Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 48. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 48.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5369809-5935028-5935822--2414-5371899
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

auch nichts wird man nur einwenden. Und darauf muß ich antwort« n. Habt doch die Maurerei ebenso ivie da- Judeathum di, Proselytenmacherei. Ich sehe in dem bekannten ModuS, wi. Jnven in Prenbe» Maurer würbe» ober gar noch werde,, eine Charakterschwäche Eine Gesellschaft will mich nicht S e b.schinipst meine ganze Ratio», Religio» oder doch Verwandte». Da gehe ich inS Ausland und dränge mich nun Vieser Gesellschaft auf, weil die Statuten die Solidarität der Maurer gewäbrleisten. Das ist so eine Nationalschwäche de' deutsch n Jnven, die zu Anfang dieses Jahrhunderts unter den Friedländcrs und Herz' so viel Unglück angerichtel hat Wie stolz fühlt sich dagegen der ans ändii'che Jude! Als im Jahre 1848 eine hochgestellt, Persönlichkeit *) ans Deutschland fliehen ninbte und bei de», Großmeister der schottischen Logen in London maurerische» Beistand suchte, so erklärte die er — es war zufällig Sir Moses Moiuefiore — die preußis he Hochwürden (so ist ihr manrischeS Titel) für irregulär, d b für unmaurerijch, weil diese Persönlichkeit an der Au-sichließnug der Jude» von den preußischen Logen mit Schuld trage» sollte. Wie würde sich ein denlscher Jnve den Hals rerrenkt haben vor lauter Katzenbuckeln. Ich halte er für Pfl cht jedes jüdische» Maurers, keinen preußische» Tempel zu betrete», so lauge die preubische» Multerlogeu die Ausübung der „christlichen Tugend" zu ihrem Zwecke hat. Daß es eine christliche Tugend »ud por consequant auch ein christliches Laster giebt, dürfte den Lesern, die nicht zufällig wi, Ihr Correspondeut in Rr. 46 in preußische Loge» gekrochen sind, unbekannt sein. Dixi et salvavi aniuiam meam Benthe» (O/Sckl), Borsigwerk, 7. Nov Der hies „Reichssrel.nd" bringt folgende», hierorts gerechtes Aufsehen machenden Artikel, der weitere Verbreitung veriient „Eie Hal en getanzt und gejubelt und wie die Trabanten um das c ufgehende Gestirn sich gestellt, dem auch wir eine nur ewig zeikere und glückliche Bah» wünschen, wie für dieselbe es geschaffen ist und wie solche es verdient. Nein fremder Hauch sollte den reine», christlich-germanischen Aether bewege», höchstens scheint dieS, der Schreibart eines Unt.rnchmers des Balloergnügens nach zu folgern, christlich p r l n i sch e » und außerdem mit dem Tanfwaffer gereinigten semitischen Elcnienten gestartet gewesen zu sein. Nannte wirklich der dem Comite »»gehörige Herr Sanitätsrath keinen jüdischen Arzt, der Bürgermeister der Stadt Bruthen, der Brod und Än,i auch Juden verdankt, keinen jüdischen Deutschen unter seinen Bürgern, der Herr Staatsanwalt ke neu jüdischen Richter unter dem Richtercollegium, und andere keinen Industriellen auffinden, der dieser exclusiven Gesellschaft nicht zur Unehre gereicht hätte? Darum handelt cs sich nicht, daß irgend Wem ein besonderes Vergnügen entgangen, sondern einfach zu constaliren, daß bei den gemischten Reffourcen es nicht um die Person, sondern das Geld jüdischer Mitbürger zu thn» ist, daß es so kommen muß, wenn «ne Beuthener Reffource, die zunieist au» Juden besieht, die unterwürfige Gesinnung so weit treibt, den Herrn Bürgermeister und Andere zu Ehrenniitgliedern zu ernennen. Es handelt sich uns uin ein Princip hierbei Wollen die staalssreundlichen Eleuiente dieser Gegend sich mit dieser Zwinger-Schmach bedecke», gut, wir iverden nach wie vor glühende Nohlen auf chr Haupt sanimeln — einzig au» Patriotismus, aber di« Personen sollen sich klar machen, daß sie in ge ellschastlichem Bezüge den Fehdehandschuh hingcworfen haben. Sie sollen mit ihren streichelnden Redensarten nicht uns ködern; wir wiffen, was wir davon zu halten haben, und wie wahr bleibt ein vor fast hundert Jahren <1779) von der Bühne gepredigte» Wort LessingS, des Mannes, den Umgang mit Juden wahrhaftig nicht gehindert hat, •) Di« :ch mir