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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 48. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 48.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 393 — Uffra. Ueberflüssig ist die«, «eil di« vorgeschriebe«, rituelle Formel, die man doch sicherlich nicht ausgeben darf, und di« auch den Willen und di« Lebereinsttmaiung von Bräutigam und Braut laut uud deutlich genug docuiuenlirt, bie Formel: 121 7« ’IH vollkommen genügt, uud ein „Ja" hö bst«»» a!« «ine Wiederholung de» berel» Au«gesprochene» und Angenommenen erscheint; und ungehörig, weil hierdurch da- Brautpaar veranlaßt wirv, e« mag sich da« „Ja" auf die religiöse oder allgemein uienschlichc Pflichterfüllung beziehen, Etwa« zu verspreche», wa« später unerfüllt bleiben kann. Danach ist e« an d-r Zeit, diese« Ungehörige und Ueberflüssige, wo auch immer r« in Anwendung kommen soll, zu unterlassen, selbst auf die Befahr hin, von den anwesenden Betheiligten oder Unbetheiligten gefragt zu werden: warum wurde nicht da« „Jawort" verlangt? Jeder, der da« Gesetz von, 9. März kennt, weiß, daß der § 35 sagt, „daß die Verlobten. persönlich vor dem Stanoe-beamten ihren Willen zu erklären haben, die Ehe mit einander eingehen zu wollen." — Da« wäre bei genauerer Durchsicht de« neuen Gesetze« vielleicht die einzige Veränderung, die bei unsern religiösen TrauungS» feterlichkeiten zu treffen wäre, und zwar natürlich auch nur da, wo man an jener überflüssigen Form fest i,Llt. Lauenburg i/P. vr. Land«brrg, Rabb. An in. de» Red. Ich gehöre zu Denjenigen, die da« tm vorstehenden al« überflüssig und ungehörig bezeichnete „Ja" durch die entsprechenden Fragen zu fordern pflegen. Fordern? cum grano salis; ich bin noch nie in die Lage gekommen, e« zu fordern, e« hat Niemand Anstand genommen, auf meine Fragen mit Ja zu antworten. Ist e« überflüssig? Nun, e« ist weder mir, noch irgend einem Rabbiner je in den Sinn gekommen, e» für einen integrirenden, wesentlichen, «öthigeu Theil de« Trauung-rilueU zu «rklärem Aber ganz unnütz? Ich betrachte dies« Frage, in der der eigentliche Inhalt der 121712, da« ‘Ul pH?CK M2K1 und da« 121 71*10 Tlirasn in möglichst wortgetreuer Umschreibung zusammengesaßt wird, al« eine Ergänzung de« Vorlesen« der Ketudah, die da« Brautpaar nun doch einmal nicht versteht Ich sage: der eigentliche Inhalt der Ketnbah; denn dir Zustcherung der Morgengabe u. f. w., die ja zum Gedächt- «ß de« alten Herkommen« und zur Eonstatirung der bürgerlich-gesetzlichen Natur de» jüd. Ehepakt« bestehen bleiben mag, ist doch in der Thal heut reine Formalität. So lese ich denn, heul wie von je, di« Ketubah 12112^21 ,127122: de» eben bezeichnete» wesentlichen Inhalt, da« Versprechen de» Bräutigani« und die entsprechende Erklärung der Braut, faff« ich in deutsche Worte zusammen und laffe fte durch Ja bestätigen. Auch der Orthodoxeste wird nicht behaupten, daß bei einer Trauung die Worte genügen, auch wenn sie nicht verftauden werdrn, daß «in Paar verbunden sei, wenn der Bräutigam nicht gewußt hat, wa« er sagt und thut, und die Braut nicht, wa« mit ihr geschehen soll, also ist eine Erläuterung in verständlichen Worten unbedingt nothwendig. Aber auch in anderer Beziehung ist die kurz« Zusammenfaffuug der beiderseitigen Pflichten in eine prägnante Formel nicht unnütz. Die Traurede bespricht diese« und jene«, ist allgemein gehalten oder sehr speziell den Berhältniffen angepaßt; wer nicht, sich uud den Hörern zum Ueberdruß, stet« di« allgemeinen Mahnungen wiederholen will, der wird nicht den ganzen Krei« der Pflichten berühren können, und hier und