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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 1. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 1.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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7 crfildeiiben Gluth de« Tage« die Kühle de« Spätabends zu genieße». Ungeheure große Kutschen mit einer ganze» Äefellfchtft i von Damen, alten Herren und Prälaten, bewegten sich läng' sain die Straße von Alcala hinab. Schöne, kühnblickende Cavaliere auf reichgeschirrlen schnaubenden Rosien zeigten ihre Reitrrkünste, ihre Anmnth in der Führung ihrer edlen Thiere, und bezaubernde junge Dainen zogen, hinter ihrem Stallmeister aus dem Pferde sitzend und mit der einen Hand den Gürtel derselbe», mit der andern den Rosenkranz und einen ungeheuer großen Fächer hütend, langsam dem Ihore zn. Aüf der iiiiöJJnt Seile arr Straße bewegte sich eilt endloser Zug von Fußgängern, zwischen betten man viele von asturijchen Riesen getragene, kostbar verzierte, Sänften erblickte. Hier sah inan de» zerfetzten Hui eine» Slraßenbett' lert und den zrrrisiene» Mantel de« gelehrten Schüler« liechen einer Menge von braune», schwarzen oder grauen Kutten der Orden-Ieute und oem goldgestickten Kleide und dem Feber- Hute de» Edelmann«, sowie die sonitverbrannle» jungen Mädchen aus dein Polte, mit ihren nackten Armen und bloßen Füßen, »eben der vorsichtig in ihren seidenen Schleier eiugehüUlen Dame vom Stande, welche sich verstohlen und unerkannt zu Fuße z» einem Stelldichein begab Neapolltanilauijche Arquebnsire und athletische deutsche Laud»knechte, die letzter» bi» au bi« Zähn« bewaffnet, dut^jchrilleu mit stolzem Blick die Reitge. Dann und waun schlich ein Diener der heiligen Hermandad, der Erzbrüderschaft für dje öf-, fentlicht Sicherheit, ui seinem branncn und schwarzen Habit und mit der alterihüinlich gesormten Lanze in der Hand, vorüber, »ährend ein audalnsijcher Majo mit seiner strahlenäugigen Daine an der Hand dicht neben ihm spazierte. Einzelne vom Kopf bi« zum Fuße schwarz gekleidete, riejeuhasle Gestalten, welche di« spitzen Kapuzen an ihren Mänteln lief in« Gesicht herabgezogen hatten, gingen langsam und gebückten Haupte« elnher, ivahrend ihnen Jeder mit der Miene der furchtsame» Abneigung answich — die» waren Diener der heiligen Inquisition. Arm in Arni gingen zwei junge Männer und inusterlen mit einem Blicke da» bunte Treibe,» in ihrer Rahe, an welche» man leicht erkannte, daß ihnen die» Schauspiel neu sein müsie. Der Anzug oer beiden Jüngljiige war abgeschabt, d»e Hüte erjchinen abgegriffen, und Oie Fevern derselben hingen zerknickt in trübjetiger Weise herab. In desto besierem Zustande befanden sich ihre bliukeuben langen Rappiere und die langen FaustiShre, die sie im Gürtel trugen. „Sehr edler Don Lui», sagte der eine der Jünglinge, ei» außerordentlich zierlich gewachsener Mensch mit der Miene de« Ullverwüstltchen Leichtsinn» auf dem bildhübschen Gesicht, „sehr edler Don Luis, Ihr scheint zu beabsichtigen, teuere beredte Zunge nach dem weisen Rathe Salomo'» in einen längeru Ruhestand zu versetze», und ich bin viel zu höflich, al» daß ich Euch irgendwie in Euren» Vorsatz« hinderlich sei» müchle. Jiideß werdet Ihr Eurerseits nicht» dagegen haben, wenn ich, damit sich mein Ohr „de« freundlichen Klange» der Rede" nicht ganz und gar entwöhne, zur Veränderuitg laut zu denken anfange." Der hochgewachsene Begleiter de« aufgeräumten jungen Cavalirr« strich gedankenvoll seinen Knebelbar: und zuckle die Achseln, indeß ein fast schmerzliche» Lächelii über sein bleiche« Gesichl flog „Don Gajparo de Äuzniann, erwiderte er mit sanfter, sehr wohlllautender Stinime, wird mir sicher einen großen Genuß verschaffen, wenn er sich da» Vergnügen macht, laut zu denket». Indeß ich die» gestehe, fetze ich voraus, daß Don Gafparo'« Klugheit ihn ein Thema wählen lasien wird, welche« zu einer lauten Behandlung desielben sich eignet" „Por la santa Madrel rief Don Gafparo, ich gedenke mtch, und wenn Ihr wollt, auch