Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 50.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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lehrreich. Er zeigt I) daß die Behauptung, Jemand besitze selbständigen Forscher-Geist aus eine gewisse Richtung in der Orthodoxie, die allerdings voll und ganz daS saorilloio del inteletto gebracht, wie ein rotheS Tuch wirkt; 2) daß Jemand nur vom Frieden zu sprechen braucht, um sogleich die volle Schale ihres wahrlich nicht'wohlriechenden Zornes über sich ausgießeu lassen zu müssen; 3) daß vie Heiligkeit keiner Person und keines Orte» sie abhält, ve» ärgste» Arakehl zu verüben Bojaoowo, den 1. Decbr. (Or.-Corr.) Leit einigen Monaten bemerke ich mit großem Befremden, daß in der anfangs mir bedeutendem Interesse angeregten Idee von der Gründung eines jüdischen Waisenhauses in Jerusalem, ein vollständiger Stillstand eingetreten ist. Und doch ist gerade ein solche« Unternehmen werth, die Herzen derjenigen, bei welchen das Wohl und Weh ihrer Glaubensgenossen im heiligen Lande eine lebhafte Theilnahme findet, mit heiliger Gluth zu erfüllen und ihre Thatkrast anzaspornen, ungesäumt zu dessen Ausführung zu schreiten. Wenn «S auch nicht in meiner Absicht liegt, obgleich persönlich für das genannte Unternehmen aus innigster Ueberzeugung mit ganzer Seele hingegeden, mit diesem Schreiben, wen,» es auch das Forum der Oeffemlichkeit betritt, für die Sache Propaganda zu machen, weil ich dies bei der allgemeinen Anerkennung, welch« ihr geworden, für überflüssig halten muß: so kann ich doch nicht umhin, offen zu gestehe», daß mich zu meiner heutigen Kundgebung ein ganz einfacher Umstand veranlaßt, der, wie ich glaube, nicht vereinzelt in seiner Weis« obwalten dürste. Während der in diesem Jahre in Palästina herrschenden Theuerungsnoth haben wir hier, in unserer Gemeind«, nicht nur momentane Unterstützungsbeiträge dahin zu übermitteln gesucht, sondern auch einen auf's ganze lausende Jahr besteheichen „Verein" gebildet, der aus monatlichen Beiträgen sich basirt. Die Nolh hat G. ,. L. ausgehört, aber unser Verein blieb, und haben wir beschlossen, den nach einigen Monaten zu einer nicht unbedeutenden Summ« angewachsenen Beitrag, als einmalige Spende zum Fonds des Waisenhauses in Jerusalem zu verabfolgen. Nun sind wir beinah« zu unserem Ziele gelangt, und erwarten wöchentlich, Ihre „Wochenschrift" würde uns einen Fingerzeig geben, an wen wir uns wenden, und ob unser Vorsatz eine fruchtbare Tendenz im Auge habe, doch vergebens, sowohl das Comtte al« Sie bewahren — Stillschweigen irrr Tb* '2 mwa no jna *b urom. H. Wassertrilling, Rabbiner. (Wir müssen e« dem Eomite in Berlin anheimstellen, auf die vorstehende Anregung hin eine Darlegung des gegenwärtigen Stander der Palästina-WaisenhauS-Angelegenhrit zu geben, wozu wir unsre Spalten mit Vergnügen zur Disposition stellen. Wir können jedoch schon hier bemerken, daß die Sammlungen fortgesetzt werden, und daß bereits Schritte geschehen sind, um die Zinsen der vorhandenen Fonds einstweilen, ihrer Bestimmung gemäß, zur Erziehung von Waisen in Palästina zu verwenden, bi« die Gründung einer eigenen und geeigneten Anstalt in Angriff genommen werden kann. Spenden wolle man dem Rendanten de« Vereins, Hrn. Ed. Mend e, Berlin Spandauerstr. 7 übersenden. Red.) Oesterreich. Wie». In Sachen der in der letzten Numnier Ihre» Bl. besprochenen Freimaurerei erlaube ich mir auf die soeben erschienenen „Briese über Freimaurerei" von Rob. Fischer (Gera 1878. A Reisewitz) hinzuweisen. aus denen ich Ihnen einiges Statistische im Folgenden miltheile: Die Wiege der Freimaurerei in ihrer heutigen Gestalt stand in Großbritannien. Bon hier aus verbreitete sich die MaurerU rasch über alle Länder der Erbe. Er gibt keinen Weltlheil. in welchem der Freimaurerbund nickt Arbeitsstätten zählte; selbst in «nftralien bestehen mehr denn hundert Loge.