Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 48.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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396 — lich Me MisfionSanstaUm! (Unsrerseits können wir betheuer», daß in diesem Jahre nicht »e»1cher russische jüdisch« Jünglinge hier durchpasfirt find, als früher, und da der grüßte Theil der russischen Schnorrer Stettinpassirt, sokönnen wir darüber urt heilen. Die Versammlung der All. JSr. Unio., welche im April d. I. in Berlin abgehalten wurde, hat vor allen Dingen erklärt, daß an irgend welche Förderung der SnSwanderung aus Rußland jetzt nicht mehr gedacht werden könne und dürfe, es würde jetzt, nach Erlaß des Militärgesetzes, einBerbrechen sein! Aber die Alliance ist dem „Golos" ein Dorn im Auge und natürlich nicht dem Blatte allein. Män erinnere sich der wüthenden Ausfälle bei Gelegenheit der Generalversammlung in Berlin im Oktober 1869, und damals galt es doch offenbar und vor aller Welt, lediglich den Folgen einer entsetzlichen HungerSnoth zu steuern. Das ist die ungeheure Schwierigkeit, die jtbem Versuche eines Wirkens der All. JSr. Univ. oder durch sie, im Innern Rußlands entgegenstehl: das haben wir, die im April in Berlin versammelt gewesenen, uns gesagt und uns sagen laffen: das Mißtrauen der usfischen Regierung oder doch eines Theiles der russ. Presse lähmt uns. Wenn wir im besten Falle einigm wenigen Helsen, io können wir dadurch tausende unglücklich machen! — Dies zugleich die Antwort auf das armselige, altweiderkluge Geschwätz des Red. Klingenstein, den in seiner Eitelkeit zu verletzen das C.-Com. der All. Jsr. Univ. einvtal das Unglück gehabt hat, und der uns Andere sicherlich mit seiner Weisheit hocherleuchtet hätte, so man ihn zu der C-mferenz berufen haben würde. Näheres bei anderer Gelegenheit, direkte Entgegnung verdienen seine Artikel nicht. Red.) vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Unter de» Astronomen, welche zur Beobachtung des Durchgänge» der BenuS gesandt wurde», hat auch da» Judenlhuni eine» Vertreter in der Person deS vr Löwe. (I. Pr.) Colmar. Auf Einladung de» J«r. Eonsistoriuni» de» Ober-Elsaß findet hier am 8. November eine Versammlung von Rabbinern unv Vorstehern statt, um über Gründung einer Rabbiner-Seminar» für Elsaß-Lothringen in Berathung zu treten (Warum nicht in dem uralten Sitze Metz?) Die Sacke ist höchst wichtig. Dar Pariser Seniinar kann den elsässer Gemeinden keine Rabbiner mehr liefern, in Folge der Option sind viele Rabbiner ausgewanbert, andere sind gestorben, mehrere Stellen sind unbesetzt oder vorläufig Nachbarorten asfiliirt, c» droht ein unheilvolle» Berlassensei». — So schreibt „Uuio. J»r." - Wir sehen die Sache uicht so an, und wenu die Animosität geschwunden sein wird, jo werden, je nachdem, franzönsche oder deutsch^ Rabbiner in Elsaß suugiren können Doch streiteu wir darüber nicht. „Die deutsche Regierung, welche sich schon oft den Israelilen im Elsaß wohlwollend gezeigj hat, wird ohne Zweifel da» Projekt mit chren Mittel» unterstützen", setzt U I hinzu. — DaS wäre natürlich höchst erfrenlich) Hamburg. Unter den jüngst publikirten Testamenten enthält nur das des verstorbenen vr med R. M Eohcn Znwendungen zu wohllhätige» Zwecken und an i»ilde Stiftungen. Der Testnror har hierfür 15,400 Rm. ausgesetzt und deren Bertheilung in daS Ermessen seiner TestamentS- «xecutoren, der Herren Dr. H. M. Cohen und Moritz Nordheim (Sohn und Schwiegersohn), gestellt, welche 37 hiesige Vereine, Schulen und Stiftungen bedacht haben. Außerden» hat der Verstorben?, welcher seine beiden Kinder, den schon «rwähnlen vr. H M. Cohen und seiner Tochter, Frau Caroline Nordheim. geb. Cohen, zu Universalerben ernannt hat, in seinem Testavienl 12 z» seinen, Nachlaß