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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 50. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Amerika. ReVhotk. Daß die Wahlagitation für Staat»-, Koin- «unal-, Richterrc. rc. Aemter i» Amerika in anderer Weise betrieben wird al» in Deutschland, ist allgemein bekannt. Indem wir jedoch hier «inen Wahlaufruf au» dem „Hebrew Leader", und zwar au» dessen seil dem I. Oktober erscheinenden deutschen Beilage, wörtlich abdrucken, wollen wir hervorheben, daß da» öffentliche Betonen der jüdischen Qualifikation de» Kandidaten unseres Wissen» auch in Amerika «eu ist. — Wir können die» nicht billigen, e» sollte bei derartigen Wahlen da» Religion-bekenntniß gar nicht in Betracht kommen; doch überlasten wir e» jedem Leser, seine Betrachtungen Über den Wahlaufruf anzustelle». Jedenfalls geht daraus hervor, daß man sich in Newyork nicht genirl, at» Jude für jüdische Interessen ober Persönlichkeiten offen auszutreten Wir geben den Aufruf wörtlich, aber nicht buchstäblich, er füllt nämlich im L." eine ganze Spalte, und ist demgemäß im Plakattyp»- gedruckt. „An unsere jüdischen Wähler! Mr. Sam. A. Lewi», Präsident der Hebrew Leader Association ist al» Alderman st large norainated. Für ihn kann in der ganzen Stadt, ln allen Wahlbezirken gevoted werde». Mr. Lewis' biederer, rechtlicher und guter Eharakter ist unseren jüdischen Mitbürgern zur Genüge bekannt, seine Liebe zu seinen, Volke, sein ächler jüdischer Sinn giebl »ich in jeder Zeile de» „Hebrew Leader" kund, besten Mitrebacrcur er ist. Wir volcn daher für unfern Glaubensgenossen Sam A. Lewi« für Alderman st large, weil er ei» ehrlicher, biederer Eharakter ist. Wir stimmen für Mr. Sani. A Lewi», weil er der .aahre Bolkrfreund ist Wir stininlen für Mr Sam A. Leioi», weil er ein ächtcr Jehudi ist Wir stinimen für Mr. Sam A. Lervr», weil er ein liberaler Mann, ein Freund der Bildung, der Wiffenschafl und der Lehrer ist; bevor Mr. Sam. A Lewi» beim Board os Edncation war, wurde jedenr jüdischem Kinde, wen» e» an den jüdische» Feiertagen von der Schule zu Hause blieb, eine absenke Marke gegeben. Mr. Sam. A. Lews» war e«, der im Board os Eoucaiion solche Ehitanen gegen unsere Kinder abgelchafft hat. Stimmen ivir daher alle wie ein Mann für unfern Präsident Sam A. Lewi»." Au» den neuesten amerikanischen Blättern ersehen wir, daß Lewi» wirklich zu einem Alderman gewählt ist, und zwar hat er die meisten Stimmen auf sich vereinigt, nämlich .62,383, sein uächster Mit- (nicht Gegen-) Kandidat hatte 61,762 Stimmen, und so geht'» herunter bi» aus 12000 Stimmen. Vermischte und ueueftc Nachrichten. BreSlau, 4 Dec. (Or.-Korr.) Wir haben heute einen Akt unserer Unlerricht»verwaltu»g zu registriren, der un» sowohl mit hoher Anerkennung für ihre liberale Richtung al» auch mit den besten Autsichten für die Zukunft unserer Gla.- bentgenoffen, die sich dem höheren Lehrfach widmen wollen, erfüllt Herr Dr Warschauer, einer von den drei Juden, die schon der Minister Mühler, freilich >>ach langen und heißen Kämpfen, al» Lehrer an höheren Unterrichtsanstalten angestellt hat, ist von dem Magistrale hiesiger Stadt al» der Patronat»bebörde zum Oberlehrer am Johannes-Gymnasium gewählt und von dem Herrn UnterrichtSministcr bestätigt worden. . . . t Graubenz. Am 17. November hat hier die feierliche Einweihung einer großartigen, von Herrn EaSp. Lachmann 'ganz auf eigene Kosten in» Leben gerufenen Stiftung stattgrfunden. Ern prächtige» Gebäude, au» neun Haupt- und Mehreren Nebenbauen bestehend, enthält eine Synagoge, «in Veth-Hadmrdrasch nebst Bibliothek, Wohnungen für den Rabbiner und SliftSgelehrte und ein Asyl für jüdische Greise sud Arme. Die gesammte inner« Einrichtung der Ailstalt in allen ihren Zweige« und Thellen