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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 51. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 51.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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431 «ährend Herr Dr. Friedman», al» mehrjähriger Kolleg« und intimer Freund de« Verblichenen, deffen öffenlltchen Charakter zum Tbema wählte. — Er sei chm, jagte der Redner, im Hinblicke auf die hiesigen, religiösen Parteiungen, peinlich davon zu reden, aber noch peinlicher darüber zu schweigen, da Jeden, die Frage aus dem Herzen liege: wie sich der Verklärte in seiner 22jährigen Stellung in der höchsten itrael. Rellgionibehöide de» Lander, zu den schwebenden, brennende» Zeilsrage» verhalten! Ein Schweigen ..ierüber känie einer beleidigenden Umgehung gleich. In meisterhaft vollendeter Fori», mit erstaunlicher Gedankenfülle, stet« an der geeigneten Stelle, von seiner bekannten rabdinischen Gelehrsamkeit unterstützt, schilderte der Redner mit innigster Kreunve-wärme de» Verblichenen, nach einem sinnigen rabdinischen Spruche, elnerjeirr als eine „Sonuen-!«!.", da er ein eigene» Licht, ein selbstständiges Urtheii und kritischen Blick besaß, andererseits aber al« eine „Mondjeele" wegen seiner Bescheidenheit, Sanflmuih, Milde und Friedensliebe. — Der Weg, den der Verblichene gewandelt, sei steldie „goldene" aber thalsächlich „dornenvolle" Mittel irr aß« gewesen, gleichweil entfernt von dem Feuer de» ganalismu», wie von dem Schnee der Gleichgiltigkeit; al» ein echter Priester fei der Verstorbene stet» bestrebt gewesen, durch vermittelnde Thätigkeit den Gemeinden des Landes, soweit e« in seiner Prüft lag, als da» höchste Gut, alr da» „Siegel alle» Sefen»" de» Frieden zu erhalten. Trennung in der Gemeinde et ihm stet« rin schreckliche» Wort gewesen. Hieran anknüpsend forderte der Redner, nicht die eine oder andere Partei, sondern die ganze Gemeinde Karlsruhe, zum Frieden auf; die erste Amnestie, von der wir Kennt,,iß haben, sei in der Bibel oorgejchrieben, und diese sollte eintrelen nach den« T^de de« Hohenpriester»; anch hier sei ei» Hoherpriester, plötzlich und u»erwa,tet, in die Arme de» Todes fesnnken, und so möchte» die Parteien, in dem Allen gemein» amen Schmerze, ihr« Gemeinsamkeit wiederfinden und einauder an dieser Babre Amnestie und Versöhnung gelobe» In feinen«, edlen Takte unterließ der Redner jede Erwähnung der h.rr odschwedenden Streilpnnkle, er sorder:e keine Partei zu unbedingter Unterwerfung unter die a»dere aus, ermahnte vielmehr Alle zur Wiederherstellung de« Frieden» und der Einheit in der Gemeinde. Die Wirtnng dieser, hier nur in den äußersten Umrisie» gezeichneten Rede, war eine wohlthurnde, und wenn derselben gegenüber ein Einwurf gestattet ist, so wäre e« der, daß di« Worte allzusehr dein warme,», schmerzerfülllen Freundetherzen entsprossen, da Manche« hervorgehobcn wurde, dem wir unsere Zustiuimung nicht geben können. Niemand aber konnte ahnen, daß dieser Rede, zumal an dieser Stätte, eine Replik folgen könnte. Aber gerade diese Wirkung der Rede versetzt« Herrn vr. Lehniann in Aufruhr; er lärmte, tobt« und schlug mit den Fäusten auf die Ranzel, nach Art de» Schillerten Kapuziner»;*) er könnt«, so sagte er, nicht zugeben, daß der Verklärte eine Sonnenfeele gewefcn, ein eigene» Licht, ein selbstständige« Urtheil und gar einen kritischen Blick besessen, denn auch di« Sonne Hab« kein eigene» Licht au« sich selbst, und Mose», der ein« Sonnenseele gewesen, Hab« die Thora nicht feinem kritischen Blicke, sondern Gott zu verdanken! Mir tumultuarischer Heftigkeit bestritt er, daß der Verblichene ein Mann de» jusie milieu gewesen, er habe vielmehr seinem, de» Redner», extremsten Orthodoxi»mu» angrhörl; da» Streben nach Versöhnung zwischen dem heiligen Erbe der Väter, mit den berechtigten Forderungen der Zeit, da« Herr Dr. Friedman» empfohlen, sei durchau» verwerflich; der Friede sei kein höchste» Gut, *) Daß Hr. Dr. L. sein« »«sprachen«,. Dort« >« «»druck aemtlbert hade, ha« auch unser Porres«». bemerkt. E» kämmt aber bei solcher 9«, tezenbett nicht nur aus da» vori, sondern auch aus den Don anl — und tn dieser veztrhung sagt «in verichi in den „Karlsruher Nachrich. ten; .Und mit «etchein Don«, mlt weichen Gestikulationen wurden diese >u<tassung«n der Draueroersammtung in'« Gesicht geschleudert. 