-., und in Ehina und Japan find so gut Bauhütten zu finden. 1 al« in Hayti und Uruguay, in Schweden und Norwegen, ja 7 Egypten und Algier. Man schätzt heute die Zahl der Frei» ' manrer aus eine Million, jene der Logen auf zehntausend, .u Auf Deutschland kommen hievon circa 30,000 Maurer mft '' 330 Logen Der Freimaurerbund erstreckt sich nicht mehr blos auf Christen. In den englischen Logen Ostindien« ar- ) beiten Christen, Mahomedauer und Hindus friedlich mit einan- . der; in Frankfurt gibt eS eine besondere israelitische Loge, > und in Amerika und Afrika ist die Betheiliguug der Farbigen am Bunde eine sehr bedeutende. . Außer in Oesterreich ist di«? Freimaurerei auch noch in Rußland geächtet. ' Frankreich. Pari». (Bericht der All. JSr. Univ. für November). Neue Mitglieder 201, darunter aus Deutschland 184. * Schulen. Aleppo. In Folge eines während der Feiertage von dem Localcomile erlassene» Aufruss habe» sich - 12 Gemeiudeniitglieder zu einem jährlichen Beitrage von je 180 Fr, und 8 bis 6 andere Familienväter zur Entrichtung 7 von gleichen Beiträgen als halbjährliches Schulgeld verpflichtet, und ebenso werden noch viele Andere ihre Beiträge gebe, 1, sobald erst die in Aussicht genommenen Verbesserungen . der Schule und de» Lehrplanes eingesührt sein werden. Die Einkünfte der Schule betrage» also jetzt ca. 3000 Fr., und reiche» hi», um mit Hülfe der Subvention Seitens der Alliance die auf 4800 Fr. berechneten Ausgabe» zu decken. Die Gesaninitzahl der Schüler beträgt gegenwärtig 38, worunter 18 Frcischuler. Eine neue Schulcommission hat sich gibildel und besteht aus dem deutschen Censu!, H. R Ptccioilo, und dessen Sohne, H Ezra Picciotlo, Kanzler de« Coniularr, ferner den Herren Joseph und Daniel Picciolto, Consul» von Schweden und Dänemark, und den Herren Mols« und JaqueS Altara«. — Da» C -Comite voiirt zunächst auf ein Jahr eine Subvention von 1000 Fr. Aus Bagdad wird über die Handwerkslehrlinge Günstige» berichtet Beiruth. — H. Henri Brasseur schreibt, daß in Folge eines von der dortigen Gemeinne gefaßten Beschlüsse» 10 israelitische junge Leute in ein« ameiikanische Missionsschule gegen Erstattung von 3800 Fr p a. ausgenommen lverden sollen; da er jedoch daran erinnerte. daß die Alliance zur Gründung und Erhaltung einer eigenen israelitische» Schule daselbst beilragen würde, imoferu Letztere arme Kinder unentgeltlich ausnähme, so wurde er beauftragt, sich nach der UnterstützungSsummr zu elkundigeu, welche die Alliance zur Gründung einer israelitische» Schule daselbst bewilligen würde. Derselbe meiut, daß da« für Die q». Anftatl nöchtge Lehrpersoual sich sofort finden wurde. — Da» C-Comite wird in dieser Lngelegendetl erst beschließen können, sobald H Brasseur ihm einen ausführlichen Sckut- und Lehrplan, sowie ein Budget über Eiunabmen und Ausgaben und die sonstigen »ölhigen Notizen vorgelegt haben >vir». Schunil». Am 22 Oktober hat großer Parade-Examen und PreiSverth. ilnng der dortigen Schule in Gegenwart von vier Pascha'« (im deutschen Bericht fehlt eine Excellenz) diverser Effendi'S, Obersten, Aerzte, fremdländischer Rotabilitäten, Türken. Armenier. Griechen und Jude» ttattgesunden. Der Gouverneur war verreist und ließ sich durch den Oberlichter vertreten, Excellenz Hussein Pascha sendete zur Erhöhung der Feierlichkeit die Militärniufik und 200 Man» Soldaten. Die Prüfung >rstreckte sich auf Grammatik, Geographie, Geschichte, Arithmetik, Physik, und fiel glänzend au«. -; Wir haben schon bei ähnlicher Veranlassung bemerkt, daß I man z B in Deutschland sehr wenig von solchem Pomp halten mag, daß aber obne allen Zweifel an Ort und Stelle eine sehr wohllbätige Wirkulkg dadurch erzielt wird; die Groben seben, daß Inden lehren und lernen können und wolle», dem Volke wird durch die von jenen den Juden bewiesene Aufmerksamkeit Respekt eingeflößt, und somit gehören auch türkische Trommler und Militärausmarsch zur sehr nützlichen Staffage. (Schluß folgt.) ' *3