da hält gar einmal jemand eine lang« Rede und hat — gar nicht« gesagt. Daher also die Fragen. — Und da« Ja al« versprechen? E< könnte nicht gehalten werden?l Leider, nur z» wabr! Aber darum thnt man doch da«, ixt« man lhnii kann, und tlinl in solchen Dingen wohl lieber etwa« zu viel, al« zu wenig. Er ist doch gar nicht unmöglich, daß irgend Wem einmal da« in feierlicher Siimmnng und vor theuren Anwesenden aurgejprochene Ja zu guter — cder böser — Stunde mahnend in'« Gedächtniß trete. — Durch da» Gesetz vom Mai ist nun für mich gar nicht« geändert. Ich spreche heut, wo da« Brautpaar auf dem Ralhhause getraut worden, ganz so, wie vor acht Wochen, al« e« auf dem Preisgericht getraut war. Hat mir bi« zuni l. Oktober noch n i e Jemand entgegengehalte»: „Ader die Leute sind ja keine Braut-, sondern Eheleute, und Sie haben nicht erst zu fragen, da e« bereit« abgemachte Sache ist" — so soll auch jetzt keiner auf solche Bedenklichkeiten gestoßen werden, wa« durch Aeuderung d-« einmal Gewohnten erst geschehen würde. Uud dabei würde mir allerdings die Frage und da« Ja nicht an« Herz gewachsen sein, aber daß ich ander« al« von B r a m t * paar, Trauung, Eheschließung u.s. w. reden sollte? Da würde ich e« vorziehei», die 711212 zu sprechen und lein Wort mehr. *1*0 1711 auch hierüber. Berichte uud Correspondeuzen. Deutschland. Au« BreSlau erhalten wir folgend« Zuschrift: .'. In Nr. 46 Ihrer Wochenschrift wird da» verhältniß de« Judenthum« zur Maurerei erwähnt und darüber manche« Richtige gesagt. Erlauben Sie einem anderen jüdische» Maurer einige Bemerkungen, die wohl der Beherzigung iverth sind. Vorerst einen Jrrthum beseitigt, der ziemlich allgemein ist! Da« Maurer'hum legt keinerlei Plichten auf. die irgendwie selbst den orthodoxesten Juden wemgsten« von den niedrigeren sogenannten JohanneSgraden abbalten könnten. (Diese Grade sind die bekannten Symbole Lehrling, Geselle, Meister.) Aber trotzdeni uiöchte ich nach wiederholtem reiflichen Di«cutir«n und Erwägen der Frage, di« Freimauerei wenigsten« für überflüssig für Juden erklären. In ihrem Ursprünge ist diese Institution gewiß christlich. Zwar lehnt sie nach einem nicht unbekannten Rituell vollkommen au da» biblische Judenthnm, namentlich den salomonischen Tempelbau an. hat im dritten Grade z. B geradezu jüdisch -talmudische Observanzen, cf}tr da» sind künstlich hineinverpflanzle Elemente, die a posteriori den jüdisch-salomonische» Ursprung beweisen sollen. Im 18. Grade schottischen Riru« — ich muß in Ausdrücken, die l»em Prophanen etwa« räthselhaft klingen, sprechen — fängt da« Kreuz al« Symbol eine Rolle zu spielen au und wird den rituellen Jude» ei» unübersteigliches Hinderniß bilden. Arer, wie gesagt, in den niedrigen Graden — die drei ersten Grade werden in der Regel nur von hochgebildeten oder hochgestellten Personen überschritten — ist die Maurerei dem Judenthime vollkommen überflüssig. Die Gemüth«- und Herzensbildung mit universelle» Standpunkten, di« in der Maurerei so viel Gute« stisten, sind ,»,« auch schon von der Religion und, veil von Jugend aus, mit heiligeren Erinnerungen und einer wenigsten» eben so sinnreichen Symbolik (unseren Ritualgesesjen) gegeben. Am klarsten beweist da« die Manrerei, wenn sie sich an jüdische« Rituell, an jüdischen Geist in jüdischer Form anlehnt. Schreiber dieser Zeilen hat die« in einer berühmten Loge i» längerem Bonrage auseinander gesetzt und dafür den lebhaftesten Beifall der fast au«schließlich christlihen Zuhörer gcerntrt. „Aber wen» e« nicht» nützt, so schatet'« .‘v.c.- '.ge ^OußSa^mmläti >'» \j,.

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