Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 51.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Rtlti. Bon den vielen Bewerbern um >die hiesige Rabbtnerstell,' ist -Herr Dr. Porge«, fc*r seine rabb. LuSbil-! 'düng am Breslauer Seminar erhielt, zum Rabbiner der Gemeinde gewählt worden. P«t»<hurg Wat Günzburg in seinem Sendschreiben (s. Rr tS) befürchtet, da«.scheint sich leider nach hilboffiziellen russischen Blättern zu bestätigen. Di« Listensührung über die' Jude »und die Einführung "der dem Anschein nach Militärpflichtigen soll ganz in die Hände der Polizei- :c. ic* Behörde« gelegt werden. Wo keine gültigen und glaubhaften Dokumente praduzirt werden, „bestimnrt der Beamte da« Alter de« Betreffenden Hebräer« nach dem äußeren Habitus". Da haben wir die Kabel vom Wolf und den tobten, kranke,» und gesunden Schafen Der Hebräer ist der Willkür de« Unterbeauten preiSgegebcn, der — je nach Bezahlung — eiueu Sosährigen für einen 20jährigen ansehen und die Legitimatiou«papiere für recht und glaubhaft Hallen kann, oder — nicht. Cv»ßi»ti»«pel. Do« hier erscheinende Blatt „El Rational" enthält einen Bericht über di« gegenwärtige Lage der Juden in Sana (Jemen). Die oft geschilderten unmenschlichen und schmählichen Bedrückungen bestehen wohl zumeist »och fort, ooch ist eine gewisse Erleichterung eiagetreten, seit die Pforte ihre Oberhoheit bemerkbar gemacht und einen Gouverneur eingesetzt hat. E« komme nun alle« darauf au, den wilden Arabern fühlbar zu oiachen, daß sie ihre Willkür «icht mehr schrankenlos walten lassen dürfe». Dir«"könne 8anz dkspgd«« durch den de» Juden Zegen eben diese Willtr und Wildheit zu gewährenden Schutz geschehen. — Hieran ' knüpft sich die Bitte 'an die einflußreichen Inden der Hauptstadt, dahin wirten zu wollen, daß dem Rabbiner zu Sana von der' Pforte der Titel eine» Ehacham Baschi verliehe» und ihm ein Firma» und Rischam übersendet werde, wie die» die Rabbiner aller großen Städte der 'Türkei besitzen. Dann würde ih r der Walt ehren, und er könne für den Schutz seiner Glaubensgenossen wirksam «intreten (Habazelelh) Feuillttou. Efterka Megimi. Erzithlwig oon 4. 8. gtanjo«. (Schluß ) . . . „Du Hist'». Adolf?! . . So früh . . Wie Du verstört bist. . . Wa« ist geschehen?" „Frage nicht viel — steh' auf und komm mit. Wo ist di« nächste Telegraphen-Station?" fragte er. „Ziemlich weit! — Was sollen wir dort?" „Komm, hin — sragoirächt,viel", nEr, .war offenbar in so furchtbarer Aufregung, daß ich ihm schweigend willfahrte. Al« nnr endlich nach geraumer Zeit vor dem Thore des Lmies standen,-sagte er: „Und nun —.ich flehe..Dich darum an, geh' hinein und frage bei » Deinen Eltern telegraphisch an, ob e« wahr ist, daß — meine Braut i» nächster Woche Heirathel —" „Hast Du dergleichen gehört?" „Später — Du sollst später Alles hören, aber nun geh' und telegraphire. Und erbüte die-: Antwort schleunigst — hörst Du?" Die^e Worte, diese« Benehmen waren bei dem klaren ruhigen Menschen so unerhört, daß sie mich tiefer erschütterten, al« man so glauben mag. Ich trat ins Amt und gab die Depesche auf. Erst als ich fertig war ging's mir durch den Simi, was meine Eltern davon denken würden, daß ich mich so jäh und leidenschaftlich nach der Sarah Goldbaum erkundige. „Ich danke Dir", begann er. „Du weißt nicht, was ich litt, al» ich es jo unvermuthel erfuhr." ^Durch wen?" fragte ich. „ES Hai sich seltsam gefügt," erzählte er. „Ich ging gestern Abend zufällig durch die chirurgische Abtheilung des allgemeinrn Krankenhauses. Da hörte ich mich plötzlich angerufen. Ich trat an das betreffende Bett, ein jüdischer Bursche lag darin — e» war der Salomo« Ptnku«, der Bruder de« Ochsruhäudler» Ehaim