatur und Geschichte? Was wiffen uusere Männer, «a» wissen uiisere Intelligenten vom Talmud, diesem Monnment sowohl de- Herzenals d«S Geiste»? Und ist es nicht wahr,!>aß je iveniger man die Bibel studirt hat, man unt so meh' sich oft berechtigt glaubt, wegwerfend über sie zu »«heilen? Wie Biele gibt eS auch, die von der Offenbarung auf Sinai nur die dicken Wolken bemerkt habe», d. h. die in ihrer Jugend einen unvollständigen religiöse» Unterricht erhalte» haben, Schein für Wahrheit annehnien und da» Richtige nicht vnn Unrichtigen zu unterscheiden wiffen? Der Redner sprach ferner: „Wer bin ich aber, um in dem Allem Befferung zu brir gen? Werde ich da« vermögen? Ich werde mit Euch meine Segln. bigungSschreiben untersuchen. Mo'eS und David wurde» vou Gott zu einem höheren Wirkungskreis erwählt, nachdem sie sich auf einem kleinere» Gebiete vorher dcwäbrt hatten — al» Hirten. Sie zeigten als solche strenge Gewissenhaftigkeit und intellektuelle Entioickelung. WaS auch jedem Menschen und daher auch mir fehlen mag, ich fühle, daß ich daeine und andere mir zuichreiden darf. Bis jetzt lebt« ich in einer Wüste, abgesondert von den Gemeinde- Mitgliedern; in dieser Wüste befand sich aber der Berg Horeb, der hötere ideologische Unterricht, und man irrt sich sehr, wenn mau glauben möchte, daß mir die Bedürsniffe der Synagoge unbekannt geblieben seien. Schwierig ist cs, bei all' den vei schiene»«» Richtungen, Richter zusein; hier: Werkheittgke l, Religion mit den Lippen; da: Humanität ohne Religion; dort: eine Menge Arme, die sich sehnen nach den Fischen Egypten» umsonst; .ander-wo wieder: ein völlige» Verlangen nach den Fleischtöpfen, reiner Materialismus. Es gibt jedoch einen gesunder Kern, cS herrscht viel WohllhätigkeitSsinn, e» besteht ein Schatz von Intelligenz; und sowohl darauf al« auf Gotte» Hilfe vertrauend, übernehme ich diese Sendui g ohne Zagen und Bangen, mit Liebe, ja, mit Freust,." „Dieser Vortrag hat einen liefen Eindruck hinierlaffe». Der Oxrrabbiner sprach, obgleich er ein geborener Deutscher ist, iu unserer schönen Muttersprache, und zeigte, daß er trotz dieser lSchwierigkeit im Stande war, seine Zuhörer und Zuhörerinncn in hohem Maaße zu seffrln. En andere» Journal, „De Telegraaf“, spricht sich u. A. folgender Weise au«: „Wie hatten da» Vorrecht, bei der Feierlichkeit zugegen zil fein ... Zu um'crm innigen Bedauern laffeit die Beschaffen heil und der Rai.m diese» Blatte» nicht zu, den Bericht so ausführlich abzufaffen, als wir wünschen, vornehmlich wa» den Eindruck betrifft, deu wir von der vorn Herrn Dr. D. gehaltenen Antrittsrede mitgenommen. Der Amsterd. uiederl -iSrael. Gemeinde graluliren wir zu der Eriverbung de« Herrn Dr. D. al» Obrrrabbiner. und ganz gewiß auch den heizhafte» Männern, welche, nach einem heftigen Kampse, dir Sii'grspalnie verdienen ob de- Gewinn« ihre» ProzeffeS " „WaS wir nicht an, wenigsten bedauern, ist die Unmöglichkeit, daß da» Meisterstück de» neuen Oberrabbtner«, ein Extempore von fast Vf, Stunden, durch den Druck in Aller Hände kommen, in die der Israeliten sowohl innerhalb al« außerhalb Amsterdam.