Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 49. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 49.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5369809-5935028-5935823--2425-5371909
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

hinaus, um ihr Besprechen einzulöse«. In den ersten Jahren fehlte eS an jedwedem religiösen Rathgeber, und al» in späteren Iahten Llltenthal, Wlse und andere wirtliche oder vorg:bliche Prediger herüber kamen, so fehlte eS diesen zu sehr an den. Wüten und an der Kraft, die eingeriffenen Uebelstände ausznheben. Run existirte hier ivohl eine portugiefi che Gumemd«, und der Redakteur niacht eS den Eingewanderten zum Borwurfe, daß sie sich nicht dieser angeschlossen. Dieser Borwurf ist geradezu lächerlich. Wer jüdische Geschichten austnerksam gelesen Hai, weiß von der freundlichen Ausnahme zu erzählen, welche unsere denljche Brüder vor wenigen Jahrhunderte» in Amsterdam erfuhren, alS auch sie sich der Freiheit in Holland eifreuen wollten, »nd von der Behandlung der Juden aus Elsaß durch die ursprünglichen franjösischen Juden spanlicher Abkunft. Dieses wiederholte sich auch in Rewyork. Die erste» Ankömmlinge von Deutschland und Polen wur&vu auf bas Brüderlichste empfangen; al» aber der ©tioni stärker zu fließen begann, auch manches unwürdige Subjekt hier .»lkam, jo wurde» die Ankömmlinge mit scheelen Augen angejeheii, und der Grundsatz help yourself in Kraft gesetzt. Zudem waren die Eingewanderle» nicht nach Amerlka gekommen, um von ihren Glaubensgenossen Unterstützung zu benel» — denn nur Bettler wurden unterstützt — sondern kämpften aus eigene Faust. Ani wenigste» koniiten sie — Hansirer mit» gewöhnliche Handwerker und Arbeiter — erwarte», von den englisch sprecheiiden, aristokratischen Baiiklers und großen Kausleuten als ihres Gleichen auch ln religiöser Beziehung behandelt zu werben, und wenn sie ihre Syiiagoge besuchten, so erhielten sie — wenn übel Haupt eingetassiu — Erlanbmß, den nächsten Sitz zur Thure iWzusullen,. denn nur ein kleiner Raum war für Fre ude reierorrl Um ihren religiösen Bedürfnissen zu genügen, haben dlese Hansirer und Handwerker Gemeinden gegründet. Nichts war naturgemäßer, als daß sie den gewohnten Rtlu» von der Heluiaih zum ihrigen machten. Sie kamei. damals — und kommen >eibst heule, wo diese Hausirer gro?e Kauftet«« geworden und die Handwerker bedeutende Fabriken besitzen — sehr wenig mir ihren portugiesischen Brüdern »i Berührung, und doch meint der Redakteur, sollten sie ihren Anus auuehme,,. Außerdem dürfen wir stolz sag.'», daß trotz allen gerechte» und ungerechten Vorwürfen, das deutsche Judenlhnm m Amerika mehr >ür den religiöse» Unlerrlchl und für eine geachtelere Stellung deS Zuxnlhums gethein hat, als je vcn unseren englisch redenden Bruderit hier gelha» wurde. Nr erst seit erirrgen Mouateu besitzt die porlugresiiche Gemeinde einen Prediger, wahrend durch viele Jahre der Gottesdienst aus einfachem R-ktltren der Gebet« bestand, und die Hälfte der Zeit im Gotteshauje um luonoiouen MifchederachS tut die ganze lebende und verstorben» Sippschaft der Mitglieder in Lnipruch genommen wurde. Die Berjchtedenhelle» der portugiesischen und deutschen Aussprache des Hebräischen taste» sich grammatikalisch aus sehr wenlge Regeln zurücksuhreu, in der Praxis aber er,che>ne» sie jo bedeutend, daß sie dem ung üdle» Ohre wie zwei vetjchtebene Sprachen lauten. Der Borwurf, daß nicht ein Jsraeltl unter hundert hebräisch lese» kann, ist bei weitem Übetlriebe». W»nn während der erste» Jahre »er starken E.nwanderung von Europa Familienväter weniger für de» Unterricht ihrer Kinder thuir konnten, als sie wünschtea u»,o sollte», so ist duies mit der Zeit verbeffert worden. Es werben gegenwärtlg die Knaben und Mädchen in allen Reiigtonsjchulen im Hebräischen unterrichtet, und wenn der Uulerrichi noch vlailche» zu wünschen läßt, jo sind die Zustände doch nicht