Euch, von ineinen und Eure» Autsichte» zu unterhalte», unfere Sttuui'- gründlich tu be.leuchsen, tzchlüsie au« der Darstellung de * ziehen iuifc zuletzt den versuch zu inachen, ob ich de wiisenschftliche Methode der Lösung de« Problem« auf die Spur komme, wie wir und unsere Pferde un« zur Nacht sättigen werden " ,3ir werden nach dem Campo gründe gehen, meinte Don Lui«, un« eine leere Sülle anSsuchen u»d dort so leis« al« möglich unsere Untersuchnngen dieser Frage vornehmen." Sie waren inzwischen auf den weiten Platz innerhalb de« Alcalathor« gekommen und schlenderten unter dem düstern Bogen de« Thor» fort, um sich, draußen angekommen, nach der rechten Seite und damit nach dem Eampo grande zu ivenden. Die Menge verfolgte die holprige Straße von Alcala und gleich einer dunkeln Schlange mit einzelnen, hoch emporsiehenden Schuppen aus dem Rücken, bewegten sich Fußgänger, Reiter und Wagen durch da« hügelige und nur selten einen Busch oder ei» verkümmerte« Bäumchen zeigende öde Feld. Die beiden Evelleute schlenderten iangsam weiter, bi« sie sich etwa in der Mitte zwkschen der großen Gttatze UV» Alcala und Valencia befand«». Hier standen sie still und sahen sich an, ohne ein Wort zu sprechen, bi« endlich Don Gafparo in ein laute« und unauslöschliche« Gelächter auSbrach. „Mit Eurer Erlanbniß, sagte Do» Gafparo, ich glaube daß ich seil einer ganzen Reihe von Wochen, Monaten sogar und besonders so lange al« ich in Madrid bin, und die Ehre halte. Euch kennen zn lernen, effectiv närrisch gewesen bin. Meine erste Narrheit war, daß ich Roni verueß und die Gunst de« Papste- Paul V. geringer achtete, al« da« einfäl- <tiße Geschrei, daß mein in Gott ruhender Herr Vater den blutigen Sixru« V. vergiftet haben soll. Der zweite Beweis meine« an den sinnreichen Junker von Manch« erinnerndeu eigenthümliche,: Geisteszustände« lieferte ich. al« ich inich nach Malta begab, um an alle acht Zungen de« hochpreisliche» Orden« von, Hospital des hejltgM J^hqzlnt» hon Jerusalem Alle«, wa« ich al» den Erlös au« dem Nachlaß meine« Vater» besaß, bis aus den letzten Real zu verspielen, in der Hoffnung, daß die Streiter der „Armee Jesu Christi" mich für meine Bereitwilligkeit in den Orden ausnehmen würden. Es war ferner Unsinn, daß ich de» Wink des Schicksals nicht verstehen wollte, als ich mit unserer Feluke nach Toulon verschlagen wurde und von der galanten Frau de« ollen Eominandanten des Pllatze«, des Grafen von Preux „eingeladen wurde, in französische» Diensten die beste ff^ipagnie anzunehmen. welche gegen die Truppen des Kö»,.gs von Spanien im Felde stand . . . ." „Ich werde Euch nie für fähig halte», gen Sganien Euren Degen zu ziehen, Don Gafparo", meinte, der Andere ernst. „Ich bin dazu heute, in dieser Minute, bereit, sagte Guzmann weiter. Bester den Degen gegen Spanien, al« gegen den eigenen Magen zu ziehen, um da» Knurren, desielben durch einen entschlossenen Stoß ein Mal für alle Mal zum Schweigen zu bringen. . . Eanario I. Seht, Eompadre, würdet Ihr es unler ander» für große Klugheit halle», daß ich, statt auf den Landstraßeil wacker meine» Degen und mein Pistol zu gebrauchen, uni mich vorläufig zu equipire», »ach Madrid ».ich fast durchbettelte und gleich einer Vogelscheuche angekleidei, bei Hofe, bei einem verrückten, ohnmächtigen Könige mein Glück zu macheit gedachte, -weil — beS.^rkt diesen großartigen Göund — weil ich glaubte, man habe die guten Dienste deS treuen Gesandten am päpstlichen Hose, Don Jose de Guzmann, eine« der älteste» Evelleute Spaniens, nieine« Herrn Vater«, noch nicht vergesien! Fügt noch hinzu, Doi» Lui», daß ich ganz Madrid durchftöberte, um ein« Seele zu finden, welche mir jo viel borgen wollte, um meine Equipiriing und diejenige eine« Diener« zu bestreiten, bamlt ich in« / Feld gehen konnte: so habt Ihr meine ganze Geschichte in einer zz Nußschale. Ist sie nicht diejenige eine« Blödsinnigen? Laßt einmal hören, ob Ihr in Wahrheit gegen mich »uch westen , könnt." <»-»»,etzung folgt. T.

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