Piuku« au« Santo». Der Bursch« erzählt« mir's ganz harmlos." „C, Du Armer!" erwiderte ich mitleidig. „Rein!" rief er heftig — „Du begreifst e« nicht, kein Mensch kann ti begreifen. Sieh' — e» war ja bei mir keine .gewöhnlich« Liebelei — wie käme auch mein« Natur dazu?! Es ist die erste große Leidenschaft nieine« Leben« und wird unter allen Umständen die letzte sein, ,'ch habe Alle«, was an Gefühl in mir ist, aus diese« Mädchen gesetzt, betrügt sie mich, so werde ich wahnsinnig oder muß sterben." „Und hältst Du da« für möglich?" „Roch sträub« ich mich dagegen. Niemand gesteht sich willig ein, daß sein Leben plötzlich werthlo» geworden — auch ich halte mich muh an einen letzten Rest oon Hoffnung ma habe Dich darum gebeten, anzufragen. So wenig wahrscheinlich es ist, daß der Bursche gelogen — denkbar ist e« doch.. freilich habe ich schon darum fast gar keine Hoffnung, »eil ihre Briefe, di« sonst pünktlich allwöchemlich gekommen, fett vierzehn Tagen auSgeblieben. . ." „Wie aber," meinte ich, wenn di« Hochzeit wirtlich auf die nächste Woche angesetzt wäre, und Du lhätest dem Mädchen dennoch Unrecht?! Wie, wenn sie nicht un.reu wäre, sondern gezwungen, überwältigt durch weiß Gott welch« Mittel!" „Da» ist unmügUch," erwiderte Adolf fest. „Sarah ist einfach, klar und hart, wie ein Edelstein. So «int - Ratur läßt sich nicht zwingen, nicht betäuben, nicht überwältigen. Käme e« aus« Aeußerste an, so liefe sie ihren Eltern fort und käme zu mir — und müßte sie sich bi« hierher durchbetteln. Ich kenn« sie. . ." Erst nach dem ich feierllch versprochen, ihm die Nachricht, wie sie auch immer sei, keilten Augenblick vorzuenthalten — verließ mich Adolf. Am nächsten Morgen kam die Antwort: „Ja — Sarah Heirathel nächsten Dienstag den Ochsenhändler Pinku». Aber wa» geht's Dich an?" Ach! die dlachricht ging mich in diesem Augenblicke näher an, als meine gute Mutter ahnen mochte. Bekümmert macht« ich «ich aus und suhr zu Adolf. Plein Herz klopfte, al» ich die Klingel zog. Seine alte Hausfrau kam mir entgegen: „Gottlob. daß Sie da sind," ries sie mir freudig entgegen. „Welche Angst habe ich diese Stacht ausgestanden! Denken Sie nur — gestern Nachmittag kommt wieder ein Brief für den Herrn Doctor — au« der Polackei, ich Hab'« am Poststempel gesehen — nun, den lege ich ihm auf den Leuchter, wie gewöhnlich, damit er ihn gleich findet, wen» er heim stimmt. Hätte ich aber gewußt, was das, für ein böser Brief ist — lieber Herr, ich bin eine ehrliche Frau, aber diesen Brief hätte ich unterschlagen! Denn hören Sie nur — er kommt schon früh am Abend nach Hause und fragt athemloS, ob Sie noch nicht dagewefen sind. Rein — sag' ich — aber ein Brief au« der Polackei ist gekommen. „Wo?" ruft er und ist mit eine» Satze int Zivinier und liest den Brief. Darin muß aber etwas Furchtbares gestanden haben, lieber Herr. Denn der Herr Doctor wird todtenblaß und zittert, und feine Augen ' glühen. Aber plötzlich wirft er den Brief fort und fängt an laut zu lachen — es war furchtbar anzuhören — e« »rr ganz so, wie ei» Verrückter lacht. Und dann blickt er um sich und ruft mir zu: „fort!" Und — verzech' mir,» Gatt — eS war mir gar nicht unangenehm, und ich bin schnell^ hinausgegangen. . ." Ich hörte ihr nicht länger zu und trat in da« Zimmer.. Adolf saß regungslos im Lehnstuhle, bi« Hände fest aus'« Ge-.- sicht gepreßt. Aber beim Geräusch »reiner Schritte ließ er die Hände sinken und erhob sich. Ich kann nicht beschreib«^ wie sein Gesicht war — ich habe nie einen Seeleiischmerz sich erschütternder in den Zügen eines Menschen auSprägen s«hen<s „LieS", sagte er kurz und heiser und reichte mir ein«, Brief hin, der auf dem Tisch« lag. Er lautet«: