Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 50.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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tnlaffen, daran zu erinnern, daß der alte BerfaffungSparagraph IS und deffen analoge Paragraphen der späteren Bundesverfassung, auch für unS eine lebendige Wahrheit werde. — Die pon den christlichen Lullen absolut — u n unierickiedene Stellung der Juden in den Nachbarländern, und die in den annectirten neue n Provinzen von den Inden ans ihren allen Nationalverbändrn mit hinüber gerettete Stellung zum Staat«- ganzcn lassen uns in den alten Provinzen die noch bestehen gebliebene Zurücksetzung beschämend, und je schmerzlicher empfinden — je unverdienter diese Ungleichheit wohl von jedem Rechtlichdenkeuden befunden wird. Wir wünschen diese Ungleichheit geebnet, weil wir in den Kulturabeileu aller Zeilen so wie in den Kämpfen, welche das neue Deutschland noch zu bestehen haben wird, unsere nachkoaimenven General tonen ungetdeilt und in ganzer Hingebung zum Vaterland« — nicht nur pflichtschuldig stehen sehen möchten — sonder» auch in jenem Frohgefühle, daß au» beui Bewußtsein, gleich wie auS den Folgen einer mit dem Ganzen nngetheilten Zusammengehörigkeit erwachst. Und so überantworten wir denn der hohen Weisheit unserer gesetzgeberischen Factoren getrost unser Berlaugeu, daß den preußischen Juden die Erhaltung und die weitere Ausbildung eines segeilsreichen Gemeindelebens im Dienste der Kultur-Jntereffen gesichert bleibe. Eölu, im Roveir.der 1874. Der Borstand der Kölner Synagogen-Äemeinde- Der Vorsitzende S. M. Frank. Berichte und Correspondeuzen. Deutschland. Berli», 1. December. (Or.-Lorr.) Ihr mit 10 bezeichneter hiesiger Eorrespondent (in Nr. 47) kann sich der großen Genugthuung erfreuen, daß heute in der letzten Stunde seine Mahnung, nicht blos im Sinne einer Partei zu wählen als Eingang zu einem „Aufrufe" benutzt worden ist, und yoilfc tout Zu einer Voroersammlung und Aneiferung der zahlreichen Mitglieder, welche der Miltelpartei angehörend, die Spaltung der Gemeinde, in gerechter Berücksichtigung der verschiedenen religiösen Richtungen, verhüten wollen, hat Rieuiand die Initiative ergriffen. Es unterliegt deshalb keinem Zweifel, daß die Rothen, so will ich sie »ach der Farbe ihre» Wahlaufrufs nennen, ihre Eandidaten durchbringen, da sie geschloffen operireu. Das Schicksal der Gemeinde muß sich erfüllen, wenn das Programm dieser Partei zur Ausführung kommt. Un ab lässig fortentwickeln, fortschreiten, auf dem betretenen Pfade weitergehe u, so lautet die Parole. Ob die Herren sich klar gemacht haben, wohin sie denn eigentlich schreiten wollen, was das Ziel? Oder sind es die landläufigen Phrasen, die für den guten Berliner noch immer ein Köder sind, auf welchen er unseren Steuern mit verwendet werden; wo bleibt da die Gerechtigkeit nach »er altbewährten preußischen Devise: „aaam cuique“?! (Lnm. der Denkschrift.) Wir fügen noch hinzu, daß nach dem soeben dem Reichstag« vorgelegten Etat für Elsaß-Lothringen ausgeworsen sind: für den kathot Kultus. 2,406,000 Francs. „ „ «xwfl. » . 