gehörige Grundstücke näher bezeichnet, welch« »ach dem Ableben der Erben, die nur den Nießbrauch baren haben, z» einer ve. H. M. Cohen-EtifNinz verwendet werden lollen; als Hauptzweck dieser Stiftung ist von dem Testator die Gewährung von Mielhe-Uuterstützungen an würdige HülfSbedürftige angrgebfst. Wie» Der Vorstand der „Israelitischen Allianz" zu Wien hat dem LandeSrabbiner in Mecklenburg-Strelitz, vr. I. Hamburger, zur Herausgabe der weiteren Heile seiner „Real Entyklopädie für Bibel und Talniud", von der bisher Abtheilung I »nd von Adtheilung II da» erste Heft erschienen find, eine Subvention von 300 Thalcrn bewilligt Dadurch ist beg,rindete Hoffnung dafür vorhanden, daß der Abdruck diese» Werke» zwanzigjährigen Fleißes nunnlehr. trotz der Unbeledtheit des Büchermarktes, rasch seiner Vollendung entgegengehen wird. Die bereit» erschienene erste Abtheilung, sowie der zweiten Abthellung erste» Heft sind in Wien bei Brüder Winter oorrälhig. — Sonntag, den 29. 'November, finden hier die Ergänzungswahlen in den Gemeindevorstand statt, Die Reih« de» Austritts trifft in diesem Jahre die Herren: Wilhelm Frankl, vr. Ignaz Edlen v. Hofmannsthal, vr. Ignaz Kuranda, vr. Philipp Mauthner und Gustav Simon. Außerdem ist für den aus dem Vorstande getretenen Herr» Sigmund Hirschler für die Amtsdauer von zwei Jahren eine Neuwahl zu treffen. Es find demnächst fünf Vorsteher für eüie vierjährige und ein Vorsteher für eine zweijährige Amtsdauer zu wählen. Lemberg Nachdem unlängst ein jüdischer Student oder Realschüler sich aus Noih das Leben genommen hatte, hat die hiej. „Jüh, Pr ".qlsbälh Hst Idee aiMregt, eine» Verein zur Unterstützung jüd. Sludirender zu gründen. Es hat bereit» eine gut besuchte Versammlung zu diesem Zwecke stattgcsunden, und ein Coniite zur Statulrnberathnng ist erwählt worden» Fiiustirchen (Ungarn). Unser neuer Oberrabbiner vr. Alex. Kohur (früher in Stuhl« rißenburg) findet nicht nur bei der iSr. Gemeinde Anerkennung. Ein hiesiger Christ hat vorläufig auf die Dauer von 6 Jahrcn, als Beisteuer zum Rabbtnergehalte die jährliche Quote von 50 fi ö. W. und überdies auch schon 100 fl. ö. W. gespendet. (Ung J»r.) London Nachdem, wie gemeldet, Sir Mose» sein Amt als Präses des Board of DepulieS niedergelegt hat, ist fein Neffe, Joj. M. Montefiore, zu seinem 'Nachfolger und Arthur Cöhen Q. C. (königl. Rath, hekaimt dadurch, daß er als Mitglied des Genfer Schiedsgerichts in der Alabamafrage fungirt hat) zum Vizepräsidenten erwählt worden. Bremgarten, 1. November. An» der freien Schweiz Hab« ich heute einen Act der Intoleranz zu melden, der wohl kau« seinesgleichen hat. Gestern ging der Rector der hiesigen vezirksschulen in alle Schulen und gebot den Lehrern und Lehrerinnen auf» Strengste, die iSr. Schüler und Schülerinnen zum Schreien am Sabbath zu zwingen!! In der höheren Töchterschule ga.> e« darauf eine rührende Scene. Als die Lehrerin den Mädchen diese« neuste» Uka» miltheüte, fingen die jungen J-raelitinnen an bitterlich zu weinen. „Nur das nicht!" riesen sie einstimmig, Lieber sterben!" Und ihre weichherzigen Mitschülerinnen weinten Mit ihnen; auch die Lehrerin war gerührt und stand für diese» Sabbath von ihrem Verlangen ab. Aehnlich ging es beiden Knaben. Wie wird es aber nächsten Sabbath werden? Hoffe» wir, daß von Seiten der Eltern energische Schritte geschehen, um diesen unerhörten Eingriff in die Gewissensfreiheit zu htntertreiben. (J»r.) Feuilleton. Gsterka dkegiua. (Fortsetzung.) Der Zufall hatte un» zusammengeführt. E» war an einem trüben Decembernachmittage; die Rebtl lagen auf dm Straßen, dann begann ein seiner, dichter Regen herabzuriesel» und trieb mich in ein großes, qualm- und menschengefÜllte» Börstadtcasä. Stur noch im Billardzimmer fand ich ein frei«