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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 47. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 47.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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;fT.y »uy»yf|^.-^ — 388 — erwirken. Trotzdem di« Herren mit Empfehlungsbriefen von hochgestellt« r Seite ausgerüstet waren, hat der Herr Cullu»- minister v Lutz, wie er nach Lage der bayerischen Gesetzgebung nicht ander» konnte, da» Gesuch rundweg abschlägig beschieven. Das Interessanteste an der Sache ist, daß der von dcn Orthodoxen in Aussicht genommene Rabbiner sich unter den Mitgliedern der Deputation befand. Wirzburg. Zu den« Bericht über die Berurtheilung de» Redacteur I)r. Rillter (Rr 45) tragen «vir aus dem „Frank. Kour." noch das Curiosum nach, daß der Angeklagte sich hinter die AnSftuchl zu verstecken suchte, der Setzer habe statt „die Christengesetze sollten sich in Jndengesetze verwandeln" — Cyristenh etze und Juden Hetze gesetzt. Conßaaz. Dem „Schw. Merkur" wird von hier aus berichtet: ,.Vicar GlaSstetter in Meersburg lehrte die Schulkinder ein.'» schmutzigen SpottverS auf einen israelitischen Kabrikantcr daselbst. AlS Letzterer klagte, verbot der Vicar, unterstützt von der Lehrschioester Clara Rudigier, den Kindern daoo i zu sprechen, und verniochte Letztere fast inSgesannut zn fatschen Zeugenaussagen vor den« Schöffengericht in Ueberliugen. Da auch die Lehrschwester, welche hätte Aufschluß zeb.n können, trotz ihrer handgelübdlichen Verpflichtungen sol che Aussage machte, ivnrde der Bicar freigesprochen. In zweite: Instanz jedoch bekam er zehn Tage Haft, da einige Kinder reumüthige Geständnisse machten. Es wurde nun Anklage gegen die Lehrschwester wegen falscher Versicherung an CideSstatl erhoben Die dreistündige Verhandlung führte zu einer Schuldigertlärung und Verurtheilung der Angeklagten zu einer zweiinouatlichen Gefängnißstrafe Das Zeugenverhör gewährte traurige Einblicke in die gewiffenlose Be einfluffung der Kinder durch Personen, die das Gebot: „Du sollst kein falsches Zeugniß reden" vor Allem Hochhalten sollten. Aus dem GerichlSlische lag ein schönes Gebetbuch »nt Goldschnitt, welches der Vicar der elfjährigen Hauplzeugin als Lohn ür ihre falsche Aussage versprochen und nach vollbrachter Listung wirklich geschenkt hatte. Solche Zustände bedürfeit keines Eommentars " Tvbiischau, 6. Rov. (Zum Mord im Eiienbahncoupä.) Gestern faad hier das Leichenbegängnis des grausam erinorbeten, allj..en>ein geachteten Kaufmannes E. Kätscher unter großer und lebhaiter Theilnahine säinmllicher Bewohner dieser Stadl und vieler aus der Unlgebung statt. Der Rabbiner vr. Theumann hielt die Leichenrede, wobei kein Auge thränenleer blieb. (Der Mörder heißt nicht Freund, sondern Freut.) Wie» (Legale). Herr Joseph del Sotto hat in seinen» Trstanienl, der israelitischen Culiusgemeinde in Wien nachstehende L gaie hinterlaffen: 23,000 fl. zur Errichtung einer Handwerke-Stiftung, 1050 fl. zur Berthestung an israelitische Arme, 1000 fl. für das israeliiische Spital, 525 fl für sein Grab — Der in Reichenhall verstorbene k. k Börseusensat Herr Simon Klein hat 400 fl und die am 25. April 1874 in Wie,» »eistordene Frau Johanna Abeles 500 fl. zu Gebetstifruugen legirt. — Der Genieinderatb hat der BereinS-Hanptschule „Talmud Tbora" eine Subvention von 300 fl. zukommen taffe» Aus Lembcrg, 31. Oktober, wird der „R. Fr. Pr." als ein kleiner Beitrag zu der Friedhofsfrag: e,ne Reminscenz aus dem Jahre 1840 wie folgt berichtet: „Jnr gedachten Jahr« wnrde» in einem Dorfwirihshause, eine halbe Stunde hinter Kulikow — ein kleines, zwei Stunden von Iteiuberg gelegenes Siädtchen — ein Jude uud eui Christ in Einer Nacht ermordet. Gleich darauf delegirte das Leuiberger k. t Strafgericht eine Commission auf den Thalon, uut de» Bestand zu erheben; die Commission gelangte dorthin und ließ die zwei Leichen zum Behufe der gerichtlichen Seclion nach dem obgedachleu, in der imchstei: Nähe liegenden Städtchen