*) Wa» wir aber von dem wohldurchgearbeite'en Vortrag i» kurzen Zügen zu constatiren wünschen ist, daß er feierlich und mü Beredtiamkeil von Dr. Dünner» Lippen floß; daß deffen meisterlicher Inhalt, nicht nur wissenschaftlich, sondern zugleich populär, durch die tiefsinnigsten Betrachtungen glänzte; daß eine Auswahl von Biöeltcxlen, alle auf die von dem geschätzten Lehrer übernommene Aufgabe zutreffend, jeden trafen; kurzum, daß diese Rede, ohne jegliche Parade, tiefsinnig, xr1*” und besonder« ergreifend war. E» war «ine Rede, ») Dem Lrnuhmen nach wird di« juv* —--(toxi.) deren Spracht so sauber niederländisch war, daß allen, denea die deutsche Abstammung de» hochgeschätzte» Oberrabbiner» bekannt war. darüber ebensosehr erstaunt al» entzückt waren." In der Sitzung der Gemeinde-Repräsentanz vom 12. November wurde mit 18 gegen 3 Stimmcu der vom Vorstande auf Anregung de» Herrn Dr. D. gestellte Antrag, eineu drillen RabbinatS-Affeffor anznstellen, genehmigt und Herr F. Tal, ein Enkel de» gelehrte» und durch seine reich-, haltige hebr. Bibliothek auch weithin bekannten, Tuchhändler» Vt «pan JO1?! ntsbv rr“0. zugleich dazu erwählt. In der außerordentlichen Sitzung der Central Eomiuiision von« 29. November wurde da» Gesuch uusrre» Obcrrabbiner», da» Rektorat de» Seminar» mit dem Oberrabdinal in feiner Person vereinigen zu dürfen, mit lä gegen 3 Stimmen (3 Mitglieder waren abwesend) bewilligt. Dieses Ersuch war voin Seminar-Euratorium, vom Gemeinde-Vorstand« und von der Mehrheit der permanenten Eounniisio» eindringlich besürwortet. Mehrerer beimrf e» wohl nicht, uni zu beweisen, welche große Anerkennung da» Streben und die Leistungen de« Herrn Dr. D. gefunden und welchen großen Einfluß derselbe schon jetzt erworben hat. Leute, die sonst nie die Synagoge besuchten und alt Notable zur Jnslallalion geladen waren, habe» Plätze gemicthct, um de» Oderrabt-iner öfter zu hören, und inehrere frühere Gegner haben a,neuste lionorable geleistet und sich mit chm befreundet. Gott segne und stärke ihn! Vermischte uud neueste Nachrichten. Magdeburg. In der Nähe von OscherSleben hat da« ' hies. kaiserl. Postamt eine Postagentur errichtet; dieselbe ist einem Juden übertragen worden. Derselbe sollte vereidigt werden, und zwar — wie die hiesige zuständige Behörde glaubte — als Israelit durch den jüd. Geistlichen in der Synagoge. Aus Ansrage beim hies. Rabbiner und in Folge des von demselben rrtheilten Bescheid» hat mau von einer besonder» consessionellen Vereidizuilg Abstand genonrinen, und wird der betreffende kaiserlich-deutsche Postbeamte als solcher und nicht al» Israelit vereidigt werden. — Die „Magd. Zeit." berichtet ebenfalls, daß im abgelauienen Jahre 90 Israeliten in Preußen zur Protest. Kirche übergetreten seien — Erwachsene, von Kindern erwähnt sie nichts —, aus ber Provinz Sachsen 3; auch sie spricht den Wunsch um Angal)« der Zahl der au» der prote,l. Kirche Ausgetretenen aus. — Hier sind in dem letzten Jahre 2 Protestanlinen zum Judenthum übergetrete». (Siehe unter „Stettin".) Danzig, 20. Dec. (Or.-Eorr.) Die in Ihrer Nr. 47 (unter Berlin) gebrachte Notiz über den Prosessor Hirsch bedarf insofern einer Berichtigung, al» der Genannte, von hier gebürtig, schon lange nicht mehr dem Judenthum angehört. Wie». Herr Baron Nathaniel v. Rothschild hat dt« Einrichtung de» Sterliezimmer» seine» seligen Vater» Anselm dem israelitischen Spitale gewidmet und mit einem .' apitale von- 8000 Papier-Ren!« eine Stiftung errichtet zu dem Zwecke, daß die VerpflegungSkvsten jener Kranken, welche sich in dem fa eingerichteten Zimmer de» Spital» befinden, au» den Stiftung»- zinfen gedeckt wert«». Prag. Herr Dr. Alex. Kisch ist, nach der „Schief. Pr", zum israelitischen Seelsorger in der t. k. böhmischen Landwehr ernannt. Es ist der erste Fall einer derartigen Ernennung in Böhmen. -_ Feuilleton. Die Maurin. Eine Erzählung au» Spam-»» Borzett. von-Madrid in» ’TZ0,e |U begeht,, pflegten, um nach der