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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 50. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Institution, eine gegenseitige WohlthätigteitSanstalt aussaßt, , stn Gottesdienst und Lebe» aber so fortschreitet, bis nichtübrig bleibt und man — draußen steht. Dr. ...y. E. Au« Bade», 29. November. (Or.-Corr *) Der Tod | de« seligen Oberrath Alt mann bewegt hier noch alleiithal- | . den die Eemüther Aber eS ist nicht bloß die liefe Trauer - uw da- Ableben de» eigentlich bestimmenden und dirigirenden ' Mitgliedes deisraelitischen OberrathS, einer bedeutenden tat* mudische» Capacität, eine- Manne-, der ob seiner HerzenSgüle. seiner innigen Frömmigkeit Verehrung in den weiteste» -reisen genoß, eS sind auch gewisse Vorgänge bei seiner Bel' erdigung und ihre Fortsetzung in ven D'IVDN im Trauerj hauie und in den orthodoxen Blättern, die vielfach besprochen werden Und diese sind zur Charakteristik einer extremen Richtung in der orthodoxen Pariei und ihrer Presse so brzeichnend, daß wir glauben, dieselbe auch zur Kenn'.niß weiterer -reise bringen zu dürfen. Dieselben knüpfen an an eine von Rabbiner Dr. Friedmann auS Mannheim an der Bahre im Friedhose gehaltene Rede. ES war eine von inniger Wärme belebte, Charakter und Thätigkeit deS Berstorbenen in schönster, würdigster Weise zur Darstellung bringende Rede. ES ist jedoch kaum «täglich, hier einen Abriß derselben zu geben, ihre Art und Weise, in meisterhafter Auslegung und Verbindung von Midraschim bestehend, läßt sich in einer kurzen Skizze nicht «iedergeben. Wir wollen hier nur diejenigen Punkte, die ' später Gegenstand von Angriffen wurde», hervorheben Au-gehend von einem Midrasch 1t kllvVZ bv fllftS'l lyi nisSS TOnS '"OH ITC nSreS bezeichnet? der Redner , den Verstorbenen als eine Sonnenseele, als einen Mani» von > eigener Kraft des Denken«, von kritischem Blicke und Verständniß für die Fragen der neueren jüdischen Theologie, so- 1 daß auch, wenn er sich von ihnen adwenvete, eS jedenfalls erst nach genauerer Prüfung geschah. Der Redner hatte ferner nach der Charakteiistik de« Berstorbenen, die er als intimer Freund desselben in der liebevollsten Weise gab, mit den Worten "lölK S"K S"K 1D1K DK 'S '1K auf daS Peinliche der Sache Hinweisen«, eS doch al» des Todten unwürdig bezeichnet, wenn man an seiner Bahre über seinen öffentlichen Charakter, seine Stellung zu den bewegenden Zeitfraen, zumal wie sich dieselben in Karlsruhe abspielen, was och sicherlich Allen auf dem Herzen läge, vollständig schwei- Sen würde. Er schilderte dahi'r die vermittelnde, den Frieden ezweckenve Thätigkeit desselben und schloß daran die Aufforderung, an die bekanntlich in vollständigen Zwiespalt verfallenen Parteien Karlsruhe'- sich friedlich zu einigen. Rach dem Tode eines HoheptiesterS pflegte eine allgemeine Amtie- . stie einzutreten, denn NNV3V D'P’*73C nn'ö. auch hier liege «in Hohepriester vor uns, ein leiblicher und geistiger Rachkomine AronS, der wie dieser stets den Frieden erstrebt habe. «in Midrasch laute: JWCÖKS "fr '131 O'TStf W darum warnte er vor den Uedertreibungen beider Parteien und mahnte, in« Sinne de- Bestorbenen in der M i t t e zu gehen, von der einen Partei die Begeisterung, das warnte Herz, von der andern auch etwa-, nämlich den kalten klaren Verstand, ohne ihre erkältend« Gleichgiltigkeit zu. nehmen. Mit dem Hinweis endlich auf den Spruch: N2N p itSCJn '131 DlS»?3 T|S.schloß er mit der Aufforderung an die Israeliten Karlsruhe'-, wie sie nun hier geeinigt seien im gemeinsamen Schmerze um den Verstorbenen, so sollten sie nicht auSeinandergehen, ohne sich auch friedvoll im Herzen geeinigt zu haben. So schwierig die Ausgabe gewesen war, die Parteistreitigkrtlen an dieser Stelle zu erwähnen, der Redner hatte sie in vollendeter Weise gelöst, er war keiiier Partei zu nahe *) Wir haben diesem Artikel noch eini-e Bemerkungen hmzuzufüd« »tr jedoch aus Mangel an Stau« und Zeit erst i« »Lchften lte Nachtrag«» kSnnen. (Red.) getreten, halte