666,854 „ „ „ '«rael.. 177,050 „ (**•) a »beißt? Sehen wir unS denn zunächst um, wa» die liberal^ Partei eigentlich geleistet, und »ebnien den BeuvaltungSdertchl zur Hand, so finden wir — wir lassen die humanitären An». stallen außer Betracht, ihre Blüthe ist daS Werk de» wöhktliäligen Sinnes einzelner Mitglieder, nicht der Berwaltstnj^ — daß für die Erweiterung des Jngendnnterricht» in der Religion auch nicht daS Geringste geschehen ist. Während di« Gemeinde sich verdreifacht hat, sind die Lehranstalten dieselben g» blieben. Ueberliefert man io die Religion dem kam-' menden Geschlecht«?! Die Gotteshäuser sind in Folge de» veredelten GoneSdiensteS gefüllt, sagt der Bericht. O ja, an den hohen Festtagen! da sind die Reichsballen und alle sonstigen Locale, wo provisorischer Gottesdienst statlfinder, auch übervoll. Wie eS an Sabbathen in der nenen Synagoge aussiehl, zeigt die Einnahme für Mizwoih im Vergleich zu dieser Einnahme in der alten Synagoge. (Und allsabbalhlich der Angenschein l Red) Man wird also weiter veredeln, noch ei» aller neueste» Gebetbuch oersaffen, die paar hebräischen Stücke auch noch auSmerzen, und was bann weiter? Einen großen Fortschritt verschweigt nnS der Bericht. Hat man auch die RcligionSschulen nicht erweitert, so hat niau doch verboten, beim Unterricht in der Bibel da» Haupt zu bedecken. Staune Mitniell und bewundere unsrre Fortschritte! Auf diesem Wege könnte man weiter sortschreiten, warum nicht auch beim Gottesdienst das Haupt entblößen? Vielleicht wurde der veredelte Gottesdienst auch noch mehr besucht, wen» er stalt de» SabbalhS am ssnniage statlfändr, da wäre nach dem Morgenkaffee uno der Lectüre der neuesten Zeitung wohl eher noch ein Stündchen dafür zu erübrigen. Da wäre» wir denn glücklich bei der Reformgenoffenschaft angclangt, dem vorläufigen Ziele der hinter den kouliffen agirenden, treibenden Kräfte. Sollen wir denn da anhaltcn? Beileibe nicht, Fortschritt ist die Loojung. Nun müffen wir den Groß- Eopyra der Reformgenoffenschafl fragen, wohin un» der Weg führt. Positive Religion ist ein Unding, sag! Bernstein.*) Wozu denn auch? Es ist ja alles Ratur-Nothwendigteil — Gott, Unsterblichkeit, Gottesdienst u. s. w. veraltet« Begriffe, Schaumblasen erhitzter Phantasie. Da der Mensch aber Etwas anbeteu und verehren muß, io wird e» die Natur sein, vor der wir uns anbetend niederwerfen. Wir wären ja dann endlich wieder da augelangt, von wo unsere Vorfahren ausgingen, als sie die Gebilde' der Natur in Ur-Ka«- bim verehrten Oder sollte ich mich irren? Hat jener Nachruf an vr. Geiger Recht, der von ihm rühmt, daß er bestrebt gewesen sei, daS weiße Blatt zwischen dem alten und neue» Testamente auszusülle»? **) Da wäre ja die Brücke fertig, und man brauchte den Sprung nicht zu machen, der doch manche» Unbequeme :at. Die Geschichte der Reformgeuoffenschafi spricht dafür. Sind doch von ihren Begründern oder doch von deren Kindern so manche zum Ehristenthume übergetreten. E» scheint also doch nicht die richtige Panacee zu sein, um da» Judemhum dem kommenden Gefchlechle lebensfähig und lebenskräftig zu überliefern, wenn man mit dem offenen Blicke auf die derzeitigen LebenSverhältnisfe alles Jüdische abstreift, jede Besonderheit verwischt, und da» Judenthum, deffen Aufgabe e» ist, da« Lebe» zu durchdringcn und zu heiligen, nur als humanistische Jn- *) Wörtlich: die bisherigen Religionsgebäude find rettungslos verloren. <Red.) **) Der Herr Eorrespondent meint den Artikel „96t. Geigte" von Berth. Auerbach in Lindau'« „Gegenwart". Der betreffend« Paffus kan» aber hier nur als „Anlehuung" gebraucht fein, denn in Wirklichtett meint Auerbach, Seiger habe die Entwickelung des Ehristenthums an» dem Judrnthum — so wett es au« diese» stammt — zu ermitteln und überhaupt dir Lücke« in der Geschichte des JudeMhums vom Abschluß de« Kanon bi» gegen da« End« der WaNabtterperiode, von Esr» bi« Hillel, für die wir ja nur äußerst wenige Rotizen besitz« und anf Smm binatto« «gewiesen find, durch solch« »uszufüle, gesucht (Ach-)