entspricht der schöne« Außenseite de» Gebäude». Herr Lachmann hat fich damit' ein ewige» Andenken gesichert. -- Beck»» (Westfai). Kürzlich starb hier ein JSraelit, der Kaufmann S. Falk, im Alter von 108 Jahre» und einige» Monaten Er hatte sich bi» kurz vor seinem Tode der besten Gesundheit zu eisreuen. (Irr.) Wien. Der Vorstand der Gemeinde hat fich, gestützt auf da» Gesetz vom 20. Juni 1872, an den LandeSschulrath wegen Besoldung der an SlaatSmittelschulen wirkenden i»r. ReligionSlchrer au» StaatSinitteln gewendet; allein da» Ansuchen stößt, wie wir au» einem „Eingesandt" der R. F. P ersehen, auf heftige Opposition von Seiten jener Mitglieder de» LandeSschu'.rath's, welche sonst sehr „liberal thun." Wien, 30 Noobr. An den gestern vollzogenen Wahlen für den Vorstand der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde haben sich von mehr al» 4000 Wahlberechtigten nur 272 betheiligt. Die fünf bisherigen Vorstaud-mitglieder wurden ans eine vierjährige FunciionSdaner wiedergewählt, und zwar die Herren: Ignaz Kuranda mit 262, Dr. Ph. Maulhner mit 254, Wilhelm Frankl mit 251 Gustav Simon mit 248, und Dr Ignaz v. Hofmannslhai mit 247 Stimmen. Für die sechste erledigte Vorstandrstelle mit zweijähriger Fnnction»- dancr wurde Herr Max Theodor Schiff mit 240 Stimmen ne l gewählt. Odessa „Entziehe Gute» denen nicht, dir einen Anspruch darauf machen köni'eu," sagt Salomo, demnach soll man auch ei» „gute» Wörtchen" denen nicht vorenthalten, die sich daran erfreuen können. Wir thellen daher au» einem Berichte i» Hazephira mit, daß Dr. Schwabacher unlängst in einer Predigt unter anderm diejenigen scharf getadelt hat, welche dein. Borleien der Torab die Synagoge vrrlaste» oder Allotria treiben „Glaubt ihr, hat er sie gefragt, daß ihr den Ver» TS'IK 13£1B,1 **T rtOip bestätigen, also, wenn die Torah herau»gen Minen wird, euch „zerstreuen" müßt?" Rom. Zn Parlament«depntirteen für Rom sind gewählt worden: Sam. Alatri und Garibaldi. Ob gewiffe Leute sich über die Wahl de» Letztere» oder de» Juden mehr ärgern werde»? Wir glauben, der Jude ist ihnen noch mehr ein Dorn im Auge. Im ganzen sind 10 Israeliten zu Parlament-Mitgliedern erwählt worden, eine Wahl ist »och unentschieden. Mastricht, 20. November. Bei der Beerdigung eine» Israeliten fanden ärgerliche Ruhestörungen durch den sanatisirlen katholischen Pöbel statt, und nur der äußersten Zurückhaltung de» jüdischen Geistlichen und der nächsten Angehörigen de» z» Beerdigenden war e» zu danken, daß e» z» keine» Thätlichkeile» gekommen ist. Uebrigen» hat da» Gericht die Sache iit die Hand genommen, und die Ruhestörer werbe» der verdienten Strafe nicht entgehen, obwohl e» zn bedauern ist. daß die moralischen Urheber anch hier, wie bei ähnlichen Gelegenheiten, frei auSgehen. (Voff. Z) Holländische Blätter berichten weiter, daß der Justizminister Weisung gegeben habe, die Vorfälle streng zu untersuchen. Zur Evarakteristik der klerikalen Hetzereien veröffentlichen sie da» Schreiben eine» katholischen Pfarrer» in einem Dorfe bei Mastricht an den dortigen Bürgermeister. Zwei Israeliten au» Mastrichl wollten nämlich in jenem Dorfe ein« Fabrik anlegeu. Der Pastor erhebt nun bei dem Bürgermeister Einspruch gege1 die Anlage, ersten» au» diversen Gründen, zweiten» und besonder» au» Rücksicht auf da- Seelenheil der Einwohner, welche bisher die hier und allerwärt» verachteten Juden fern gehalten hätten. Eine Niederlassung von Juden müffe den von ihnen in Dienst zu nehmende» Arbeitern und dem ganzen Dorfe verderblich werden. Ein Bürgermeister, der solche Niederlaffungen dulde, verdiene abgesetzt zu werben; er, der Pastor, hoffe, Mynheer werde e» hinlertreide», andernfalls kündige er ihm di« Freundschaft aus.

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