Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 48.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 395 — fl. Der Werth de» Grundbesitze», Hau« und Garten, beträgt 16,800 fl., Kapitalvermögen 84,312 fl., Zuwachs gegen vorige» Jahr 3662 fl. Sliflungen zum Grundstück sind angefalle» 3410 fl Freiwillige Spenden sind gegen 4000 fl. in diesem Rechnungsjahre gereicht worden. Das Spendenverzeichnife für die laufenden Ausgabe» eröffnet Se. Majestät König Karl mit IVO fl Der Bericht liefert wieder den Beweis, was die rettende Menschenliebe leistet, wenn sie die rechte Anregung findet, die bei dieser Anstalt von ihrem Borstande Dr. Adolph Levi i» Stuttgart auSgeht. Frankreich. Pari». Der Selbstmord de» Bankiers Avigdor in Nizza giebt sowohl dem „Univ. Jsr." wie dem „Arch. Jsr." Anlaß zu herben Klagen über eine Zeit, in der derartige Borkommniffe immer häufiger werden und zwar auch unter den Israeliten, (in Paris, London und anderwärts, wie A. I. bemerbemerken), deren Borfahren schwerere und wahrlich weder imaginäre noch selbstverschuldete Leiden standhaft getragen haben, und unter denen Selbstmord ein fast Unerhörtes gewesen. — Der Vater des Unglücklichen war ein hervorragendes Mitglied de» napoleonifchen Sanhedrin. — Das „Bulletin Fran^ais" erzählt: Die R„e der Billeties, welche demnächst niedergelegt werden soll, dalirt von 1299. In alten Urkunden heißt sie Uue du I)ieuLo»iIIi «.des gekochten Herrgotts). Sie hatte diesen Flamen zum Andenken an die von dein Jude» Jonathas begangene Heiligthumsschändung, da derselbe eine geweihete Hostie in einen Keffel mit kochendein Waffer geworfen hatte. — In dem betreffenden Quartier wohnen fest den Tagen Philipp August'» (d. h. wieder wie damals; sollte das B. F. nicht wiffen, daß es über 400 Jahre lang in Paris keine Juden gegeben hat?) die jüdischen Trödler. Dort wohnen auch die Matzebäcker, deren Oesen das Jahr hindurch zu Warmhaltung der Sabbathkost dienen. Das Alles wird jetzt anders werden." Arch. JSr. cilirten mehrere Schristen, in denen erwiesen ist, daß die Legende von dem gekochten Herrgott ebenso erfundim ist, wie hundert, ja tausend andere. Großbritannien. Lsudou, 2 Nov. In der hentigeii Versammlung der Anglo Jeioish-Affoc. wurde über eine Audienz berichtet, welche eine Deputation der Gesellschaft »m 19. v. Mt» bei dem persischen Gesandten, dem von der Schah-Reise her bekannte» Malkom Khan, gehabt hat. Als Sprecher fungirte Herr A. Levh (der inzwischen ständiger Secretär geworben ist). Den Gegenstand der Audienz bildete zunächst die Angelegenheit eine» unglücklichen, auSgeplünderten persischen Juden, Hanucka, der in England Hülfe sucht. Malkom Khan gab sowohl in Betreff dieses Mannes, wie über die persischen Juden überhaupt, die nichts bedenteude» wohlfeilen Zusicherungen und wunderschönen RedeuSarten, über die zu berichten nicht der Mühe verlohnt, aber im Laufe der Unterhaltung regte Malkoni Khan selbst den Gedanke» an, daß eS gut fein möchte, wenn für die Jude» ein sozusagen offizieller Anwalt ernannt würde, der bei Beschwerden Einzelner wie der Gesammlheil da« Recht hätte, die Juden eben so zil vertreten, wie dies in Bezug auf die Ehriften in Persien der Fall sei Malkom versprach, sich für diese Sache besonders verwenden zu wollen. (So viel entnehmen wir auS de» sehr kurzen Berichte» der rnglischeu Blätter, der nächste Bericht der A. I. Aff. «ad Rov. Ber. der A. I U werden Ausführlicheres und Klares bringen.) Nnßland. PtterShnrg. In mehrere» hebr. Zeitschriften veröffentlicht Herr Jos Ginzburg ei» Sendschreiben an die Juden Rußland» und speciell an die Rabbirrer und Vorsteher, worin er mit warmen Worten Mahnungen in Betreff der Erfüllung der Militärpflicht erläßt. Er erinnert an einen ähnlichen im vor. I. erlaffeven Aufruf; er habe damals die Hoffnung ausgesprochen, daß der Kaiser in dem ueuen Militärgesetzkeinen Unterschied zwischen