Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 38? — unsere »Brüder in aller Welt, gleichviel, ob da- Oberhaupt Präsident, König oder Kaiser heißt — und da habe» wir beschloffen, gemeinsam eine Glückwunschadreffe an Ew. Exc. zu unterzeichne». — Der Sprecher dank» daun dem Präsidenten für die den Israeliten gewährte Toleranz, die zwar noch nicht landcSgesetzlich garanlirl sei, aber in vollem Maße faktisch ihnen eingeräunit werde. — (Wir vermuthen, daß die Jörarliie» in Per» sich nicht al- Gemeinde constituiren können und daher als WohlthätigieitSoereiu zusaiumeutreten Oder ist eS wirklich eia Ehemra Kadischa? vgl. den folgenden Bericht au» B A) An einer anderen Stelle b richtet das genannte süd-amerikanische Blatt, daß Hr. Henry MciggS dem iSr. WohlthäligkeitSverein z» Lima ein Stück L»nt> zum Friedhof geschenkt habe. Wir knüpfen hie» an einen anSsührlichen Bericht über die (znm Schluß der vor. Nr bereits gemeldete) Eonstitu ru»g der Gemeinde zu Buenos AyreS nach einem von dort an die Red deS „Veff. J»r." gerichteten Schreiben von» II Äug d. I.: Die in Buenos AyreS »niässigen Juden hatten dir jetzt keine feste Synagoge, sonder» nian pflegte zu den höchsten Feiertagen und bei ander» besonders wichtigen Gelegenheiten einen Betsaal in irgend einem Privaihause oder einer auf kurze Zeit gemietheten Ränmlichkeit zu iinprooisiren. Nunmehr aber. Dank der Freigebigkeit und dem Elser eines au» reichen GtaubenSgeuojsen, Engländern, Deutsche», Polen, Nordamerikanern und einkin genuesischen Banquier zusammengesetzten Vereines, besitzt auch die Hauptstadt der argentinsischen Republik einen schönen israelitischen Tempel für die Dauer. Nach Vollendung des heilige» Gebäudes berief die leitende Eommission des Vereins mittelst der Localzeituugen sämiutliche Israeliten der Stadt zn einer außerordentlichen Versammlung auf de» 9. Aiigust Dieselbe fand in dem »euerbauten Tcmpel statt, der übrigens sehr schön gelegen ist. Man zählte mehr als hundert Anwesende, worunter drei Italiener. Der Präsident der Commission eröffncte die Sitzung mit einer rührende» Ansprache, in welcher er der Freude Ausdruck gab, sich von so vielen Glanbenibrüdern au« allen Ländern umgeben zu sehen, um denselben anzeige» zu können, daß innerhalb dieser heiligen, eben erst erbauten Mauern die herannahenden hohen Feste r.en überkommene» Bräuche» entsprechend gefriert werden würde». Nachdem er zu sprechen aufgehört hatte, beschloß die Versammlung nach kurzer DiScussio», daß die Einweihung des Tempels mit feierlichem Pompe und wo möglich in Anwesenheit deS Präsidenten der Republik am ersten ReujahrSabende, den II. September stutlftiide», und da» GotteShanS gewöhnlich durch zwei Stunden im Tage, an den Renjahrtfeiertagen und am Versöhnungsseste aber von Früh bi« Abend, in jenen Zeiträumen endlich, wo Epidemieen herrschen würden, Tag und Nacht geöffnet bleiben sollt», damit im Falle eine« solchen unseligen VerhängniflrS den Frommen Gelegenheit geboten wäre, sich in das BelhauS zu begeben, zu welcher Stunde immer sie die Muße odef das Bedürsniß zu beten hätten. Im weitere» Verlause der Beralhungen wurde der Grund zu einer Gemeinde gelegt und einstweilen ein Verein gebildet, deffen Mitglieder sich verpflichteten. 