Mifagcn muß in einem preußischen Blatt« zu nennen. das Muster für Styl- und Ehnrakterreinheit, der Stolz Deuischland» zu sein: „ES sind nicht alle frei, die ihrer Nrtien spotten." — Herr Rabbiner l)r. Rosrnthal hat jüngst in einem hiesigen Verein einen mit großen« B.'sall aufgenommenrn Vortrag über Lessing'S „Raihan" gehalten Ja, e» thut Roth, daß man dem hiesigen Publikum derartige Vorlesungen hält, um ibm einige „Lessing'sche Ideen" beiznbringen. — Der neu engagirle Herr Cantor Birnbaum (aus Magdeburg) hat am I. November die hiesige Stellung angetreleu und erfüllt die in seine seltene Begabung gesetzten Erivartuugen vollständig. Unter seiner Leitung ist die Bildung eines SyilagogenchorS bereits zu Staude gekommen. L. — Noschmin (Posen). 17. Noo. (Or.-Corr.) Mehr als zivei Mouaie sind verflossen, seitdem der hiesige Distriktscommiff.rrius sich »utersangen hit, mit Revolver und Degen eine», Letchenzuge enlgegenzulreleu, weil der Geineindevorstand die Beerdigungserlaitbuiß bei der städtische» OrlSpolizeibehörde (nach alter Praxis) und nicht bei ilim, in dffen Bezirkt der jüd Frikdliof liegt, eingeholi Hai. Nach immer sind «vir von d.r «gl. Regierung, der schon danialsdie Frage zur Enlscheiduug vorlag. und welcher sofort das Porkommniß.»«gezeigt worden «st. nnbefchieden Die Ngl. Staatsauwalticyaft dagegen hat gegen den Vorstand der D'iMK "'N. den Rabbiner und vier Eeulcindcmitglieder die Voruntersuchung wegen Auflehnung gegen einen Beamte» eingeleitet. Wir hoffe», daß das Ergebniß dieser Untersuchung die Einleitung der Anklage gegen den Beamte«« «vegen Ueberschreilung seiner Amtsgewalt und brutaler Störung eines religiös geiveihelen Aktes sei» wird. Sollte in den untern Instanzen die Sache anders ausgefaßt iverden, so ist die hiesige Gemeinde cntschloffeu, den Jnftanzenzug vollständig zu versolgen. Denn die Angelegenheit betrifft nicht un» allein Gewöhnlich nämlich liegen die Friedhöfe auf ländlichem Territorium. Es «vürde also jedenfalls eine Doppel Meldung, an Orten, wo kein Distli tscommiffariu» wohnt, oft bei einer fast zwei Meilen entfernten Amtsftellr eifordcrlich sein — wenn der hiesige Commiffarius im Rechte «väre! Das kan» aber nicht im Sinne des Gesetzes fei«». Ueber das Auftreten des hiesigen Beanite» hat vorläufig die öffentliche Meinung in der Preffe ihr verurtheileudcS Verdikt abgegeben. Gerl, 14. Roo. Der „Wests. Zeit." schreibt man: „In unsern« fromnien Wallfahrtsorte, wo seit Jahrhunderten durch die Gnade der d. Jungfrau so viele Wunder geschehen sind, wohin auch in diesem Jahre viele Tausende von Gläubige» von Rah und Fern gewallfahrtet, haben einige Fanatiker mit der vor einiger Zeit erfolgten Demolirung von neun Grabdenkmälern auf dem hiesigen Judenkirchhofe ihren Muth »och nicht gekühlt; nämlich vor mehreren Tagen «vurde auf dem eiugefriedigteu Judenkirchhose ein zienilich große» krepirteS Schwein gefunden, welche» Nacht» vorher dorthin gebracht worden war. Es befremdet «in», daß die vom hiesigen Synagogenvorstande sofort auSgesetzte Belohnung von 100 Thlrn für die Entdeckung der Urheber dieser Schändlichkeilen erst längere Zeit nachher durch den Bürgermeister publizirl worden ist, und daß es der Polizeibehörde noch nicht gelingen wollte, eine Spur der Thäter zu entdecken, obgleich diese«, nach vielseitigem Dafürhalten, nicht allzuschwierig sein dürste, und es «n einer so kleinen Stadl wie Werl sicherlich konstatirt werden könnte, wem ein Schwein krepirt ist." Gflme»brrg. Der Bericht über da» israelitische Waisenhaus Wilhelmspflege in Eßlingen pro 1873/74 ist erschienen und liefert erfreuliche Resultate. Die Anstalt verpflegt gegenivärlig 22 Waisenkinder, reicht 4 israelitische» Taubstumuienzöglingen, die die Taubstu,«»uienanstalt besuchen, Noft, Wohnung und Verpflegung gegen geringe Vergütung, ebenso den israelitischen Zöglingen der Schulpräparandenanftalt und des Lehrerseminars Nost gegen geringe Entschädigung. Laufende, auf die Anstalt verivendete Ausgaben waren e«: 9676

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.