9!« wurde durch dieselben unwiderstehlich an Gbthe«: „Ich Hab' e» vster» rlthwen hören, Ci» Xombdnmt könnt' «inen Pfarrer lehren" erinnert. (Mb.) sonder» nur eia Gefäß, für dessen Erriugung auch nicht die allergeringste Konzession zu machen sei. Kamps, Kamps und Kamps sei da» LoosunAbwort dr» Verklärten gewesen uub verbleibe auch da« der Partei de« Redner». (Schluß folgt.) Palästina. TiberiaS. „Wir hatten hier diese« Jahr leider viele Krankheilen, und besonder» iu Galliläa hauste da» Fieber schrecklich, in einigen Stabten uno Dörfern war kein Hau« von der Krankheit verschont gedliebe», die sehr oft tödllich endete. Die Hauptursache de« schlechte» Gesundheitszustände» war der starke, anhaileiide Regen, dessen Spure» noch im Hochsommer ,n bei, riesen Sümpsen zu erblicken waren, wodurch «lnr schlechte, ichädliche Lust erzeugt wurde. Doch mehr noch als der Körper ist der Geist i» hiesiger Gegeuo heftig erkrankt, und gegen diese Krankheit scheint e» gar keine Heilulittel zu gebet«. Aber nicht nur bei de» Muhamedanern zergt sich diese Erscheinung, sondern auch bei den J-raeiiten, d,e doch zum größten Theil au» Eiitgewanverle» der civilisirlen Staaten bestehen^ anstatt hier Licht zu verbreite», vermehren sie immer inehr die Finsterniß. W,e soll Israel ater seinen Zweck, zur Erlenchiung be,zutragen, erreichen, und wie solle» bl« Verheißungen de: Propheten über die Zukunft Israel» und des hetligen Lande» „ch erfülle,r, wenn e» nicht selbst dafür sorg«, daß die Finsterniß weiche und lichtvollen Zustande» Platz mache! „TiberiaS ist eine Stadt von 2000 Einwohnern, wovon die Hälft« Juden sind; dieselben besitzen 12 Synagogen, tn denen Tag« und Rachl» gebetet wird, aber e» fehlt an de« nölhigen Ernst und heilige» Strebe«, sonst hätten sich die Zustande schon bedeutend gebessert; doch die Reichen fühlen sich wohl bei diesem bequemen RichtSlhun, und dt« Annen sin» zu mittellos, um etwa» zur Besserung zu lhuir. — Während der letzten Feiertage kamen nach TiberiaS und Safes Briefe von Sir Mose« Montestore mit der Frage, ob sich Leute zur Uebernahme und Bebauung von Ländereien bereit fänden. Ja Safev erklärten sich oald ca. 200 Personen dazu bereit, doch wurde der Agitator für diese gute Sache schlecht dafür belohnt, indem man chm dt« Fenster «inschlag, und chn selbst mißhandelte." — So schreibt ein Correspoudenl der „Jüd. Presse". Hat Redttlur 3'2V1 *13 im Schlummer und Schlaf dies« Eorceipondenz passtren lassen, oder 13"H mwr DON findet die Wahrheit ihren Weg auch in . . . .? Vermischte und neueste Nachrichten. Oldenburg, 23. November. Unsere Orthodoxen stehen den Ultramontanen an Unduldsamkeit in keiner Weise nach; die» dewie« w.ebrr ein Vorfall, der sich bei dein Begräbnis de» hiesigen Landrabiner« Wechsler zugrlragen hat. Letzterer, rin allseitig verehrter Mann, war nach S7jäyriger Amtsführung verstorben. Bon vielen ihm „.ihestehenden Personen war der Wunsch ausgesprochen worden, daß am Grad« eine dem Lebe» und den Verdiensten d.» Verstorbenen entsprechende Grabrede gehalten werde. Herr Pastor Späth, Mitglied de» Protestanten-Verein», «rk'ärte iU bereit, dem abgeschiedene» verehrten Manne in amt»biüder„chem uno retnmeuschlicheui Sinn« den letzttn Lirbe«die„st zu erweise». Jedoch o«r orthodox« großhrrzogliche Oder-Kirchenralh dachte ander» und inhibirte tn letzter Stunde d,e ge,ertichkeit, indem er e« für bedenklich ansah, daß ein Geistlicher, dessen Pflicht und Beruf e» ja doch ist, reine Nächste„lieb>. zu predigen, o«n> Angehörigen «in» anderen Consejsion, uno nun gar einem Juden, de» Nachruf halt«! Der Vorfall hat in all» Kreisen der hiesigen Bevölkerung da« peinlichste Ausfeheu und ging« Entrüstung heroorgerufeu ü

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