85 Piaster (4 Mart) monatlich zu zahle», uni die Kosten des Eultus zn tragen, für die Eeremonie der Beschneivung, für den Beistano am Sterbelager und sür die Bestattung der Dahiugeschiedcuen nach jüdischem Ritus zu sorge». Ein reicher Pole überiiahm die Funktionen eines Rabbiners und ersten Vorbeters in der neuen Synagoge und versprach, der im Entstehen begriffenen Gemeinde ein ihm gehöriger Grundstück, nicht weit von der Stadt, zu schenken, uin dasselbe in einen Friedhof nmzuwandetn. Damit aber mit der Einrichtung deS Enllus auch die Wohlthäiigkeit Hand in Hand gingen, die ja eine der wichtigsten Kundgebungen des religiösen Gefühles ist, und bisher zu allen Zeiten einen unserer rühmlichsten Vorzüge gebildet hat, wurde beschloffen, ein Capital zu sammeln, um diejenigen Glaubensgenossen, die in Folge von Krankheit, physischer Arbeitsunfähigkeit oder anderer Unglücksfalle in Roth geralhen sollten, Hilfe zu leisten, wie auch, uin jenen, die sin Handwerk treiben wollte», die nöthigen Werkzeuge dazu an die Hand zu geben. Um da» qesammle Vereiilsoei mögen zn ordnen und zu verwalten, wurde ein wirklicher Vorsitzender, ein Secre-är und ein Kassirer gewählt, die mit Glück-gütern reich gesegnet, ihre Aemter unentgeltlich und mit jener Autorität bekleiden werden, die in einer Angelegenheit von solcher?l«diuluuh erforderlich ist. ES ist dies ein wichtiges Ereigniß, wohl würdig, vermerkt zu werde», welches die Glaubenrgenoffen von La Plata in hohem Grade ehrt, die aus freien Stücken und eigenem Antriebe sich zn einer Gemeinde constituirte», um ihren Pflicht en »IS Israeliten genüg.» zu können. Wenn Gott die?dlen Bestrebungen jener Eingewanverten segnet, so wird die im Entstehen begriffene Gemeinde zweifellos sehr bald blüh« nd und gedeiblia, sich entfalten, zu der sittlichen Förderung eine» beträchtlichen Theiles der Einwohner beitragen und wohl auch zum Muster dienen können für unsere ÄlaubenSbrüder in anderen Städte». Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. El» Correspondent des „Jen,. Mess." berichtet denl New Aorker Blatte, daß er am 30 Sept. dem Sonntaz»- GotteSdienste in der JohanniSstraßen-Synagoge (der f g. form") beigcwohnt und dort nur 10 Personen angetrossen habe. — DaS war freilich am Tage vor Jomkippur; iver diesen Tag begehen will, braucht keinen SouutagSgotle«- dienst vorher, und wer jene« nicht will, der — braucht diesen erst recht nicht. — Professor Dr. Hirsch ist zum Decan der medizinischen Fakultät erwählt; da» erstemal, daß solche Ehre einem!)»- raeliten zu Theil wird, d. h. in Deutschland; in der Schweiz fungirte Prof. Valentin al» Dekan (oder Rector?) und au« Holland ist, wen» wir un» recht entsinnen, Sehnliches vor Jahr und Tag berichtet worden. Prof. Hirsch ist Mitg ied der ReichS-Eholeracommission. bl. Pinne, den 7. Novbr. (Or.-Eorr.) Unter recht zahlreicher Betheiligung der Mitglieder hielt da» hiesige Local- Eomitr der Alliance Israelit« Universelle heute die zweitjährige Generalversammlung ab. Alle Anwesenden sprachen mir Anerkennung über die Thätigkeil der Alliance und deren Erfolg, und freute» sich, daß ihre Beiträge mit Hinzurechnung der Geschenke diejenige» deS Vorjahre» von über 84 Thlr. überstiegen haben Die Mitgliederzahl, die schon die Höhe von 84 erreicht hatte, hat sich zwar durch den Tod und durch da« Verziehen nach andern Orten auf 27 reducirt, doch berechtigt die Wahl eine» Propaganda-Eomite», bestehend aus den Herren Leopold Lippmann, Taffel Alexander und Bernhard Levy, zur Hoffnung, daß die Zahl der Mirglüder bald um ein Bedeutende» sich vermehren wird. Guefen. Die Inspektion der hies. jüdischen Volksschule ist von der Regierung dem Rabb. Dr. Horowitz übertragen worden. Lübeck. Hr. Dr. Schönfließ (Israel.) ist zuin Direktor der hier zu begründenden Gewerbeschule berufen. Ders.'lbe ist er» vor Kurzein al» Lehrer a» der Gewerbeschule zu Elderfeld angestellt worden. Sonst und jetzt! — und für Lübeck, welches »» Sept. 1815 die Juden wieder ausgetrieben und erst 1848 wieder aufgenomnien hat, ist das Sonst eben noch mcyl alt. Fürth, 9 Roveniber. (Or.-Eorr.) Eine Deputation der hiesigen Orthodoxen begab sich vor einigen Tageil nach München, um sich der dem königl. EultuSministerium die Erloubniß zur Anstellung «ine» eigenen orthodoxen Rabbiner» zu