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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 51. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 51.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 420 — Der Artikel über den den Degen einsteckenden Anton har die Reise »m die Welt gemacht. In. Ungarn wie in Amerika (ein Blatt au« St.. FranciSto bezeugte Letztere«) ist er adgedrnckt worden. L«»«ih»rg i/P., 8. December. (Or-Corr.) Sie haben in diesem Blatte so ost schon die Schnlsrage behandelt, insofern Ne für uii« jüdische Theologen von besonderer Bedenlnng ist,, haben auch in dieser Beziehung in Gemeinschaft mit mehreren Geiaeinden Pomniern« eine Petition an da« Uuterricht«- ministeriu n abgesandl, eine Petition, die, me»» sie auch nicht, wie e« sein müßte, von allen denlschen Gemeinden Billigung fand, weil die Vertretung derselben leider oft kein rechte« Berständniß haben für dergleichen, dem Judenthnm zu seinem gebührenden Rechte verhelfende Fragen, i» jedem Falle aber an geeigneter Stelle die Roihwendigkeit klar legte, die jüdische Religion an den Hähern Schulen so zu behandeln, wie sie e« verdient, i» juridischer wie moralischer Hinsicht. Ich habe Ihnen hiermit von dem Erfolg zn berichten, den die Petition hatte, d,e ich nach meinem Amtsantritte in hiesiger Gemeind« an da« Euratorium der hiestgen Realschule richtete Sie behandelte und bezweckte folgende zwei Pnntle, die auch in Ihrer Petition a» da« Ministerium eingehend besprochen worden: I) Einreibung dc« jüdischen'Religionsunterricht« in den Lehrplan der hiestgen Realschule, 2) Anstellung de« jedeomaligen Rabbiner« für den jüdischen Religionsunterricht (wenn auch vorläufig ohne Gehalt) und dessen Berechtigung zu Sitz und Stimme im Lehrerkollegium bei der Pertheilnng Nr Censuren. Diese zwei Pnnkie erscheinen mir al« da« wichtigste Dcstderium in Bezug auf den jüdischen Religionsunterricht bei den b:tr Behörden Denn die GehaltSfrage die ja auch mit deni sonstige» finanziellen Zustand der betr. Commune zusamnienhongt, kann nur dann al« Desidcrandum mit stgnriren, wei n bei der Feststellung oe« EiaiS für commuuale Zwecke d e Lehrergehälter verhandeü werden. Diese aber sind meist, wie auch hier, auf viele Jahre voran» fixirt. Dazu kommt, daß, wie die Sachen nun einmal bei un« liegen, vor Allein die Rothwenbigkeit des jüdische» Religionsunterrichts an Hähern Schulen anerkannt werden muß. Eine Petition, die auch von dem größer» oder geringer» Gehalte für den jüdischen Religionolehrer spricht, wird meiner Meinung nach stet- — zumal in kleinern Städten — an dem Gedanken scheitern, der gar zu gern Glauben und Anhang findet, daß eS Sonderintereffe» find, die dem betr. Petenten die zu er Menden Wünsche tu den Mund legen. Wer ferner nicht blo-5 die diesbezüglich» n Zustände im Posen'sche» und in Schlesien erwägt, wo ja hier und da bereit« jüdische Religwnsle.,rer an Hähern Schulen unterrichte», jonxrn wer auch an Pommern denkt, wo, so viel mir b.kannt ist, noch nirgend« an den Hähern Schulen vom jüdischen Religionsunterricht die Rede ist, — der wird in erster Reih« dafür sorgen müssen, daß der jüdische Religionsunterricht zunächst auf dem allgemeinen LectionSplait mit figutirl Von diesem GrsichtSp ankte aus geleitet, richtete ich meine Petition an da« hiesige Schulcuratorium. Dieses hat zn meiner Freude einstimmig die Nolhwendigkeit anerkannt, daß auch die jüdischen Schüler unserer Realschule, besonder» diejenigen, die die Hähern E lassen besuchen (denn die jünger» besuchen ja, wie überall, die jüdische ReltgionSschnle), auch in der DiSciplin, di« man „Religion" nennt, unterrichtet werden. Meine Petition, d:e auf diese Weise warm befürwortet wurde, ging nun an oa« Provinzial-Schulcollegium nach Stettin. Ich erhielt nur die Abschrift der Antwort dieser Behörde, die dahin lautet, daß mir „ein Elassenzunmer der Ansta.t für ein oder zwe Stunden wöchentlich eingeräumt werd«, und daß da« Urtheil über Fleiß, Fortschritt und Führung der reiftrn jüdischen Schüler in ihre Eenjuren ausgenommen werde." Der Rector der Anstalt hat bereit« bt* jüdischen Schüler mit dieser Bersügung bekannt gemacht, und so steht mit dem neuen Jahre 1875 auf