auch zu Gunsten keiner gesprochen, er hatte nur va« Allen Gemeinsame, baS sie verbinden, zum Fried«n dringen sollte, heroorgehoben, und die tief bedauerliche Treu» nnilg der Karlsruher Gemeinde, die weniger durch Berhältnisie, als durch persönliche Leidenjch >si h.n vorgerufen worden, nnv die überdies auch auf veu srieoi.h.n Zastaud in ande«n Gemeinden ui bedauerlicher Weste influenzirt, machte diese Worte gewiffermaßeu zur Pflicht. E» herrschte auch nach, Schluß der Rede die tiefste Befriedigung über dieselbe in der Trauerveriammlung, und selbst viele Orthodox« dankten nachher Dr. Friedman» für seine Rebe. Diese Slinuunng erschaute Dr. Lehmann auS Mainz, die Rede schien ihm von gefährlicher Wirkung, und so hielt er nun, was wohl Niemand au« der Versammlung erwartet hatte, eine Philippika gegen dieselbe, von der der Abdruck derselben im »Israelit" nur einen schwache» Abklatsch bildet, weil Dr. L. wohl selber das Unpaffende seiner Red« fühlte. Wenn er daselbst behauptet, daß die Söhne de- Verstorbenen mit Erwarlung aus ihn geblickt, daß Alle entrüstet gewesen, jo war das — eine sehr jubjective Empfindung. ES mochte Mancher mit der Rede nicht einverstanden sein, zu Entrüstung aber Halle Rleinauv Veranlassung, verletzt war Keiner worden, davon wurde auch erst später, nachdem tüchtig geheizt worden war, gesprochen. Lehman» aber donnnerte förmlich aus die Verjaninllung herab; mit Entrüstung, fast al« eine Beleidigung, wieer r-ie Behauptung Friedman»- zurück, daß der Veistordeue selbständigen Geist besessen, daß er kritischen Blick gehabt, den er ja auch nach Diesem nur soweit benutzt hatte, um die ihm gegensätzlichen Ansichten erst zu prüfen, ehe er sie verwarf. Und der Aufforderung Fried- »lanus zum Frieden setzte er die Behauptung entgegen, daß Allmaun voll und ganz der orthodoxen Partei angehört habe. Wenn Lehmann nun Friedman« anklagt, den Streit auf den Friedhof gebracht zu haben, so muß diese Behauptung vollständig zurückgewlesen werben. Ein Streit wurde erst durch da» gehässige leidenschaftliche Auftreten Lehmann«, sowie die EutsteUung von Friedmanns Rede entfacht und da« Bedauern über den peinlichen Eindruck, der dadurch heroorgerufen worden, war allgemein. Daß Oberrath Altmann nicht nur streng religiös, sondern auch ven Olthodoxen innig be,reunvel gewesen, ist bekannt. Aber darum war er noch keiu extremer P a r t e i m a n n, dazu war sein Wesen viel zu milde, und Darum wollte er immer noch nicht eine Trenilung im-Leben und Tod, wie sie m Karlsruhe durchgeführt ist. Hat er doch selbst in einem amtlichen Circulare an die Gemeinden Baden« sich gegen die Trennung in KarlSruhe erklärt, und war deshalb von den Orthodoxen angegriffen worben. Aber imnierhin war daS Auftreten Lehmann'S noch milde gewesen gegen daS, was nun folgte. Er halte die Parole ausgegeben, und nuil ging eS auf der ganzen Linie in gleich graziösem Tone weiter. CS wurden in den 7 Trauerragen inl Trauerhauje Reden gehalten, der „JSraelit" hat darüber weitläufig berichtet. Man fragt sich erstaunt, ob daS sein sollen, nichtals Polemik gegen Frieomann. Und welche Blüihen die orthodoxe GesinnungStüchügkeit hierbei trieb, er sieht mau aus einer Aeußerung de« Dr. Löwenstein au« Gailingen, der im vollen Brustton der Uederzeugung auSrief: »Stein, keine Mitte, entweder Feuer oder Schnee!" Aber da« Beste leistete noch die »Jüd. Presse", die einen Bericht von einem Augenzeugen brachte, der von Schimpfworten gegen Frieomann wiinmeit, „polnische Rabuliftit, Kapuzinad«, neologer Fanatismus, gefühllose Streitsucht, Verunglimpfung de« Todten", daS Alle» muß jener über sich ergeh:» taffen. Wenn nun noch hinzugefügt wird, „daß über seine Red« i« der ganzen Versammlung ohne Unterschied de« religiösen Standpunkte« die erbittertste Entrüstung geherrscht habe", so zeigt da« hinlänglich di« Wahrheitsliebe de« Corresponden.en. Warum uun nicht noch Räuber und Mörder, e« ging ja in Eine« hin? Der ganz« Vorfall, so bedanernSwerth er ist, ist sehr

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