so traurig, als es nach dem Artikel des „Leader" ertchiene» würde. Und auch hier geschieht mehr durch die Deutsche» und Polen, als von ber jo >ehr gepriesenen allen Genieind«. — Kur die strengere Beobachtung deS Sabdalhs wurden mehrmals Schritte gethan, und man hostle auch zu reüjsireu, aber bald erschlaffte der Eifer und zwar waren es die Miigtieder der sogenannten orthodoxen Gemeinden, «eich« alS das größte Hlnverniß zur allgemeinen Durchführung dieser Beobachtung erschienen. Da jedoch mein Brief bedenlend länger wurde a!S ich beabsichtigte, so muß ich schließen, um vielleicht später die hiesigen Zustände bester zn beleuchten.; Vermischte liuD neueste Nachrichten. Berlin, im November. Seit einigen Tagen weilt hier unser Glanvensgeitoffe Dr. jur. Albert bei Bechio ags alt >' berühmter Familie gleichen Namens, uni an der Universität die Geschichte der Rechtswiffenschast zu studire». Der junge Gelebrte hat sich bereits in seinem Baterlande durch seine literarischen Leistnngen auf dein Gebiet de- Ins einen klangvollen Namen erworben und die Anfmerksamkeit des jetzigen Minister» für den öffentlichen Unterricht, des ProfefforS Bonghi, auf sich gelenkt. Durch eine Suboentio» aus Staatsmitteln ist Dr. del Bechio in den Stand gesetzt, unsere berühmten Rechtslehrer zn hören, um später die gewonnenen Resultat« seiner Stndien für sein Vaterland nutzbar zn machen. (I. Pr.) Oldrobnrg, 18. November. Landrabbiner Bernhard 2 Wechsler ist heute im 67. Lebensjahre »ach 37jährigör 7, Amtsfühinng hier verstorben. öähjlg Die Dame» Bertha g,u> Franz Oppenheinirr '7 haben die ca. 8000 Bände zählende Bibliothek deS oerstorbeneu Proi Julius Fürst angekausl und sie der Hochschule für die Wisteiischast des Judenthums geichenkt. damit sie dort -- dem Andenken deS verstorbene» Herrn Hermann Oppenhei- 1 mer, Sohnes und Gatten der Slisterinnen, gewidmet bleiben. 8«n der Röhn wird der „Fultmer Zeitung" erzählt, das Landrathsanit zu Gersfeld Hab« dem israelische» KnltuS-Bor- -ß. stände z» © auf beste» wiederholte Anfrage eröffnet, daß daS? Judcngeld, welches jede jüdische Fauiili« zu S. im jährliche«, Betrage von 1 fl. an den dortigen Pfarrer bisher zu zahlen hatte, von besten Entrichtung aber die dortigen Israeliten nunmehr entbunden zu sein glaubte», inhaltlich einer Ent- ’ schließung der königlichen Regierung zu Cassel nach wie vor - zu entrichten sei. Sollte diese Mittheilnng wirklich begründet sein? Es ist doch kaum glaublich. Gnhra« (Schlesien) Um da» öffentlich als vacant autgeschriebene Rektorat an der hies evang. Elementarschule hat sich nur eiu einziger den Forderungen entsprechender B«.o«r- -,4\ ber gemeldet, der aber von> Magistrat abschlägig beschieden wulde, weil er — Israelit ist. \ Gießen Außer dem ordentlichen Pros. Dr. Perlt liest an der dies. Universität »och ein Israelit, der außerordentliche Prof. Dr. Pasch; jener Pathologie, dieser Mathematik. Ealmar. Der Gemeinderalh hat, nachdem die kothollschen Schulbrüder vom Schauplatz ihrer langjährigen Thätigkeil verschwunden, die Gründung consession-loser Schule» beschloffen. OlAÜY, 23. November Der Raubmörder L. Freud, wurde von den Geschworenen heute znin Tode mit dem Strang vernrtheilt. Der Polizist, der ihn wenige Stunde« nach der Thal verhaftet hatte, ist ebenfalls eia Jude. St. Gallen, 27. November. Der große Rath genehmigte bei der VerfaffnngSrestision den Antrag betreffend di« Maßnahmen zur Sicherung ber Glaubens- und Gewissensfreiheit. Rußland In dem Voranschläge der Ausgaben des Ministeriums der inneren Angelegenheiten für das Jahr 1875 figurirt u. A. eine Summe von 1,892,066 Rubel, welch« auf die Erhaltung der verschiedenen Geistlichkeiten und geistliche« Behörden nicht-russischer Confessio» berechnet ist. Die jlldis" Bevölkerung ist in dem Budget gar nicht berücksichtigt, oW 1,829,000 Inden in Rußland leben. (Bost. Zeit.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.