Knlikow bringen. Nach geschehener Obduktion und Unterfertignng des Protokollcs auch von Seiten der hierbei zugezogenen Vorsteher der jüdischen und christlichen Gemeinde fragte der k. k. Criininalrath, wo man die-Letchen zu beerdigen habe. Der d.,beistehende orthodoxe jüdische Vorsteher, Rainen» Raftali Joffel Türk, sagte: „Wa» frage» Sie, Herr Raih? Da ist unweit unser jüdischer Friedhof, soll nian sie znsanlnle» in Einer Grnbe beerdigen." Dieser Vorschlag wurde von der ganzen Cominitsion beifällig ausgeilomnien, und weder von der jüdischen noch von der christlichen Äeineinde wnrde ein Einioand erhoben So ruhen die beiden Getödteien noch bi» zur Stunde genieinschaftlich in Einem Grabe" Ostende Das israelitische Consistorium hat sich an die Slabtbehörde mit der Bille gewendet, ein Drittel der Kosten der projeclirlen Synagoge auf die Stadtlaffe übernehmeu zu wollen. (Eine jüdische Genteinde ist i» Ostende nicht, die Synagoge ist hauptsächlich nur für die Badegäste Bedürsniß.) Das Gesuch stand am 5 Ociober zur Debatte. Der Bürgermeister sag:e, das Coilsistoriui» habe nur einen Platz zur Synagoge erbeten und erhallen, von Gelbbeisteuer sei bisher keine Rede gewesen Mail habe zwar einen Theil der Baukosten einer angäkanischen Kirche übernommen, aber die englische Cownie wohne das ganze Jahr in Ostende, die Jude» nnr wahrend der Badesaisou, sie seien auch reich genug, um ihre Synagogen aus eigene Koste» erbauen zu können. Mehrere Redner widerlegten dem Hrn. Bürgermeister: „Wenn die Juden reich sind, desto bester für sie. die Katholiken sind auch nicht arm! Belgien erkenne die Gleichheit der Culte an, es gebe keine 2taa:sreligion, w.iS nun Katholiken und Anglikanern bwllllge, dürfe mau den Israeliten nicht versagen. Es känien sehr viele Inden im Sommer nach Ostend«, es würden noch mehrere kominen, weil» eine Synagoge vorhanden sei ES liegt also im Jnlereffe der Stabt, einen Geldbeitrag zu bewilligen, ohne vorläufig eine Suinme zu bestimmen. In dieser Formulirung wird der Antrag angenommen Stvckholm Herr» Rektor Valentin, ilnseriu, um die Synagogenangetegeuheile» unserer Gemeinde sehr verdienten, Vorsteher, ist der llnteriicht der königlichen Prinzen in der deulichen Sprache übertragen worden Erfreut sich auch Herr Valentin eines ausgezeichneten Rufes als Sprachlehrer, io wurde es doch in unseren jüdischen Kreisen mit großer Genngthung begrüßt, dag man da, wo ee au einer Auswahl chrrstttcher Beiverber sicher nicht fehlte, einem Judeil diesen Vertrauensposten angelrageil hat Was aber hierbei besonder« Hervorgehoden zu weroen verdient, ist der llinstand, baß Herr Rektor Valenliii ausorückilch erklärt hat, nur in dem Falle den Unterricht übernehme» zu woll.il, wenn derselbe ihn in leine Eolllsio» mit seine» religiösen Angelegenheueu, mit dem B.such des Gotlesoienstes a.» Z.ibb.iih und Feiertage» bringt. Man ist auch dieser Bedingung derettwiltigst eillgegengekommen. — Eine andere Auszeichnung ist unjerm Gemeiiloemllglleoe, Herr» Simon Sachs, Chef eine» der großartigsten GeschäflS-Etabiissemenls Schweden«, zu Theil geworden. In Anerkennung seiner hervorragende» Verdienst« um die Industrie und besonders um die Einführung deutscher Fabrikate nach hier, verlieh lyiit der Herzog von Coburg Gotha das Ritterkreuz de» Ernestinischen HanSorden». (A Z. F I.) Rumänien In unserer Nr 43 haben wir eine Notiz über eine ui dein RegiernngSblatte „Preffa" veröffentlicht« Erklärung rumäulscher Israeliten gebracht und nach der „R Fr. Pr." hinzugesugt, dieselbe mahne stark an bestellte Arbeit. Die „N Fr. Pr." veröffentlicht nun eine Verwahrung der Unterzeichner jener Eiklärung, welche beweisen soll, daß die Erklärung nicht bestellt sei und in der Thal beweist, daß sie — viel zu erbärmlich ist, um von einer Regierung bestellt sein zu können. Sie leistet an niedriger Gesinnung sehr Bedeutendes, ist aber saminl ihren Unterzeichnete» viel zu unbedeutend, als daß wir mit Abdruck vou einzelnen Sätzen Paprer verschwenden sollte,».

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