Inden und Richtjud« n machen werde. So sei e» denn in dem Gesetze vom 1. Jan. d. I. geschehe». Aber, mis er befürchtet bade, treffe leider ein: mailche jüdische junge Leute suche» sich d.rch Ränke der Dienstpflicht zu cnlziehen. Dies füge der Gejaulmtheir der Juden unermeßlichen Rachtheil zu. „Mögen die Betreffend«!» oder ihr« Eltern nicht glauben, daß sie dir Behörde hintergehen können, sie werden sich ins Verderben stürzen und Unschuldige in Mitleidenschaft ziehen. Schon denkt man dara r, die Aushebung in Betreff der Juden ganz in das Ermeffin der Lokalbehörde zu stellen! Wie schrecklich wäre e», wer» um Einzelner willen, welche nur ibre» persönlichen Eigennitz im Auge haben, ein« so verhängnißvolle Maßregel ergriffen würde! Ihr sehet aber die Militärpflicht für weit schwierig, r an, als sie eS in Wirklichkeit ist Jeder, der nur russisch lesen und schreiben kann, wird etwa 3 Jahre und 8—9 Monate dienen. Wer am 1. Januar eingestellt «oird, wird in vierten Jahre nach der Herbstübnug enllaffeu, ist dann frei und hat jede» Recht de» Inländers, der seine Militärpflicht erfüllt hat. Wendet daS Geld, welche» ihr auf nichiSwürdige und nichtSnützende Kabale», um dem Dienste zu entgehen, oecwendek, lieber dazu an, eure Söhne die Landessprache lern«» zu lasse». WaS frommen Trug und List? Euch nichts, und über alle eure Glaubensgenossen bringt ihr Bü>eS. Uns:« Gegner werden gegen uns sch'vere Anklage erhebe», u»d niemand kau» ihnen entgegentrele». „Ihr aber, Rabbiner, Vorsteher, alle ailgesrhenen Männer, habt die Pflicht, jedem Versuche de» Einzelnen durch Bestechung u. bergt, sich ,n befreien, energisch entgegen za treten Ihr seid vor Gott «nb vor der Regiernng dafür verantwortlich! Last Nichtswürdigkeit nicht in eurer Mitte aufkommen! Wen» jemand versucht, die Listen zu fälschen n. dergl., so zeigt ihn drr Obrigkeit an, laßt ihn seine Schuld büßen, er hat eS an sich selbst verdient, aber laßt nicht Schuldlose für ihn und irit ihm büßen. Da wäre Mitleid nicht am Platze, solche» Erbarmen wäre Grausamkeit, wie unsre Weisen sagen: wer wir Grausame» Mitleid hat, wird zuletzt grausain gegen Bari.iherzige! Herr Ginsburg schließt mit der Erinnerung, daß er r» alS bekannt vorauSsetze, wie er sein ganzes Leben hindurch für da» Wohl seiner Glaubensgenossen zu wirken gesucht habe; so möge man jetzt aus ihn höre». — (Wie unendlich wichtig und zeitgeniäß der Ausruf de» Herrn GinSdurg ist, zeigt nachfolgender Bericht de» I. World:) Petersburg. Der „Golos" (bekanntlich ein bedeutendes und der Regierung nahestehendes Blati) spricht sehr zornig über die Juden, welche in großer Zahl daS Land verlaffen, um sich der Militärpflicht zu entziehen. Er schreibt dies der nationalen Feigheit, dem Einfluß des Talmud und der gutrn Ausnahme und Unterstützung zu, welche die Flüchtlinge in andern Ländern finden. Er citirt einen (angebliihen) Bericht «nneS englisch-jüdischen Blattes über eine Versammlung de» Board of Guardian», worin von 1000 foliher Flüchtlinge, welche Rußland seit Erlaß des neuen MilitärgejetzeS verlaffen hätten, die Rede fei, und daß der Board beschlossen halt«, diese Flüchtlinge nicht nach Rußland zurücktehren zu lass,«, sondern ihnen Hülfe urd Beistand zu gewä.ren. ES sei die» aber kein Wunder, setzt der Golos höhnisch hinzu, denn der größte Theil der Londoner Juden bestehe ebenfalls aus ruifischen und deutschen Ausreißern. Aber auch der Berliner Zwegverein der All. Jsr. Univ. habe «inen ähnlichen Beschluß gefaßt. — Was „I. W." aus diesen Artikel entgegnet, können wir übergehen Wir fügen solgende Bemerkung hinzu: Der B. of Guardians (nicht zu verwechseln mit B. of Deputies, es ist der Verein der DTOJ, wie wirs kurz erlärtern wollen)!»at mehrfach bitter über die Einwanderung polnischer Juden geklagt; verhungern läßt er sie freilich nicht. Diejenigen ater, welche sie mit offenen Armen aufnahmen, das find bekannt-