de« LekttonSplan der hiestgen Realschule eine neu DiSciplin, di« den jüdisch«» Schülern zu Gute kommt. ES ist Ihnen, geehrter Herr Redakteur, noch im Medächtniß jene Antwort, die die Schuldeputatio» einer Jhnezt 's nahe gelegenen pommerscheu.Stadt der königl. Regierung JH* J gehen lieg, an welche ich mich mit einem ähnlichen Gesuch« zu wenden Gelegenheit nahm, und von der auch Sie Rennt» js »iß genommen. Sie kennen also jene Antwort, di« ein Mn» ster ist von Intoleranz seltener Art, »nd ein Muster von lesenSwerther Sophisterei! Darum constatire ich obige Ginführnng an der hiesige» Realschule als ein anerkennenSwerthe« Zeichen religiöser Duldung und Hnmanität >; Dr. Landsberg. Rabbiner. Penzlin (Mecklenburg), 10. Dec. (Dr - Corr.) Gestern starb hier der Veteran Jakob S n! o m o n im 85. Jahre seines inhaltoollen Leben«. I» früher Jugend von den Franzosen gefangen, 'ward er gezwungen sranzöstsche Dienste zu leisten und später der Armee gegen Rußland eingereiht, der er jedoch nur bis Danzig folgte. Später trat er als Husar unter dem Namen Mülle, in die Dienste Friedrich Wilhelms von Braunschwei g - O e l S, dem er wegen seiner mititärischen Tüchtigkeit österS zur Ordonanz stand und kämpft« unter dem Oberbeiehl Wellington'« in der Schlacht bei Bell.-Alliance, wo er leicht verwunde« wurde Geschmückt mit der silbernen Ehren- Medaille nahm er dann Theil an dem zweiten Einzug in Pari«. — Wie seine Jugend, erfüllt« sein ganze« Leben bi» zum späten Abend desselben eine rastlose Thäligkeit, getragen von echtem Biedersinn,?o daß e» ihm gelang, au« den dürftigsten Verhältnissen und trotz der socialen Fesseln, die auch ihn, den mecklenburger Juden, bei allen seinen Verdiensten um» Vaterland, an« Schrill und Tritt hemmten, zu eine» anielnilichen Wohlstände sich emporzuringen. Wie er al» Mutter eine« FamitienoalerS der Stolz der Seinigen war, genoß er auch als edler Bürger di« Achtung und Verehrung Aller, die ihn kannten. Erst kürzlich wurde ihm seitens de» hiesigen Inviliden Vereins da« Ehren-Diplom überreicht. — Sein Andenken sei znm Segen! M. '■s ■1 A <1 t l . J Rarlsrnhe, 7. Dezember. *) In Nr. 45 de« Lehmann» scheu „Israeliten" und Rr. 44 der „jüdischen Presse" wirst' ein Vorgang aus dem Friedhofe der hiesigen iSrael. Gemeinde in einer so unerhörte,, und jesuitischen Weise entstellt, und zur Veruiiglimpfung eines allgemein hochgeschätzte» nnd verehrten Manne« zu verwerthen gesucht, daß wir. a!» Vertreter - dieser Gemeinde, unS bewogen fühlen, rein im Jntereffe der Wahrheit und Gerechtigkeit, dem dreisten Lügengewebe entgegenzutreten. Unter dem schmrrzliche» Eindrücke, in Folge - deS plötzliche» HinscheidenS de« Herrn Joseph Altmgnn, ,! geistlichen Mitglied«« de« Äroßh. OberralhS der Israeliten, l willigte» mir in den Wunsch der Hinterbliebenen, daß außer B durch den hiesigen Bezirk«- und Eonserenzrabbtner, Herrn I Millstätter, nnd den Stadl- und Eonserenzrabbiner Herrn Dr. N Friedniann au« Mannheini, noch von auswärtigen Rabbinern . X auf dem Krievhose Trauerreden gehalten werden. Hätten wir ahnen können, daß Herr Dr. Lehmann aus Mainz, an e» de», von vornherein so Biele« zu beanstanden war, die Ran- W zel betrete» und an geweihter Stätte, auch bei dieser trauri- «j gen Veranlassung, seinen intoleranten, friedestörenden und ultraonbodoxen ltzesinnungen Worte verleihen würde, wir .-'I hätten wahrlich durch solche politisch« Auswüchse unsere Gebet» halle nicht entweihen lasten. > J Herr Rabbiner Willstätler sprach in bekannter Meister» schaft mit edlen Worten, in richtiger Würdigung seiner htest» "'Jj gen Stellung und seine« persönliche» Verhältnisse» zu de« Dahingeschiedenen, meist von den Prioattugenden derselbe«, *) Dir hatten nachträglich« veinerkungen ,u der in dar. Bl. wt» «B haltenen llorresp „au« Baden", dl« verrdlgung de« Oderrath« mann s. «. betreffend, zu geben versprochen. Inzwischen erhielt« von dem Synagogen rat h ln SarlSruh» obenstehenden »rtilet »üb^W der Vitt« um Veröffentlichung. Einig« Sätze wäre» nach Abdruck leH mit. Sorresp. mahl entbehrlich, «ir können jedoch et» amtliche« Schrbd-^^W stück nicht kürzen oder »bändern. (Med.)

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